Montag, 28. September 2015

[Rezension] Purpurmond

Autor: Heike Eva Schmidt

Verlag: Pan

Seiten: 352

Erscheinungsdatum: 01.03.2012

ISBN: 978-3-426-28366-0

Gebunden mit Schutzumschlag; 14,99€





Klappentext:

Als Cat einen alten Halsreif findet, legt sie ihn sich neugierig um. Dumm nur, dass das Schmuckstück mit einem Fluch belegt ist und sie geradewegs in die Vergangenheit befördert. Zu allem Überfluss lässt sich der Kupferreif auch nicht mehr von ihrem Hals entfernen. Wären da nicht die kräuter­kundige Dorothea und deren Bruder Jakob, der Cats Herz schneller schlagen lässt, würde sie wohl verzweifeln, vor allem, da der Halsreif sich immer enger zusammenzieht …


Äußere Erscheinung:

Das Cover ist in einem Ton gehalten, den Farbenkenner vermutlich als irgendeinen speziellen Rotton (beere oder was weiß ich) bezeichnen würden, in meinen diesbezüglichen Fachkenntnissen fernen Augen aber einfach rosa ist - nicht pink, weshalb ich nichts gegen die Farbe habe.
Die Gestaltung des Covers zeigt kein explizites Motiv, ist aber für meine Augen ziemlich schön mit den Ranken und einzelnen Symbolen, selbst wenn ein direkter Handlungsbezug nicht klar ersichtlich ist.

Der Titel stellt sich im Verlauf der Handlung als passend heraus.

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch als Mängelexemplar entdeckt und, äh, einfach mal gekauft. Es klang nach einer unterhaltsamen, lockeren, ganz interessanten Geschichte, ist ein Einzelband und kostete nur die Hälfte - okay, klassischer Spontankauf, würde ich sagen. Dementsprechend bin ich auch mit keinen richtigen Erwartungen an das Buch herangegangen.

Meine Meinung:

Anders, als der Klappentext vermuten lässt, kehrt Cat zwischen ihren Zeitreisen wieder in die Gegenwart zurück und kann die Reisen selbst auch einigermaßen steuern - was jedoch nichts daran ändert, dass der Halsreif sich bedrohlich zuzieht und die Lösung in der Vergangenheit zu liegen scheint.
Bei ihren Zeitreisen aus dem Bamberg 2012 in das Bamberg des Jahres 1630 landet Cat mitten im Zeitalter der Hexenverfolgungen, die in aller Grausamkeit dargestellt werden. Spätestens nach den Anmerkungen wird klar, dass die Geschichte auf eine fundierte Recherche zurückgeht und so kann man ganz nebenbei auch etwas über besagte Hexenverfolgungen lernen - die ja der blanke Wahnsinn waren, angesichts der Brutalität gegenüber unschuldig, wegen Lappeilen verurteilten Menschen. All das wird dem Leser sehr verständlich und authentisch vor Augen geführt.
Der Reif geht allerdings auf echte Hexerei zurück; die Zusammenhänge mit den Zeitreisen sind faszinierend.

Auch wenn der Klappentext etwas anderes vermuten lässt, steht die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund, sondern wirkt nicht selten eher nebensächlich - Spannung ist dennoch ausreichend vorhanden.
Zwischendurch gibt es Abschnitte aus Dorotheas Sicht. Diese ist etwas ängstlich und durch die gesellschaftlichen Umstände gehemmt, hat aber dennoch ein sehr liebenswertes Wesen und alles andere gleicht Cat schließlich wieder aus.

Womit wir dann bei Cat werden, die das Ganze aus der Ich-Perspektive erzählt. Sie ist eine starke, mit Sicherheit nicht auf den Mund gefallene Protagonistin. Cat lässt sich von absolut niemandem auch nur annähernd unterkriegen, ist schlagfertig, definitiv selbstbewusst und gibt allem und jedem Paroli, sei es die Oberzicke in der Schule im 21. oder der oberste Richter im 17. Jahrhundert.
Außerdem verfügt sie über einen wundervollen Humor, der mich immer wieder zum Grinsen gebracht hat - allein ihre ironischen Kommentare sind genial. Zwar kommt sie in der Vergangenheit ganz gut zurecht, Fettnäpfchen werden sehr zu meiner Freude vermieden und sie bemüht sich um Anpassung, allerdings stößt sie sich immer wieder an den damaligen Sitten - wie das eben so ist, als emanzipiertes Kind des aufgeklärten 21. Jahrhunderts. Für den Leser gestaltet sich das als sehr amüsant. Sie neigt dazu, Dinge in der Vergangenheit mit gegenwärtigen, populären Sachen zu vergleichen, zum Beispiel erklärt sie bei einer undenkbaren Vorstellung, dies sei wie ein Auftritt von Sido im Musikantenstadl.
Auch mit der mittelalterlichen Ausdrucksweise hadert sie, zeigt aber definitiv eine Verbesserung. Ansonsten ist die Sprache modern gehalten. Generell sind Cats Gefühle und Handlungen nachvollziehbar.

Der Grundaufbau - sie ist zum Beispiel neu in der Stadt - mag nicht wirklich originell sein, die Charaktere sind nicht die vielschichtigsten (wenn auch meist liebenswert, wie beispielsweise erwähnte Dorothea) und generell ist die Geschichte nicht herausragend komplex, aber das Buch ist eben eines dieser lockeren Bücher für Zwischendurch, bei denen man Spaß am Lesen hat. Meiner Meinung nach braucht man auch solche Bücher manchmal.
Es ist locker geschrieben, der Schreibstil ist flüssig und fesselnd und das ganze Buch ist einfach total unterhaltsam und hat mich für ein paar schöne Lesestunden auch definitiv unterhalten.

Fazit: Unterhaltsame, lockere Zeitreisegeschichte in das Zeitalter der grausamen Hexenverfolgungen mit einer selbstbewussten, modernen, schlagfertigen und sarkastischen Protagonistin




Quelle Klappentext: Droemer Knaur
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