Dienstag, 3. Januar 2017

[Rezension] So kalt wie Eis, so klar wie Glas

„Die Welt ist in ständiger Unordnung und Veränderung. Es gibt nichts, dessen man sich sicher sein kann, und die meisten Menschen wissen das sehr genau ... obwohl sie nicht gern darüber sprechen. Unordnung und Dinge, die man nicht einordnen kann, machen ihnen Angst. Deshalb lieben sie Schneekugeln. Die Kugeln vermitteln das Bild einer Welt, die sicher und geordnet und unveränderbar ist. Die perfekte Illusion einer heilen Welt. [...]“ (Seite 127)





Autor: Oliver Schlick
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 384
Erscheinungsdatum: August 2015
ISBN: 978-3-7641-7043-1
Gebunden mit Schutzumschlag; 16,95€







Inhalt:

Nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter taucht auf einmal Coras tot geglaubter Großvater auf, der sich dann auch noch als berühmter Schneekugelmacher und Nachfahr des ersten Schneekugelmachers herausstellt. Kurzerhand zieht Cora zu ihm in den abgelegenen Ort Rockenfeld. Schnell wird auch sie von der Faszination der Schneekugeln ergriffen, doch gleichzeitig stößt sie auf Geheimnisse. Wer ist der Fremde, der eines Tages in der Werkstatt ihres Großvaters auftaucht? Und wieso behauptet er, Cora sei in Gefahr?


Äußere Erscheinung:

Die Gestaltung ist toll, vielleicht hätte es passendere Covermotive gegeben, aber auch dieses ist sehr gelungen. Unter dem Schutzumschlag finden sich drei Schneeflocken auf dem blauen Bucheinband wieder.

Meine Erwartung:

Ich habe ein paar begeisterte Rezensionen gelesen und erwartete ein ungewöhnliches, magisches Wintermärchen.

Meine Meinung:

So richtig zu fesseln vermochte mich das Buch nicht. Das mag daran liegen, dass die Elemente zu Beginn, mit denen Spannung aufgebaut wurde, nicht direkt neu sind - der Tod der alleinerziehenden Mutter, Umzug in ein abgelegenes Dorf mit Geheimnissen, ein verschwundenes Mädchen vor einigen Jahren, ein belauschtes Gespräch mit noch mehr Geheimnissen ... Wobei man Cora zugutehalten muss, dass sie zumindest nicht wie sonst mit Trotz und Stursinn reagiert, sondern offen eingestellt ist.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich das Buch teilweise nicht ernst nehmen konnte. Zum Beispiel, wenn Cora urplötzlich das brennende Verlangen verspürt, auch eine Schneekugelmacherin zu werden und ihr Großvater dann pathetisch verkündet, die Kugeln hätten sie „auserwählt“. Entschuldigung, wie war das? Das wär ja noch akzeptabel gewesen, wenn das irgendeinen mystischen Hintergrund gehabt hätte. Hatte es aber nicht. Oder wenn ein Polizist, kaum dass er mal ein bisschen unter Druck gesetzt wird, auf einmal in Tränen ausbricht und seine ganze Leidensgeschichte vorträgt. Keine Ahnung, ob das witzig sein sollte. Ich war eher irritiert.

Dabei ist es nicht so, dass die Idee nicht sogar ziemlich cool wäre (im wahrsten Sinne des Wortes - haha): Mythen werden verwoben mit der Kunst der Schneekugeln und der winterlichen Atmosphäre. Die Idee selbst ist somit sogar durchaus ungewöhnlich.
Die Geschichte des Einzelbandes lässt sich auch flüssig durchlesen, erzählt aus der Ich-Perspektive von Cora im Präsens mit einem lockeren, leicht humorvollen Schreibstil.

Was ich vollkommen verpasst habe, ist die Entwicklung der Liebesgeschichte. Zwischen „Wer ist er?“ und „Ich bin unsterblich verliebt“ kam irgendwie nichts, dementsprechend konnte ich die Gefühle auch nicht nachempfinden. Eigentlich schade, denn hier war unheimlich viel Potenzial enthalten.
Außerdem blieb der Love Interest eher blass, was bei den anderen Charakteren überhaupt nicht der Fall ist. Viele sind vielschichtig, die meisten exzentrisch und ausgefallen. Sei es die tollpatschige, aber liebenswürdige Elsa mit ihrer leicht burschikosen Art, der betont schwule, ironische und aufgedrehte Moritz oder eine andere Schneekugelmacherin im Dorf, Marlene, deren Kugeln morbide, oft brutale Szenen darstellen. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Gut möglich, dass das einigen auch zu viel werden könnte, aber gewissermaßen war das auch durchaus unterhaltsam.
Unterhaltung bot das Buch generell auf jeden Fall, gerade durch die Charaktere, aber auch durch Coras Sarkasmus. Im Allgemeinen war Cora eine angenehme Protagonistin - selbstbewusst, entschlossen zu handeln, tatkräftig.

Fazit: Unterhaltsames Wintermärchen mit einer faszinierenden Idee und exzentrischen Charakteren, leider aber auch einer überhaupt nicht nachvollziehbaren Liebesgeschichte, das mich nicht wirklich fesseln konnte




Quelle Cover: Ueberreuter

3 Kommentare

  1. Huhu Dana und noch nachträglich ein Frohes Neues Jahr :D

    schöne Rezi. Ich habe das Buch vor einem Jahr gelesen und fand es wirklich schön. Bei mir hat es sich einen Stern mehr abgeholt ;). Aber ich kann deine Kritik, gerade an der Lovestory ganz gut nachvollziehen. Ich hatte mir damals ähnliches gedacht, allerding war ich wohl einfach ein wenig gändiger gestimmt ;). War ja Weihnachten und so *lach*.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. "gnädiger" meine ich natürlich... Herrgott, es war ein lange Tag, da klappt das mit dem Schreiben nicht mehr xD.

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    2. Hallo liebe Insi,

      kann ich verstehen, die Story an sich ist ja auch echt schön. Ich bin an Weihnachten leider trotzdem nicht gnädiger. xD Oder vielleicht auch sogar noch weniger. Aber es war auch irgendwie schade, und deswegen hat es mich noch mehr gestört. :x

      Tippfehler werden verziehen, ich bin auch manchmal fasziniert davon, was spätabends aus meinen Tasten fließt. :D

      Liebe Grüße ♥

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