Samstag, 11. April 2015

[Rezension] Der Kuss des Kjer


Autor: Lynn Raven

Verlag: cbt

Seiten: 608

Erscheinungsdatum: 08.06.2010

ISBN: 978-3-570-30489-1

Taschenbuch; 12,95€





Inhalt:

Als Lijanas, die Heilerin des Volkes der Nivard, von dem ersten Heerführer des verfeindeten Volkes der Kjer, Mordan, durch einen Trick entführt wird, ist ihr einziger Gedanke die Flucht. Aber Mordan hat von seinem König den Auftrag bekommen, sie und ein besonderes Quellwasser an den Hof zu bringen. Trotz ihrer Angst vor dem kalten, brutalen Krieger bietet Lijanas ihm die Stirn. Doch dann werden sie von Ungeheuern angegriffen, die eigentlich als Legenden verschrieben sind ...


Äußere Erscheinung:
 
Ähm, ja. Na ja. Ein Mädchen - was soll man dazu groß sagen? Immerhin die Farbgestaltung ist aber ganz hübsch.
Auch den Titel finde ich ein wenig schnulzig, da hätte es mit Sicherheit bessere Alternativen gegeben.
 
Meine Erwartung:
 
Von diesem Buch hört man ausschließlich begeisterte, nahezu überschwängliche Meinungen und auch eine Freundin von mir fand es toll.
Ich selbst hatte den Fehler gemacht, als erstes Seelenkuss von der Autorin zu lesen, das ja allgemein eher durchwachsene Bewertungen bekommen hat und auch mich nicht wirklich überzeugen konnte. Dennoch war ich optimistisch und gern bereit, ihr noch eine Chance zu geben.
 
Meine Meinung:
 
Faszinierenderweise habe ich den Stil der Autorin in dem für mich zweiten Buch von ihr wiedererkannt - ein gutes Zeichen, nehme ich an. Dabei war dieses Buch eindeutig besser als Seelenkuss.
Zwar zeigt sich auch hier, dass die Autorin zu ausschweifenderen Beschreibungen neigt (was ja schlicht Geschmackssache ist), richtige Längen treten trotz der hohen Seitenzahl aber nicht auf. Im Gegenteil, das Buch ist von einer hohen Spannung geprägt, die beispielsweise durch Andeutungen aber auch der Handlung selbst begründet ist.
Diese wird hauptsächlich aus Lijanas', nicht allzu selten aber auch aus Mordans Sicht erzählt. Hier entsteht dann auch mein einziger Kritikpunkt: Ein paar Mal wechselt die Autorin mitten im Absatz die Sicht, was mich ein wenig verwirrt hat. Ansonsten stellten die Sichtwechsel aber kein Problem dar, und obwohl ich normalerweise kein Fan von ihnen bin, habe ich sie diesmal fast begrüßt, da es einfach passten und die verschiedenen Sichten einen besseren Ausbau der Charaktertiefe ermöglichten sowie den Unterhaltungswert steigerten. Zwischenzeitlich gibt es auch kleine Absätze aus der Sicht anderer Personen, nicht immer wird dabei deutlich, um wen es sich handelt. Das lädt zum eigenen Mitraten und Mitfiebern ein und steigert außerdem nochmal die Spannung.
 
Der fesselnde Schreibstil riss mich mit in eine fremde Welt und es fiel mir wirklich schwer, mich von der Geschichte loszureißen. Genaugenommen reichte es auch nur für die lebensnotwendigen Pausen zum Essen und Schlafen. Bei einem 600-Seiten-Schmöker ist das schon eine ernsthafte Gefahr für die soziale Interaktivität, aber die Geschichte ließ mich einfach nicht mehr los. Und so kam es, dass die 600 Seiten nahezu vorbeiflogen. Jede fehlende Seite hätte den Verlust von einem Stück Lesevergnügen bedeutet.
Was die Welt angeht, so erfährt man zwar etwas über die Kulturen und die Geschichte der beiden Völker, hier beschränkt sich die Autorin aber auf das Wichtigste, sodass Langatmigkeit gar nicht erst entstehen kann. Fremde Begriffe werden hier auch nur in Maßen verwendet, es entsteht so keine Verwirrung. Dennoch fand ich die Idee auch mit der kleinen Andersartigkeit der Kjer (stärkere Körperbehaarung - und nein, kein Fell) faszinierend. Auch die Vorurteile und Unterschiede der Völker sowie die Feindschaft sind realistisch und durchdacht.
 
Lijanas ist eine realistische Protagonistin. Anfangs hatte ich mir ein bisschen mehr Stärke von ihr gewünscht, doch je weiter ich las, desto mehr kam ich zu dem Schluss, dass sie das gar nicht braucht. Versteht mich nicht falsch, sie ist durchaus stark. Sie bietet Mordan die Stirn (was an sich schon nicht unbeeindruckend ist), sie versucht dauernd zu fliehen, sie hat ihren eigenen Willen ... Aber gleichzeitig zeigt sie auch Schwäche und man merkt eben, dass sie keine Kriegerin ist, sondern eine einfache, junge Heilerin, die mit Sicherheit nicht auf eine solche Situation vorbereitet war und sich für die Verhältnisse schon als sehr stark zeigt. Und genau dieser Charakteraufbau macht sie aus und passt letztendlich am besten, weil er der authentischste ist.
Sie ist also auch ein ziemlich vielschichtiger Charakter. Einerseits durchaus verletzlich und verängstigt und manchmal auch ein wenig naiv (nicht auf eine nervige sondern auf eine süße Weise), andererseits aber auch stark, eigenwillig und eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt (auch nicht von einem Mann). Ich mochte sie.
 
Mordan ... Hier könnte man doch glatt ins Schwärmen geraten. Vor allem, wenn man wie ich ein gewisses Faible für Bad Boys hat. Als grausamer Krieger bekannt verhält er sich Lijanas gegenüber kalt, ja, manchmal fast schon brutal. Er gilt als der beste Krieger seines Volkes und allein sein Blick bringt andere zum Schweigen. Gleichzeitig erhascht der Leser aber auch immer wieder einen Blick in seine Sichtweise und merkt, dass sich dahinter noch etwas anderes verbirgt ... Etwas, dass auch Lijanas nicht kalt lässt ...
Ich sag’s euch, der Typ ist ein Traum. xD Vor allem, was die Tiefgründigkeit und Vielschichtigkeit angeht. Zum Einen wäre da seine äußerst faszinierende Vergangenheit - und die Meisten von euch wissen vermutlich, wie sehr eine gelungene Vergangenheit schon einen Charakter ausmacht. Dann wären da noch die verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit ... Es ist schon ein gewisses Kunststück von einem Charakteraufbau, wenn ein brutaler Krieger mehr als sympathisch wirkt. (Und ein Spielen mit dem Begriff von Gut und Böse.)
Ich brauch das vermutlich nicht noch mehr auszuführen, ihr merkt, ich bin begeistert. In meinen Augen ist er einer der besten Charaktere, die mir begegnet sind.
 
Der Fokus liegt auf Lijanas und Mordan, dahinter bleiben die anderen Charaktere leider teilweise ein wenig blass, auch wenn sie alle größeres Potenzial haben - nun gut, man kann eben nicht alles haben. ^^
Ansonsten enthält die Handlung sowohl Actionszenen als auch romantischere Szenen. Auch den Aufbau der Liebesgeschichte fand ich gelungen, da diese sich vergleichsweise langsam und nachvollziehbar entwickelt und nicht nach dem Schema Unsterbliche Liebe auf den allerersten Blick. Sehr angenehm. Zwar ist die Love Story immer wieder von Konflikten und Hürden geprägt, die sich aber aus den Umständen ergeben und nicht soapmäßig ausgeweitet werden. Es gibt tatsächlich noch sowas wie gesunden Menschenverstand, was vielleicht auch nervig wirken kann, aber eben auch realistisch ist.
 
Fazit: Realistisch aufgebaute, mitreißende High Fantasy Story mit sehr vielschichtigen Protagonisten und einer sich langsam entwickelnden Liebesgeschichte!

 
 
Quelle Cover: cbt

6 Kommentare

  1. Huhu Liebes :)
    Toooolle Rezension! Ich war total gespannt, ob dir das Buch gefallen hat oder nicht.
    "Seelenkuss" habe ich nicht gelesen, möchte es aber :D Von der Autorin habe ich nur Den Kjer gelesen ;) und war begeistert!

    Alles Liebe ♥♥♥

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    1. Danke, Liebes. :) Ja, hat es. Sogar sehr. xD
      Ich glaube, "Seelenkuss" war meine erste Rezension, die nicht so positiv ausfiel, weil ich das Buch ziemlich langatmig fand, auch wenn die Grundidee nicht schlecht war. ^^ Aber vielleicht schneidet es ja besser bei dir ab. ^^

      Alles Liebe zurück ♥♥♥

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  2. Ich habe von der Autorin noch nichts gelesen und muss leider sagen, dass mich das Buchh ier jetzt auch nicht unebdingt reitzt, aber schön, dass es dir gefallen hat :)
    Liebst, Emme ♥

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    1. Ich habe mittlerweile drei Bücher von der Autorin gelesen und das hier ist für mich das Beste von allen. ^^ Trotzdem kann ich aber verstehen, dass es dich nicht reizt. ;)

      Liebst ♥

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  3. Ich bin dem Buch ja immer sehr skeptisch gegenüber, denn wie du oben auch erwähnt hast, finde ich den Titel einfach zu schnulzig. Vielleicht tue ich es mir nach deiner Rezi doch irgendwann an. :D

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    1. Lass dich nicht von dem Titel irritieren, das Buch ist ganz anders. ^^ Und ich kann es dir absolut empfehlen. *-* (Ich glaube, du würdest es mögen. ;))

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