Dienstag, 16. Dezember 2014

Drachen der Finsternis

„Es ist nicht unsere Schuld“, sagte Christopher langsam, „aber es ist an uns, die Dinge zu ändern.“ (Seite 290)



Autor: Antonia Michaelis
 
Seiten: 448
 
Erscheinungsdatum: 01.01.2008



 
Verlag: Loewe

ISBN: 978-3-7855-5989-5

Gebunden mit Schutzumschlag; 4,95€

 
Verlag: Fischer
 
ISBN: 978-3-596-81014-7
 
Taschenbuch; 9,99€



Äußere Erscheinung:
 
Hierzu verweise ich einfach mal auf den mittlerweile leider nicht mehr aktuellen Blog der Autorin, die das am besten ausgedrückt hat: *klick*
 
Meine Erwartung:
 
Ich entwickele mich allmählich zu einem Antonia-Michaelis-Fan und als ich das Buch, das ich vorher nicht kannte, zufällig als Mängelexemplar entdeckt hatte, konnte ich nicht widerstehen.


~ ~ ~
 

Kennt ihr diese Geschichten, die es auch früher gerne in Schulbüchern gab, die nach einer spannenden Geschichte auf dem Höhenpunkt auf einmal mit den wundervollen Worten und dann wachte ich/ er/ sie/ es auf und alles war nur ein Traum enden? Ich habe ziemlich schnell Aggressionen gegen dieses Konzept entwickelt. Einfallslos.
Diese Geschichte ist das genaue Gegenteil davon. Sie endet nicht als Traum. Sie beginnt als einer.
 
„[...] Ich meine, natürlich ist dies ein Traum und ich werde bald daraus aufwachen, aber solange ich ihn träume, kann ich ihn ebenso gut mit dir zusammen träumen.“ (Seite 43)
 
Das Buch wurde von Antonia Michaelis geschrieben und wer ihren Stil kennt, der weiß, dass sie sich zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt. Der Leser weiß nie, was real ist und was nicht, aber spielt das überhaupt eine Rolle?
 
... und wo liegt die Grenze zwischen Irdischem und Unirdischem? (Seite 308)
 
Dabei wirkt das Buch zu keiner Zeit konfus oder absonderlich. Es ist weder Traum noch Realität. Der Leser merkt schnell, dass es nicht einfach ein Traum ist, aus dem man wieder aufwacht. Und doch - es scheint auch nicht real zu sein. Genau das macht diesen Stil aus, der erst fremd ist, in den ich mich aber doch verliebt habe.
 Der Traum, der keiner war, wurde wilder und wilder. (Seite 44)

Es gibt Bücher, in denen ist die Magie Fantasy. Und es gibt seltene Bücher, in denen wirkt die Magie, als wäre sie wirklich so. Als wäre sie in der Realität so. Und bei diesem Buch hatte ich oft das Gefühl, es gehörte zu der letzten Sorte.
Eine Geschichte jenseits von Traum und Wirklichkeit, wie ein Märchen, bei denen man sich auch nie sicher ist, ob sie sich nicht doch so zugetragen haben kann ... denn wer weiß das schon?
Und doch fiebert man mit den Helden mit, und doch ist man sich nie sicher, ob dieses Märchen gut ausgehen wird. Denn ist es ein deutsches - oder eins aus Nepal?

 
„Hah! Alle Märchen gehen schlecht aus“, erklärt die Alte mit einer gewissen Zufriedenheit. „Die Leute haben es nur noch nicht gemerkt. Die Märchen sind wie die Wirklichkeit. [...]“ (Seite 109)
Die Geschichte spielt in Nepal, ein Ort, der vermutlich selten Schauplatz in Büchern oder Filmen ist. Die Beschreibungen der Autorin lassen Bilder vor dem inneren Auge des Lesers entstehen, Bilder von wunderschönen Landschaften, sodass der Leser das Gefühl hat, selbst durch die Berge Nepals zu reisen.
Zusammen mit zwei vierzehnjährigen Jungen, die sich nur zufällig begegnet sind. Christopher, ein deutscher Junge, der seinen in Nepal verschwundenen Bruder sucht. Und Jumar, der Kronprinz von Nepal, der sein Volk retten will. Soweit nichts Außergewöhnliches. Doch Christopher saß eben noch in seinem Zimmer, um dann im nächsten Moment in Nepal zu sein. Und Jumar ist seit seiner Geburt unsichtbar.
 
„Manchmal“, sagte Jumar, „möchte ich alleine dafür sichtbar werden, dass jemand über mich schreiben kann: Er warf ihr einen irritierten Blick zu. [...]“ (Seite 260)
Zusammen brechen sie auf, zu einer Reise voller Gefahren. Einer Reise mit unklarem Ausgang, während der sie sich verändern werden. Eine Reise vor dem Hintergrund eines Bürgerkriegs.
Die Entwicklung der Freundschaft zwischen den Beiden aber auch die Entwicklung des Einzelnen wird nachvollziehbar dargestellt. Im Verlauf ihrer Reise wachsen sie über sich selbst hinaus, lernen ihre Stärken und Schwächen kennen und bleiben doch sie selbst. Und bleiben doch zwei vierzehnjährige Jungen, die niemals zu Superhelden mutieren, sondern sich immer noch authentisch verhalten.
Gleichzeitig sind sie vielschichtige, individuelle Charaktere, die sowohl Stärken als auch Schwächen haben und eigentlich ganz normale Jungen sind. Keine Helden. Nur zwei vierzehnjährige Jungen, in einem Land, in dem man mit 14 nicht mehr als Kind gilt, auch wenn man es ist. Beide schloss ich schnell in mein Herz.
 
„Ich weiß es noch nicht“, antwortete Jumar ehrlich. „Ich werde es mir überlegen, wenn ich ihn sehe.“  Christopher seufzte. „Er erledigt alles im Leben auf diese Weise“, sagte er. (Seite 293)
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht dieser beiden Jungen erzählt und die Geschichte hat einen speziellen Aufbau. Ich mag den bildlichen, flüssigen und Schreibstil der Autorin, deren Stil sich deutlich von der Masse abhebt.
Er ist immer wieder humorvoll und gleichzeitig fesselnd, sodass ich mich kaum von der Geschichte losreißen konnte, die einen mit einer konstanten Spannung in ein exotisches Land voller Magie reißt.
 
„Nichts in diesem Land ist unwahrscheinlich genug, um nicht zu geschehen“,[...]. (Seite 384)
 
Im Verlauf der Handlung treffen die beiden Protagonisten auf weitere Charaktere, aus denen sich einige wichtigere, vielschichtigere herauskristallieren, während die weniger relevanten oft blasser bleiben.
Auch Gut und Böse lässt sich nicht einfach einteilen und sind oft anders als erwartet.
Denn in den Menschen wohnt, verborgen in der Tiefe, die Überzeugung, alles Böse wäre hässlich und alles Gute schön, und es wird wohl nie jemand herausfinden, warum es so ist. (Seite 47)
 
Zwischen den Zeilen sind manchmal kleine Botschaften versteckt und - wie ihr merkt ^^ - habe ich mir einige Zitate herausgeschrieben.
Das Buch ist manchmal gefühlvoll, dann gibt es wieder überraschende Wendungen. Auf jeden Fall folgt es keinen üblichen Schemen, sondern stellt eine neue, innovative und fantasievolle Idee dar. Und wer weiß schon, was wirklich ist und was nicht?


Fazit: Eine außergewöhnliche, fesselnde Geschichte jenseits von Traum und Wirklichkeit mit zwei liebenswerten Protagonisten, die auf ihrer Reise zahlreichen Gefahren begegnen und sich selbst weiterentwickeln.


 
 

 
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