Freitag, 11. August 2017

Die wundersame Welt der Klassiker

Irgendwie wird einem von Anfang ein negatives Bild von Klassikern vermittelt: Altmodisches Zeug, das schwer zu verstehen ist, einerseits wegen des verstaubten Schreibstils, gerne auch voller sprachlicher Bilder, und dann wegen der verworrenen Handlung mit zig Deutungsansätzen - in einem Wort: sterbenslangweilig.
Und wenn man diese negative Grundhaltung beibehält, dann halten Klassiker das auch. Und dann quält man sich zwangsläufig dadurch.

Ich war in der Schule jemand, den die Aussicht, ein Buch zu lesen, immer ein bisschen gefreut hat, einfach, weil ich gerne lese. (Say what, das habt ihr jetzt bestimmt nicht gedacht, da ihr euch doch schließlich auf einem Bücherblog befindet ...) Trotzdem verfügte ich auch irgendwie über so eine negative Grundeinhaltung, was in der Mischung dazu führte, dass mir die meisten Klassiker ziemlich gleich blieben. Ich konnte mich darüber aufregen, ich konnte positive Aspekte darin erkennen, aber letztendlich musste ich sie vor allem lesen, und das stand immer im Vordergrund.
Von daher denke ich, dass es allein schon einen Unterschied macht, wenn man einen Klassiker freiwillig liest, jenseits irgendwelcher schulischer Ansprüche.

Und ich glaube, man muss sich auf Klassiker einlassen. Denn ja, Klassiker haben eine altmodische Sprache und müssen immer aus ihrer Zeit heraus betrachtet werden - was aber wiederum historisch gesehen faszinierend ist. Schließlich schrieben die Autoren sie damals wohl kaum mit der Intention, die Schüler der Zukunft zu quälen. 
Und ja, Klassiker sind selten reine Unterhaltungsliteratur. Aber Sprache und Konstruktion auch einfach mal als Kunst zu akzeptieren und sogar anzuerkennen hilft da ungemein. Und mit Kunst ist das generell so eine Sache. Entweder man sagt, dass es totaler Schwachsinn ist. Oder man sieht dahinter, lässt sich darauf ein, erkennt das Konzept an.

Ich habe mir vorgenommen, mehr Klassiker lesen zu wollen, und mir zu diesem Zweck auch einfach mal eine Klassiker-Wunschliste erstellt. Und ich gebe zu, ein Teil der Motivation besteht auch darin, mitreden zu können, Anspielungen zu verstehen und auch einfach sagen zu können, dass man das gelesen hat.
Auf der anderen Seite hoffe ich aber auch, einfach mal überrascht zu werde, wenn ich mich darauf einlasse, vielleicht auch einige faszinierende oder sogar mitreißende Geschichten zu entdecken. Denn selbst wenn Bücher altmodisch sind, sind es schließlich immer noch Geschichten, und wenn man gesellschaftliche Normen auch in ihrem historischen Kontext sieht, verlieren Geschichten schließlich nicht ihre Magie, ihre Geltung.

Was ich damit also sagen möchte: In Zukunft werde ich vielleicht immer mal auch mal Meinungen zu Klassikern posten. Und mich im Vorfeld bemühen, ganz offen an die Bücher heranzugehen.

Wie steht ihr zu Klassikern?

Eure Dana

6 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag, Dana. Ich würde von mir behaupten, dass ich schon einige Klassiker gelesen habe, allerdings nie diese total berühmten. Das fing aber schon früh an, als es die Geolino Reihe gab. Black Beauty, Onkel Toms Hütte, Der Wind in den Weiden und viele mehr habe ich in der 5./6. Klasse total freiwillig gelesen.
    Schullektüren fand ich dafür aber immer wieder grausam. Bis auf Frühlings Erwachen (meine letzte Pflichtlektüre) mochte ich kein einziges! Und auch bei eben genanntem hat mich eins besonders gestört: Dieses Überanalysieren. Ich denke, rückblickend betrachtet, fand ich gar nicht jedes Buch total schlecht. Mich hat viel mehr gestört, dass man sich jede winzige Kleinigkeit merken muss, die total nebensächlich ist.

    Frühlings Erwachen wurde damals auch als Musical an unserer Schule aufgeführt und ich habe es geliebt. 6 Mal war ich in den Vorstellungen, das Buch habe ich dann an einem Tag gelesen, einfach weil es so gut war. Dann schrieben wir einen Kurztest darüber. In dem Buch geht es um Pubertät, Entdeckung der eigenen Sexualität, Vergewaltigung, Tod, Abtreibung, Selbstmord, Homosexualität, keine Ahnung, wirklich viel. Gefragt wurde aber: Wie hießen die Lehrer (zugegeben, die hatten Namen wie Brausepulver, wegen Abgrenzung zu irgendwas) und um wie viel Geld wetten die Jungen? Also tut mir leid, aber das sind Fragen, die einfach unnötig sind, in der Schule aber oft gestellt werden, damit der Lehrer sicher sein kann, dass man die Abschnitte auch wirklich gelesen hat.
    Und genau das ist es, was mir im Endeffekt immer die Lust am Buch genommen hat. Ich durfte nicht mehr lesen, um eine Geschichte zu erleben, sondern musste mir einfach jedes winzige Detail merken, nur damit mein Lehrer sicher sein konnte, dass ich es auch wirklich gelesen hatte. Hinzu kommen dann noch die ewigen Interpretationsansätze...

    Ich würde auch gerne mehr Klasiker lesen. Jetzt, wo ich sie zum Spaß lesen kann, mache ich das auch ab und an ganz gerne. Besonders Jules Verne fasziniert mich und Frühlings Erwachen habe ich letztes Jahr auch noch einmal gelesen :D

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Vorhaben, außerschulisch sind die meisten Klassiker dann doch nichts anderes als wirklich gute Bücher ;-)

    Liebste Grüße! ♥

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    1. Vielen Dank für deinen langen Kommentar, Anna! ♥

      "Black Beauty" habe ich auch vor einigen Jahren auf Englisch, und als Kind schon mal auf Deutsch gelesen. Generell habe ich, gerade als ich jünger war, oft ältere Bücher gelesen, ohne dass mir das bewusst war. ^^

      Oh ja, dieses Überanalysieren ist auch so ein Punkt. Einerseits kann man bei der Interpretation durchaus auch positive Dinge entdecken, wie zum Beispiel künstlerische Mittel. Umgekehrt nervt es aber schnell, wenn man ALLES analysieren muss, schon beim Lesen, sich jedes Detail merken und sich nicht einfach auf die Geschichte einlassen kann.
      Lustig eigentlich, dass einem die Schule Klassiker eigentlich nur näher bringen will, und es im Endeffekt doch am meisten Spaß macht, sie allein zu lesen. :D Wobei ich die Analyse gar nicht per se verteufeln würde, man kann dabei auch einige interessante Aspekte entdecken. ^^

      Dankeschön. ;)

      Liebste Grüße!!! ♥

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  2. Hallo Liebes :)

    Ein sehr schöner Post!
    Ich hätte mich gefreut, wenn du noch einen kleinen Einblick in deine Klassiker-Wunschliste gegeben hättest. Mich interessiert, was du dir für dieses Vorhaben so rausgesucht hast.
    Ich selbst habe früher zu den Büchern von meinem Vater gegriffen, zumeist Klassiker (jedenfalls jetzt) und habe dann beim lesen auch echt länger gebraucht. Ich kann daher deine Anmerkung über das freiwillige Lesen dieser meist schwereren Kost absolut nachvollziehen. Die Bücher, die wir für die Schule lesen mussten, haben mich meist sehr abgeschreckt (auch wenn ich schon damals gern gelesen habe). Aber so Faust muss einfach nicht sein. *lacht*
    Ich selbst habe zB "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas, "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe, "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" von Jules Verne, "Der Ruf der Wildnis" Jack London gelesen (oh... ich stelle fest - meine Klassiker sind abenteuerlastig *lacht*). Ich habe mich auch an einem Sammelwerk von Edgar Allan Poe versucht... daran bin ich aber gescheitert, muss ich zugeben. -.-
    Ich hab selbst noch einige Klassiker die ich gern lesen möchte, allen voran mehr von Jules Verne, aber auch ENDLICH mal "Stolz und Vorurteil". Jedoch bin ich bei letzterem am schauen, welche Ausgabe ich da am Besten nehme. Ich hab von "Stolz und Vorurteil" die TB Ausgabe von Carlsen da, aber die soll übersetzt ja nicht so gut sein, dtv soll da wohl ein bessere haben. :)
    Jetzt wo ich so über das Thema schreibe, hab ich tierisch Lust auf einen Klassiker. *lacht* Ich wünsch dir ganz viel Spaß bei deinem Vorhaben und bin gespannt, welcher Klassiker da den Vortritt bekommt und ich freu mich dann schon auf eine Rezi (wenn es denn eine geben wird). Fühl dich dahingehend aber nicht unter Druck gesetzt. :D

    Liebste Grüße
    katja

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    1. Hallo Liebes,

      oh ja, das wäre eine Idee. Aber hol ich dir zuliebe die Tage mal nach, denke ich. ^^
      Ja, länger brauche ich auch, und es ist auch definitiv anstrengender, vor allem wegen der altmodischen Sprache, bei der man jeden Satz mir allerhöchster Aufmerksamkeit lesen muss. ^^
      "Stolz und Vorurteil" will ich auch auf jeden Fall noch lesen, wobei ich mir da in den Kopf gesetzt habe, das auf Englisch zu tun, weshalb ich da noch eher drumherumschleiche. :D
      Danke, eine sowas-wie-Rezi wird demnächst schon mal kommen, weil ich Kafka endlich von meinem SuB befreit habe. ^^

      Liebste Grüße ♥

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  3. Ich stimme da total zu, es macht auf jeden Fall einen Unterschied, ob man ein Buch freiwillig liest oder nicht. In der Schule mochte ich einiges schon allein deshalb nicht, weil ich mit dem Gedanken "ich MUSS das lesen" daran gegangen bin und das ist super schade. Bei einigen alten Lektüren will ich es deshalb in Zukunft noch mal versuchen, ganz ohne Druck, und schauen ob sie mir dann besser gefallen.
    Außerdem ist es wichtig, dass man sich die Bücher aussucht, die einen auch interessieren. Ich muss sagen, dass mich deutsche Klassiker kaum reizen, die englischen dafür umso mehr. Mir kommt es so vor, als wären diese eher zu Unterhaltungszwecken geschrieben worden und mit weniger versteckter Moral oder anderen Dingen, die man großartig heraus analysieren muss. Vielleicht suche ich mir aber auch extra die unterhaltsamen heraus. ;)
    Auf jeden Fall habe ich auch eine lange Liste mit Klassikern, von denen ich einige aus echtem Interesse lesen möchte und andere auch eher um sagen zu können "ja, das habe ich gelesen".
    Viel Erfolg bei deinem Vorhaben!

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    1. Hm, faszinierend, wie sehr sich das auf den Leseeindruck auswirkt.
      Das stimmt, Klassiker aus dem englischsprachigen Raum unterscheiden sich schon von den deutschen. Oder deutsche Bücher dieses Genres stehen nicht so sehr im Fokus, keine Ahnung. Aber ja, viele Bücher auf meiner Liste sind auch englisch. ^^

      Dankeschön! :)

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