Mittwoch, 12. April 2017

Survivor - Die Lebensgeschichte eines Mannes, der den Holocaust in mehrfacher Hinsicht überlebt hat



Autor: Sam Pivnik
dt.: Der letzte Überlebende: Wie ich dem Holocaust entkam
Verlag: Hodder & Stoughton
Seiten: ca. 340
Erscheinungsdatum: 2012
ISBN: 978-1-444-75839-9
Taschenbuch
(Gebunden)



Heute möchte ich euch mal ein für meine Lesegewohnheiten eher ungewöhnliches Buch vorstellen, das deshalb keine Bewertung bekommt, weil es eine Autobiografie ist.
Es ist die Autobiografie von Sam Pivnik, der 1926 in eine jüdische Familie geboren und in Bedzin (Polen) nahe der deutschen Grenze aufgewachsen ist. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1939 kam er erst in ein Ghetto in seiner Heimatstadt, ehe er 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, wo der Großteil seiner Familie direkt bei der Ankunft in die Gaskammern geschickt wurde. Er dagegen überlebte, nicht nur Auschwitz, sondern auch den Todesmarsch, ehe er im Mai 1945 befreit wurde. Heute lebt er in London.

Wie will man so ein Buch bewerten? Ich kann es nicht, aber ich wollte es euch trotzdem vorstellen, weil diese Lebensgeschichte gelesen werden sollte. Weil dieses unmenschlichen, grausamen Verbrechen in der Erinnerung bleiben müssen.
Obwohl ich mich durchaus mit dem Thema schon intensiver auseinander gesetzt habe, gab dieses Buch mir das Gefühl, keine Ahnung von der wirklichen Grausamkeit im alltäglichen Leben gehabt zu haben. Deshalb ist eine Biografie so viel mehr wert als reine Daten: Sie verleiht den unbegreiflichen Fakten ein Gesicht. Und doch werde ich vielleicht nie verstehen, wie Menschen zu dieser Grausamkeit fähig sein konnten. Wie Menschen anderen Menschen sowas nur aufgrund ihrer Religion oder Nationalität antun konnten.
Denn diese Autobiografie verwehrt einem den Sprung in die historische Distanz, viel mehr zeigt sie, dass das genauso Menschen waren wie wir heute, Opfer wie Täter. Und macht die Verbrechen damit nur unbegreiflicher.

Sam Pivnik hat mehrfach überlebt und hatte mehrfach mehr als Glück. Und doch ist seine Lebensgeschichte so leidgetragen, dass sie einem das Herz zerreißt, weil sie eine Ahnung des Ausmaßes seines Verlustes vermittelt. Den Verlust seiner gesamten Familie, seiner Jugend, seiner Heimat. Denn bei dem Einmarsch der Deutschen war er erst 13, bei der seiner Befreiung 18 Jahre alt. Er kann bis heute seinen Geburtstag nicht mehr feiern, weil er am 1. September geboren wurde.
Ich war oft fassungslos angesichts dessen, was er erfahren hat - beispielsweise wurde er bei seiner Ankunft in Auschwitz von einem Mitgefangenen vergewaltigt. Und es gelingt mir auch nicht, meine Gefühle während des Lesens in Worte zu fassen.
Gleichzeitig ist auch Sam Pivniks Stärke bewundernswert, weil er, trotz dass er alles verloren hat, nie aufgegeben hat, für sein Leben zu kämpfen, selbst wenn das bedeutet hat, sich selbst zu demütigen.
Umso dankbarer können wir sein, dass er seine Geschichte, dieses Zeugnis mit der Welt teilt. Denn die Erinnerung ist immer noch wichtig - die Erinnerung an Verbrechen, die nie wieder geschehen dürfen.
Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten zaubern ein Lächeln ins Gesicht! ♥
Ich freue mich über jeden Kommentar, gebt einfach eure Meinung/ Kritik/ etc. zu dem Post ab. Ich antworte in der Regel auch. :)