Montag, 5. Januar 2015

[Rezension] Von ganzem Herzen Emily

Wir wissen alle, was wir haben, ist es nicht so? Man glaubt nur nie, dass man es verlieren könnte. (Seite 61)

Autor: Tanya Byrne

Übersetzer: Bernadette Ott

engl. Originaltitel: Heart-Shaped Bruise (2012)

Verlag: Oetinger

Seiten: 352

Erscheinungsdatum: September 2013

ISBN: 978-3-7891-2017-6

Gebunden mit Schutzumschlag; 16,95€






Inhalt:

Als der Vater der siebzehnjährigen Emily den Polizisten Jason Shaw erschießt, wird er von dessen Tochter Juliet niedergestochen. In diesem Moment, als sie erfährt, dass ihr Vater ein Unterweltboss ist, zerbricht Emilys Welt. Und sie sinnt auf Rache. Sie beschließt Juliets Leben zu zerstören, so wie diese ihr Leben zerstört hat. Koste es, was es wolle.
 


Äußere Erscheinung:
 
Das Cover ist nicht unbrutal, aber ich mag es. Es passt zu der Geschichte, man kann der Abbildung eine Symbolik geben. Dasselbe gilt für den Titel.
 
Meine Erwartung:
 
Ich habe einen Thriller mit einer psychopathischen Protagonistin, mit der ich mich in keinster Weise identifizieren kann und die ich möglicherweise sogar verabscheuen würde, erwartet.
 
Meine Meinung:
 
Ich wurde in meiner Erwartungshaltung überrascht. Tatsächlich kommt einem die Protagonistin Emily, die die Geschichte aus der Ich-Sicht erzählt bzw. die Geschichte in ein altes Schulheft schreibt, selten wie eine Psychopathin vor. Und vermutlich macht genau dies das Buch aus.
 
Emily erzählt die Geschichte rückblickend. Und sie erzählt sie nicht linear. Der Leser weiß grob, was passiert ist und was die Hintergründe dazu waren. Nur das Wie ist die Frage. Und alle näheren Details. Und natürlich das Warum.
Teile der Handlung stellen Rückblicke Emilys in ihren Rachefeldzug da. Die andere Hälfte bezieht sich auf das Leben in der Psychiatrischen Abteilung der Jugendstrafanstalt, in der sie sich jetzt befindet. Das widersprach als Erstes meine Erwartung, ich hatte gedacht, nur ihre Rache mitzuverfolgen, ohne den Ausgang zu kennen.
Wer jetzt allerdings glaubt, dies würde dem Buch die Spannung kosten, liegt falsch. Das Buch ist immer noch unglaublich fesselnd, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Und auf diese Weise baut der Leser ein ganz anderes Verhältnis zu der Protagonistin auf.
 
Wäre das Buch so erzählt, wie ich es erwartet hatte, dann wäre es dem Leser um Einiges schwerer gefallen, die Handlungen Emilys nachzuvollziehen bzw. überhaupt auf Emily einzugehen. Doch so lernt man eine ganz andere Person kennen.
Wie bereits angesprochen wirkte Emily eigentlich wie ein ganz normales Mädchen. Sie tat mir sogar leid. Auch wenn das Identifikationspotenzial natürlich nicht sonderlich hoch ist, konnte ich mich zumindest in sie hineinversetzen. Genau genommen war es sogar möglich, sie zu mögen. Wenn man die psychopathischen Seiten an ihr nicht beachtete.
Vielleicht war das die Botschaft des Buches. Dass auch Verbrecher irgendwo Menschen sind. Emilys Verhalten war alles andere als gut, im Prinzip war es verabscheuungswürdig, durchgedreht, psychopathisch. Und doch hatte sie ihre Motive. Und so stellt sich immer die Frage, was wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Eine Frage, die sich Emily selbst manchmal stellt. Es geht nicht darum, zu akzeptieren, was sie getan hat. Sondern es zu verstehen.
 
Ich mag grundsätzlich Bücher, in denen das Böse Tiefe und Motive hat und nicht böse ist um des Böse-Seins willen. Im Prinzip ist das Buch eine ausgeprägte Version davon. Die Geschichte wird nicht aus der Sicht des Opfers erzählt, sondern aus der des Täters. Wieso und wie Emily das getan hat sowie ihre Entwicklung werdet ihr selbst lesen müssen.
Emily verhält sich in der Gegenwart oft zynisch, auflehnend und selbstbewusst. Von der Gesellschaft ausgestoßen und verabscheut hat sie gelernt, auf sich allein gestellt zu sein. Teilweise kommt sie schon fast ein wenig verbittert rüber. Prinzipiell ist sie also eine sehr vielschichtige Persönlichkeit.
Dies gilt auch für die anderen Charaktere, die allerdings eher blass bleiben, da das Hauptaugenmerk auf Emily liegt. Und darauf, dass böse nicht einfach böse ist.
 
Fazit: Vielschichtige, tiefgründige Protagonistin, die trotz psychopathischer Abgründe menschlich wirkt

 
 

Quelle Cover: Oetinger

4 Kommentare

  1. ICH WILL LESEN! JETZT SOFORT!
    Das Buch hopst schon eine Weile auf meiner Wunschliste rum, hats aber leider noch nie weiter geschafft :DD

    ♥♥♥

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    1. Ich kanns dir nur absolut empfehlen und würde dir raten, es weiter zu bringen als nur einen Wunschlistenplatz. ^^

      ♥♥♥

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  2. Hm, das klingt gut. Habe zwar zur Zeit keine Lust auf so ein Genre, aber das kommt ja sicher bald wieder und dann... xD

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    1. Falls du wieder Lust drauf hast, kann ich es dir nur empfehlen. ;)

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