Samstag, 8. August 2015

[Rezension] Der letzte Engel - Der Ruf aus dem Eis

«Heute weiß ich auch, dass das Schicksal nur ein Scherz ist - wir sind es, die die Steine in Bewegung setzen, wir sind es, die der Lawine zuschauen, während sie auf uns zurast. Wir könnten ihr ausweichen, aber wir sind so fasziniert von der Zerstörung, dass wir stehen bleiben.» (Seite 137)

Autor: Zoran Drvenkar

Verlag: cbj

Seiten: 544

Erscheinungsdatum: 30.03.2015

ISBN: 978-3-570-17131-0

Gebunden mit Schutzumschlag; 17,99€





Dilogie:
  • Der letzte Engel  Rezi *klick*
  • Der letzte Engel - Der Ruf aus dem Eis

ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZUM VORGÄNGER!!!



Klapptext:

Stell dir vor, die Unsterblichkeit klopft an deine Tür und raubt dir dein Leben.
Stell dir vor, du heißt Motte und erwachst mit zwei Flügeln auf dem Rücken.
Und dann gehst du auf deine eigene Beerdigung und bist für niemanden sichtbar, außer für zwei alte Damen.
Und diese alten Damen haben sehr großes Interesse daran, dir deine Flügel abzunehmen.
Stell dir vor, du bist der letzte Engel.
Und jetzt stell dir vor, du wirst wiedergeboren und dein erster Atemzug wandert um die Welt und lässt die Toten auferstehen.
Stell dir das mal vor.

 

Äußere Erscheinung:
 
Mich nervt an dem Titel, dass hier - ähnlich wie bei Die Bestimmung - beim zweiten Teil auf einmal ein Untertitel auftaucht und sonst der Titel des ersten Teils übernommen wurde. Nicht, dass der Untertitel nicht passend wäre, aber es geht ums Prinzip. ^^

 
Das Cover stellt eine Szene aus dem Buch dar, vielleicht nicht die bedeutendste, aber mit Sicherheit nicht die unbeeindruckendste. Möglicherweise war das nicht bestgewählteste Motiv, aber mit Sicherheit ist der Handlungsbezug gegeben.

 
Meine Erwartung:

 
Das Ende des vorherigen Teils war ein mieser Cliffhanger und natürlich brannte ich darauf zu wissen, wie es weitergeht.

 
Meine Meinung:

 
Mottos Flügel wurden ihm abgeschnitten, was ihm denkbar gegen den Strich geht. Dazu sorgt seine Wiederbelebung dafür, dass die Toten auferstehen ... und dass eine alte Prophezeiung beginnt, ihren Lauf zu nehmen ...
Trotz dass das Lesen des Vorgängers bei mir weit über ein halbes Jahr her ist, sorgten beiläufig gebrachte Informationsbrocken am Anfang des Buches dafür, dass ich schnell wieder reinkam.
 
Der Stil ist alles andere als üblich. Die Erzählperspektive wechselt mit jedem Kapitel zwischen mehreren Personen, die häufiger oder eben auch nur ein Kapitel lang zur Sprache kommen, zwischen Orten und zwischen der Zeit. Was bei fast jedem anderen Autor in Verwirrung geendet hätte, gelingt Zoran Drvenkar meisterhaft.
Dabei ist Motte der einzige Ich-Erzähler, und der, bei dem grundsätzlich auch ein gewisser Sarkasmus mitschwingt. Darüber hinaus erzählen wichtige Charaktere wie Esko oder Mona, aber auch Charaktere, die einen kleinen Anteil leisten. Die Kapitel springen dabei nicht selten in der Zeit, mal sind es nur wenige Minuten, dann Stunden, manchmal auch Jahrhunderte.
Und doch ist es nicht so verwirrend, wie es erscheinen mag. Mal haben die Kapitel kaum etwas miteinander zu tun und sind nur parallele Handlungsstränge, dann wieder verschiedene Hinführungen aus unterschiedlichen Positionen zu einer Eskalation, in jedem Fall führen die Stränge zusammen, berühren sich, beeinflussen sich. Die Fäden, die der Autor zwischen der Welt vor einer halben Millionen Jahre, dem 19. Jahrhundert und den vielen Handlungssträngen im Jetzt zieht, bilden ein gelungenes Meisterwerk mit einem mehr als gut durchdachten Plot.

 
Faszinierenderweise erstreckt sich die Handlung - ähnlich wie beim Vorgänger - auf wenige Tage, dennoch passiert innerhalb dieser Stunden so viel an so vielen Orten aus so vielen Perspektiven, dass die Seiten mühelos gefüllt werden können. So entstehen auch die Zeitsprünge um ein paar Minuten oder auch Stunden zurück, wenn eine Perspektive weiter ist als die andere. Der Übergang ist teilweise gut verbunden, indem Elemente (wie das Wetter) der einen Perspektive aufgegriffen werden.
 
Dieser Stil ist also irgendwie kaum verwirrend, bildet aber gleichzeitig eine sehr hohe Spannung. Der Thriller ist fesselnd und gleichzeitig getränkt von einer oft düsteren Atmosphäre, nicht zuletzt, weil überall Tote rumlaufen, was ja schon irgendwie ein wenig gruselig ist. Hier wurde aber glücklicherweise auf übertriebenes Drama verzichtet, tatsächlich sind die Toten nämlich einigermaßen friedlich.
 
Nicht so friedlich sind allerdings die Charaktere, die an den Strängen ziehen.
Von denen vielen Gegenspielern haben die Meisten aber immerhin Motive und es ist schwierig, letztendlich zu sagen, wer der Böse ist - vielleicht, weil es das einfach nicht gibt. Das wiederum macht das Ganze authentisch. Mag sein, dass das ein oder andere Motiv weniger nachvollziehbar war als das andere - den alten Gräfinnen hätte ich zum Beispiel gerne den Hals umgedreht ^^ - aber dennoch zeichnet sich dieses Buch auch durch die Tiefgründigkeit aus.
In dem Abschluss erfährt der Leser auch viel über die Hintergründe, die zu den Entwicklungen geführt haben sowie mehr zu der Prophezeiung und den Zusammenhängen mit dem Zeitalter der Engel. Das Ende ist nicht vollständig abgeschlossen und konnte mich auch nicht ganz zufriedenstellen.

 
Fazit: Fesselnder, düsterer Fantasythriller mit vielen Sprüngen zwischen Perspektiven, Zeit und Ort, dies ist jedoch nicht so verwirrend, wie gedacht!

 


Quelle Cover & Klapptext: cbj

2 Kommentare

  1. Ja. Jaaaaaa. JAAA, ich werd das noch lesen! :D

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    1. Dann TU ES! :D Große Empfehlung. Direkt an dich. Ich bin mir relativ sicher, es wird dir gefallen. ^^ ;D

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