Freitag, 23. Juni 2017

Meine Schullektüren in der Oberstufe

Ich dachte mir, ich gebe einfach mal rückblickend ein Statement zu einigen Schullektüren ab, die ich im Verlauf der Oberstufe so gelesen habe. Dabei versuche ich auch mal, meine persönliche, aufgrund des Zwangs entstandene Abneigung zurückzustellen und die Bücher objektiv zu betrachten.


Dantons Tod (Georg Büchner)

Ich muss sagen, ich bin einfach kein Fan von Dramen. Was dieses ausmacht, ist die Nähe zu den historischen Vorbildern aus der Französischen Revolution, die so auch den Leser ein Stück weit in diese Zeit versetzt. Und dass der Titel quasi das ganze Stück spoilert, was allein schon den Großteil der Tragik schafft.
Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen mit den Unmengen an Charakteren, die darin auftauchen. Der Protagonist Danton ist ein ziemlicher Antiheld mit seiner Scheiß-egal-dann-sterb-ich-halt-Einstellung, während der Antagonist - Robespierre - erstaunlicherweise sogar Tiefe zeigt, sodass ich in einer Szene fast Mitleid mit ihm hatte, wenn er sich von seinen Freunden verraten und sich selbst einsam fühlt. Aber auch Danton verbirgt eine gewisse Vielschichtigkeit, dadurch, dass diese Scheiß-egal-Einstellung schwankt und auch seine Skrupel ans Tageslicht kommen.
Worauf man sich einstellen muss, sind ziemlich viel philosophischer Kram und zig Anspielungen auf vor allem griechische und römische Mythen, von denen ich die meisten selbst als Percy Jackson-Fan nicht kannte.

Échancrure (Michel Le Bourhis)

Ein Junge aus der Unterschicht stiehlt Bücher, wird von einer alten Lehrerin erwischt, die ihm dann aber das Buch kauft. Er steht auf die Freundin seines besten Freundes, die er vor ihrem gewalttätigen, alkohlabhängigen Vater beschützt, kann den neuen Freund seiner ihm nahestehenden Mutter nicht ausstehen und glaubt, keine Zukunft zu haben. Alles in allem also eine klassische Schullektüre mit gesellschaftlichen Problemen und Raum zum Diskutieren.
Dazu in relativ schwierigem Französisch und mit alles andere als fesselnder Handlung.
Das Einzige, was mich an diesem Buch wirklich faszinierte, war die Liebe des Protagonisten zu den Büchern, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Er streichelt liebend gern über den Buchrücken, riecht an den Seiten, will sie besitzen - na, kommt euch das auch bekannt vor? Und seine Bücher bewahrt er auf wie Schätze, bemüht sich, sie nicht auch nur im Geringsten zu Schaden kommen zu lassen und zieht gebundene Ausgaben vor. Selbst wenn er sie dann nicht mal liest.
Der Rest war irgendwie ganz nett, aber auch ziemlich offen.

The Crucible (Arthur Miller)

Das Buch basiert auf die historisch tatsächlich stattgefundene Hexenjagd in Salem und handelt davon, wie eine Gruppe Mädchen willkürlich quasi ein ganzes Dorf der Hexerei beschuldigen, was ziemlich ausartet. Die Anführerin hatte tatsächlich aber eine Affäre mit dem Mann, in dessen Haushalt sie mal gearbeitet hat, und will jetzt eigentlich nur dessen Frau loswerden. Ziemlich viele Intrigen also. Erstaunlicherweise gab es aber Szenen, deren Tragik mich tatsächlich berührt hat.

The Great Gatsby (F. Scott Fitzgerald)

Ich muss ehrlich sagen, dieses Buch ist Anwärter auf meine liebste Schullektüre. Ich habe es wirklich ziemlich gern gelesen. Der Schreibstil ist unglaublich atmosphärisch, die Charaktere tiefgründig, vielschichtig und manchmal muss man sie irgendwie mögen. Die Tragik des Ganzen ist bittersüß, die Moral schmerzhaft. Aber allein die Figur des Gatsby hat mich unheimlich fasziniert, ihre Geschichte, ihre Hintergründe und ihre Tiefe.

La chica de los zapatos verdes (Jordi Surís Jordà)

Bei diesem Buch von erstaunlich einfach zu verstehendem Spanisch handelt es sich genaugenommen um einen typischen Kriminalroman, der allerdings dadurch überraschte, dass die Handlung nicht ganz so vorhersehbar war, wie ich erst vermutet hatte. Sie ist manchmal ein wenig skurril, aber gerade in der Auflösung nicht uninteressant. Als Schullektüre also insgesamt ziemlich angenehm.

Ingrid Barbendererde (Uwe Johnson)

Dieses Buch nervt dadurch, dass es alle Regeln der deutschen Grammatik bricht. Kommata werden willkürlich gesetzt, Satzbau durcheinandergebracht und nach drei Seiten lernte das Buch beim ersten Lesen aus reiner Frustration meinerseits fliegen (was insofern für sich spricht, als dass ich normalerweise jedes Buch wie einen kleinen Schatz behandle ^^).
Allerdings trug die intensive Unterrichtsbesprechung dazu bei, dass ich dem Buch am Ende doch noch irgendwie etwas abgewinnen konnte. Weil die Charaktere letztendlich doch irgendwie lebensecht gezeichnet waren und die Handlung die Situation in der DDR gelungen widerspiegelt.
Was mich zu der Erkenntnis bringt, dass eine intensive Analyse manchmal auch den Blick und die Anerkennung für solche Kunst weckt. Und Kunst, auch die des Schreibens, muss ja nicht immer angenehm zu lesen sein.

La vie comme Elva (Jean-Paul Nozière)

Der Klappentext verspricht die Liebesgeschichte zweier Mädchen, die eine Tochter von Eltern, die gerade gefeuert wurden, woraufhin sie sie animiert, zu streiken, die andere Tochter des Chefs. Von Liebe gegen soziale Gegensätze ist im Klappentext die Rede. Ich wurde bitter enttäuscht.
Das Ganze ist Liebe auf den ersten Blick, das Buch handelt nur vom Streiken und es juckt einfach niemandem, dass die beiden Mädchen aus unterschiedlichen Milieus stammen und in so einer Streiksituation eigentlich auch auf unterschiedlichen Seiten stehen. Schon gar nicht die Eltern. Ich hätte mir hier einfach ein bisschen mehr Konflikt gewünscht, stattdessen dreht es sich alles nur um den Streik und die Liebesgeschichte spielt sich eher im Hintergrund ab. Nicht genug, um tatsächlich eine Hintergrundstory zu sein, hier wurde letztendlich einfach ziemlich viel Potenzial ungenutzt gelassen.


Kennt ihr vielleicht eins der Bücher? Wenn ja, wie fandet ihr es?

Eure Dana

4 Kommentare

  1. Hey,
    interessanter Post :) denn ich von deinen Schullektüren kenne ich keine einzige :D Nur "Der große Gatsby" habe ich mal als Mängelexemplar mitgenommen (weil ich den Film so gerne mag :)), um es irgendwann mal zu lesen :D
    Bei mir waren es damals ganz andere Bücher in der Oberstufe, aber das vor ja auch vor ein paar Jahren und ist ja von Bundesland zu Bundesland anders :D ;)
    Lg Callie

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    1. Hallo Callie,

      gerade die französischen und spanischen sind auch eher sehr unbekannte Bücher - keine Ahnung, wo das Ministerium die ausgegraben hat. xD
      Den neuen Film mit Leonardo DiCaprio, nehme ich mal an? :D Ich kann es wirklich empfehlen, ich mag den Schreibstil. ^^
      Ja, das stimmt. Sehr anders. ;D

      Liebe Grüße :)

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  2. Hey,
    ich kenne keins deiner Lektüren, außer den großen Gatsby, aber den hab ich noch ungelesen in meinem Regal stehen.
    Eins meiner Schullektüren war "Der Verdacht" von Friedrich Dürrenmatt und "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann und beide gehören mittlerweile zu meinen Lieblingsbüchern.
    Liebe Grüße,
    Kathrin

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    1. Hallo Kathrin,

      wie ich auch Callie geschrieben habe, Gatsby kann ich persönlich als Klassiker definitiv empfehlen. ^^
      Den Sandmann habe ich mir mal spontan außerschulisch gekauft ... zurzeit liegt er noch auf meinem SuB rum, aber ich werde mich wohl demnächst mal daran wagen. ^^

      Liebe Grüße :)

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