Donnerstag, 10. März 2016

[Re-Read-Rezension] Die Flammende

«Ihr wurde plötzlich bewusst, was für eine sinnlose Art zu denken das war, was für eine Schwarz-Weiß-Malerei. Nirgendwo auf dieser Welt gab es einen unkomplizierten Menschen.» (Seite 468)




Autor: Kristin Cashore
Übersetzer: Katharina Diestelmeier
amerik. Originaltitel: Fire (2009)
Verlag: Carlsen
Seiten: ~500
Erscheinungsdatum: 12.01.2011
ISBN: 978-3-551-58211-9
Gebunden mit Schutzumschlag; 19,90€
(Taschenbuch; 9,99€)





Die sieben Königreiche - Trilogie: (kann auch als Einzelband gelesen werden)
  • Die Beschenkte  Rezi *klick*
  • Die Flammende
  • Die Königliche


Die Rezension enthält keine Spoiler zu dem Vorgänger.



Klappentext:

Wer das Mädchen mit den Haaren wie Feuer einmal gesehen hat, wird sie nie wieder vergessen: Fire übt eine unwiderstehliche Macht auf alle Lebewesen in ihrer Nähe aus. Zudem kann sie in die Gedanken anderer Menschen eindringen - nur nicht in die von Prinz Brigan. Wer ist dieser unnahbare Feldherr, und welche Rolle spielt er im Kampf um den Thron? Fire kann sich dem Netz aus Verschwörungen, das sich um sie herum entspinnt, nicht entziehen. Ebenso wenig wie dem Mann, der so widerstreitende Gefühle in ihr hervorruft ...



Äußere Erscheinung:

Fires Haare spielen eine große Rolle, da sie einerseits eine starke Wirkung auf ihre Mitmenschen haben, andererseits Monster (näheres erkläre ich gleich) anlocken, sodass sie sie meist verhüllt. Dennoch trifft die Farbe es noch nicht ganz, vermute ich, da ihre Harre als in allen Rottönen schimmernd beschrieben werden und die Haare auf dem Cover dagegen nur ein blasser Abklatsch sein dürften.
Diesbezüglich ist der Titel daher sehr treffend.

Meine Meinung:

Die Geschichte spielt in einem anderen Land in der von Kristin Cashore erschaffenen Welt, und nach Angaben der Autorin 35 Jahre vor der Geschichte aus „Die Beschenkte“ (Quelle). Somit haben die Geschichten kaum etwas miteinander zu tun, sie handeln an unterschiedlichen Plätzen mit unterschiedlichen Protagonistinnen. Dennoch werden gleich im Prolog Fäden zu der Geschichte aus dem ersten Band gesponnen und im Verlauf der Handlung werden zwei, drei Enthüllungen aus dem Vorgänger vorweggenommen.

In dem Land, den Dells, gibt es keine Beschenkten, dafür Monster. Monster sind Tiere jeglicher Art, die sich durch ihre schillernden, bunten Farben von normalen Tieren abheben und in der Lage sind, in das Bewusstsein anderer Lebewesen einzudringen und es zu beeinflussen, was bei den Tieren in der Regel keine allzu hohe Bedeutung erreicht. Diese Idee finde ich schon unheimlich cool und ungewöhnlich.
Fire ist das letzte menschliche Monster und leidet sehr unter ihrem Wesen. Die Leute fürchten und verabscheuen sie, dennoch hat sie besonders auf Männer einen Einfluss, der diese nahezu dazu drängt, sie zu vergewaltigen. Die Menschen in ihrem Umfeld müssen lernen, ihren Geist abzuschotten, um sich ihrem Einfluss zu entziehen, doch nicht allen gelingt das.

Sie selbst setzt ihre „Gabe“ nur ungern ein, was einen weiteren Grund hat: Ihr Vater. Cansrel, ihr verstorbener Monstervater. Dieser hatte einen hohen Einfluss auf den vorherigen König Nax und hatte Freude an Grausamkeit und Zerstörung. Er missbrauchte seine Macht, spielte grausame Spielchen mit seinen Mitmenschen/-tieren, war kalt, berechnend und brutal. Einzige Ausnahme: Seine Tochter.
Und so steht Fire in einem inneren Konflikt zwischen dem Wissen, dass ihr Vater das Sinnbild eines grausamen Monsters ist, dem Wunsch, diesem Erbe zu entkommen und der Liebe, die sie trotz allem gegen jede Vernunft für ihren Vater empfindet.
Hier wird dann auch deutlich, was ich schon in der Rezension zum Vorgänger angemerkt habe: Es wird darum bemüht, eine strikte Gut-Böse-Einteilung auszuhebeln, hier indem der Leser weiß, was für ein brutaler Tyrann Cansrel war und dennoch spürt, dass er für Fire eben auch ein Vater war. Auch bei anderen Gegnern wird versucht, eine gewisse Menschlichkeit zu erhalten.

Fire leidet also einerseits unter ihrem Wesen, andererseits unter dem Erbe ihres Vaters, der von vielen gehasst wird. Sie hat kaum Freunde, die meisten Menschen fürchten sie und so ist sie einsam und ein wenig verbittert.
Das ist neben dem Freiheitsdrang eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die sie mit Katsa hat, denn während die eine mürrische Einzelgängerin war, wünscht sich Fire insgeheim Freunde, sie hat ein großes, warmes Herz, ist aufopferungsvoll und kümmert sich um ihre Mitmenschen.
Sie hat auch durchaus eine schwache Seite, ist verletzlich, manchmal launisch und doch auch wieder stark. Sie liebt Musik, ihr Pferd und Kinder - auch hier zeigt sich ihre Warmherzigkeit.

Auch die anderen Charaktere sind oft vielschichtig. Was Brigan angeht, dürft ihr das gerne selbst herausfinden. ;)
Mit Archer ist Fire aufgewachsen, er ist ihr größer Freund - und ihr Geliebter. Seinen Namen trägt er nicht von ungefähr, er ist ein exzellenter Bogenschütze, nimmt Fire immer in den Schutz und würde sie am liebsten vor jeder Gefahr beschützen. Allerdings ist er auch aufbrausend und neigt zu Eifersuchtsanfällen, die Fire auf die Nerven gehen - die Ironie dahinter ist, dass Archer selbst in Frauenheld ist und nicht nur ein Mädchen ins Bett nimmt. (Generell tauchen einige uneheliche Kinder in diesem Buch auf. ^^) Und trotz seiner negativen Verhaltensweisen muss man ihn gemeinsam mit Fire irgendwie gern haben.
Andere Charaktere wie die alte Königin Roen oder Archers Vater Lord Bocker, der auch für Fire eine Art Vaterfigur ist, sind ebenfalls sehr liebenswert, sodass man sie gern haben muss, auch wenn hier ebenfalls oft Vielschichtigkeit und auch negative Charakterzüge zutage treten, was sie ungemein authentisch machen.

Die Dells stehen nach dem Tod von Cansrel und dem alten König vor einem Krieg. Während der neue König Nash und sein Bruder Brigan die Herrschaft halten wollen, splittet sich das Land in verschiedene politische Gegner. Wer auf Intrigen steht, dürfte hier bestens aufgehoben sein, denn jeder versucht, den anderen auszuspionieren und ihm einen Schritt voraus zu sein. Für Spannung ist also gesorgt.
Ähnlich wie im ersten Teil kann es auch mal ein bisschen brutaler sein. Dabei werden auch Themen wie die Monatsblutung einberechnet (denn Fires Blut lockt andere Monster an), was ich sehr gut fand.
Wie auch im Vorgänger zeigt sich hier der fesselnde Schreibstil, der es mir schwer macht, mich vom Buch zu lösen. Stärker noch als im ersten Teil tritt der oftmals trockene Humor zum Vorschein. Auch dieser Band ist in sich abgeschlossen.


Fazit: Fesselndes Fantasyabenteuer mit Intrigen, Humor, vielschichtigen, authentischen Charakteren und  einer faszinierenden Idee!




Quelle Cover & Klappentext: Carlsen

2 Kommentare

  1. Wirklich? .... Bist du dir sicher? ... Okay, ich lese sie jetzt und WEHE! *lacht*

    ... *liest* ...

    Eine wirklich sehr ausführliche Rezension und ich sehr schon ... die Bücher sind irgendwie anders. :D Aber auch dieses hier klingt unheimlich interessant, ich bin überrascht, dass es sich um Jugendbücher handelt. So wie du manches schilderst, würde ich da eher in einer anderen Richtung unterwegs sein. Aber das kann ich erst genau sagen, wenn ich sie dann wirklich gelesen habe. :)
    Ich glaube ich wurde nicht gespoilert. *lacht* Danke für die tolle und ausführliche Rezension! :)

    Ganz liebe Grüße ♥♥♥
    Katja

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    1. Ich hab schon die Details rausgenommen, die gespoilert hätten - davon abgesehen werden die Bezüge nämlich erst im dritten Teil deutlich, ansonsten könnten diese beiden Teile auch alleine stehen. ;P

      Hm, ja, es ist vermutlich eher für ältere Jugendliche. xD Aber es ist nicht komplex oder auch brutal genug, um nicht mehr als Jugendbuch durchzugehen, von daher geht das Genre schon noch in Ordnung. ^^ So ein Zwischending zwischen YA-High Fantasy und "echter" High Fantasy. xD
      Die Trilogie ist definitiv etwas Besonderes. ;D Also lesen. Schnell. :P

      Noch eine schöne Restwoche! ♥♥♥

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