Freitag, 23. Juni 2017

Meine Schullektüren in der Oberstufe

Ich dachte mir, ich gebe einfach mal rückblickend ein Statement zu einigen Schullektüren ab, die ich im Verlauf der Oberstufe so gelesen habe. Dabei versuche ich auch mal, meine persönliche, aufgrund des Zwangs entstandene Abneigung zurückzustellen und die Bücher objektiv zu betrachten.


Dantons Tod (Georg Büchner)

Ich muss sagen, ich bin einfach kein Fan von Dramen. Was dieses ausmacht, ist die Nähe zu den historischen Vorbildern aus der Französischen Revolution, die so auch den Leser ein Stück weit in diese Zeit versetzt. Und dass der Titel quasi das ganze Stück spoilert, was allein schon den Großteil der Tragik schafft.
Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen mit den Unmengen an Charakteren, die darin auftauchen. Der Protagonist Danton ist ein ziemlicher Antiheld mit seiner Scheiß-egal-dann-sterb-ich-halt-Einstellung, während der Antagonist - Robespierre - erstaunlicherweise sogar Tiefe zeigt, sodass ich in einer Szene fast Mitleid mit ihm hatte, wenn er sich von seinen Freunden verraten und sich selbst einsam fühlt. Aber auch Danton verbirgt eine gewisse Vielschichtigkeit, dadurch, dass diese Scheiß-egal-Einstellung schwankt und auch seine Skrupel ans Tageslicht kommen.
Worauf man sich einstellen muss, sind ziemlich viel philosophischer Kram und zig Anspielungen auf vor allem griechische und römische Mythen, von denen ich die meisten selbst als Percy Jackson-Fan nicht kannte.

Échancrure (Michel Le Bourhis)

Ein Junge aus der Unterschicht stiehlt Bücher, wird von einer alten Lehrerin erwischt, die ihm dann aber das Buch kauft. Er steht auf die Freundin seines besten Freundes, die er vor ihrem gewalttätigen, alkohlabhängigen Vater beschützt, kann den neuen Freund seiner ihm nahestehenden Mutter nicht ausstehen und glaubt, keine Zukunft zu haben. Alles in allem also eine klassische Schullektüre mit gesellschaftlichen Problemen und Raum zum Diskutieren.
Dazu in relativ schwierigem Französisch und mit alles andere als fesselnder Handlung.
Das Einzige, was mich an diesem Buch wirklich faszinierte, war die Liebe des Protagonisten zu den Büchern, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Er streichelt liebend gern über den Buchrücken, riecht an den Seiten, will sie besitzen - na, kommt euch das auch bekannt vor? Und seine Bücher bewahrt er auf wie Schätze, bemüht sich, sie nicht auch nur im Geringsten zu Schaden kommen zu lassen und zieht gebundene Ausgaben vor. Selbst wenn er sie dann nicht mal liest.
Der Rest war irgendwie ganz nett, aber auch ziemlich offen.

The Crucible (Arthur Miller)

Das Buch basiert auf die historisch tatsächlich stattgefundene Hexenjagd in Salem und handelt davon, wie eine Gruppe Mädchen willkürlich quasi ein ganzes Dorf der Hexerei beschuldigen, was ziemlich ausartet. Die Anführerin hatte tatsächlich aber eine Affäre mit dem Mann, in dessen Haushalt sie mal gearbeitet hat, und will jetzt eigentlich nur dessen Frau loswerden. Ziemlich viele Intrigen also. Erstaunlicherweise gab es aber Szenen, deren Tragik mich tatsächlich berührt hat.

The Great Gatsby (F. Scott Fitzgerald)

Ich muss ehrlich sagen, dieses Buch ist Anwärter auf meine liebste Schullektüre. Ich habe es wirklich ziemlich gern gelesen. Der Schreibstil ist unglaublich atmosphärisch, die Charaktere tiefgründig, vielschichtig und manchmal muss man sie irgendwie mögen. Die Tragik des Ganzen ist bittersüß, die Moral schmerzhaft. Aber allein die Figur des Gatsby hat mich unheimlich fasziniert, ihre Geschichte, ihre Hintergründe und ihre Tiefe.

La chica de los zapatos verdes (Jordi Surís Jordà)

Bei diesem Buch von erstaunlich einfach zu verstehendem Spanisch handelt es sich genaugenommen um einen typischen Kriminalroman, der allerdings dadurch überraschte, dass die Handlung nicht ganz so vorhersehbar war, wie ich erst vermutet hatte. Sie ist manchmal ein wenig skurril, aber gerade in der Auflösung nicht uninteressant. Als Schullektüre also insgesamt ziemlich angenehm.

Ingrid Barbendererde (Uwe Johnson)

Dieses Buch nervt dadurch, dass es alle Regeln der deutschen Grammatik bricht. Kommata werden willkürlich gesetzt, Satzbau durcheinandergebracht und nach drei Seiten lernte das Buch beim ersten Lesen aus reiner Frustration meinerseits fliegen (was insofern für sich spricht, als dass ich normalerweise jedes Buch wie einen kleinen Schatz behandle ^^).
Allerdings trug die intensive Unterrichtsbesprechung dazu bei, dass ich dem Buch am Ende doch noch irgendwie etwas abgewinnen konnte. Weil die Charaktere letztendlich doch irgendwie lebensecht gezeichnet waren und die Handlung die Situation in der DDR gelungen widerspiegelt.
Was mich zu der Erkenntnis bringt, dass eine intensive Analyse manchmal auch den Blick und die Anerkennung für solche Kunst weckt. Und Kunst, auch die des Schreibens, muss ja nicht immer angenehm zu lesen sein.

La vie comme Elva (Jean-Paul Nozière)

Der Klappentext verspricht die Liebesgeschichte zweier Mädchen, die eine Tochter von Eltern, die gerade gefeuert wurden, woraufhin sie sie animiert, zu streiken, die andere Tochter des Chefs. Von Liebe gegen soziale Gegensätze ist im Klappentext die Rede. Ich wurde bitter enttäuscht.
Das Ganze ist Liebe auf den ersten Blick, das Buch handelt nur vom Streiken und es juckt einfach niemandem, dass die beiden Mädchen aus unterschiedlichen Milieus stammen und in so einer Streiksituation eigentlich auch auf unterschiedlichen Seiten stehen. Schon gar nicht die Eltern. Ich hätte mir hier einfach ein bisschen mehr Konflikt gewünscht, stattdessen dreht es sich alles nur um den Streik und die Liebesgeschichte spielt sich eher im Hintergrund ab. Nicht genug, um tatsächlich eine Hintergrundstory zu sein, hier wurde letztendlich einfach ziemlich viel Potenzial ungenutzt gelassen.


Kennt ihr vielleicht eins der Bücher? Wenn ja, wie fandet ihr es?

Eure Dana

Mittwoch, 21. Juni 2017

Warum ich die Edelsteintrilogie zum vierzehnten Mal gelesen habe ...


Autor: Kerstin Gier
Verlag: Arena
Erscheinungsdatum: 2009/2010
Gebunden mit Schutzumschlag (15,99€ - 18,99€) / Taschenbuch (13,99€ - 15,99€)


Trilogie:
  • Rubinrot
    (ISBN: 978-3-401-06334-8, Seiten: ca. 350)
  • Saphirblau
    (ISBN: 978-3-401-06347-8, Seiten: 400)
  • Smaragdgrün
    (ISBN: 978-3-401-06348-5, Seiten: ca.500)

Klappentext Band 1:

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel in London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert! Quelle



Es gibt Bücher, die kann man irgendwann einfach nicht mehr objektiv bewerten, weil man so von dem eigenen subjektiven Eindruck geprägt ist. Bücher, die man vor langer Zeit gelesen und geliebt hat, und die man immer wieder lesen könnte.
Zu diesen Büchern zählt diese Trilogie.

Sie gehört zu meinen ersten Jugendbüchern, ich habe sie das erste Mal vor zirka sieben Jahren gelesen, und gleichzeitig sind dies auch die Bücher, die ich am häufigsten gelesen habe.
Erst habe ich sie ausgeliehen, dann irgendwann zum Geburtstag geschenkt bekommen, und immer wieder gelesen, gerade weil das die Zeit war, in der ich zu viel Freizeit und zu wenig Bücher hatte, sodass ich quasi jedes Buch in meinem Regal mindestens zweimal gelesen habe.
Diese Trilogie habe ich allerdings nicht nur zweimal, sondern gleich vierzehnmal gelesen, einmal auch laut, um das Vorlesen zu üben. Ich konnte Textstellen irgendwann auswendig, beim x-ten Lesen fielen mir noch versteckte Details auf, die mir vorher entgangen waren, irgendwann kannte ich alle Stränge und Verbindungen.
Dann habe ich sie etwa vier Jahre lang nicht gelesen, ehe ich mich jetzt, nach dem Abi, an das vierzehnte Mal gewagt habe.

Mir war schlichtweg nach genau dem, was dann auch eingetroffen ist: Das Lesen war wie warme Schokolade, wie die warmen Sonnenstrahlen an einem Sommertag, wie nach Hause kommen. 
Nach Hause kommen zu den bekannten Charakteren und der bekannten Handlung, die einem schon vor langer Zeit ans Herz gewachsen sind. Zu dem absolut genialen Humor, der mich immer wieder zum Lachen bringt. Zu all dem, was vertraut und deswegen nicht weniger unterhaltsam ist. Und obwohl ich natürlich längst alle Wendungen, Anspielungen und Hintergründe kannte, las ich die Trilogie trotzdem innerhalb von zwei Tagen durch.

Und dabei fiel mir nur wieder auf, wie sehr ich dieses Geschichte liebe. Alles an ihr. Wie sehr ich jede einzelne Textstelle liebe, auch die, die am zweiten Lesen geprägt von Fremdschämen oder Missverständnissen sind. Wie gesagt, es ist in gewisser Hinsicht wie nach Hause kommen.
Natürlich fallen einem irgendwann dann auch die Details auf, die unlogisch sind und sich widersprechen, aber ehrlich gesagt trübte das meinen Lesegenuss kein bisschen. Zumal diese kleinen Ungereimtheiten verblassen angesichts des komplett durchgedachten, sehr komplexen und überaus gelungenen Konstrukts, das die Autorin erschaffen hat. Und was ist schon perfekt? ^^ Ist das wirklich wichtig?

Als ich dann am Ende angelangt bin, hätte ich am liebsten sofort wieder von vorne begonnen. Weil ich diese Geschichte liebe, weil sie so vertraut ist, ein Ort, zu dem man immer wieder zurückkehren kann. Eine Geschichte, die beim Lesen einfach glücklich macht.

Dienstag, 13. Juni 2017

Es war einmal Aleppo

Unter Flüchtlingen ist es doch wie überall auf der Welt. Es gibt gute Menschen, es gibt schlechte Menschen. Und es gibt schlechte Menschen, die aus schlechten Gründen Gutes tun und gute Menschen, die aus guten Gründen Schlechtes tun. (Seite 66)



Autor: Jennifer Benkau
Label: INK REBELS
(Taschenbuchausgabe gedruckt im Amrûn Verlag)
Seiten: 510
Erscheinungsdatum: 2016
ISBN: 978-3-95869-277-0
Taschenbuch mit Klappenbroschur; 14,90€


Die Menschen brauchen einen Sündenbock, und da werden Fremde immer gern genommen. (Seite 138)

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch rezensieren und bewerten sollte.
Den Schreibstil? Der ließ mich durch die Seiten gleiten, ließ die Gefühle wirklich werden und fasste so manche Grausamkeit eiskalt in Worte.
Die Charaktere, die an echte Menschen angelehnt sind? Die Handlung, die so in etwa tausendfach passiert ist, ausgenommen die sich wirklich nachvollziehbar und süß entwickelnde Liebesgeschichte?

Man merkt dem Buch die im Nachwort beschriebene sehr gute Recherche an und vor allem, dass Jennifer Benkau auf ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Ehrenamt zurückgegriffen hat. Auf Erzählungen realer Menschen und auf zahlreiche Interviews und Besuche von Erstaufnahmeeinrichtungen.
Es ist schwer, ein Buch zu bewerten, das irgendwie nur die Situation aus dem Sommer 2015 darstellt, eine Situation, die einem selbst aus den Nachrichten durchaus bekannt ist. Und die mit diesem Buch doch in gewisser Weise alltäglicher, realer wird.

In dem Buch wird man als Leser vor allem mit zwei Bereichen konfrontiert, die mich dazu veranlasst haben, dass ich das Buch teilweise beiseitelegen musste, weil ich fassungslos und wütend ob dieser Ungerechtigkeit war: Das Schicksal der Flüchtlinge und die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen.
Ersteres lässt in mir persönlich immer den Wunsch aufkommen, einfach alle Menschen aufzunehmen, weil sie so viel durchgemacht haben, so viel erlitten haben. Weil Krieg grausam und ungerecht und brutal ist. Weil diese Menschen alles verloren haben und dann hier auch noch auf Ablehnung stoßen. Seien es Länder, die die Aufnahme verwehren, undurchsichtige Bürokratie aus endlosen Asylanträgen oder ebenjene Fremdenfeindlichkeit, die ich wohl nie begreifen werde.
Und während sich die Wogen der Flüchtlingskrise auch dank des fragwürdigen Deals mit der Türkei zunehmen glätten, wird das Thema Fremdenfeindlichkeit angesichts des steigenden Populismus immer aktueller.

Toni selbst lebt in einer Familie, die alles andere als begeistert davon ist, dass in ihrer Nachbarschaft plötzlich ein Flüchtlingsheim ist. Nachdem Toni als Kind ansehen musste, wie ihr Vater von südländisch aussehenden Männern krankenhausreif geschlagen wurde, hat sie Angst vor Migranten. Auch die Ressentiments in ihrer Familie teilt sie anfangs. Doch dann folgt sie zögernd der Aufforderung ihrer engagierten besten Freundin Fee, in dem Camp zu helfen und beginnt, ihre Ansichten zu überdenken.
Gleichzeitig begegnet sie in ihrer Familie immer wieder Vorurteilen und hier zeigt die Autorin gekonnt, wie diese auch in einem scheinbar ganz gewöhnlichen, gutbürgerlichen und eigentlich doch gar nicht rassistischen Umfeld auftreten. In der eigenen Familie, bei Menschen, von denen man das so nicht erwarten wollte.
Die Autorin zeigt auch, wie wenig hinter diesen Vorurteilen steckt, wie sehr diese die Augen vor dem Schicksal der Menschen verschließen und lässt sie so nur noch unfassbarer wirken. Sie gibt Einblicke die jeweiligen Kulturen, in die Hintergründe der Flucht und des syrischen Bürgerkrieges, alles, ohne dass Infodump auftritt. Nur Fassungslosigkeit angesichts der Ungerechtigkeit.
Gleichzeitig hebt die Autorin auch das Engagement von Flüchtlingshelfern hervor - und deren Hilflosigkeit in Anbetracht der Lage.

Das Buch hat mich mitgenommen, zum Nachdenken anregt, hat mich berührt, wütend und ungläubig gestimmt und hat mich auch nach dem Lesen nicht losgelassen. In jedem Fall ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, gerade weil es so gut geschrieben ist, mit unheimlich vielschichtigen Charakteren und einer mehr als authentischen Handlung.

Freitag, 9. Juni 2017

Maybe Someday [oder] Das Buch, bei dem ich mich in einem ewigen Zwiespalt befinde



Autor: Colleen Hoover
dt. Maybe Someday
Verlag: Simon & Schuster
Seiten: ca. 370
Erscheinungsdatum: 2014
ISBN: 978-1-47113-551-4
Taschenbuch


Spin-Off: Maybe not


Ich wünschte, ich wäre nach dem Lesen zu einer eindeutigen Bewertung gelangt. Aber genaugenommen bin ich schon mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen.

Erst mal zum Inhalt: Nachdem Sydney an ihrem 22. Geburtstag erfährt, dass ihr Freund Hunter sie mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Tori betrogen hat, bricht ihre Welt zusammen und sie steht auf einmal ohne Wohnung da. Doch ihr Nachbar Ridge, dem sie jedes Mal zugehört hat, wenn er abends auf dem Balkon Gitarre spielte, nimmt sie kurzerhand bei sich auf, nachdem er ihr Talent entdeckt hat, ihm beim Songschreiben zu helfen. Von Anfang an spüren die beiden eine Anziehung zueinander - aber Ridge hat eine Freundin, die er über alles liebt und Sydney fühlt sich längst nicht wieder bereit für eine Beziehung.

Um mein Problem zu erklären, muss ich euch kurz meine Hintergründe erläutern: In den letzten Jahren habe ich trotz des Colleen-Hoover-Hypes vor allem die negativen, kritischen Stimmen wahrgenommen, die ihr beispielsweise ein sexistisches Frauenbild vorwerfen, obwohl ich selbst vor meiner Bloggerzeit "Weil ich Layken liebe" gelesen habe und es damals nicht so schlecht fand - etwas, das heute möglicherweise anders wäre, aber das kann ich so nicht beurteilen. Von daher habe ich auch nie das Bedürfnis verspürt, weitere Bücher von Colleen Hoover zu lesen. Dieses Buch war dann allerdings ein Geschenk von einer Freundin, die es geliebt hat, also beschloss ich, ihm eine Chance zu geben.
Während des gesamten Lesens kämpften aber zwei Seiten in mir: Die, die es nicht mögen wollte und die, die sich dachte, dass an dem Hype was dran sein muss und die Freundin nicht enttäuschen wollte. Gewonnen hat keine der beiden Seiten, von daher kann ich auch keine Bewertung abgeben, sondern euch nur darlegen, was ich als kritisch empfunden habe und was mir positiv aufgefallen ist.

Was man dem Buch lassen muss: Es ist unterhaltsam, an einigen Stellen fast witzig und flüssig zu lesen, teilweise auch durchaus fesselnd. Das Englisch habe ich als relativ einfach empfunden. Zu Beginn des Buches gibt es einen QR-Code, über den man den im Buch auftauchenden Soundtrack, vertont von Griffin Peterson, parallel dazu hören kann, was eigentlich eine ziemlich coole Idee ist.
Das Buch beginnt kurz nachdem Sydney herausgefunden hat, dass die beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben sie betrogen haben, springt dann kurz zurück, kommt aber relativ schnell zur Sache. Insgesamt wird die Geschichte abwechselnd aus Sydneys und Ridges Sicht erzählt.

Was ich auch ziemlich gut umgesetzt fand, war Ridges Gehörlosigkeit. Ich meine, ich bin nicht taub oder habe großartig Erfahrungen damit, weshalb ich die Authentizität nicht beurteilen kann, aber ich mochte es, dass er es nicht als Behinderung sieht, weil er eben nichts anderes kennt, und es trotzdem Momente gibt, in denen er diesen Nachteil als störend empfindet. Auch wenn also Probleme durchaus gezeigt werden, ist es leicht, es zu vergessen, weil die Kommunikation trotzdem funktioniert und in gewisser Weise normal wird - Nachrichten auf dem Handy oder Laptop, Notizzettel, Gebärdensprache.
Me: Why didn't you tell me you were deaf?
Ridge: Why didn't you tell me you could hear? (Seite 50)
Und in der Beziehung zwischen den beiden (also auch auf der anfangs betont freundschaftlichen Ebene) ist es teilweise ganz berührend, weil Ridge Musik vor allem über die Vibration wahrnimmt und das eine ganz neue Perspektive öffnet.

Kommen wir also zu dem Konflikt des Ganzen. Ich hatte bei der Geschichte teilweise das Gefühl, mich in einem Wagen zu befinden, der ab einem bestimmten Punkt der Handlung auf einen Abgrund zurast, dann aber im allerletzten Moment noch die Kurve kriegt, während er mit einem Rad schon den Bodenkontakt verloren hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Kurve auch gekriegt habe oder aus dem Wagen geschleudert wurde.
Die Sache ist die, der Konflikt an sich ist eigentlich ganz gelungen. Sydney weiß aus erster Hand, wie sehr dieser Vertrauensbruch schmerzt, Ridge liebt seine Freundin Maggie wirklich, Maggie ist ein toller Mensch und Sydney will ihr nicht wehtun. Also wehren sich Ridge, der trotzdem nie aufhört, Maggie zu lieben, und Sydney mit aller Gewalt gegen die Anziehung. Die Frage, ob man zwei Menschen lieben kann und trotzdem einen für die Treue zum anderen "opfern" sollte, stellt also hauptsächlich diesen Konflikt.
Zwischendurch kam mir der Gedanke, warum Sydney nicht einfach zu Beginn auszieht, sobald sie merkt, dass sie keine Gefühle entwickeln will (nicht, dass das in der Geschichte nicht thematisiert wird), aber na ja, Dumbledore hätte Tom Riddle auch einfach als kleines Kind töten können, Dornröschens Eltern hätten die dreizehnte Fee einfach einladen können usw. Ihr merkt, worauf ich hinauswill.

Einige Elemente fand ich etwas zu tragisch, der ganze Konflikt wird oft thematisiert und irgendwann habe ich nur noch mit den Augen gerollt, wenn einer der beiden wieder vor sich hin verzweifelte, weil er/sie ja seine/ihre Gefühle nicht verleugnen kann, aber das nicht darf etc. pp. 
Allerdings ist das einfach der Stil. Drama, Herzschmerz - wem das gefällt, der dürfte sich hier aufgehoben fühlen. Das ist in anderen Büchern dieses Genres mit Sicherheit nicht anders.
Dabei läuft auch einiges über körperliche Anziehung, wobei ich nicht sagen würde, dass innere Werte dabei außer Acht gelassen werden. Auch dies würde ich als genrebedingt ansehen - klärt mich auf, falls ich da falsch liege. Auf jeden Fall sollte man durchaus eine leichte Vorliebe für Romantik und Kitsch mitbringen.
Ich würde auch nicht sagen, dass einer der beiden kontrollierter oder schwächer ist, da stehen sie sich in nichts nach. Mir ist das zwischendurch alles ein bisschen auf die Nerven gegangen und ich persönlich war immer Team Maggie, aber das hat eher was mit mir zu tun. Auch wie man das Ende sieht, bleibt jedem selbst überlassen, denke ich.
Was ich aber auch ganz faszinierend fand, war, dass Ridge und Sydney immer total ehrlich zueinander waren, was das Ganze auf eine sehr offene Ebene gestellt hat.

Mit Sydney bin ich nicht wirklich klargekommen. Ich fand gleich zu Beginn, dass sie doch ein sehr altmodischen Rollenbild hat, wobei das auch die einzige Stelle war, der man eine sexistische Färbung vorwerfen könnte. Stellt sich die Frage, ob ein altmodischen Rollenideal zwangsläufig sexistisch ist, aber das wäre noch mal einen eigenen Post wert.
Am I ready for this guy to be the guy I bring dinner to every night when he gets home from work? (Seite 14)
Ich hätte ja gesagt, kann er sich selbst machen, aber wie gesagt, dem widme ich wahrscheinlich nochmal einen eigenen Post. Abgesehen davon kommandiert Hunter Sydney sowieso dauernd herum ("Hol mir ein Bier!" ... und sie holt es) weil er eh ein Arschloch ist, da stellt sich eher die Frage nach Sydneys Typvorstellungen, aber auch das wird später aufgegriffen.
Dass sie das mit sich machen lässt, hob sie nicht gerade in meiner Achtung, aber ich meine, sie trennt sich schlussendlich von ihm und sieht ihn auch als Arschloch.

Ich fand es etwas irritierend, wie Sydney von Ridge aufgenommen wird, dann aber erst mal Dusche und Alkohol fordert, aber na ja. Sie kann auch mitfühlend sein. 
Gerade zum Ende hin ist mir aufgefallen, wie oft sie eigentlich heult - nun gut, sie wurde gerade von ihrem langjährigen Freund mit ihrer besten Freundin betrogen und ist eben ein sehr, äh, emotionaler Mensch. Das heißt, ihr kommen quasi bei jeder etwas größeren Gefühlsregung die Tränen.
Wenn ich so darüber nachdenke, bleibt sie insgesamt auch eher blass. Ich meine, sie macht entgegen dem Willen ihrer Eltern ein Musikstudium, von dem man nichts mitbekommt, schreibt Lyrics, glaubt, nicht singen zu können, und, äh ... Ja.

Ridge war mir da schon weit sympathischer, auch wenn man hier auf die tragische Vergangenheit nicht verzichten konnte, ist er immerhin kein Bad Boy, sondern offen, durchaus verletzlich, deutlich weniger blass im Vergleich zu Sydney, sehr loyal und seine Attraktivität ist eben durchaus nachvollziehbar.
Was man auch einige Nebencharakteren lassen muss, ist, dass immerhin Tiefgründigkeit angedeutet wird. Das Potenzial wird nicht immer wirklich genutzt, aber Warren, Ridges anderer Mitbewohner, wirkt zwar wie ein Aufreißer, allerdings merkt man schnell, dass viel mehr und auch ein sehr liebenswerter Mensch dahinter steckt.

Fazit: Insgesamt wären das dann also so zwei bis drei Büchlein. Ich hab mich zwischendurch durchaus unterhalten gefühlt, und auch wenn es Stellen gab, die mich genervt haben, was auch einfach an meinem persönlichen Geschmack liegen kann, und Dinge, die vielleicht problematisch sind, wurde der Konflikt letztendlich doch ganz gut thematisiert, wenn auch mit relativ viel Drama. Sydney war mir persönlich zu blass und teilweise auch nicht ganz sympathisch, andere Charaktere kommen da weit besser weg, allen voran Ridge, dessen Taubheit ich persönlich ganz gut umgesetzt fand.

Mittwoch, 7. Juni 2017

[Rezension] Für dich soll's tausend Tode regnen


Autor: Anna Pfeffer
Verlag: cbj
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 12.09.2016
ISBN: 978-3-570-17155-4
Taschenbuch mit Klappenbroschur; 14,99€


Klappentext:

Wer Emi auf die Nerven geht, dem verpasst sie in Gedanken eine Todesart. Und seit dem Umzug weiß sie nicht, wer mehr nervt: die Neue ihres Vaters, die sich ernsthaft in der Mutterrolle sieht, ihr Strahlemann von Bruder, der das auch noch gut findet (stirbt bestimmt mal, weil er auf seiner Schleimspur ausrutscht), oder Erik, Alphatier an ihrer neuen Schule, der einen auf cool macht und sie ständig provoziert (stirbt garantiert an einem Hirntumor wegen übermäßigen Handykonsums). Als sie sich in Chemie mit Alpha-Erik anlegt, kracht es wortwörtlich zwischen den beiden. Die Strafe dafür sind acht Samstage Graffiti schrubben. Mit Erik! Kann das Leben noch beschissener sein? Um aus der Nummer rauszukommen, schlägt Emi einen Wettstreit vor. Doch Erik ist nicht kleinzukriegen. Emi wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass es gar nicht so nervig ist, Zeit mit Erik zu verbringen …

Sonntag, 4. Juni 2017

Bookish Sunday #22 - Klassiker


Heute mache ich mal wieder bei Ines' Aktion mit, deren heutige Frage ist:

Welchen Klassiker möchtest du mal lesen?

Ich hab letztens in einem Anflug von Motivation eine ganze Wunschliste von Klassiker zusammengestellt. Auf jeden Fall möchte ich noch "Pride and Prejudice" / "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen lesen. Dann "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende. Und dann einfach noch ein paar Klassiker, entweder um am Ende begründet zu sagen, warum die sterbenslangweilig sind, oder überrascht zu werden. :D
Aktuell liegt tatsächlich auch noch "Die Verwandlung" von Kafka auf meinem SuB - mal sehen, wann ich mich dazu aufraffen kann. ^^

Gibt es Klassiker, die ihr empfehlen könnt oder von denen ihr absolut abraten würdet?

Ich wünsche euch noch ein schönes Pfingstwochenende!
Eure Dana ♥