Samstag, 4. Juli 2015

[Rezension] Syrenka - Fluch der Tiefe

«„Die Ewigkeit bietet keine Erfüllung“, sagte sie. „Sie bedeutet nur Verlust."» (Seite 42)

Autor: Elizabeth Fama

Übersetzer: Dorothee Haentjes

amerik. Originaltitel: Monstrous Beauty (2012)

Verlag: arsEdition

Seiten: 368

Erscheinungsdatum: 03.07.2012

ISBN: 978-3-7607-8750-3

Gebunden mit Schutzumschlag



Inhalt:

Im Jahr 1872 trifft der junge Wissenschaftler Ezra auf die schöne Sirene Syrenka.
Mehr als 130 Jahre später ist die siebzehnjährige Hester überzeugt davon, niemals eine Beziehung eingehen zu können, nachdem ihre Vorfahrinnen unter unerklärlichen Umständen kurz nach der Geburt ihres Kindes verstarben. Nach einer Begegnung beginnt das historieninteressierte Mädchen, die Geschichte zu erkunden ... Und stößt auf ein tragisches Ereignis ...


Äußere Erscheinung:
 
Um ehrlich zu sein war es teilweise ein Coverkauf. Das liegt in erster Linie daran, dass der Schutzumschlag glänzt, was zusammen mit der äußerst gelungenen Farbgestaltung dieses verschwommene Gefühl der Unterwasserwelt nochmal verstärkt. Was auf der anderen Seite echt schwer zu fotografieren war, daher entschuldigt das schiefe Bild. ^^
Die Sirene an sich ist zwar mal wieder ziemlich Mädchengesicht-like, davon mal abgesehen aber ein sehr passendes Motiv. Nur die Authentizität des Make-ups wage ich zu bezweifeln ... sowas löst sich doch im Wasser viel zu schnell und entspricht wohl kaum der Kultur der Sirenen.
 
Meine Erwartung:
 
Dieses Buch gehörte zu meinen ältesten Wunschlistenleichen und hatte mich damals teilweise durch das glänzende Cover, in erster Linie jedoch durch den Prolog angesprochen. Mittlerweile ist das Buch so nicht mehr erhältlich, ich habe es aber als Mängelexemplar entdeckt.
 
Meine Meinung:
 
Der Leser wird in die Geschichte durch einen Prolog eingeführt, der 1522 spielt und in dem die Sirene Syrenka ihre Liebe findet ... und verliert. Dieser Prolog konnte bei mir schon Neugier und Spannung erregen.
Anschließend springen wir in „unsere“ Zeit, zu Hester, einem Mädchen mit einem Faible für Geschichte und einer tragischen Familiengeschichte. Zwischendurch werden immer mal wieder Kapitel eingeschoben, die von dem Forscher Ezra und seiner Begegnung mit Syrenka im Jahr 1872 handeln.
 
Der Grundaufbau ist schlicht 0815 - oder kommt euch das etwa nicht bekannt vor: Hester hat einen besten Freund, Peter, für den sie ein bisschen mehr als nur Freundschaft empfindet - was sich glücklicherweise (?) im Buch nicht weiterentwickelt - und die erwähnte tragische Familiengeschichte. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben und Hester selbst ist mal wieder ein Mauerblümchen.
Gerade letzteres hat mich ein bisschen gestört, weil Hester teilweise alles andere als zurückhaltend wirkt. Sie handelt oft impulsiv und bei Gesprächen wird sie nicht selten laut und zickig - etwas, was mich prinzipiell nicht sonderlich angesprochen hat und außerdem eben nicht mit ihrem Mauerblümchen-Dasein vereinbar ist. Darüber hinaus fand ich ihre Handlungen manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Das alles machte es mir schwer, eine Bindung zu ihr aufzubauen.
 
Die Grundidee der Familiengeschichte ist ebenfalls alles andere als neu - mir ist dieses Prinzip jedenfalls schon unzählige Male begegnet. Doch die Weiterentwicklung dieser Idee mit den historischen Bezügen und den Verwicklungen fand ich wiederum sehr gelungen.
Doch auch hier lag das Problem manchmal ein wenig in der Umsetzung. Manchmal wirkte das Ganze ein wenig übertrieben, es war zu viel Drama auf einmal. Dieses Gefühl legte sich dann allerdings zum Ende hin wieder ein bisschen, wenn sich alles zusammenfügt.
 
Es war im Übrigen meine erster richtiger Meerjungfrauen-/Sirenen-/Nixen-/wieauchimmer- Roman und ich fand die Darstellung besagter Wasserwesen relativ durchdacht. Zum Einen gefiel mir diese Balance zwischen Schönheit, Gefühlen und gleichzeitig der Brutalität. Dies wird bereits im Prolog deutlich, wenn Syrenka eigentlich verliebt ist, dann aber ihre Stärke überschätzt, was fatale Folgen hat. Das verleiht den Sirenen eine gewisse Vielschichtigkeit.
Aber auch sonst liegt keine klassische Gut-Böse-Einteilung vor. Die Charaktere haben meist ihre Motive für ihr Handeln und so verschiebt sich die Sympathie je nach Blickwinkel, was das Ganze angenehm authentisch macht.
 
Wie bereits angesprochen verfügt das Buch über eine gewisse Brutalität, unter anderem da die Sirenen manchmal ein wenig gewalttätig auch auf brutaler Ebene und alles andere als zimperlich sind - also nichts für schwache Nerven, aber eine erfreuliche Abwechslung zu der allgemeinen harmlosen Meerjungfrauen-Vorstellung.
Ansonsten war es durchaus spannend, da man als Leser natürlich schon irgendwie hinter das Rätsel kommen will. Dadurch, dass der Leser Einblick in die Geschehnisse von 1872 bekommt, erhält er die Gelegenheit, sich selbst seine Gedanken zu machen und zu kombinieren. Umgekehrt führte das natürlich auch dazu, dass ich Hester manchmal ein wenig voraus war.
 
Fazit: Aufbau und Idee nicht neu, aber tiefgründig umgesetzt, Charaktere vielschichtig, Zugang zur Protagonistin fehlte mir

 

2 Kommentare

  1. Hmm ich habe mir das Buch vor Kurzem bestellt und warte auf seine Ankunft.
    Ich frage mich gerade ob ich eine Fehlentscheidung getroffen habe. Was meinst du?
    LG Melie

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    1. Ich schätze, dass das auch auf den individuellen Geschmack ankommt und dass du vielleicht nicht zu große Erwartungen an das Buch setzen solltest. Ansonsten - ich fands ja nicht wirklich schlecht, trotz der Kritikpunkte war es unterhaltsam und die Idee an sich ganz interessant, außerdem sind einige Charaktere ja auch durchaus vielschichtig.
      Wenn du also nicht zu hohe Ansprüche stellst, könnte es durchaus unterhaltsam werden. ^^

      Liebe Grüße :)

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