Donnerstag, 18. September 2014

[Rezension] Die Worte der weißen Königin

"Ich wollte nicht, dass irgendwer starb. Sterben war eine zu schreckliche Sache." (Seite 151)

Autor: Antonia Michaelis

Verlag: Oetinger

Seiten: 272

Erscheinungsdatum: August 2011

ISBN: 978-3-7891-4291-8

Gebunden mit Schutzumschlag; 14,95€

Taschenbuch; 7,99€





Klapptext:

Niemanden beneidet Lion mehr als die Seeadler, wenn er sie beobachtet, wie sie hoch am Himmel kreisen, so frei und glücklich. Bei ihm zu Hause in dem Dorf an der Ostsee gibt es nicht viel, auf das man neidisch sein könnte. Immer häufiger verwandelt sein Vater sich im Alkoholrausch in den gewalttätigen schwarzen König, der Lion misshandelt. Als er es nicht mehr aushält, flüchtet Lion in den Wald zu den Adlern. Doch das Leben dort ist hart und immer wieder denkt Lion an die weiße Königin, die alte Frau, die ihm einst so wunderbar vorgelesen hat. Durch sie hat er den Zauber der Worte, ihre Wärme und Kraft entdeckt …

Äußere Erscheinung:
 
Ich mag das Cover, weil es ein bisschen die Stimmung des Buches einfängt. 
 
Meine Erwartung:
 
„Der Märchenerzähler" von der Autorin konnte mich bereits überzeugen, sodass ich weitere Bücher von ihr lesen wollte.
 
Meine Meinung:
 
Es ist schwierig, dieses Buch in ein Genre einzuordnen. Es ist kein Fantasy, aber es ist auch nicht immer realistisch. Immer wieder vermischt sich Traum mit Wirklichkeit.
Man muss sich darauf einlassen, aber wenn man das tut, dann kann man sich von der märchenhaften Atmosphäre mitreißen lassen. Vieles erschließt sich dem Leser schnell, einige Dinge lassen sich nicht erklären. Genau das macht diesen besonderen Stil aus, den ich mochte.
 
Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt: Lion wirkt für seine zehn Jahre manchmal fast ein wenig zu naiv. Andererseits kommt er auch aus einer bildungsfernen Schicht.
Als Erwachsener aus der einfachen Sicht eines Kindes zu schreiben und seine Gedanken darzustellen ist ein Kunststück, das Antonia Michaelis gelungen ist. Sowohl in Lions Rückblick als Fünfjähriger als auch später als Zehnjähriger schafft sie es, seine Gedanken authentisch und nachvollziehbar darzustellen, sodass der Leser mit ihm mitfühlen kann.
 
Die Gefühle werden gut übermittelt und am Ende hatte ich sogar Tränen in den Augen. Ich war oft schockiert über diese brutale Gewalt gegenüber einem unschuldigen Kind.
Kindermisshandlung ist ein ernstes Thema, dass von der Autorin schockierend vermittelt wird. Gleichzeitig zeigt sie aber auch Motive auf und das Ende war ganz in ihrem Stil (soweit ich das nach zwei Büchern beurteilen kann ^^) überraschend, aber doch irgendwie realitätsnah.
 
Es gibt nicht viele Charaktere, im Vordergrund steht Lion auf seiner Suche nach einer alten Frau, die ihm früher vorgelesen hat und die er bewundert, während er gleichzeitig vor seinem gewalttätigen Vater flüchtet. Auf seinem Weg begleiten ihn in erster Linie die ihm zutraulichen Seeadler. Dennoch sind alle Charaktere vielschichtig aufgebaut und haben ihre eigene Geschichte.
 
Der Schreibstil ist bildlich und gleichzeitig auch irgendwie schlicht, auf jeden Fall aber flüssig zu lesen. Es ist nicht direkt eine ereignisreiche, riesige Spannung vorhanden, eher eine unterschwellige, zum Weiterlesen drängende.
Es gibt einige Metaphern, wie zum Beispiel die des schwarzen Königs, aber auch die des Seeadlers. Dabei wirkt die Geschichte trotz der verschwommenen Traumaspekte durchdacht.
 
Fazit: Ein Buch voller Metaphern über ein ernstes Thema, eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit.


 


Quelle Cover & Klapptext: Oetinger

10 Kommentare

  1. Schön dass es dir gefallen hat *-*
    Ich liebe den Michaelis-Schreibstil ♥

    Liebe Grüße :D

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  2. Guten Abend, werte Dame :D
    Die Autorin schreibt (so meine ich) Bücher, die man nicht so leicht einordnen kann.
    Jedenfalls schreibt sie interessante Bücher. Wobei ich normalerweise nicht so sehr mag, wenn Bücher aus der Sicht von Kindern geschrieben werden (außer es sind Kinderbücher), da die Kinder unglaubwürdig erscheinen. Nicht immer, aber doch recht oft.
    Den Märchenerzähler habe ich mir jetzt bestellt. Es wird Zeit, dass ich es endlich mal lese :D

    Liebste Grüße & wundervolle Rezension ♥♥♥

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    1. Guten Abend, Liebes! :)
      Ja, das stimmt. Ein relativ spezieller Stil und mit Sicherheit Geschmackssache. ^^
      Und oh ja, sie sind interessant. Wie gesagt, Lion zeichnet seine Naivität aus, aber genau das trägt zu dieser märchenhaften, träumerischen Atmosphäre bei. Und gleichzeitig wirkt er auch authentisch. Vermutlich auch Ansichtssache. ;)
      Oh ja. ;P Ich bin gespannt, wie du ihn findest und habe die Vermutung, dass du die Szene kritisieren wirst, die alle kritisieren. xD

      Danke! *verlegen*

      Ich wünsche dir noch einen wundervollen Abend! ♥♥♥

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    2. Guten Abend :)

      Ich weiß bereits von der "Szene". Da wurde ich vor langer Zeit nicht gerade subtil gespoilert ~.~
      Aber die Umsetzung interessiert mich dennoch. Mal schauen, wie ich das Buch bewerten werde :D

      Liebste Grüße, lesereicher Abend und schönen Schlaf (für später) ♥♥♥

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    3. Is ja scheiße. :/ Spoiler sollten gesetzlich verboten werden, sofern man nicht einverstanden ist. ^^ Aber gut, dann bist du ja vorgewarnt und ansonsten ist das Buch wirklich toll. *-*

      Danke, dir auch! ♥♥♥

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  3. Ich muss dringend mehr Bücher von ihr lesen. Den Märchenerzähler fand ich ja auch so unglaublich gut *-*

    Liebste Grüße. :)

    P.S.: Ich habe mir gestern Anna im Kleid geholt :D

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    1. Dito. *-* Als nächstes steht "Solange die Nachtigall singt" auf meiner Liste. ^^

      Mist. So langsam sollte ich mal zu sehen. xD Wieso seid ihr nur alle so schnell?? ^^

      Ganz liebe Grüße ♥

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