Donnerstag, 14. Juli 2016

[Rezension] Das Morgen ist immer schon jetzt

„Nicht jeder muss der Erwählte sein. Nicht jeder muss die Welt retten. Den meisten bleibt nichts anderes übrig, als ihr Leben zu leben, so gut sie eben können, Dinge zu tun, die ihnen wichtig sind, tolle Freunde zu haben, ein besseres Leben anzustreben und die Menschen um sie herum aufrichtig zu lieben. In dem Wissen, dass die Welt keinen Sinn ergibt, trotzdem immer wieder aufs Neue zu versuchen, glücklich zu sein.“ (Seite 218)



Autor: Patrick Ness
Übersetzer: Petra Koob-Pawis
engl. Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here (2015)
Verlag: cbj
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 27.06.2016
ISBN: 978-3-570-17266-7
Gebunden mit Schutzumschlag; 16,99€







Klappentext:

Was, wenn man NICHT einer der Außerwählten ist, wie sie immer in den Büchern beschrieben werden? Wenn man nicht der Held ist, der sonst üblicherweise die Zombies bekämpft, oder die Seelenesser oder was immer gerade das nächste unheilbringende Wesen sein mag, das die Welt bedroht. Was, wenn man einer ist wie Mikey? Der einfach nur seinen Abschluss hinbekommen möchte und zum Schulball gehen und vielleicht irgendwann den Mut aufbringen, Henna um ein Date zu bitten – bevor irgendjemand die Schule in Schutt und Asche legt. Wieder mal. Denn manchmal gibt es stinknormale Probleme, die echt wichtiger sind als der nächste Weltuntergang, und angesichts derer man erkennt, dass das eigene ganz normale Leben absolut einzigartig und außergewöhnlich ist.



Äußere Erscheinung:

Ich glaube, hätte ich das Cover in der Buchhandlung gesehen, ich wäre dran vorbeigegangen. Ich meine, die Personen passen schon irgendwie, gerade von der Aussage her und weil es viel um Freundschaft geht, aber ich hab’s nicht so mit Menschen auf Covern und auch von der farblichen Gestaltung her - na ja.
Der Titel leuchtet mir jetzt auch nicht so ganz ein, da finde ich den Originaltitel schöner und vor allem passender.

Meine Erwartung:

Die Idee des Buches hat mich absolut angesprochen und erfreulicherweise habe ich von dem Verlag über das Bloggerportal ein Exemplar erhalten - danke!

Meine Meinung:

Ich mag Bücher, die mit Klischees spielen, und somit war das Buch in dieser Hinsicht perfekt. Denn hier gibt es durchaus die üblichen Auserwählten, vor jedem Kapitel wird in einem sehr knappen Abschnitt zusammengefasst, was die darin gerade tun - was vermutlich der Handlung der üblichen Young Adult-Fantasy-Romane entspräche. Teilweise musste ich dabei echt grinsen, weil dabei auch bekannte Klischees durch den Kakao gezogen und übertrieben dargestellt werden - unsterbliche Liebe auf den ersten Blick, zum Beispiel.
Doch der Protagonist dieses Buches hat damit nichts zu tun, er lebt ein mehr oder weniger ganz normales Leben. Haben wir uns nicht immer schon mal gefragt, was der Rest der Menschen tut, während die Welt gerettet wird? Hier ist die Antwort.

Aber das Buch ist noch so viel mehr. Denn Mikey kämpft auch im normalen Leben. Er leidet unter einer Zwangsstörung, kommt nicht so wirklich mit seinen Eltern klar und traut sich nicht, dem Mädchen seiner Träume seine Liebe zu gestehen. Die Botschaft des Buches? Jeder hat etwas, mit dem er kämpft.
Ich mochte Mikey. Er ist niedlich, gerade wenn er sich um seine Schwestern kümmert, zu denen er eine sehr gute Beziehung hat. Und er hat auch Ecken und Kanten, denn manchmal handelt er nicht ganz richtig.
Letztendlich bleiben aber alle Charaktere etwas blass, obwohl Potenzial für mehr vorhanden wäre und Vielschichtigkeit oft angedeutet wird. Die Handlung konzentriert sich vor allem auf die Interaktion zwischen in ihnen, sodass die individuelle Persönlichkeit manchmal ein wenig auf der Strecke bleibt. Nicht extrem, aber es wäre mehr möglich gewesen. Dennoch waren mir die meisten Charaktere sympathisch, jeder von ihnen hat seine eigenen Probleme und doch kümmern sie sich umeinander.

Die Liebesgeschichte steht gar nicht mal so im Vordergrund, auch wenn sie durchaus von Bedeutung ist, der Fokus liegt eher auf Selbstfindung und Freundschaft. Gerade letztere muss auch Konflikte austragen, letztendlich sind aber alle füreinander da.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und humorvoll, und obwohl eben keine Action im Sinne von Weltrettung da ist, fesselte mich diese alltägliche Handlung. Denn manchmal kann auch der Alltag bedeutend sein. Erste Person Präsens ist bekanntlich umstritten, aber ich mag diese Erzählweise am liebsten. Teilweise werden Mikeys Gedanken auch in Einwürfen dargestellt. Mikey spricht wiederholt den Leser direkt, auch mit du, an, stellt ihm Fragen, bittet ihn, eigene Erfahrungen einzubringen, sodass der Leser in die Geschichte einbezogen wird.


Fazit: Ungewöhnliche, flüssig zu lesende und humorvolle Geschichte, die mit bekannten Fantasy-Klischees spielt, während die Protagonisten nicht die Auserwählten sind, sondern weiter ihr normales Leben haben und doch Probleme bewältigen müssen, mit dem Fokus auf den tollen Beziehungen zwischen den Charakteren





Vielen Dank an den Verlag!





Quelle Cover & Klappentext: cbj

2 Kommentare

  1. Hey Dana =)
    Mir hat das Buch auch sehr gefallen :)
    Übrigens habe ich gesehen, dass wir beide bei LB "In einer Sommernacht wie dieser" gewonnen haben :D

    LG ♥
    Anna

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    1. Hallo Anna,
      ja, das hatte ich auch gesehen, ich freue mich schon darauf, mit dir das Buch zu lesen. :)

      LG ♥

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