Mittwoch, 11. März 2015

[Rezension] Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

«Im Grunde war er sogar der Meinung, die Vereinigung dieser beiden Aspekte ihrer Persönlichkeit war der einzig gangbare Weg. Niemand war vollkommen gut oder böse, denn die eine Seite konnte nicht ohne die andere existieren.» (Seite 211)



Autor: Kady Cross
Übersetzer: Jürgen Langowski
amerik. Originaltitel: The Girl in the Steel Corset (2011)
Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 464
Erscheinungsdatum: 09.04.2013
ISBN: 978-3-453-31464-1
Taschenbuch; 8,99€


Reihe:
  • Das Mädchen mit dem Stahlkorsett
  • Das Mädchen mit dem Flammenherz
  • amerik. The Girl with the Iron Touch
  • amerik. The Girl with the Windup Heart



Klappentext:

Sie ist eine ganz besondere junge Lady: Ihr Name ist Finley Jayne, sie ist sechzehn Jahre alt und arbeitet als Dienstmädchen. Gelegentlich. Vor allem aber macht sie in den finstersten Gassen Londons Jagd auf Verbrecher. Finley mag hübsche Kleider, ihre Unabhängigkeit und wohlerzogene junge Männer. Wen Finley nicht mag, der kommt ihr besser nicht in die Quere, denn sie ist außergewöhnlich stark. Doch hinter ihren enormen Kräften verbirgt sich ein dunkles Geheimnis …


Äußere Erscheinung:

Juhu, ein Mädchen! xD Okay, zugegebenermaßen, prinzipiell ist die Gestaltung des Covers nicht schlecht, durchaus stimmig, passend zum Genre und die Farbgebung in Schwarz und Pink mag ich auch. Aber muss es denn immer ein Mädchen sein? Zumal ich mir Finley anders vorstelle. Aber nun gut, um fair zu sein, es ist kein x-beliebiges Mädchen-Foto.
Ich mag den (aus dem Original übersetzten) Titel. Das Stahlkorsett hat zwar keine besonders herausragende Bedeutung, aber das wollen wir mal nicht so ernst nehmen.

Meine Erwartung:

Ich mag starke Mädchen und der Klappentext kombiniert mit dem Titel schreit ja förmlich danach.
Steampunk ist zwar ein völlig fremdes Genre für mich, aber man erweitert ja gerne seinen Horizont.

Meine Meinung:

Was ich erwartet habe, war ein starkes, unabhängiges Mädchen, das gegen Verbrecher kämpft. Was ich bekommen habe, war Superwoman mit Persönlichkeitsstörung, die nichts Besseres zu tun hat, als gleich im ersten Kapitel vors Auto zu laufen. Bis dahin hat sie nichts anderes getan, als sich zu wehren und anschließend war sie auch eher damit beschäftigt, in einem Herrenhaus zu erwachen und den dortigen Haushalt inklusive dessen Probleme auf den Kopf zu stellen.
Der Klappentext ist also Müll und der auf der Rückseite des Buches schlägt sich auch nicht viel besser.

Steampunkt ist wie gesagt neu für mich, aber diese Kombination aus dem viktorianischen London und fortschrittlicherer Mechanik war eine interessante Abwechslung. Die Autorin bringt dabei auch immer wieder kleine zeitgenössische Details ein und passt auch ihre Sprache der Zeit an.
In besagtem Herrenhaus landet Finley bei einem kleinen Freundekreis, der schon eher Verbrecher jagt und sie mit einer Mischung aus Skepsis und Faszination betrachtet und außerdem hinter ihr Geheimnis kommen will. Darunter Griffin, der auch nicht ganz normal ist und sich an dem Mord seiner Eltern rächen will, dafür aber erstmal den dazugehörigen Mörder finden muss. Soviel zum Inhalt, den Rest werdet ihr wohl selbst herausfinden müssen.

Aber kommen wir zurück zu Finley. Finley jagt also keine Verbrecher und ist auch nicht ganz so selbstbewusst, wie der Klappentext es erwarten lässt. Zumindest als Dienstmädchen arbeitet sie aber, jedenfalls bis sie sich diese Anstellung verspielt.
Der Fokus liegt aber auf ihren außergewöhnlichen Kräften, sprich übermenschliche Stärke und sensiblere Sinne, die in der Regel mit ihrer dunklen Seite einher gehen. Die dunkle Seite Finleys wird geweckt, wenn sie oder ihr nahe stehende Menschen bedroht werden. Kommt euch das irgendwoher bekannt vor? Mir fallen jedenfalls spontan zwei Beispiele ein ...
Die Auflösung dahinter ist aber recht faszinierend, wenn auch nicht ganz einleuchtend.

Finley selbst schwankt immer ein wenig zwischen dem zurückhaltenden, sittsamen Mädchen und der unberechenbaren Superwoman, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob das daran liegt, dass die Autorin sich nicht zwischen dem von allen gemochten, liebenswürdigen Mädchen und der unabhängigen, Paroli bietenden, übernatürlichen Kämpferin entscheiden konnte oder ob das eben den Zwiespalt zwischen ihren Seiten verdeutlichen soll. Ebendiesen Zwiespalt hätte man vielleicht auch noch ein wenig mehr ausarbeiten können.
Dennoch ist Finley aber eben ungewöhnlich stark und daher auch nicht sonderlich auf fremde Hilfe angewiesen. Sie kann sich wehren und handelt außerdem zumindest einen Teil der Zeit eigenständig.

Griffin ist der stereotypische, reiche Junge, der uns bereits in unzähligen Büchern schonmal begegnet ist. Gut aussehender, charmanter Frauenheld mit einem Geheimnis und einer tragischen Familiengeschichte, außerdem Anführer einer Gruppe, der sich absolut liebenswürdig und vertrauensselig um das arme Mädchen kümmert. Alles schon gehabt.
Dazu hat sich die Autorin gleich den passenden Gegenpart erdacht, nämlich den undurchschaubaren Finsteren. Als wäre das wirklich nötig gewesen, zumal dem Leser von Anfang an klar ist, wem die letztendliche Sympathie des Mädchens gilt. Zu meiner Erleichterung rückt die nicht ganz so geglückte Liebesgeschichte mit dem allseits beliebten Dreieck nicht allzu sehr in den Vordergrund.

Auch die anderen Charaktere folgen weitgehend bekannten Schemen, am meisten Tiefe bietet wohl noch Sam. Der starke beste Freund Griffins leidet unter gewissen Komplexen, die eine Herausbildung von Ecken und Kanten begünstigen.
Die Handlung ist zum Glück nicht ganz so stereotypisch, was auch durch das Genre bedingt ist. Teilweise ist sie ein wenig vorhersehbar, sodass der Leser hinter das "große Geheimnis" eher kommt als die handelnden Charaktere. Generell ist die Idee dahinter ziemlich gut, die Umsetzung leider aber oft eher oberflächlich.
Die Story wird anders als von mir erwartet nicht nur von Finley sondern auch von Griffin, Sam und Emily erzählt, was zu Einblicken in die Probleme und Leben dieser anderen Charaktere sowie der vollen Spannbreite der Handlung führt. Der Schreibstil ist dabei sehr fesselnd und das Ende einigermaßen abgeschlossen, auch wenn auf den letzten Seiten der Konflikt des Folgebandes ersichtlich wird.

Die ersten hundert Seiten werden von einem Prolog eingenommen, von dem man merkt, dass er unabhängig von der eigentlichen Geschichte geschrieben wurde. Zwar gibt es immer einige übergreifende Details, aber auch kleine Widersprüche, zum Beispiel merkt Finley in der eigentlichen Handlung wiederholt an, sie wäre nur einmal als Bedienstete auf einem Ball gewesen, in dem Prolog ist sie aber durchaus auf einer Abendveranstaltung - und nicht als Bedienstete.
Der Prolog wird weitgehend von Finley erzählt, abgesehen von einem Absatz, der meiner Meinung nach auch nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Alles in allem ist der Prolog aber durchaus unterhaltsam und bietet interessante Einblicke in Finleys Vorgeschichte, auch wenn Finley hier auf mich selbstbewusster als in der späteren Handlung wirkte.

Fazit: Fesselnde, unterhaltsame Steampunk - Story mit leichten klischeehaften Elementen und einer Protagonistin, die mit ihrer dunklen Seite kämpft. Tolle Idee, die leider ein wenig oberflächlich umgesetzt wurde.



Quelle Cover & Klappentext: Heyne fliegt

8 Kommentare

  1. Das Buch hat mich eh nicht sonderlich angesprochen und nach der Rezension werde ich es wahrscheinlich eher nicht lesen :/ :)
    Liebst, Emme ♥

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    1. Es war nicht schlecht. Wirklich nicht. Es war halt nur teilweise ein wenig klischeehaft. Wen das nicht sonderlich stört, dem könnte das Buch auch durchaus gefallen. ^^
      Aber wenn es dich eh nicht angesprochen hat ... ;)

      Liebst ♥

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  2. Jetzt hab ich keine Lust mehr auf das Buch :DD

    ♥♥♥

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    1. Na toll, jetzt versau ich allen das Buch. xD Wie ich bereits bei Emme gesagt habe, es war nicht schlecht, es war sogar durchaus unterhaltsam und ganz cool, nur halt teilweise etwas stereo. ;)

      ♥♥♥

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  3. Hey Liebes :)
    Das Buch habe ich so lange schon auf der "Vielleicht"-Liste, es ist peinlich.
    Aber, ich denke, dass es nun ganz wegfliegt :D Drei Bücher sind zwar nicht schlecht, aber so Mittemmaß und auf Mittelmaß kann man meistens gut verzichten ;)
    Starke Frauen! Juhu! :D

    Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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    1. Ich hatte durchaus überlegt, eine höhere Bewertung zu geben, aber mittel ist eben nicht schlecht. In diesem Fall unterhaltsam, mit leichten Schwächen.
      Aber klar, letztendlich bevorzugen wir dann schon die Überflieger. ;D Was ich sagen will, ich will niemandem das Buch vermiesen, und es war durchaus nicht schlecht, aber halt auch nicht überdurchschnittlich gut. ^^
      Ein Hoch auf starke Frauen! :D

      Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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  4. Ich musste gerade die Kommentare über mir lesen und musste grinsen. Du bringst hier gerade alle von diesem Buch ab. Auch mich.Den Titel fand ich interessant und dann wollte ich mal wissen wie du es fandest. Ich steh nicht so auf mittelmäßige Bücher. Ich suche die absoluten Meisterwerke xD
    Jetzt werde ich vermutlich immer grinsen müssen, wenn mir das Buch begegnet. Ich sage dir der erste Abschnitt deiner Rezi mit superwoman war zum wegschmeißen. XD :D ♥

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    1. Ist mir auch schon aufgefallen, ich krieg schon voll das schlechte Gewissen, weil das Buch nicht schlecht, sondern nur eben nicht perfekt ist. ^^
      Ja, klar, Meisterwerke sind cool, aber da ist auch ein höheres Enttäuschungsrisiko. xD Und eine ausgefallene (in diesem Fall Steampunk), unterhaltsame Geschichte ist doch auch ganz schön. :P
      Sagen wir mal so: Irgendwie hatte ich durch den Klapptext etwas anderes erwartet ... ;D Gern geschehen. xD

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