Donnerstag, 2. Februar 2017

Romeo & Juliet - die unterhaltsamste Tragödie aller Zeiten

Für uns aufstrebende Englisch-Leistungskurs-Schüler stand in diesem Schuljahr Shakespeare auf dem Lehrplan und meine Lehrerin entschied sich kurzerhand für "Romeo & Juliet". Von daher dachte ich mir, ich könnte mal meine Gedanken zu der tragischsten Liebesgeschichte überhaupt loswerden. Ich nehme dabei keinerlei Rücksicht auf die Kulturbanausen, die die grobe Story noch nicht kennen, und sich daher gespoilert fühlen, wenn ich ihnen erzähle, dass die beiden am Ende sterben (was im Übrigen schon im Prolog geklärt wird ^^).

Ich muss zugeben, ich hab mich auf diese Lektüre gefreut, auf die Geschichte, die bis heute so viele andere Geschichten inspiriert, vielleicht besonders im Jugendbuchbereich.
Die größte Schwierigkeit mag in der Sprache liegen - überpoetische Satzverrenkungen mit Metaphern und Wortspielen bis zum Abwinken, blumigen Umschreibungen und ständigem "thou" statt "you" sowie Verbkonjugationen, die die Verwandschaft zum Deutschen verdeutlichen -, aber ich mochte das irgendwie. Ich meine, es war ziemlich anstrengend, es zu lesen, aber es hat was.

Was allerdings den Inhalt betrifft, so fiel es mir teilweise ein wenig schwer, dieses Meisterwerk der Literaturgeschichte ernst zu nehmen. (Ihr könnt mich gerne dafür steinigen.) Somit saß ich schlussendlich in meiner Vorabi-Klausur und hatte einen unterdrückten Lachflash, weil in der ausgewählten Szene nach einem Duell ungefähr folgender Wortwechsel stattfand:
"Ich bin getroffen worden!"
"Bist du getroffen?"
Ähm, hörst du ihm eigentlich zu?
Sehr hilfreich war auch Romeos Kommentar (ich hatte zwischendurch echt das Gefühl, dass er nicht so ganz der Hellste ist), etwa: "Ach, wird schon nicht so schlimm sein."
Na ja. Fünf Minuten später war der andere tot. (Akt 3, Szene 1)

Aus heutiger Sicht fällt das Ernstnehmen schon deshalb schwer, weil Juliet erst dreizehn ist, die beiden schon am Abend, nachdem sie sich kennengelernt haben, beschließen, zu heiraten, das gleich am nächsten Morgen erledigen und nochmal zwei Tage später tot sind. Klassisches Liebe auf den ersten Blick - als ich aus Neugier zu der Szene des Kennenlernens blätterte, fiel mir nur ein "They kiss" ins Auge. ^^ (Akt 1, Szene 5)
Allerdings - wenn man das literaturgeschichtlich betrachtet, umfassten die meisten Dramen zu der Zeit maximal einen Tag. Und da die Mädchen jung verheiratet wurden, musste Juliet jung sein - wobei ihr Vater eigentlich auch erst noch zwei Jahre warten will. (Akt 1, Szene 2)

Das Prinzip der verbotenen Liebe bzw. der zwischen zwei eigentlichen Feinden findet sich bis heute noch in Büchern wieder - ich hätte da spontan als Beispiel "Plötzlich Fee" (Julie Kagawa), "Arkadien" (Kai Meyer), "Daughter of Smoke and Bone" (Laini Taylor) und und und. 
Vielleicht ist es diese Gefahr, der Reiz des Verbotenen, was uns fasziniert. Vielleicht die Art, wie sich die Verliebten über diese Grenzen hinwegsetzen und für ihre Liebe kämpfen, wie sie auf einmal zwischen zwei Fronten stehen und die Grenzen zwischen Feind und Familie verschwimmen, wenn in all dem Hass auf einmal klar wird, dass die auf der anderen Seite auch Menschen sind.

Was denkt ihr? Und habt ihr das Drama schon gelesen?

Ich verabschiede mich dann mal mit meinem persönlichen Lieblingszitat (Akt 2, Szene 5, Zeile 31 f.):

How art thou out of breath, when thou hast breath
To say to me that thou art out of breath? 

4 Kommentare

  1. Ich bin bisher eine standhafte "Romeo & Juliet"-Verweigerin :D. Einfach, weil ich dieses schrecklich erzwungene Drama (Haha, Wortwitz) und diese blöden Umstände, die am Ende zu ihrem Tod führen, sooo unnötig finde, dass ich gar nicht erst lesen will, wie sie sich verlieben, weil ich ja weiß, unter was für bescheuerten Umständen sie sterben.
    Und durch die erzählte Zeitspanne und Julias Alter kann ich die Geschichte natürlich noch weniger ernstnehmen ^^.
    Vielleicht bin ich auch unromantisch, aber sich für jemanden umbringen, den man grad mal ein paar Tage kennt?
    Ach ja, die Sprache find ich auch gruselig. Ich mag eine Menge britische Dinge echt gerne, aber English aus Shakespeares Zeiten gehört nicht dazu ^^.
    Ich denke, ich bleibe wenn dann eher bei seinen Komödien und das wohl auch eher in der Übersetzung. Ich mag "Was ihr wollt" und "Viel Lärm um nichts" ganz gerne.

    LG :)

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    1. Stimmt, dieses ganze Missverständnis ist ein wenig übertrieben. :D Und auch alles irgendwie nicht so ganz durchdacht. Irgendwie wird Romeo und seine mögliche Reaktion komplett vergessen.
      Na ja, wie gesagt, ich hätte den Grund jetzt mal in dem allgemeinen, zeitbeschränkten Dramenaufbau gesehen, aber wenn man das außer Acht lässt ... Ich hab mich schon gefragt, was da in der Erziehung schief gelaufen ist. xD
      Aber wenn man es wie ich mit Humor nimmt, kann es durchaus unterhaltsam werden. ^^
      Ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass ich die Sprache irgendwie fast mögen wird. Ich meine, es ist anstregend, überzogen und auf Dauer nervig, aber irgendwie ... hat es was. :D Vielleicht liegt es daran, dass mich alte Sprache generell fasziniert. ^^
      Ich muss dazu gestehen, dass es das erste Stück von ihm war, das ich wirklich gelesen habe, aber ich denke mal, dass es nicht das letzte gewesen sein wird.

      Liebe Grüße :)

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  2. Hallo liebe Diana,

    ich hatte zwar auch Englisch LK und hätte mich sehr über "Romeo und Julia" gefreut, aber wir haben "Sommernachtstraum" gelesen und ich habe das andere Buch leider noch nicht gelesen, aber dein Artikel hat mich sehr unterhalten und zum Lachen gebracht :D

    Liebe Grüße ♥

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    1. Hey Anna,

      die Story vom "Sommernachtstraum" finde ich gewissermaßen auch faszinierend, vor allem, da die Feen-Mythen ja doch sehr prägend weitervermittelt worden sind, siehe "Plötzlich Fee". ^^
      Das freut mich. xD

      Ganz liebe Grüße ♥

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