Sonntag, 7. Juni 2015

[Rezension] Die Feenjägerin


„Wir alle müssen herausfinden, wer wir sind, Kam. So oder so.“ (Seite 80)

Autor: Elizabeth May
Übersetzer: Kathrin Wolf
engl. Originaltitel: The Falconer (2014)
Verlag: Heyne
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 09.02.2015
ISBN: 978-3-453-31609-6
Taschenbuch; 13,99€


Trilogie:
  • Die Feenjägerin
  • engl. The Vanishing Throne
  • erscheint voraussichtlich 2016 auf Englisch


Klappentext:

Schön, talentiert und tödlich – Aileana Kameron hat nur ein Ziel: die Feen, die ihre Mutter getötet haben, zur Strecke zu bringen

Ballsaison im Edinburgh des Jahres 1844: Jeden Abend verschwindet die junge und bildschöne Aileana Kameron für ein paar Stunden vom Tanzparkett. Die bessere Gesellschaft zerreißt sich natürlich das Maul über sie, aber niemand ahnt, was die Tochter eines reichen Marquis während ihrer Abwesenheit wirklich tut: Nacht für Nacht jagt sie mithilfe des mysteriösen Kiaran die Kreaturen, die vor einem Jahr ihre Mutter getötet haben – die Feen. Doch deren Welt ist dunkel und tückisch, und schon bald gerät Aileana selbst in tödliche Gefahr ...


Äußere Erscheinung:

Das Mädchen auf dem Cover passt immerhin zu Aileanas Beschreibung und das Schwert hat mit Sicherheit auch einen gewissen Bezug, aber letztendlich ist es einfach ein x-beliebiges Mädchengesicht-Cover und spricht mich nicht wirklich an.
Anders der Titel, der mich erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat, weil der Ausdruck Feenjägerin eine Story im Dark Fantasy - Stil mit einer Badass-Protagonistin, einem gewissen Gewaltpotenzial und viel Action verspricht - so viel sei vorweggenommen: In dieser Erwartung wurde ich nicht enttäuscht.

Meine Erwartung:

Ich hatte das Buch in einer Verlagsvorschau vor einiger Zeit entdeckt, wo mich der Titel und auch die Geschichte dahinter sofort angesprochen haben. Vor kurzem wollte ich das Bloggerportal auch mal ausprobieren und habe das dann gleich verbunden - dank des Verlages kann ich das Buch jetzt auch mein Eigen nennen.

Meine Meinung:

Zuerst mal: Das Buch gehört zu dem Genre Steampunk, aus dem ich bisher nur ein Buch gelesen habe. Der Weltenaufbau konnte mich jedoch absolut überzeugen, mir gefiel diese Mischung aus der strengen Etikette des 19. Jahrhunderts mit den Bällen sowie all den gesellschaftlichen Zwängen und der Mechanik einschließlich Aileanas Schusswaffen. Ich ließ mich von dem fesselnden Schreibstil in diese fremde, faszinierende Welt entführen.

Aileana hat nicht nur einen (in meinen Augen) coolen Namen, sondern ist auch eine absolute Kick-Ass-Heldin. Eine Alternative, mit der Geschichte zu beginnen, wäre vermutlich die Ermordung ihrer Mutter gewesen, doch das ist hier bereits ein Jahr her und somit haben wir es nicht mehr mit einem unsicheren Mädchen sondern mit einer geübten Jägerin zu tun, die ziemlich gut kämpfen kann und nicht bereit ist, Schwäche zu zeigen. Ich hatte damit kein Problem, da ich ja sowieso starke Protagonistinnen mag und dennoch genug Potenzial für eine weitere Entwicklung vorhanden ist. Auch gefiel mir ihre Eigenständigkeit und die Tatsache, dass sie dennoch nicht alles kann, da sie zum Beispiel die Feen nur mit Hilfe sieht.
Dabei ist Aileana eine sehr tiefgründige Protagonistin, die die Geschichte im Übrigen in meiner Lieblings-Erzählweise aus der Ich-Perspektive im Präsens teilweise leicht ironisch erzählt.
Sie hasst die Vorschriften und Pflichten, die sie als Lady hat und wünscht sich sehnlichst, der Etikette zu entkommen und endlich ihr Leben selbst bestimmen zu können. Dennoch bemüht sie sich wirklich, die Ehre ihrer Familie nicht allzu sehr zu beschmutzen. Dieses Verantwortungsbewusstsein war ein weiterer Aspekt, den ich an ihr mochte.

Nachts jagt sie Feen, angetrieben von ihrem brennenden Wunsch nach Rache. Mir gefiel, dass das hier nicht wie in so vielen anderen YA-Büchern ablief, in denen die Protagonistinnen nur töten, weil sie müssen und anschließend vor schlechtem Gewissen zerfließen. Aileana dagegen verfügt über eine richtige Mordlust, sie liebt den Moment des Tötens und wird manchmal nahezu von dem Drang danach verzehrt. Diese dunkle Seite an ihr verleiht ihr Ecken und Kanten, sodass sie alles andere als perfekt wirkt und gleichzeitig aus der Masse der braven Protagonistinnen heraussticht.

Das Buch hat somit auch ein hohes Gewaltpotenzial, zumal die Feen grausam sind und nach der Energie der Menschen lechzen (die dafür ihr Leben lassen müssen). Das bedingt natürlich eine Menge Action, es gibt eine Menge Kämpfe von Aileana und dazu eine hohe Spannung.
Dennoch gibt es keine einseitige Gut-Böse-Einteilung: Zwei Feen werden von Aileana weitgehend akzeptiert, auch wenn sie ihnen nicht vertraut, dabei stellt auch Aileana selbst fest, dass nicht alle Feen von Grund auf böse sind. Im Verlauf der Handlung wird der Hintergrund der Feen weiter ausgestaltet und es bieten sich einige Enthüllungen. Ich mochte diese schottische Atmosphäre und die Verknüpfung mit den Legenden über Feen.

Generell sind die Charaktere sehr vielschichtig, sogar Nebencharaktere zeigen diesbezüglich viel Potenzial.
Kiaran, eine ebenso mächtige wie undurchschaubare Fee, trainiert Aileana jeden Abend und zeigt doch wiederholt, dass er ihr weit überlegen ist. Ailena kennt weder seine Absichten noch seine Geschichte oder warum er Seinesgleichen jagt, doch er ist ein unheimlich faszinierender Charakter, auch wenn man natürlich als Leser schon gewisse Ideen hat. Dennoch finde ich seinen Charakter toll, da er einfach der dunkle Bad Boy schlechthin ist.
Zwischendrin deutet sich ein kleines Liebesdreieck an, das vielleicht gut beschrieben war, mich aber dennoch innerlich aufstöhnen ließ und das ein Makel an der sonst so gelungenen Idee darstellt. Glücklicherweise entwickelte es sich nicht zu einem richtigen Liebesdreieck und ich hoffe, das gilt auch für die Folgebände. Prinzipiell steht die Liebesgeschichte aber eher im Hintergrund.

Die Dialoge sind in der Regel sehr unterhaltsam, vor allem die mit Derrick, einer kleinen Fee, die andere, die Aileana am Leben lässt. Der hat so ein bisschen Xemerius-Charakter, da er bei seiner Anwesenheit überall seinen Senf zugibt, allen auf die Nerven geht, Aileana trotz seines Wesens manchmal hilft und Kiaran zudem nicht ausstehen kann.
Ähnlich unterhaltsam waren auch die Kämpfe und Dialoge zwischen Aileana und Kiaran, dem sie hartnäckig Paroli bietet und dem sie liebend gern reizt - trotz seiner Überlegenheit und der dunklen Gefahr, die von ihm ausgeht.

Das Ende war dann ein Cliffhanger, wie er im Buche steht. Aber sowas von. Ich hoffe, dass der zweite Teil bald erscheint. :x

Fazit: Vielschichtige Charaktere, viel Action, faszinierende Welt und eine starke, tiefgründige Protagonistin!





Vielen Dank an den Verlag!
http://www.randomhouse.de/heyne



Quelle Cover & Klappentext: Heyne

4 Kommentare

  1. Ich fand das Buch auch richtig hammer!!!
    Sehr schöne und ausführliche Rezi, hat mir richtig gut gefallen :-)

    LG<3
    Anna

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    1. Es war wirklich toll. *-*
      Dankeschön! :)

      LG <33

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  2. nach deiner Rezi muss ich mal in das Buch schnuppern!!!

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    1. Ich kann es dir absolut empfehlen! :)

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