Samstag, 18. Juli 2015

[Rezension] Der Rithmatist

«„Wie ich sehe, bist du kein Rithmatist.“
„Nein, Sir“, erwiderte Joel. „Es tut mir leid.“
„Entschuldige dich nie für das, was du bist, mein Junge“ »  
(Seite 151)

Autor: Brandon Sanderson

Übersetzer: Jürgen Langowski

amerik. Originaltitel: The Rithmatist (2013)

Verlag: Heyne fliegt

Seiten: 432

Erscheinungsdatum: 13.07.2015

ISBN: 978-3-453-26986-6

Gebunden mit Schutzumschlag; 14,99€
 
 
 Reihe:
  • Der Rithmatist
  • ??

 
Inhalt:
 
Joel geht auf die Armedius-Arkademie, auf die auch die berühmten Rithmatisten, die Kreidemagier, gehen. Doch trotz Joels brennender Leidenschaft für die Rithmatik bleiben seine Kreidezeichnungen leb- und wirkungslos. Dennoch sucht er nach einem Weg, mehr über seine Interesse, der Rithmatik, zu erfahren und gerät dabei in Berührung mit dem Fall einer rithmatischen Schülerin, die verschwunden ist und nur seltsame Kreidezeichnungen eines möglichen rithmatischen Kampfes hinterlassen hat ...


Äußere Erscheinung:
 
Der Klapptext gibt den Inhalt meiner Meinung nach nicht sonderlich treffend wieder.
Dagegen finde ich es gut, dass der Titel aus dem Englischen übernommen wurde.
Das Cover erregt zwar die Aufmerksamkeit und ist von der Gestaltung her prinzipiell auch gelungen, über das Motiv lässt sich allerdings streiten, da mir der direkte Bezug nicht ganz klar ist - die Kreidezeichnungen sehen anders aus.
 
Toll finde ich, dass vor jedem Kapitel ein Beispiel von Kreidezeichnungen, ins Besondere Verteidigungen, abgebildet ist, da es schwierig ist, sich aus den Erklärungen heraus ein Bild davon zu machen und man als Leser so ein konkretes Bild hat. Außerdem finden sich auch zwischendurch immer mal wieder kleine Illustrationen mit Handlungsbezug - die innere Gestaltung ist auf jeden Fall sehr gelungen!
 
Meine Erwartung:
 
Das Buch scheint noch so eine Art Geheimtipp zu sein. Ich wollte mal ein Buch von Brandon Sanderson lesen und habe dieses freundlicherweise von dem Verlag zur Verfügung gestellt bekommen - danke dafür!
 
Meine Meinung:
 
Nervt es euch insgeheim auch ein bisschen, dass die Protagonisten der gängigen YA-Bücher immer über eine außergewöhnliche Begabung verfügen, die alle in den Schatten stellt? Dass sie wie durch ein Wunder immer alles können? Wenn ja, dann darf ich euch hiermit wärmstens dieses Buch empfehlen.
Dazu gleich nochmal.
 
Wenn ihr geglaubt habt, in der Masse aus wiederaufgewärmten Vampir-, Werwolf-, Engel-, Dämonen- und was nicht noch alles- Geschichten könnte es keine wirklich neuen Ideen mehr geben, dann habt ihr euch getäuscht, denn dieses Buch beweist das Gegenteil. Zumindest ist mir diese originelle Idee in keinster Weise je begegnet: Aus Kreidezeichnungen entstehen Barrieren und zweidimensionale, nahezu lebendige Kreaturen, die eine Bedrohung darstellen können. Doch nur die sogenannten Rithmatisten können Kreide diese Macht verleihen. Der Protagonist Joel gehört nicht zu diesen.
Es schafft ganz neue Voraussetzungen, wenn der Protagonist mal nicht zu den magischen Überfliegern gehört und somit, was Kreidebelangen angeht, auf Rithmatisten angewiesen ist. Dabei ist Joel aber nicht unwissend, was die Rithmatik angeht, im Gegenteil, er brennt darauf, mehr darüber zu erfahren. Seine gesamte Leidenschaft gilt der Rithmatik, nichts wünscht er sich sehnlicher, als ein Rithmatist zu sein. Zugeben, besonders am Anfang hat mich diese Besessenheit auch ein wenig genervt, das legte sich jedoch mit dem Fortschreiten der Handlung.
 
Ansonsten ist Joel auch durchaus sympathisch und ein rational denkender Mensch, der zwar von der Rithmatik mehr als begeistert ist, aber eben auch das dafür erforderliche analytische und logische Denken mit sich bringt und daher (meistens) nachvollziehbar handelt. Auch wenn ich jetzt keine tiefere emotionale Bindung zu ihm aufgebaut habe, war er doch ein angenehmer Hauptcharakter.
Das ist im Übrigen ein weiter Punkt: Rithmatik klingt nicht nur nach Mathematik, sie ist es auch zu einem großen Teil und hat viel mit Geometrie und Abstandsberechnungen zutun. Ein diesbezügliches Interesse mag die Lesefreude vielleicht noch steigern, ich kann euch aber versichern, dass fehlende Interesse den Leseeindruck letztendlich nicht zu sehr schmält. ;) Auch wenn es bei mir teilweise ein wenig gedauert hat, das Prinzip zu verstehen. ^^
 
Brandon Sanderson hat hier eine faszinierende Welt erschaffen - die Handlung spielt auf den sogenannten Vereinigten Inseln, die den Vereinigten Staaten unserer Welt ähneln. Diese fiktive Welt verfügt aber auch sonst Bezüge zu unserer Welt, so essen die Charaktere zum Beispiel Spagetti. Ansonsten ähnelt es aber fast dem Steampunk - Mechanik in einer sonst High Fantasy - ähnlichen Welt. Auch die Welt lässt sich also nicht in ein gängiges Muster einordnen.
 
Bei der Handlung selbst hatte ich im ersten Drittel das Gefühl, dass sie sich ein bisschen zog, auch wenn sich das Buch allgemein dank des fesselnden Schreibstils flüssig lesen ließ. Gegen Ende ist dann aber ausreichend Spannung vorhanden. Das Ende ist nicht offen, lässt aber auf einen Folgeband schließen.
Die Idee der Handlung - Schüler, die unter mysteriösen Umständen verschwinden - ist allerdings nicht sonderlich neu, was aber inmitten der ganzen Innovation nicht allzu schwer wiegt.
 
Fazit: Neue, innovative Idee mit mathematischen Bezügen und einem unbegabten, aber nicht unfähigen Protagonisten in einer originellen Welt


 




Vielen Dank an den Verlag!
 
http://www.randomhouse.de/heynefliegt
 

Quelle Cover: Heyne fliegt

6 Kommentare

  1. Huhu liebe Dana! :)

    Wirklich eine schöne Rezension! Ich liebe dieses Buch einfach. Die Rithmatik hat mich schon genauso fasziniert wie Joel und ich kann es kaum erwarten den zweiten Band der Reihe zu lesen. Obwohl dieser wahrscheinlich noch in weiter Ferne liegt. :/

    Alles Liebe,
    Jasi

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    1. Danke, liebe Jasi!
      Ich bin auch schon gespannt auf die Fortsetzung, über die aber anscheinend noch so gut wie gar nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist. :/ Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange. ^^

      Alles Liebe auch dir!

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  2. Huhu liebe Dana :D

    tolle Rezension und wirklich wahr, was du da schreibst!
    Beim Cover habe ich auch kurz gestutzt, dass die Zeichnung darauf so anders aussieht als im Buch selbst :/... Auch wenns auf den ersten Blick vielleicht ganz gut und passend aussieht, irgendwie finde ich auch, dass es nicht so richtig stimmig ist.
    Und ja, mich nerven diese Alleskönner-Protagonisten auch ganz furchtbar!!! Oo Irgendwann hat man sie einfach über. Da war ich auch sehr froh, dass man hier mit Joel mal jemanden bekommt, der nicht so ein Überflieger ist (auch wenn er es gerne wäre, aber das ist ja nicht schlimm xD).

    Liebe Grüße an dich ♥
    Insi Eule

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    1. Dankeschön, liebe Insi Eule! *-*
      An sich wirkt das Cover ja cool, aber das Motiv ist eben nicht ganz korrekt ... Schade eigentlich. ^^
      Man weiß einfach bei den meisten Bücher entweder sofort "Oh, die/ der ist mal wieder special und außergewöhnlich und kann alles besser als der Rest" oder das stellt sich heraus - und man weiß es trotzdem lange vor dem Protagonisten. Ich bin ja dafür, dass mehr Bücher aus der Sicht von "Anti-Helden" geschrieben werden - wobei Joel ja auch zeigt, dass Begabung nicht alles ist. Und dass man auch ohne etwas bewirken kann. ;)

      Liebe Grüße auch an dich ♥

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  3. Hey Dana :)
    hab gleich auch mal bei dir vorbeigeschneit (:D)
    Mir ging es im Prinzip überall genauso wie dir, auch den Weltenentwurf hast du super beschrieben!

    LG<3
    Anna

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    1. Hey Anna,
      das freut mich, danke! Allein diese Idee ist das Buch schon wert und ich bin gespannt auf den Folgeband, um mehr über die Welt zu erfahren. ^^

      LG <33

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