Donnerstag, 1. Dezember 2016

[Rezension] Nacht ohne Sterne

„Angst kann dir das Leben retten [...] Angst kann dich auf sichere Pfade führen und dich die Wahrheit lehren. Aber sie kann dich auch blind machen für die Wunder um dich herum. Vieles ist anders, als es uns erscheint. Und die wenigsten Dinge können wir mit den Augen begreifen. Wir müssen fühlen, wie sie wirklich sind.“ (Seite 268/269)
Denn was sind Träume anderes als Magie? (Seite 303)





Autor: Gesa Schwartz
Verlag: cbt
Seiten: 544
Erscheinungsdatum: 28.09.2015
ISBN: 978-3-570-16320-7
Gebunden mit Schutzumschlag; 18,99€
(Taschenbuch; 9,99€; erscheint voraussichtlich am 14.08.2017)






Klappentext:

Die 16-jährige Naya ist Tochter einer Elfe und eines Menschen. Ein Mischwesen, das keine Magie zu beherrschen scheint und sich weder der geheimnisvollen Elfenwelt New Yorks noch der Welt der Menschen gänzlich zugehörig fühlt. Ihr bester Freund Jaron ist ein Lichtelf, der New York vor den Machenschaften der Dunkelelfen bewahren soll. Doch dann wird Naya mitten hinein gezogen in den jahrhundertealten Krieg zwischen den beiden Völkern. Und als sie den Dunkelelf Vidar kennenlernt, wird all ihr bisheriges Wissen auf den Kopf gestellt. Welche Ziele verfolgt Jaron, welche Geheimnisse verbirgt Vidar? Wem kann sie trauen? Naya muss auf ihr Herz hören, doch das ist leichter gesagt als getan ...



Äußere Erscheinung:

Dem Cover begegne ich mit gemischten Gefühlen. Die glitzernden und schimmernden Elemente finde ich ziemlich cool, das Mädchen weniger.
Der Titel ist eine Beschreibung, die im Buch wiederholt auftaucht.

Meine Erwartung:

Kennt ihr diese Bücher, bei denen ihr allein durch das Lesen des Klappentextes das Gefühl habt, dass sie perfekt für euch sind? So erging es mir bei diesem Buch, seitdem es in der Vorschau aufgetaucht ist.

Meine Meinung:

Mir wurde schnell klar, dass mein Gefühl mich nicht getrogen hatte - die Geschichte vereint einfach verschiedene Elemente, die ich persönlich sehr mag, und infolgedessen könnte diese Rezension ein wenig subjektiver werden, als es Rezensionen sowieso sind.
Objektiv betrachtet sticht die Idee vielleicht nicht aus der Masse heraus, es handelt sich eben einfach um eine typische Young Adult-Fantasy-Story, ohne dass jetzt direkt alle Klischees bedient werden. Aber ganz ehrlich, gerade da ich vor allem Unterhaltungsliteratur lese, will ich nicht nur die Originalität des neusten Werkes bestaunen, sondern mich auch einfach mal nur in eine fremde Welt entführen lassen, mit allem, was ich an Fantasy so liebe.
Und das gelang dieser Geschichte absolut, sie trug mich teils nach New York, vor allem aber in die Welt der Feen und brachte mir einige gemütliche Lesestunden, in denen ich mit den Charakteren mitfieberte und mich ganz in diese fremde Welt entführen ließ.

Wie schon öfter erwähnt hab ich ein Faible für Feen, auch weil mich diese ganzen alten Mythen faszinieren. Diese werden hier geschickt eingewoben und mit der dargestellten Welt verbunden, gerade das Prinzip der Oberwelt für die Lichtelfen sowie der Unterwelt für die Elfen der Finsternis ist ja eigentlich einer der wesentlichen Merkmale der alten nordischen Mythen.
Es werden also Licht und Finsternis als erbitterte Gegner eines uralten Krieges gegenübergestellt, doch diese krasse Einteilung wird im Verlauf der Handlung schnell aufgelöst. Der Leser erhält einen Einblick in die Geschichte, und erfährt, wie es dazu gekommen ist, wie es heute ist. Naya muss schnell das Weltbild hinterfragen, das bis dato von den Lichtelfen geprägt war - auch hinsichtlich der Intentionen der Dunkelelfen
Dabei wird auch die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges deutlich, bei dem es letztendlich gar kein Gut und Böse, sondern nur eine uralte Feindschaft gibt, die auf beiden Seiten Opfern fordert, und auch das mochte ich an diesem Buch. Auch weil es so authentisch ist.

Träume spielen in dieser Geschichte eine sehr wesentliche Rolle, und der Schreibstil verkörpert das gewissenermaßen. Er ist bildhaft, und gerade an den Stellen, an denen Naya in Träume oder Illusionen gezogen wird, gelingt es ihm, dieses Gefühl perfekt einzufangen, sodass ich das Gefühl hatte, mit Naya einen Rausch aus wunderschönen Bildern, dunkeln Schatten, schimmernden Facetten und glitzernden Schemen zu durchleben.
Manchmal vermischt sich so auch das Wirkliche mit der Illusion, sodass ich mich selbst in den Winkeln dieser Welt verirrte und an ihrer Schönheit wie Grausamkeit teilnahm.

Liebesdreieck. Ja, ähm, zugegeben, da ist mehr als Potenzial gegeben, in der ganz klassischen Ausgabe. Ich sehe deshalb darüber hinweg, weil es nicht ausgeschlachtet wird, es gibt kein Hin und Her, keine tragisch verletzten Herzen, exorbitanten Eifersuchtsanfälle und was dem Leser sonst noch das Leben schwer macht, weil die Protagonistin ihre Fronten ziemlich klar setzt und das Thema so wirklich kaum auf den Tisch kommt.
Generell steht eher die Handlung im Vordergrund, Action, fesselnde Spannung und die Frage, wem Naya trauen kann. Mir fiel es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, gerade weil es mich die Realität so vergessen ließ.

Womit wir bei der Protagonistin wären, die die Geschichte ausschließlich und aus der Er-Perspektive erzählt, wobei mich letzteres zwischendurch ein wenig überraschte, weil man so nah an ihren Gedanken und Empfindungen ist.
Obwohl ihre Ängste immer wieder Thema sind, kommt sie nicht wirklich als ängstlich rüber, im Gegenteil. Sie ist loyal, vertraut auf ihr Gefühl und obwohl ihr die Welt der Feen an sich fremd ist, zieht sie aus den Legenden, die sie als Kind aufgesogen hat, das nötige Wissen und bemüht sich, sich schnell zurechtzufinden.
Was ich fast am coolsten fand, war die Tatsache, dass sie eine Brille trägt - trotz Feenabstammung und allem. Das war mal ein interessanter und erfrischend bodenständiger sowie authentischer Aspekt.
Außerdem verfügt sie über einen Sarkasmus, der mich immer mal wieder zum Grinsen brachte, aber auch über Sehnsüchte. Sie hat keine nervigen kleines-Mädchen-Momente, sondern handelt weitgehend eigenständig und selbstbewusst.
Kurzum: Sie war mir mehr als sympathisch, zumal sie sich weiter entwickelt.

Auch unter den anderen Charakteren waren sehr viele sympathische dabei, die meisten sind sehr tiefgründig mit verschiedenen Facetten, vor allem die Antagonisten, die oft Gründe für ihr Handeln in der Vergangenheit haben, außerdem Schwächen und auch ein Aufglühen positiver Seiten.
Einige Charaktere tauchen nur kurz auf, und trotzdem waren sie mir sympathisch und ich spürte ihre Vielschichtigkeit. Alle Charaktere wirkten auf magische Weise lebendig. Einige schloss ich auch wirklich ins Herz.

Einzelbände sind einerseits ja immer eine nette Abwechslung, andererseits entsteht schnell das Problem, dass die Geschichte gestrafft wird oder Fragen offen bleiben. Das war hier nicht im Geringsten das Problem. Alles entwickelt sich nachvollziehbar, Hintergründe werden beiläufig erläutert, Zusammenhänge dargelegt und am Ende alles soweit aufgelöst, dass man das Buch zur Seite legen kann, mit einem wohligen Gefühl, weil das ein Leseerlebnis war, wie es sein sollte.


Fazit: Der bildhafte und fesselnde Schreibstil lässt die Realität vergessen und entführt in eine magische Welt aus Licht und Finsternis, die sich dennoch nicht mit Gut und Böse definieren lässt, stattdessen sind die Charaktere lebendig, sehr tiefgründig und haben Gründe für ihr Handeln




Quelle Cover & Klappentext: cbt

4 Kommentare

  1. Huhu liebe Dana,

    jetzt muss ich erst einmal ein Kompliment loswerden: Eine wirklich tolle Rezension, die es wunderbar auf den Punkt bringt! Ich hab das Buch bislang noch nicht gelesen, aber es steht immerhin schon auf meiner Wuli. Nur ich muss selber zugeben, dass ich bei dem Cover so gar nicht was mit Feen erwartet hätte :O Jetzt bin ich etwas verwirrt. Denn eigentlich bin ich der Typ Leser, der solche Feenbücher eher meidet, aber deine Rezi hat mich gerade sehr neugierig auf das Buch gemacht, dass ich dem Buch wahrscheinlich doch eine Chance geben sollte, oder?

    Danke für den schönenn Einblick <3

    Allerliebste Grüße und schönen 2. Advent <3
    Deine Cata

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    1. Hallo liebe Cata,

      vielen Dank, das freut mich! *o*
      Ich wäre auf jeden Fall dafür, dass du dem Buch eine Chance gibst, aber ich habe das ja auch geliebt. ;D Kommt drauf an, was du unter "solchen Feenbüchern" verstehst. Die Gut-Böse-Differenzierung löst sich auf, etwas à la kleinen, süßen Blumenfeen ist nicht zu erwarten, dafür fand ich cool, wie Bezug zu alten Mythen besteht. Vermutlich bleibt dir nichts anderes übrig, als es zu probieren. ;)

      Gerne. ^^

      Danke, ich wünsche dir verspätet auch noch einen schönen zweiten Advent, auf jeden Fall aber eine schöne Restwoche! ♥

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  2. Huhu :D

    naaah... und ich Trottel habs noch immer auf dem SuB >.<'. Ich habe irgendwie Angst vor dem Buch, weil es auch viele gibt, die den Schreibstil der Autorin kritisieren und die sagen, dass es ihnen überhaupt nicht gefallen hat. Es scheint auch nur die zu geben, die dieses Buch lieben oder abbrechen, was dazwischen gibt es kaum habe ich das Gefühl Oo. Aber da du ja so begeistert bist... muss ich es wohl endlich mal lesen. Bin ja auch neugierig irgendwo, ich muss mich nur überwinden, die Bedenken zu verdrängen und es auch endlich mal zur Hand nehmen ^^'. Tolle Rezi meine Liebe ♥.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Huhu liebe Insi,

      erlösen!! Sofort!! :D
      Hm, ich kann mir vorstellen, dass der Schreibstil Geschmackssache ist, aber ich fand ihn toll, weil er dieses Träumerische verdeutlicht hat, was einigen vielleicht wieder zu träumerisch ist.
      Von daher kann ich dir nur empfehlen, deine Bedenken in den Hintergrund zu stellen und es einfach mal auszuprobieren. :)
      Danke! ♥

      Ganz liebe Grüße ♥

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