Freitag, 12. Dezember 2014

[Rezension] Mein Herz so wild

Autor: Jane Eagland

Übersetzer: Ingrid Weixelbaumer

engl. Originaltitel: Wildthorn (2009)

Verlag: dtv

Seiten: 448

Erscheinungsdatum: 01.12.2012

ISBN: 978-3-423-24839-6

Taschenbuch; 12,90€



Inhalt:

Um 1870 in England: Louisa Cosgrove sollte eigentlich nur eine Zeit bei Bekannten ihres Bruders verbringen, stattdessen findet sie sich in einem Albtraum wieder. Statt des Anwesens erwartet sie eine Irrenanstalt, in der alle sagen, sie hieße Lucy Childs. Jeder Versuch, dies richtigzustellen, wird nur auf ihren vermeintlichen Wahnsinn zurückgeführt. Doch Lousia ist nicht bereit, einfach so aufzugeben ...

Äußere Erscheinung:
Der Titel - kitschiger geht kaum. Vom Sinn her ist das ja nicht schlecht, aber das hätte man mit Sicherheit auch weniger kitschig ausdrücken können.
Die Motive auf dem Cover sind durchaus handlunsgzusammenhängend - eine Kutsche, wie die, die Lousia zu der Anstalt brachte, das Mädchen, das hinter den Gardinen hervor späht ...
Meine Erwartung:
Das Buch ist mir mal auf der Verlagsseite begegnet, wo ich erst überrascht festgestellt hatte, dass es in dem Programm historische Jugendbücher gab - ich gehöre zu den wenigen, die auch historische Bücher ein wenig interessant finden. Da mich der Klapptext aber nicht ansprach, schenkte ich dem Buch keine nähere Betrachtung. Einige Zeit später begegnete es mir als Mängelexemplar auf buecher.de (nope, keine Schleichwerbung hier), aber nach kurzem Überlegen entschied ich mich für andere Bücher. Das passierte mich lustigerweise noch einige Mal, bis ich irgendwann bemerkte, dass es auf 2€ heruntergesetzt war, ich nicht mehr widerstehen konnte und es entnervt in meinen Warenkorb verfrachtete. Soweit also zu unserer gemeinsamen Hintergrundgeschichte.
Meine Meinung:
Die Idee ist nicht schlecht. Ein junges Mädchen aus annehmbaren Verhältnissen findet sich in einer Anstalt wieder, aus der es kein Entrinnen gibt - der letzte Aspekt sorgt für eine gewisse Spannung. Auch sonst ließ sich das Buch flüssig zu lesen. Die Sprache ist nicht direkt altmodisch, aber doch der Zeit angepasst, ohne dabei den Lesefluss zu stören.
Auch der Charakter von Louisa ist prinzipiell schon mal allen angehenden Feministinnen sympathisch. Louisa ist nämlich nicht bereit, das damals verbreitete Bild der zurückhaltenden, häuslichen und weitgehend rechtlosen Frau zu akzeptieren. Seit ihrer Kindheit will sie Ärztin werden - nach damaligen Auffassungen inakzeptabel. Und auch sonst rebelliert sie gegen die Unterdrückung der Frau, ohne jedoch stur zu sein. Denn trotz ihrer Ansichten will sie doch dem Ansehen ihrer Familie nicht schaden.
Ein bisschen übertrieben fand ich es dann allerdings schon fast, dass sie sich zusätzlich zu ihrem naturwissenschaftlichen Interesse und ihren gesellschaftlichen Differenzen auch noch in Hinsicht auf eine Liebesbeziehung gegen die damaligen Anschauungen verhält und Vorlieben für das eigene Geschlecht entwickelt - das ist schon fast zu viel des Guten. Auf der anderen Seite hat es mich aber nicht weiter gestört - die Darstellung der Gefühle lässt diese normal wirken und wirbt somit auch noch im Hinblick auf die heutige Gesellschaft für Akzeptanz - und macht nur noch mehr deutlich, wie sehr sich Lousia von den anderen Damen der Gesellschaft damals unterscheidet.
Lousia interessiert sich also für Naturwissenschaften, will Ärztin werden und hat eine Abneigung gegen Handarbeiten im Speziellen und die Unterdrückung der Frau im Allgemeinen. Sie verhält sich teilweise durchaus mutig, manchmal ist sie allerdings auch ein wenig naiv. Dennoch merkt man, dass sie einen starken Willen hat und sich nicht unterkriegen lassen will.
Auch die anderen Charaktere sind vielschichtig und auch hin und wieder undurchschaubar.
In dem ersten Teil wird abwechselnd ein Kapitel aus der Gegenwart im Präsens und eins aus der Vergangenheit im Präteritum erzählt, was mich auf Dauer ein wenig genervt hat, obwohl es letztendlich doch die nötigen Informationen vermittelt und auf den Höhepunkt des ersten Teils hinausläuft, an dem alles beginnt, einen Sinn zu ergeben. Dennoch haben mich die Abschnitte in Louisas Vergangenheit teilweise ein wenig gelangweilt und ich habe sie auch nicht weiter vermisst, als sie dann nicht weiter auftauchten.
Der Ablauf in der Irrenanstalt ist des Öfteren schockierend dargestellt. Abgesehen davon bekommt der Leser einen Einblick in das damalige Leben.
Das Ende fand ich ein wenig abrupt. Alles in allem war das Buch zwar durchaus unterhaltsam und flüssig zu lesen, konnte mich aber nicht außergewöhnlich begeistern.
Fazit: Feministische Protagonistin mit starkem Willen in einer Gesellschaft voller Ablehnung dagegen



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten zaubern ein Lächeln ins Gesicht! ♥
Ich freue mich über jeden Kommentar, gebt einfach eure Meinung/ Kritik/ etc. zu dem Post ab. Ich antworte in der Regel auch. :)