Mittwoch, 23. August 2017

Die Verwandlung [und] Der Sandmann


Die Verwandlung  (Franz Kafka)


Ich habe mich wirklich bemüht, offen an das Buch heranzugehen, ohne eine abgeneigte Grundeinstellung. Nichtsdestotrotz blieb mein Haupteindruck am Ende: Verstörend.

Ein junger Mann, der eines Morgens als Käfer aufwacht, jedoch kein bisschen in Panik gerät, sondern das mit einem Gleichmut hinnimmt, ja, sogar plant, sein Leben wie gewohnt fortzusetzen, jedoch zunehmend in seinem neuen Dasein hinvegetiert - verstoßen, wenn auch noch verpflegt von seiner Familie. Verstörend? Definitiv.
Zumal die Erzählung auch mit keiner Moral, keinem Drama in dem Sinne aufwartet. Und damit dem/ der Leser*in vollkommen selbst überlässt, was er/ sie daraus macht. Und Interpretationen gibt es ja genug, von Offenlegung menschlicher Abgründe hin zur Enttarnung des Widerspruchs innerer Sehnsüchte, während der Schreibstil fast distanziert lediglich die Begebenheiten wiedergibt, ohne wirklich zu werten.
Was den Schreibstil anging, so empfand ich ihn, trotz der altmodischen Züge (das Buch wurde schließlich 1912 verfasst), als recht einfach zu lesen, zumindest bin ich flüssig durchgekommen und nirgends dran gestolpert. Überhaupt bekommt man das Buch - auch dank der dünnen Seitenzahl, die bei meiner Ausgabe etwa 90 Seiten umfasst - ziemlich schnell durch, was es einfacher macht, diesen Klassiker auch mal zwischendurch zu lesen.

Im Endeffekt hätte ich es mir, beruhend auf die Entsetzensschreie, die man beim Namen Kafka meist hört, weitaus schlimmer vorgestellt, auch wenn die Geschichte selbst durchaus verstörend anmutet.


Der Sandmann  (E.T.A. Hoffmann)


Für alle, die den Inhalt nicht kennen: Der junge Student Nathanael glaubt in einem Kaufmann Coppelius wiederzuerkennen, der früher öfter bei ihm zuhause zu Besuch war, den Kindern dort die Freude verdarb und der für den jungen Nathanael die Figur des grausamen Sandmanns aus dem Ammenmärchen verkörperte, der Kinder die Augen nimmt. Nathanael sieht sich zunehmend verfolgt und einem dunklen Wahn ausgesetzt, von dem ihn auch seine Verlobte Clara nicht zur Räson bringen kann.

Als Werk der Romantik lebt dieses 1816 erstmals erschienene "Schauermärchen" von den dunklen Seiten, dem Unheimlichen, dem Unterbewusstsein, dem Hang zur Unwirklichkeit. Somit ist man sich auch als Leser*in nie hundertprozentig sicher, was Nathanaels Einbildung entspringt und was nicht, zumal die letztendliche Deutung offen gelassen wird. Das Buch wird seiner Beschreibung als "Schauermärchen" auch durchaus gerecht, die Figur des Coppelius bzw. die des Kaufmanns ist definitiv unheimlich und düster, ebenso wie die Vorgänge.
Auch der Wahn, in dem sich Nathanael zunehmend verliert, vertieft dieses Düstere. Es macht ihn nicht unbedingt sympathischer oder seine Handlungen nachvollziehbarer, aber darum geht es schließlich auch gar nicht. Das Ganze mag so auch zwischendurch verstörend anmuten, aber je nach Interpretation kann man das auf dunkle Mächte schieben, oder rational als Einbildung und Wahnsinn sehen.

Mit den zirka 45 Seiten ist auch dies ein Klassiker, den man recht schnell durch hat und daher auch mal eben lesen kann. Allerdings ist die Sprache weitaus komplizierter. Verschachtelte Sätze, sehr bildreiche Sprache, Metaphern, überaus poetische Vergleiche und das alles in dem altmodischen Stil macht es schwer, das Buch zu verstehen, sodass man recht langsam und teilweise Sätze auch mehr als einmal lesen muss. Zwischendurch spricht der Erzähler einen fast direkt an und legt alternative Anfänge dar, die er statt dreier Briefe hätte wählen können, und impliziert dabei, dass es sich um eine echte Geschichte handle. Wenn man sich auf diese Geschichte einlässt, erwartet einen eine düstere und unheimliche Story voller Wahnsinn zwischen Einbildung und Wirklichkeit.

4 Kommentare

  1. Huhu,

    ich habe in der Schule das Buch "Der Sandmann" gelesen. Damals mussten wir ein Referat darüber halten und der Klasse deutlich machen worum es in diesem Buch geht. Das zu analysieren war ziemlich schwer, aber die Geschichte an sich hat mir gut gefallen, da es kein langweiliger Klassiker, wie so oft, war.

    Liebe Grüße,
    Ellen

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    1. Hi Ellen,

      ja, ich kann mir vorstellen, dass eine Analyse nicht sonderlich einfach ist, wobei es vermutlich zahlreiche Interpretationsansätze gibt.
      Aber ja, an sich ist die Story mal was anderes. ^^

      Liebe Grüße :)

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  2. Aaaah, wenn ich den Namen Kafka schon lese :D.
    Okay, Spaß beiseite, ich bin aber tatsächlich kein Fan. Ich finde immer, der Freund, den Kafka gebeten hat, seine Werke nach seinem Tod zu verbrennen, hätte es tun sollen ^^.
    Ich habe das Gefühl, Kafka hat niemals für andere geschrieben, sondern eigentlich für sich selbst, was auch erklären könnte, wieso die wenigsten seine Texte ohne Sekundärliteratur verstehen :D.
    Und scheinbar geht es erstaunlich oft um seine gestörte Beziehung zu seinem Vater, so auch angeblich in "Die Verwandlung".
    Verstörend fand ich das Buch auf jeden Fall auch :D.

    LG :)

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    1. Wobei dies ja ganz legal veröffentlicht ist. :D
      Ich weiß auch ehrlich gesagt nach dem Lesen auch nicht, was mir die Geschichte sagen soll. Ich habe sie allerdings auch ohne jegliche Interpretationsintention durchgelesen und war im Nachhinein echt fasziniert davon, was manche da so reininterpretieren. ^^

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