Donnerstag, 22. Oktober 2015

[Rezension] Jenseits

«Mir hingegen scheint dieses Vergeben und Vergessen kein besonders gutes Motto zu sein. Jemandem zu vergeben, ermöglicht uns, über Dinge hinwegzukommen, was im Falle meiner Eltern durchaus sinnvoll wäre. Aber wenn wir vergessen, lernen wir nichts aus unseren Fehlern. Und das kann tödlich sein.» (Seite 13)


Autor: Meg Cabot
Übersetzer: Michael Pfingstl
amerik. Originaltitel: Abandon (2011)
Verlag: Blanvalet
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 18.02.2013
ISBN: 978-3-442-37967-5
Taschenbuch; 12,00€






Trilogie:
  • Jenseits
  • Underworld
  • Schattenliebe


Klappentext:


Als Pierce Oliviera mitten im Winter in einen eiskalten Pool stürzt, stirbt sie. Die Ärzte kämpfen um ihr Leben – und können sie schließlich retten. Ein Wunder der Medizin, denken alle. Doch Pierce weiß es besser. Denn ihre Seele war an einem anderen, sehr unheimlichen Ort: der Unterwelt. Und nur durch einen Trick ist sie dem Herrscher über jene Welt entkommen. Niemand glaubt ihr, doch Pierce hat einen Beweis, dass sie dort war: Eine Kette, die gegen das Böse schützen soll, ein Geschenk des mysteriösen John Hayden, den sie dort traf. Doch was, wenn John das Böse ist?



Äußere Erscheinung:

Der Titel ist äußerst treffend, das Cover ... na ja, es sieht schon irgendwie cool aus, passt aber in meinen Augen nicht wirklich zu der Story. :x
Vor jedem Kapitel findet sich ein Zitat aus Dante Alighieris „Göttliche Komödie“.

Meine Erwartung:

Eine weitere Wunschlistenleiche, die nach einer vielleicht nicht höchst anspruchsvollen, aber doch unterhaltsamen Urban Fantasy - Story mit einer faszinierenden Idee klang. Zudem ließ der Prolog auf Bezüge zur griechischen Mythologie hoffen.

Meine Meinung:

Die Idee ist wirklich cool. Diese ganze Neuinterpretation des Sterbevorgangs auf die Weise der griechischen Mythologie und auch die Zusammenhänge faszinierten mich. Das Problem war wie so oft die Umsetzung.
Die Idee enthält unglaublich viel Potenzial, das schlichtweg nicht genutzt wurde. Nach wenigen Seiten ahnte ich, wie sich alles entwickeln würde, ahnte die Zusammenhänge - und wurde auch nicht wirklich überrascht. Gut, es gab ein, zwei Enthüllungen, die ich vielleicht nicht so ganz erwartet hätte, aber ansonsten war die ganze Geschichte unglaublich vorhersehbar.
Hatte ich am Anfang noch die Hoffnung, die zu erwartenden Enthüllungen würden bald abgehakt und durch eine spannendere Handlung ersetzt werden, so musste ich mich schnell damit abfinden, dass das Hinauslaufen auf diese vorhersehbaren Enthüllungen sowie das Enthüllen selbst das ganze Buch einnehmen. Somit konnte mich dieses weder überraschen noch fesseln.

Gut fand ich, dass der Leser in das Jetzt geworfen wird, ehe Pierce in Rückblicken von ihrem Tod und den darauffolgenden Ereignissen erzählt und dass diese Rückblicke zwischendurch ins das „aktuelle“ Geschehen eingeworfen werden, sodass es nicht zu viel auf einmal wurde.
Ich erwartete von Meg Cabot einen lockeren Schreibstil und diesen bekam ich auch. Das Buch ist unterhaltsam sowie flüssig geschrieben, allerdings kam der Sarkasmus nicht wirklich bei mir an, was daran lag, dass ich die Kommentare der Protagonistin eher albern fand.

Damit wären wir dann auch bei der Protagonistin. Hatte ich am Anfang noch das Gefühl, sie würde eine sympathische Protagonistin werden, kehrte sich dieser Eindruck mit steigender Seitenzahl ins Gegenteil. Sollte ich sie mit einem Wort beschreiben, wäre das eindeutig: naiv.
In dem einen Rückblick ist sie sieben, im nächsten fünfzehn Jahre alt und doch kam sie mir kaum reifer vor. Und auch danach kam sie mir oft jünger vor, als sie sein sollte.
Sie soll als Charakter das Bedürfnis haben, allen zu helfen und sich selbst dabei außen vorzulassen. An sich ist das ja auch ganz schön, das Problem ist auch hier die Umsetzung. So scheint Pierce den fragwürdigen Auftrag zu haben, ihr nahestehende Personen vor dem Bösen beschützen zu müssen. Ähm, ja. Beschütz erst mal dich selbst, dann reden wir weiter.
Außerdem ist sie selbstmitleidig und betont andauernd, sie habe doch an nichts Schuld - was bei näherer Betrachtung durch den Leser nicht wirklich stimmt. Gut, es läuft alles ein bisschen scheiße, aber viele Dinge, auf die sie ihre eigene Unschuld bezieht, waren nicht selten Folgen ihrer eigenen Entscheidung. Vielleicht hätte ein bisschen weniger Helfen-Wollen und ein bisschen mehr Denken manchmal nicht geschadet.

Bezüglich der Nebencharaktere hätten wir da erst mal John Hayden, der Pierces nervige Persönlichkeit zwar nicht ausgleichen kann, sie aber doch erträglicher macht, da wenigstens er eine faszinierende Persönlichkeit hat. Das Klischee eines Bad Boys - ja, gut, ich hab ein Faible dafür. ^^ Aber auch sein Hintergrund macht ihn faszinierend.
Die anderen Charaktere haben oft Potenzial, das ebenfalls nicht wirklich genutzt wird. So gibt es ein paar, bei denen eine angenehme Vielschichtigkeit zwar angedeutet, aber nicht näher ausgebaut wird.

Mein wesentlichstes Problem mit dem Buch - neben Pierces Naivität - waren die fehlenden Entwicklungen.
Das ging schon ganz gut los, denn zu Beginn wirkt es so, als habe Pierce mit John mehrere Tage verbracht, es wirkt, als kenne sie ihn und die Facetten seiner Persönlichkeit gut (was übrigens auch umgekehrt so rüberkommt) und habe viel Zeit mit ihm verbracht. Aus den Rückblicken geht dagegen hervor, dass sich die gemeinsame Zeit zusammengerechnet kaum auf eine Stunde beläuft. Das wirkt sich dann auf den ganzen Rest aus.
Bei der Liebesgeschichte ist es dasselbe: Plötzlich macht es *klick* und als hätte jemand einen Schalter umgelegt, lieben sich Prota und Love Interest. Ich habe anscheinend leider alles zwischen „Ich kenne ihn nicht mal“ und „Ich liebe ihn“ verpasst.
Das nimmt dem Ganzen dann leider die Glaubwürdigkeit.

Warum habe das Buch dann trotzdem nicht entnervt beiseitegelegt? Na ja, mich haben die Idee und irgendwie auch Johns Charakter fasziniert, außerdem ist das Ganze locker und unterhaltsam geschrieben.
Leider lässt die Inhaltsbeschreibung der Fortsetzung nicht auf eine Steigerung hoffen - hat jemand den zweiten Teil gelesen und kann mir sagen, ob sich dieser lohnen würde? ^^

Fazit: Zwar interessante Idee, die aber vorhersehbar, ohne Entwicklungen und mit einer sehr naiven Protagonistin umgesetzt wurde



Quelle Cover & Klappentext: Blanvalet

4 Kommentare

  1. Hm, schade. Ich war am überlegen, ob ich dieses Buch lesen soll, aber wenn deine Meinung so traurig ausfällt, rückt es irgendwie weiter in die Ferne. Vielleicht packt es mich ja doch noch irgendwann, aber zur Zeit...ich weiß nicht recht. :/
    Alles Liebe,
    Ellen

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    1. Na ja, ich hab auch einige Rezensionen gelesen, die ziemlich positiv ausgefallen sind, aber ich selbst würde es nicht empfehlen. :x

      Alles Liebe! ♥

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  2. Schade, dass es dir nicht so gefällt, so sinkt das Buch erstmal auf der WuLi ;-)

    LG ♥
    Anna

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    1. Ich hatte auch etwas mehr davon erwartete - wirklich schade, auch um die Idee. :/

      LG ♥

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