Freitag, 9. Juni 2017

Maybe Someday [oder] Das Buch, bei dem ich mich in einem ewigen Zwiespalt befinde



Autor: Colleen Hoover
dt. Maybe Someday
Verlag: Simon & Schuster
Seiten: ca. 370
Erscheinungsdatum: 2014
ISBN: 978-1-47113-551-4
Taschenbuch


Spin-Off: Maybe not


Ich wünschte, ich wäre nach dem Lesen zu einer eindeutigen Bewertung gelangt. Aber genaugenommen bin ich schon mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen.

Erst mal zum Inhalt: Nachdem Sydney an ihrem 22. Geburtstag erfährt, dass ihr Freund Hunter sie mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Tori betrogen hat, bricht ihre Welt zusammen und sie steht auf einmal ohne Wohnung da. Doch ihr Nachbar Ridge, dem sie jedes Mal zugehört hat, wenn er abends auf dem Balkon Gitarre spielte, nimmt sie kurzerhand bei sich auf, nachdem er ihr Talent entdeckt hat, ihm beim Songschreiben zu helfen. Von Anfang an spüren die beiden eine Anziehung zueinander - aber Ridge hat eine Freundin, die er über alles liebt und Sydney fühlt sich längst nicht wieder bereit für eine Beziehung.

Um mein Problem zu erklären, muss ich euch kurz meine Hintergründe erläutern: In den letzten Jahren habe ich trotz des Colleen-Hoover-Hypes vor allem die negativen, kritischen Stimmen wahrgenommen, die ihr beispielsweise ein sexistisches Frauenbild vorwerfen, obwohl ich selbst vor meiner Bloggerzeit "Weil ich Layken liebe" gelesen habe und es damals nicht so schlecht fand - etwas, das heute möglicherweise anders wäre, aber das kann ich so nicht beurteilen. Von daher habe ich auch nie das Bedürfnis verspürt, weitere Bücher von Colleen Hoover zu lesen. Dieses Buch war dann allerdings ein Geschenk von einer Freundin, die es geliebt hat, also beschloss ich, ihm eine Chance zu geben.
Während des gesamten Lesens kämpften aber zwei Seiten in mir: Die, die es nicht mögen wollte und die, die sich dachte, dass an dem Hype was dran sein muss und die Freundin nicht enttäuschen wollte. Gewonnen hat keine der beiden Seiten, von daher kann ich auch keine Bewertung abgeben, sondern euch nur darlegen, was ich als kritisch empfunden habe und was mir positiv aufgefallen ist.

Was man dem Buch lassen muss: Es ist unterhaltsam, an einigen Stellen fast witzig und flüssig zu lesen, teilweise auch durchaus fesselnd. Das Englisch habe ich als relativ einfach empfunden. Zu Beginn des Buches gibt es einen QR-Code, über den man den im Buch auftauchenden Soundtrack, vertont von Griffin Peterson, parallel dazu hören kann, was eigentlich eine ziemlich coole Idee ist.
Das Buch beginnt kurz nachdem Sydney herausgefunden hat, dass die beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben sie betrogen haben, springt dann kurz zurück, kommt aber relativ schnell zur Sache. Insgesamt wird die Geschichte abwechselnd aus Sydneys und Ridges Sicht erzählt.

Was ich auch ziemlich gut umgesetzt fand, war Ridges Gehörlosigkeit. Ich meine, ich bin nicht taub oder habe großartig Erfahrungen damit, weshalb ich die Authentizität nicht beurteilen kann, aber ich mochte es, dass er es nicht als Behinderung sieht, weil er eben nichts anderes kennt, und es trotzdem Momente gibt, in denen er diesen Nachteil als störend empfindet. Auch wenn also Probleme durchaus gezeigt werden, ist es leicht, es zu vergessen, weil die Kommunikation trotzdem funktioniert und in gewisser Weise normal wird - Nachrichten auf dem Handy oder Laptop, Notizzettel, Gebärdensprache.
Me: Why didn't you tell me you were deaf?
Ridge: Why didn't you tell me you could hear? (Seite 50)
Und in der Beziehung zwischen den beiden (also auch auf der anfangs betont freundschaftlichen Ebene) ist es teilweise ganz berührend, weil Ridge Musik vor allem über die Vibration wahrnimmt und das eine ganz neue Perspektive öffnet.

Kommen wir also zu dem Konflikt des Ganzen. Ich hatte bei der Geschichte teilweise das Gefühl, mich in einem Wagen zu befinden, der ab einem bestimmten Punkt der Handlung auf einen Abgrund zurast, dann aber im allerletzten Moment noch die Kurve kriegt, während er mit einem Rad schon den Bodenkontakt verloren hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Kurve auch gekriegt habe oder aus dem Wagen geschleudert wurde.
Die Sache ist die, der Konflikt an sich ist eigentlich ganz gelungen. Sydney weiß aus erster Hand, wie sehr dieser Vertrauensbruch schmerzt, Ridge liebt seine Freundin Maggie wirklich, Maggie ist ein toller Mensch und Sydney will ihr nicht wehtun. Also wehren sich Ridge, der trotzdem nie aufhört, Maggie zu lieben, und Sydney mit aller Gewalt gegen die Anziehung. Die Frage, ob man zwei Menschen lieben kann und trotzdem einen für die Treue zum anderen "opfern" sollte, stellt also hauptsächlich diesen Konflikt.
Zwischendurch kam mir der Gedanke, warum Sydney nicht einfach zu Beginn auszieht, sobald sie merkt, dass sie keine Gefühle entwickeln will (nicht, dass das in der Geschichte nicht thematisiert wird), aber na ja, Dumbledore hätte Tom Riddle auch einfach als kleines Kind töten können, Dornröschens Eltern hätten die dreizehnte Fee einfach einladen können usw. Ihr merkt, worauf ich hinauswill.

Einige Elemente fand ich etwas zu tragisch, der ganze Konflikt wird oft thematisiert und irgendwann habe ich nur noch mit den Augen gerollt, wenn einer der beiden wieder vor sich hin verzweifelte, weil er/sie ja seine/ihre Gefühle nicht verleugnen kann, aber das nicht darf etc. pp. 
Allerdings ist das einfach der Stil. Drama, Herzschmerz - wem das gefällt, der dürfte sich hier aufgehoben fühlen. Das ist in anderen Büchern dieses Genres mit Sicherheit nicht anders.
Dabei läuft auch einiges über körperliche Anziehung, wobei ich nicht sagen würde, dass innere Werte dabei außer Acht gelassen werden. Auch dies würde ich als genrebedingt ansehen - klärt mich auf, falls ich da falsch liege. Auf jeden Fall sollte man durchaus eine leichte Vorliebe für Romantik und Kitsch mitbringen.
Ich würde auch nicht sagen, dass einer der beiden kontrollierter oder schwächer ist, da stehen sie sich in nichts nach. Mir ist das zwischendurch alles ein bisschen auf die Nerven gegangen und ich persönlich war immer Team Maggie, aber das hat eher was mit mir zu tun. Auch wie man das Ende sieht, bleibt jedem selbst überlassen, denke ich.
Was ich aber auch ganz faszinierend fand, war, dass Ridge und Sydney immer total ehrlich zueinander waren, was das Ganze auf eine sehr offene Ebene gestellt hat.

Mit Sydney bin ich nicht wirklich klargekommen. Ich fand gleich zu Beginn, dass sie doch ein sehr altmodischen Rollenbild hat, wobei das auch die einzige Stelle war, der man eine sexistische Färbung vorwerfen könnte. Stellt sich die Frage, ob ein altmodischen Rollenideal zwangsläufig sexistisch ist, aber das wäre noch mal einen eigenen Post wert.
Am I ready for this guy to be the guy I bring dinner to every night when he gets home from work? (Seite 14)
Ich hätte ja gesagt, kann er sich selbst machen, aber wie gesagt, dem widme ich wahrscheinlich nochmal einen eigenen Post. Abgesehen davon kommandiert Hunter Sydney sowieso dauernd herum ("Hol mir ein Bier!" ... und sie holt es) weil er eh ein Arschloch ist, da stellt sich eher die Frage nach Sydneys Typvorstellungen, aber auch das wird später aufgegriffen.
Dass sie das mit sich machen lässt, hob sie nicht gerade in meiner Achtung, aber ich meine, sie trennt sich schlussendlich von ihm und sieht ihn auch als Arschloch.

Ich fand es etwas irritierend, wie Sydney von Ridge aufgenommen wird, dann aber erst mal Dusche und Alkohol fordert, aber na ja. Sie kann auch mitfühlend sein. 
Gerade zum Ende hin ist mir aufgefallen, wie oft sie eigentlich heult - nun gut, sie wurde gerade von ihrem langjährigen Freund mit ihrer besten Freundin betrogen und ist eben ein sehr, äh, emotionaler Mensch. Das heißt, ihr kommen quasi bei jeder etwas größeren Gefühlsregung die Tränen.
Wenn ich so darüber nachdenke, bleibt sie insgesamt auch eher blass. Ich meine, sie macht entgegen dem Willen ihrer Eltern ein Musikstudium, von dem man nichts mitbekommt, schreibt Lyrics, glaubt, nicht singen zu können, und, äh ... Ja.

Ridge war mir da schon weit sympathischer, auch wenn man hier auf die tragische Vergangenheit nicht verzichten konnte, ist er immerhin kein Bad Boy, sondern offen, durchaus verletzlich, deutlich weniger blass im Vergleich zu Sydney, sehr loyal und seine Attraktivität ist eben durchaus nachvollziehbar.
Was man auch einige Nebencharakteren lassen muss, ist, dass immerhin Tiefgründigkeit angedeutet wird. Das Potenzial wird nicht immer wirklich genutzt, aber Warren, Ridges anderer Mitbewohner, wirkt zwar wie ein Aufreißer, allerdings merkt man schnell, dass viel mehr und auch ein sehr liebenswerter Mensch dahinter steckt.

Fazit: Insgesamt wären das dann also so zwei bis drei Büchlein. Ich hab mich zwischendurch durchaus unterhalten gefühlt, und auch wenn es Stellen gab, die mich genervt haben, was auch einfach an meinem persönlichen Geschmack liegen kann, und Dinge, die vielleicht problematisch sind, wurde der Konflikt letztendlich doch ganz gut thematisiert, wenn auch mit relativ viel Drama. Sydney war mir persönlich zu blass und teilweise auch nicht ganz sympathisch, andere Charaktere kommen da weit besser weg, allen voran Ridge, dessen Taubheit ich persönlich ganz gut umgesetzt fand.

2 Kommentare

  1. Mich reizt dieses Buch irgendwie so überhaupt nicht. Noch nicht einmal der Klappentext macht mich neugierig :D Dazu dann deine eher mäßige Bewertung, nein danke, das Buch werde ich wohl nicht lesen xD

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    1. Hätte ich es nicht geschenkt bekommen, hätte ich es auch nicht gelesen. :D Ich meine, ich habe mich nicht durchgequält, es war durchaus unterhaltsam, aber eben einfach nicht mein Buch. ^^

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