Montag, 16. November 2015

[Rezension] Toter Sommer

«Unschuld kann nie von Dauer sein, [...] eines Tages, ganz plötzlich, hebt sich der Schleier.» (Seite 18/19)


Autor: Kat Rosenfield
Übersetzer: Stefanie Schäfer
amerik. Originaltitel: Amelia Anne is dead and gone (2012)
Verlag: FJB
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 24.04.2014
ISBN: 978-3-8414-2155-5
Taschenbuch mit Klappenbroschur; 14,99€






Klappentext:

Dieser schwülheiße Sommer wird der letzte sein, den Becca in ihrer Heimatstadt verbringt. Tags zuvor hat sie ihr Zeugnis bekommen und mit ihrem Freund James noch einen drauf gemacht. Doch dann passieren gleich zwei schreckliche Dinge auf einmal: Erst macht James mit ihr Schluss, und am Morgen findet man das tote Mädchen im Straßengraben. Was danach geschieht, wird Beccas Leben für immer verändern.



Äußere Erscheinung:

Den Titel finde ich sehr passend, er hat mich von vorneherein neugierig auf das Buch gemacht. Außerdem bringt er die Stimmung in der Kleinstadt auf den Punkt. Auch das Cover fängt absolut die Atmosphäre des Buches ein.

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch bei Carly entdeckt und es hat mich damals schon fasziniert. Als ich dann die Gelegenheit hatte, es günstig zu erwerben, ist es spontan in meinem Einkaufskorb gelandet.

Meine Meinung:

Wir steigen in die Geschichte ein mit der Trennung von Rebecca und James, anschließend lernen wir deren Beziehung im Rückblick kennen. Tatsächlich nimmt diese Beziehung auch weiterhin einen nicht unwesentlichen Teil der Handlung ein (auch in der Gegenwart), immer vor dem Hintergrund des unaufgeklärten Mordes - allerdings muss ich sagen, dass die Gefahr eines frei rumlaufenden Mörders nicht bei mir ankam, dafür bewirkt der Mord aber etwas anderes, auf das ich später nochmal zurückkomme.
Es ist hier nicht der Fall, dass Rebecca sich - wie es bei so vielen Thrillern dieser Art so ist - kopfüber in die Ermittlungen stürzt. Zwar beschäftigt sie der Mord, aber auch andere Dinge wie eben die Beziehung zu James und ihr Leben nach dem Sommer.

Das Buch wird hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Rebecca erzählt, wobei die Autorin zwischendurch von dem personalen in den auktorialen Erzähler rutscht, gerade was Gedanken und tatsächliche Erlebnisse von Personen in Bezug zu einem Mord oder das Kleinstadtleben angeht, Dinge, die Rebecca gar nicht wissen kann. Das kommt nur gelegentlich vor und passt außerdem auch zu dem Stil der Autorin, den ich ebenfalls später nochmal aufgreife.
Zwischendurch werden auch Abschnitte aus der Sicht des ermordeten Mädchens eingeschoben, die vor der Ermordung spielen.
Die Sprache der Autorin ist teilweise relativ niveauvoll, jedenfalls verwendet sie einige hochsprachlichere Ausdrücke, dennoch ließ sich das Buch flüssig lesen.

Rebecca war mir prinzipiell nicht unsympathisch, aber ich konnte keine tiefere Beziehung zu ihr aufbauen. Dennoch ist sie ein sehr vielschichtiger und authentischer Charakter mit vielen Ecken und Kanten, allerdings schmälte ihr Verhalten gegen Ende meine Sympathie zu ihr ein wenig.
Auch James stellt sich als ein sehr tiefgründiger Charakter heraus, ebenfalls mit positiven und negativen Seiten und somit realistisch gezeichnet. Einerseits ist er unnahbar und eigenwillig, andererseits aber auch verletzlich. Als Leser erhält man auch einen Blick in seine Vergangenheit und ich mochte ihn. Mehr noch als Rebecca.
Die Nebencharaktere verfügen ebenfalls über Ecken und Kanten, gerade dieses Zusammenspiel aus guten und schlechten Eigenschaft lässt alle Charaktere so authentisch wirken.

Ehrlich gesagt hatte ich den Hintergrund des Mordes und die Identität des Mörders ziemlich schnell durchschaut, ebenso wie die richtigen und falschen Hinweise darauf, und wurde somit nicht wirklich überrascht.
Prinzipiell konnte mich das Buch auch nicht ganz fesseln, dennoch konnte es mich gut unterhalten und eine unterschwellige Spannung ist durchaus vorhanden. Und in einem Merkmal hebt es sich deutlich von anderen Büchern ab: Dem atmosphärischen Stil.

Kat Rosenfield besitzt einen besonderen Stil, der relativ außergewöhnlich ist. Ihre Worte verfügen über eine Art schwere Süße, ihre vielen Beschreibungen ließen Bilder und Gerüche entstehen. Und der Autorin gelingt es perfekt, die drückende Schwüle des heißen Sommers einzufangen, diese Schwüle findet sich auch in ihren Worten wieder, auf eine fast poetische Weise.
Dadurch entsteht eine einlullende, melancholische Atmosphäre, noch verstärkt durch die Darstellung der abgelegenen Kleinstadt, in der alle zusammenhalten und die die Menschen in ihr festhält, sodass viele für immer in ihr hängen bleiben. Die Darstellung dieser abgeschotteten Stadt ist fast ein wenig unheimlich, was durch den Mord noch verstärkt wird, der das Leben der Menschen auf eine subtile Weise beeinflusst, ein Unbehagen heraufbeschwört, eine bedrückende, dunkle Stimmung.
Diese drückende Stimmung kommt dann auch bei dem Leser an, hüllt ihn und lässt ihn zurück mit dem Gefühl der süßlichen Schwere der Worte.


Fazit: Drückende, schwüle Atmosphäre, die den Sommer der abgelegen Kleinstadt einfängt und die durch ästhetische Beschreibungen auf den Leser übertragen wird; Charaktere mit Ecken und Kanten, allerdings vorhersehbare Auflösung




Quelle Cover & Klapptext: Fischer Verlage

4 Kommentare

  1. Huhu Liebes :)
    Oh noo, "nur" drei Bücher? Dabei habe ich auf vier gehofft. Mir hat das Buch damals echt gut gefallen, hauptsächlich wegen der Schreibweise. Sucker for schöne Schreibweisen, weißt du ^^ (Denglisch auf hohem Niveau hier :D)
    Auf weitere Bücher der Autorin bin ich schon gespannt. Hoffentlich entwickelt sie auch ihre Plotstruktur, damit keine Vorhersehbarkeit mehr herrscht :)

    Alles Liebe
    Carly ♥

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    1. Huhu liebste Carly! :)
      "Nur". *lach* Drei Bücher sind doch nicht schlecht. :P Ich hab ehrlich gesagt auch zwischen drei und vier Büchlein geschwankt, gerade wegen der Schreibweise. ;) Allerdings hat mich das Buch eben nicht so umgehauen, wie andere 4-Büchlein-Bücher (das klingt doppeltgemoppelt, ist es vom Sinn her aber nicht o.O), auch wenn es besser war als 3-Büchlein-Bücher ... *seufz* Jetzt stürzt du mich wieder ins Grübel. :'D
      Ein gutes 3-Büchlein-Buch. Und eine wundervolle Schreibweise. Daher danke, dass du mich dazu gebracht hast, es zu lesen. ^^
      Hmm, ich lass dich davon einfach probelesen, okay? ;P

      Dir auch alles Liebe! ♥♥

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  2. Hey :)
    Hm...irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob der atmosphärische Stil ausreicht, damit ich es lesen will :x

    Liebe Grüße :)

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    1. Der Stil ist schon herausragend und faszinierend, ansonsten musst du eben damit klarkommen, den Plot wahrscheinlich schnell zu durchschauen. Die Charaktere sind auch nicht die liebenswertesten, dafür aber sehr realistisch mit Ecken und Kanten gezeichnet. ^^

      Liebe Grüße ♥

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