Samstag, 7. November 2015

[Rezension] Rot wie das Meer

«Außerdem kann ich nicht viel mit Leuten anfangen, die ihre Zeit damit verschwenden, zu jammern und zu klagen und sich die Haare über etwas zu raufen, was sie nicht haben und auch nie haben werden, denn Dad hat uns seit unserer Kindheit gepredigt, dass es einen Unterschied zwischen brauchen und wollen gibt.» (Seite 306)


Autor: Maggie Stiefvater
Übersetzer: Sandra Knuffinke & Jessika Komina
amerik. Originaltitel: The Scorpio Races (2011)
Verlag: script5
Seiten: 432
Erscheinungsdatum: 12.11.2012
ISBN: 978-3-8390-0147-9
Gebunden mit Schutzumschlag; 18,95€






Klappentext:

Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann.

Wie viele junge Männer der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben.

Das diesjährige Rennen aber wird sein wie keines zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel.

Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot …


Äußere Erscheinung:

Toll! Sowohl das Cover, das wohl die rotgefärbten Wellen darstellen soll, als auch der dazu passende Titel - denn bei dem Rennen, um das es geht, färbt das Blut das Meer rot. Somit finde ich den deutschen Titel auch aussagekräftiger und nahezu poetischer als den Originaltitel.
Unter dem Schutzumschlag ist das Buch übrigens leicht rau, mit einer weißen Musterung wie Wellen, ansonsten wurde lediglich die Prägung des Titels von dem Schutzumschlag übernommen. Daher fühlt sich das Buch auch ohne Schutzumschlag cool an und hebt sich von den üblichen einfarbigen Büchern ab.

Meine Erwartung:

Ich habe zu diesem Buch viele begeisterte Meinungen gelesen und da mich der Klappentext ansprach, wollte ich es haben.

Meine Meinung:

Die Geschichte wird abwechselnd von Sean und Puck jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt, dennoch geriet ich niemals in Gefahr zu verwechseln, wer gerade erzählt, da die beiden sehr unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Während Puck aufbrausender und entschlossen ist, ist Sean eher still und zurückgezogen. Gleichzeitig ähneln sich die beiden aber auch wieder: Beide sind gut darin, ihre Gefühle zu verbergen, beide sind in der Gesellschaft ihrer Insel ein wenig außen vor, auch wenn die Insel ihre Heimat ist. Ich schloss beide nach kurzer Zeit in mein Herz.

Sean ist ein ruhiger, intelligenter Einzelgänger, der das Meer und Pferde liebt, und unter deren gelassenen Oberfläche sich durchaus eine emotionelle Tiefe verbirgt. Er wird teilweise als „Pferdeflüsterer“ bezeichnet, weil er mit fast jedem Pferd klarkommt - auch mit einigen Capaill Uisce. Dennoch hat er es nicht immer leicht und hinter seiner unnahbaren Art offenbart sich dem Leser eine Verletzlichkeit, die noch dazu beitrug, dass er einen Platz in meinem Herzen eroberte.
Aber auch Puck ist ein sehr starker Charakter und auch sie liebt ihre (normale) Stute Dove sehr. Ich mochte es, wie sie ihren Willen durchsetzt und sich von niemandem beirren lässt, wie sie die erste Frau ist, die je an dem Rennen teilgenommen hat und sie das vollkommen kaltlässt, weil es ihr nur darum geht, dass ihr älterer Bruder auf der Insel bleibt. Wie auch sie schwache Seiten hat und diese zu verbergen sucht, wie sie den Mut aufbringt, an dem Rennen teilzunehmen, obwohl das dunkle Erinnerungen in ihr hervorruft.

Und dann wäre ja noch die Liebesgeschichte, die sich langsam entwickelt und ohne jeglichen Kitsch auskommt. Tatsächlich verläuft sie anders als alle Liebesgeschichten, die ich so gelesen habe, weil auf das typische „Er macht mich verrückt“ und „Er sieht soo gut aus“ sowie erwartete Dramen verzichtet wird, stattdessen läuft es viel subtiler, aber nicht minder süß ab und dennoch sind die zarten Gefühle durch die Seiten spürbar.
Wie ich es nicht anders von Maggie Stiefvater gewohnt bin, sind auch die Nebencharaktere sehr vielschichtig, lebendig und oft liebenswert. Letzteres gilt gerade für Pucks anderem Bruder Finn mit seiner stillen, leicht schüchternen Art, hinter der sich auch mehr verbirgt.

Doch im Vordergrund steht das Rennen.
Man sollte meinen, das Buch wäre langweilig, da der Großteil nur von den Vorbereitungen für das Rennen handelt, doch das ist es ganz und gar nicht. Maggie Stiefvaters wundervoller Schreibstil fesselte mich an die Seiten und auch dieses Buch wird von dieser unterschwelligen, leisen Spannung, wie ich sie von der Autorin kenne, durchzogen. Auch die Atmosphäre mit der abgeschotteten Insel und die Dominanz des Meeres sind toll, dazu kommt eine Prise Humor.
So gibt es auch vor dem Rennen genug Anlässe, um mit den Charakteren mitzufiebern und ehe ich mich versah, war ich am Ende angelangt, das vielleicht ein bisschen zu schnell abgehandelt wurde.

Im Übrigen spoilert der Klappentext trotzdem nicht, diese Brutalität ist von Anfang an klar. Und brutal ist das Buch auch durchaus, weshalb es vermutlich nicht zu Unrecht vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen wird, denn Capaill Uisce zerfleischen auch gerne mal andere Tiere oder eben auch Menschen. Das macht diese ungewöhnliche Idee wiederum so interessant, denn trotz dieser Tatsache wird jedes Jahr auf der Insel ein Rennen mit diesen Wasserpferden veranstaltet, weil eben auch die Inselbewohner von den monsterähnlichen Pferden fasziniert sind.
Natürlich spielen Reiten und Pferde generell eine Rolle, aber auf eine vollkommen andere Art und vor einem vollkommen anderen Hintergrund als übliche Pferdebücher - für den Pferdefreund also ziemlich interessant und für den Nicht-Pferdefreund auch.
Spätestens aus dem Nachwort geht hervor, dass die Capaill Uisce an mythologische Sagen angelehnt sind, die Idee an sich ist mir in dieser Weise noch nicht begegnet und sie hat mich definitiv fasziniert.


Fazit: Neue, faszinierende Idee, auf eine fesselnde und leicht brutale Weise umgesetzt mit vielschichtigen, lebensechten Charakteren und insbesondere zwei starken Protagonisten, die man einfach ins Herz schließen muss!




Quelle Cover & Klappentext: script5

8 Kommentare

  1. Huhu Dana :)

    Tolle Rezension! Von "The Scorpio Races" hab ich schon an mehreren Ecken was gehört und fand die idee auch ganz ansprechend. Leider habe ich bisher nur ein Buch von Maggie Stiefvater gelesen (Wen der Rabe ruft) und hab mich da, auch wenn ich die Atmosphäre des Buchs toll fand, eher durchgebissen, gerade weil sie ja so einen einzigartigen Schreibstil hat.
    Dennoch bin ich neugierig - ich werde das Buch spätestens lesen, nachdem ich mit den Raven Boys Büchern fertig bin. :D

    Ich wusste gar nicht, dass "The Scorpio Races" ins Deutsche übersetzt wurde - Mann, ich hab gar keinen Überblick mehr. xD

    Liebe Grüße,
    Sanne ♥

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    1. Huhu liebe Sanne,

      dankeschön. :) Ich persönlich finde, dass dieser einzigartige Schreibstil in der "Raven Boys"-Reihe noch ein bisschen mehr hervor sticht als hier, allerdings kann da auch durch die Übersetzung etwas verloren gegangen sein. Dennoch fand ich auch dieses Buch sehr gut und würde mich auf deine Meinung freuen. *o*

      Na ja, es ist ja auch nicht mehr ganz so aktuell - schade eigentlich. ;D

      Liebe Grüße auch dir! ♥

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  2. Aaah, du hast es gelesen ♥♥♥
    Ich liebe Maggie Stiefvater schon dafür, dass sie Kelpies als mythologische Figuren "verarbeitet" hat :)
    Und ich freu mich ja seehr, dass dir das Buch gefallen hat ^-^

    Liebe Grüße ♥♥♥

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    1. Ich hatte auch schon vorher die ganze Zeit im Hinterkopf, dass du so sehr davon geschwärmt hast - und ich wurde nicht enttäuscht. :D Ich glaube, wäre dein Schwärmen nicht gewesen, hätte ich das Buch wesentlich später gelesen, also danke dafür. ^^
      Stimmt, diese Idee ist schlichtweg toll. *-*

      ♥♥♥

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  3. Auch ich habe das Buch gelesen und mochte die raue Art der Geschichte.
    "Wen der Rabe ruft" habe ich nur angelesen und hab es danach nie wieder in die Hand genommen.
    Liebste Grüße,
    Hibi

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    1. Echt? Die Raven Boys - Reihe fand ich eigentlich genauso toll, was hat dich denn daran gestört? :x (Mich fasziniert es gerade, dass ich von einer anderen Bloggerin genau den umgekehrten Fall kenne. xD)

      Dir auch liebste Grüße :)

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  4. Dieses Buch war eines der Mega-Fails, die ich je erlebt habe. Es hat mir so gar nicht gefallen und das liegt am Schreibstil. Ich liebe und hasse ihren Schreibstil zugleich. Total poetisch und trallala, aber irgendwie auch so langatmig und ... langatmig eben :D
    Dabei fand ich die Hauptidee ziemlich cool und auch die Brutalität fand ich cool xD Einfach, weil in YA es oft dazu geneigt wird, dass Dinge als "brutal" abgestempelt werden, die nicht so krass brutal sind. Weißte was ich meine? ;)

    Alles Liebe, wundervolle Rezension, wie immer. *schleimi, schleim*

    ♥♥♥♥

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    1. Stimmt, das hatte ich noch in Erinnerung. :D
      Ich persönlich liebe diesen Schreibstil, aber ich verstehe, was du meinst, wenn du ihn als langatmig bezeichnest. ;)
      Und yep, ich weiß auch, was du in Bezug auf die Brutalität meinst - viele Bücher beinhalten "Brutalität", die nicht wirklich brutal ist, was einer der Gründe ist, weshalb ich dieses Buch, in dem das nicht so ist, auch so mochte. ;) Denn bei den Umständen, die normalerweise so in YA herrschen, ist diese Harmlosigkeit eigentlich sogar wenig authentisch. ^^

      Danke, Liebes! ♥♥♥♥♥

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