Montag, 1. August 2016

[Rezension] In einer Sommernacht wie dieser

Es war okay, still beieinanderzusitzen, es herrschte jene wohlige Ruhe, die nur entsteht, wenn die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt und man die tausend kleinen Gesten nicht braucht, um sich unentwegt zu versichern, wie gut man miteinander auskommt. Man tut es einfach. (Seite 122)




Autor: Tanja Heitmann
Verlag: Oetinger
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: Juli 2016
ISBN: 978-3-7891-3731-0
Gebunden mit Schutzumschlag; 16,99€








Inhalt:

Die siebzehnjährige Leo verbringt ihren Sommer in der neuen Villa ihres Vaters am Potsdamer See. Doch schon bei ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass dort vor allem Schwarzarbeiter aus Osteuropa beschäftigt sind. Dann trifft Leo auf den undurchschaubaren, schweigsamen Alexei, der für Prügeleien bekannt ist. Dennoch gibt sie nicht klein bei und erhascht immer wieder einen Blick hinter seine Fassade. Aber dann passiert ein Mord und Leo muss sich fragen, ob sie Alexei entgegen ihrer Gefühle wirklich vertrauen kann - und welche dunklen Abgründe er versteckt ...


Äußere Erscheinung:

Ich finde die Gestaltung an sich ganz schön, auch wenn die pinken Akzente gerne weggelassen hätten werden können - sie passen nicht ganz zu der manchmal fast düsteren Atmosphäre. Andererseits - manchmal ist diese auch blumig und infolge der Kulisse fast romantisch, von daher kann ich damit leben. Das Motiv des Sees ist perfekt, die (Sommer-)Nacht spielt immer mal wieder eine Rolle für die Beziehung, daher passt auch der Titel.

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch für eine Leserunde auf Lovelybooks bekommen - danke dafür! Mich hat das Buch schon in der Vorschau angesprochen und die Leseprobe hat mich dann überzeugt.

Meine Meinung:

Obwohl ich ursprünglich aus irgendwelchen Gründen davon ausgegangen bin, es handle sich vor allem um eine Liebesgeschichte, wurde gerade im letzten Drittel der Thrill-Faktor immer deutlicher. Durch den Mord und die Frage nach dem Täter und danach, inwieweit Alexei vertrauenswürdig ist, wird von Anfang an Spannung aufgebaut, sodass das Buch durchaus fesselnd war, obwohl es anfangs noch eher ruhig ist.
Der Grundaubau ist allerdings nicht sonderlich neu und im letzten Drittel reimte ich mir die Zusammenhänge dann endgültig zusammen, auch wenn das der fesselnden Spannung keinen Abbruch tat und ich mir trotzdem nie hundertprozentig sicher war.
Zwischendurch gibt es kurze Passagen auf gräulichen Seiten, die anfangs nicht klarzuzuordnen sind und dadurch noch mehr zu dem Spannungsaufbau beitragen.

Der Schreibstil ist poetisch, gerade bei den Beschreibungen der Gefühle werden eindrucksvolle Vergleiche wie die mit einem Blumengarten verwendet, sodass die Gefühle nachempfindbar vermittelt werden. Auch die Kulisse der Villa mit ihrem ausgedehntem Garten, dem Wald und dem See lässt eine eindrucksvolle Atmosphäre entstehen.
Auf der anderen Seite ist die Sprache teilweise aber auch sehr umgangssprachlich gehalten, und manchmal fand ich die ganzen Anglizismen fast schon übertrieben. Hin und wieder blitzt aber auch ein wenig Ironie auf.
Zwischendurch gibt es kurze Sichtwechsel, auch wenn die Protagonistin Leo die meiste Zeit aus ihrer Sicht, ebenfalls aus der dritten Person, erzählt. Obwohl diese nicht weiter gekennzeichnet waren, gelang es mir in der Regel schnell, mich zurecht zu finden, zudem trugen sie oft zum Spannungsaufbau bei.

Leo war mir sofort sympathisch, da sich nicht klein beigibt. Besonders nicht gegenüber dem unnahbaren Alexei, dem sie sich entschieden entgegenstellt. Sie fragt vielleicht manchmal etwas viel, ist aber direkt und selbstbewusst. Trotz der sofortigen Faszination für Alexei hinterfragt sie ihre Gefühle und wird kein meinungsloses, sabberndes Mädchen. ^^
Was die Gefühle angeht, so kam es mir am Anfang ein wenig schnell vor, da diese aber so eindrucksvoll vermittelt wurden, störte das nicht weiter, zumal sich die Beziehung dann doch entwickelt und manchmal echt süß war.
Alexei ist ein Bad Boy mit düsterer Vergangenheit, der zwar nicht viel sagt, gegenüber Leo dann aber doch charmant ist und der außerdem unter inneren Konflikten leidet, die dem Leser nachvollziehbar in den Passagen aus seiner Sicht vermittelt werden. Ich mochte ihn, was vermutlich auch an meinem Faible für dunklere Charaktere liegt (*hust*), dennoch war er auch sehr vielschichtig und tiefgründig und ich musste ihn einfach ins Herz schließen.

Insgesamt begrenzt sich die Geschichte auf eine übersichtliche Zahl an Charakteren. Leos Vater Clemens ist der egoistische, ignorante Reiche, der sich von ihrer Mutter getrennt und sie in ein Internat abgeschoben hat - sehr unsympathisch also. Aufgrund von Kindheitserinnerungen fällt es Leo trotzdem nicht immer leicht, das zu akzeptieren - hier hätte ich mir gewünscht, dass ein kleiner Einblick in diese Erinnerungen gegeben würde, um Clemens‘ Charakter tiefgründiger zu gestalten.
Die anderen Nebencharaktere sind aber durchaus vielschichtig aufgebaut, gerade Joschi lockert die Schlagabtausche zwischen Alexei und Leo durch sarkastische Kommentare auf.

Fazit: Fesselnder Thriller mit nachempfindbarer Liebesgeschichte und vielschichtigen Charakteren, gerade gegen Ende wird viel Spannung aufgebaut, Grundkonzept nicht neu, allerdings macht da der poetischer Schreibstil viel wieder wett




Vielen Dank an Lovelybooks und den Verlag!


Quelle Cover: Oetinger
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