Donnerstag, 28. August 2014

Vom Winde verweht

Dieser Post stellt nur meine Meinung dar. Ich nehme teilweise etwas vorweg (u.a. wegen der hohen Seitenzahl), spoilere aber nicht direkt die Handlung.


 
 



Vom Winde verweht handelt von der kleinen, armen Scarlett, die jeden Mann haben könnte, außer den, den sie liebt. Der heiratet nämlich eine andere. Davon fühlt sich die liebe, verwöhnte Scarlett, die sonst immer alles kriegt, was sie will, so gekränkt, dass sie einfach den Nächstbesten heiratet um ... Na ja, um mit Trotz auf die Heirat ihrer großen Liebe zu reagieren. Sinn???
Leider, leider bricht zu diesen Zeiten (wir befinden uns im 19. Jh) der Krieg zwischen dem Norden und dem Süden der USA an und dieser Krieg bedeutet einen großen Verlust für Scarlett. Zwar erst nach 200-300 Seiten, aber nun gut. Prinzipiell handelt ein Großteil des Buches von dem Krieg und seinen Folgen für unsere arme, hilflose Scarlett und zwar sehr detailliert und zugleich so, dass mir das Wissen im Geschichtsunterricht auch nicht viel bringen würde.
Na gut, ein bisschen. Allerdings eher über das damalige (Adels)-Leben. Das ist der Vorteil an historischen Romanen. ^^ Obwohl ich teilweise schon ein wenig von der Niederstufung der Schwarzen schockiert war.
 
Kommen wir doch einfach mal zu meiner Erwartung. Ich habe mir dieses Buch ausgeliehen, weil es bekanntlich ein Klassiker ist, daher in gewisser Weise zu den Büchern gehört, die man mal gelesen haben sollte und außerdem erwartete ich eine romantische Liebesgeschichte, die sich zwischen - das hatte ich mittlerweile mitbekommen - Scarlett O´Hara und Rhett Butler abspielt. Soweit, so gut. Als ich das Büchlein dann in den Händen hielt, war ich doch überrascht von der Dicke von 925 (!!!) Seiten, bei zudem recht kleiner Schrift. Klingt nicht verlockend, ist aber eine Herausforderung. Ich hatte die gebundene Ausgabe mit 925 Seiten. Die Taschenbuchausgabe ist laut Verlagsseite 1120 Seiten dick.
Letztendlich kann ich sagen, es ist KEIN Buch, das man gelesen haben muss, die Liebesgeschichte zwischen besagtem Paar befindet sich nach 700 (!!) Seiten immer noch in den Anfängen, von Romantik ist auch nicht viel zu spüren und ich habe fast die ganze Zeit darüber nachgedacht, das Buch abzubrechen.
 
Das lag einerseits am Schreibstil, andererseits auch wieder nicht. Prinzipiell lässt sich der Schreibstil dafür, dass er von 1936/37 ist, relativ flüssig lernen. Natürlich muss man sich erstmal an die altmodische Sprache gewöhnen, aber wenn man sich darauf einlässt, kann man auch durchaus flüssig lesen.
Die negativen Seiten lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Langatmigkeit. Das Buch hätte bestimmt auf die Hälfte gekürzt werden können, wenn man die ganzen Ausschweifungen weggelassen hätte. Wie oben bereits erwähnt, wird der Krieg und seine Folgen detailliert beschrieben, und ich war irgendwann absolut gelangweilt. Vor allem, da die erhoffte Liebesgeschichte erst auf den letzten 150 Seiten oder was das war seine Blüte erreichte. Aber okay, wir lesen die angepriesene, verfilmte, berühmte Liebesgeschichte doch gerne, nachdem wir uns vorher 750 Seiten des genauen Lebenslaufes von Scarlett O´Hara inklusive Charakterentwicklungen, auf die ich später zurückkomme, und irgendwelchen anderen irrelevanten Ereignissen angetan haben. I´m NOT amused.
Außerdem neigt die Autorin zu ausschweifenden Beschreibungen. Die gefühlt hundertste, über den Großteil der Seite gehende Beschreibung von Scarletts heimatlichem Gut Tara habe ich dann irgendwann nur noch flüchtig überflogen.
Na ja, und Spannung kam auch nie wirklich auf. Meist wird die Geschichte aus Scarletts Sicht erzählt, dann rutscht die Autorin wieder in die allwissende Erzählperspektive, was mich ein wenig irritiert hat.
 
Und wieso hat mir niemand erzählt, dass es sich um ein fucking (sorry) Liebesdreieck handelt??!???
Wobei der erste Mann davon den Großteil des Buches einnimmt. Und nein, bei dem handelt es sich nicht um den umschwärmten, angepriesenen Gegenpart Rhett Butler, sondern um Scarletts unerwiderte Liebe, was sie aber prinzipiell nie einsieht, und ... lest selbst. Oder erspart euch das einfach. -,-
 
Hauptgründe Nummer 1-10, dieses Buch abbrechen zu wollen, ist unsere liebe, arme, kleine Protagonistin. Spätestens nach 100 Seiten war sie mir unsympathisch, nach 200 Seiten hatte ich das konstante Bedürfnis, ihr eine zu klatschen und nach 500 Seiten packte mich die Mordlust.
Scarlett O´Hara ist egoistisch, verwöhnt, selbstsüchtig, eitel, egoistisch, überheblich, arrogant, selbstsüchtig, eingebildet, stolz, egoistisch, egozentrisch, ich-bezogen, selbstherrlich, unehrenhaft, egoistisch, naiv, dumm, ausnutzend, egoistisch, einfältig, herzlos, egoistisch, kindisch, kalt, eigennützig, egoistisch, egoistisch, egoistisch ...
Ehrlich, das Mädel denkt nur an sich. Ihre Mitmenschen gehen ihr am Allerwertesten vorbei. Auf Seite 410 habe ich das erste Mal erlebt, wie sie auch nur einen Funken Gedanken an einen anderen Menschen verschwendet hat und das wäre für jeden von uns selbstverständlich, aber das war wirklich nur ein Funken, denn sie. Denkt. Nur. An. Sich. Immer.
 
Ich habe noch nie so eine egoistische Person gesehen/ bzw. von ihr gelesen. Sie denkt wirklich immer nur an ihren eigenen Vorteil, an das, was sie will, egal, was sie damit kaputt macht oder wie es andere Menschen dabei geht. Auf Seite 725 (!!!) empfindet sie das erste Mal ein wenig Reue ........ und der Egoismus bleibt trotzdem .....
Ein Beispiel ist Melanie. Melanie ist einer der liebsten, sanftmütigsten, aufopferungsvollsten, freundlichsten Menschen, die sich nur mit dem Wort selbstlos beschreiben lässt. Sie denkt kaum an sich selbst, nur an ihre Mitmenschen, versucht, in allen Menschen etwas Gutes zu erkennen (auch wenn sie dadurch teilweise ein wenig naiv wird) und will ihren Mitmenschen immer helfen. Auch Scarlett. Aber die denkt nur schlecht über Melanie, verspotte sie in Gedanken, nutzt sie aus ... Das tut im Herzen weh.
Scarlett nutzt jedes noch so unehrenhafte Mittel, um an ihr Ziel zu kommen und - das Beste - sie kriegt auch noch immer, was sie will. Und die Leute denken auch noch, was sie doch für ein armes Mädchen ist und machen sich Vorwürfe ihretwegen und ... ARGH. Kann. Jemand. Diese. Bitch. Bitte. Mal. Gegen die Wand laufen lassen???
 
Klar, sie hat viel verloren und sie hat es schwer und alles. Aber das entschädigt nicht ihr egoistisches Verhalten. Zugegeben, sie hätte durchaus Potenzial. Die Sitten der Frauen damals regten in mir die  Feministin und Scarlett ist um einiges stolzer, eigenständiger und emanzipierter als die anderen Frauen in ihrem Umfeld. Aber ihren Stolz vergisst sie auch mal schnell, wenn sie dadurch an ihr Ziel angelangt, was mich dazu anregte, mich am liebsten unter der Decke zu verkriechen und angesichts so wenig weiblichen Stolzes zu weinen. Und ihr Egoismus zerstört sowieso alles.
Und Charakterentwicklung? Die wird zwar groß angepriesen, und ja, vielleicht ist sie ein wenig härter geworden (darf gerne auch im Sinne von "hartherzig" verstanden werden), aber im Prinzip bleibt sie dieselbe egoistische Person.
 
Scarlett-bitch trifft also schon relativ am Anfang des Buches auf Rhett Butler, ein Macho, wie er im Buche steht. Er sollte wohl einen attraktiven Bad Boy darstellen, hat alles was sich ein Mädchen wünschen kann (Geld, gutes Aussehen, eine Vielzahl von beeindruckenden Fähigkeiten, intelligent, schlau, ist immer da, wenn man ihn braucht) und ist dabei das schwarze Schaf überall, zynisch, arrogant und ... egoistisch. Yep, ähnlich egoistisch wie Scarlett, was dafür sorgte, dass ich ihn genauso wenig mochte, auch wenn er der Einzige war, der Scarlett hin und wieder vor den Kopf stößt. Na ja, zugegeben, ich mochte ihn immerhin mehr als Scarlett. Die beiden sind das Traumpaar schlechthin (gleich und gleich gesellt sich gern), aber das merken die beiden leider erst SEHR spät. Ich verweise auf die letzten 150-200 Seiten. Juhu.
Die Dialoge zwischen Scarlett-bitch und Macho Rhett hätten durchaus amüsant sein können, wären mir die beiden Beteiligten nicht so verdammt unsympathisch gewesen.
 
Tja, und dann das Ende. Und man fragt sich, wozu man sich diese 925 Seiten eigentlich angetan hat. Ich suche übrigens noch den Titelbezug, über entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Fazit: Unglaublich egoistische Protagonistin, langatmige Ausschweifungen und kaum Romantik.
 
 
 
 
 
Ich bezweifle gerade, dass sich irgendjemand meinen kleinen Abrege-Roman bis zum Ende durchgelesen hast. Wenn doch, darfst du dir meiner tiefen Dankbarkeit sicher sein.
 
Übrigens gebe ich zu Klassikern ungern eine Bewertung ab, aber ich wüsste nicht, ob das noch zwei Büchlein oder schon eins wäre. Da ich aber fast die ganze Zeit am überlegen war, es abzubrechen, vermutlich eher eins.
 
 
Habt ihr Vom Winde verweht schonmal gelesen oder den Film gesehen? Wie fandet ihr es?
 
 
Weitere Informationen zu dem Buch & Quelle Cover: *klick*


10 Kommentare

  1. Hey, nichts zu danken! Ich fand die Rezension toll und fühle mich total dazu angeregt, diese Scarlett-Bitch mal kennen zu lernen :D
    Spaß, war aber eine tolle und unterhaltsame Rezension und ich will das Buch wirklich noch lesen. Aber als eBook vielleicht, sonst tun mir die Händchen weh! ^-^ (bin fast so schlimm wie S-B oder?)

    Ich glaube ja, dass es Absicht war, dass Scarlett als eine solche egoistische Person dargestellt wurde. Sie sollte, die Südstaaten und alles was für die Südstaaten steht repräsentieren.
    Den Film habe ich gesehen und fand ihn eigentlich super, wer kennt nicht den legänderen Satz: Frankly my dear, I don't give damn.

    Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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    1. Trotzdem ein großes Danke! ♥
      Tu, was du nicht lassen kannst, vielleicht gefällt es dir ja wider Erwarten. ^^ Ich hatte nicht direkt das Gefühl, dass es extrem schwer war (die Seiten waren ziemlich dünn), aber vielleicht wirkt es als E-Book nicht so entmotivierend. xD
      Nein, du bist nicht so schlimm. Nicht mal fast. Erstens wäre das eine beachtliche Leistung und zweitens - wie kommst du darauf? :O

      Vielleicht sollte das Ganze einen tieferen Sinn mit einer tieferen Botschaft sein. Mir auch egal, denn daran, dass es meinen Lesegenuss sehr stark geschmält hat, ändert das auch nichts. Nichts gegen Botschaften und so, aber irgendwo sollte Lesen auch noch Spaß machen. ^^
      Hm, vielleicht ist es als Film erträglich. Oder du bist offener/ toleranter als ich, was unsympathische Protagonisten angeht. ^^

      Danke, dir auch ♥♥♥

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    2. Weil ich gemeckert habe, dass ich keine schweren Bücher tragen möchte xD

      Dana, bin ich tolerant gegenüber unsympathischen Protagonisten? Du kennst meine Rezensionen xD Ich bin nur froh, dass die Leute nicht leben. Sonst hätte ich sehr viele von ihnen zu Tode gemobbt.

      Ich mag den Film, da der Rhett Schauspieler so toll ist ^-^

      Ganz liebst ♥♥♥

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    3. Wer will das schon? ^^

      War ein Erklärungsversuch wert. xD Außerdem sind deine Rezensionen u.a. deswegen immer unterhaltsam. Und sein wir mal ehrlich ... viele haben das doch auch verdient. xD

      Clark Gable rettet "Vom Winde verweht". Vielleicht sollte ich mir den Film doch antun. xD

      Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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  2. Also ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass das Buch nur so 250 Seiten hat!? :D

    Und deine Charakterbeschreibung von Scarlett. Herlich! xD aber mal ehrlich: was ist das für ein scheiß Charakter? Und dann auch noch als hauptperson. Oh Gott. Grauenvoll! :D

    Hach, super Rezension Dana! <3

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    1. Ich musste auch schlucken, als ich es in den Händen hielt und die riesige Seitenzahl registrierte. :D

      Alle genannten Adjektive treffen irgendwo zu. -,- Ich weiß es nicht. Ich hätte für eine so gepriesene Liebesgeschichte auch etwas anderes erwartet, aber sie war echt die schlimmste Protagonistin, die mir je über den Weg bzw. über die Seiten gelaufen ist. Wie du sagst: Grauenvoll! ^^

      Danke!! *rotwerd* ♥

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  3. Was für ne Ansage :D Das ist der Grund, warum ich Klassiker nie gut finden werde xD Es ist irgendwie bei jedem so, den ich bisher gelesen habe. Für die Verhältnisse, die herrschten als das Buch erschienen ist, muss es ziemlich gut gewesen sein. Aber jetzt herrschen halt andere Situationen!
    Ich mein, Goethe und Co. sollen der größte Dichter Deutschlands sein? WTF! Ich finde ja, die Storys haben durchaus einiges Potenzial, aber es ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und ich finde, unter den ganzen Lobhudeleien, die die ganzen (schon ewig toten!) ach so tollen Autoren abkriegen, gehen die noch lebenden Autoren eeetwas unter. So, das war jetzt gaaar nicht abgeschweift und verallgemeinert, aber egal xD
    Ich muss sagen, ich fand Scarlets Beschreibung seeehr amüsant :DD Konnte mir richtig die arme Dana vorstellen, wie sie Scarlet beim Lesen am liebsten anbrüllen würde :'D

    ♥♥♥

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    1. Müssen damals traurige Verhältnisse gewesen sein ... xD
      Es gibt ja auch gute Klassiker. Black Beauty, zum Beispiel. (Zählt das? ^^) Aber du hast Recht, die Ansprüche ändern sich. Ob zum Guten oder zum Schlechten sei mal dahin gestellt. Eigentlich ist es wie bei den Künstlern: Die toten werden in den Himmel gelobt und die aktuellen gehen dabei unter. (Wobei Schreiben in meinen Augen auch eine Künstler-Tätigkeit ist. ^^)
      Freut mich, dass es dich wenigstens unterhalten konnte. Dann hatte das Durchquälen ja wenigstens einen Sinn. ;) Anbrüllen war noch einer der harmlosesten Dinge, die ich am liebsten getan hätte. -,-

      ♥♥♥♥

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  4. "Vom Winde verweht" habe ich noch nicht gelesen. Generell finde ich aber, dass viele Klassiker überbewertet werden ^^
    Andererseits habe ich grade Anne of Green Gables gelesen und fand es wunderbar ^^

    LG Lena

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    1. Stimmt, oder, wie Miss Duncelbunt es schon angedeutet hat: Die Ansprüche ändern sich im Laufe der Zeit. ^^
      Das Buch habe ich vor einer ganzen Zeit mal gelesen und fand es glaube ich auch gut. ^^ Es gibt ja auch gute, zeitlose Klassiker. ;)

      LG :)

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