Dienstag, 3. Oktober 2017

[Reihenvorstellung] Arkadien










 ~ spoilerfrei ~


Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen


Arkadien erwacht

Seiten: 416
Erscheinungsjahr: 2009
ISBN: 978-3-551-31147-4
Taschenbuch; 8,95€
Gebunden


Arkadien brennt

Seiten: 416
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 978-3-551-31210-5
Taschenbuch; 8,99€
Gebunden


Arkadien fällt

Seiten: 464
Erscheinungsjahr: 2011
ISBN: 978-3-551-31243-3
Taschenbuch; 8,99€
Gebunden


Klappentext Band 1:

Schon bei ihrer Ankunft auf Sizilien fühlt sich Rosa, als wäre sie in einen alten Film geraten - der Chauffeur, der ihre zufällige Reisebekanntschaft Alessandro am Flughafen erwartet; der heruntergekommene Palazzo ihrer Tante; und dann die Gerüchte um zwei Mafiaclans, die seit Generationen erbittert gegeneinander kämpfen: die Alcantaras und die Carnevares, Rosas und Alessandros Familien. Trotzdem trifft sich Rosa weiterhin mit Alessandro. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie gleichermaßen. Doch in Alessandro ruht ein unheimliches Erbe, das nicht menschlich ist ...


"Weißt du, die Leute lügen, wenn sie sagen, nichts sei so stark wie die Liebe. Das ist eine der größten und gemeinsten Lügen überhaupt. Liebe ist nicht stark. Sie ist so verletzlich wie nur irgendwas. Und wenn wir nicht achtgeben, dann zerbricht sie wie Glas." ("Arkadien brennt", Seite 130)

Ich habe diese Reihe vor drei, vier Jahren mal in der Bücherei ausgeliehen und mich damals in sie verliebt, sodass ich sie mir anschließend zu Weihnachten gewünscht und nochmal gelesen habe - das war 2013, ergo waren das eine der letzten Bücher, die ich nicht rezensiert habe, da ich in derselben Zeit mit dem Bloggen begonnen habe. Nun, nach fast vier Jahren (immer wieder ein kleiner Schock) habe ich beschlossen, sie zu re-readen, und auch wenn ich nicht mehr so geflasht bin wie damals, ist es doch immer wieder eine tolle Reihe.

Was diese Buchreihe vielleicht auszeichnet, sind die auftauchenden Mafiastrukturen. Verbrecherische Organisation enthalten immer so ein bisschen den Nervenkitzel der Verbotenen, bei dem alles möglich ist, bei dem die düsteren Seiten faszinieren, und diese Welt wird dem/der Leser*in hier präsentiert, durchaus detailreich.
Und auch Bestechung der Politik und Machtlosigkeit der Polizei wird dabei kritisch aufgegriffen, neben der Gesetzeslosigkeit, in der die Clans und somit auch die Protagonisten leben.
Nichtsdestotrotz ist Rosa zwar als Tochter eines Angehörigen eines Cosa Nostra-Clans mit Verhören aufgewachsen, hat aber ein weitgehend amerikanisches, ärmliches Leben mit ihrer Mutter in New York geführt und bringt daher ganz andere Moralvorstellungen mit, als ihre Tante zum Beispiel besitzt. Morde und Menschenhandel sind ihr zuwider, was immer wieder zu Konflikten führt.
Aber auch die Intrigen und die Tatsache, dass oft eigene Clanmitglieder ihr Haupt stürzen oder schädigen wollen und ihm selten wohlgesinnt sind, werden aufgegriffen und thematisiert, sodass die Mafia-Strukturen tatsächlich eine wesentliche Rolle auch im Detail spielen.

Rosa ist eine Protagonistin, die ich persönlich sehr gerne mag, auch wenn sie eine etwas eigene Art hat. Ein traumatisches Ereignis vor einem Jahr hat Spuren hinterlassen, so ist sie zum Beispiel kleptomanisch. Generell ist sie das Gegenteil des Sonnenscheinchens, mit Stahlkappenschuhen und Tacker bewaffnet, immer in Schwarz gekleidet, blass und mit Augenringen, die wie Kajal wirken, dazu abweisend, manchmal eiskalt und vor allem zynisch. Ihr trockener, oft schwarzer Sarkasmus hat mich gerade beim ersten Lesen oft zum Grinsen gebracht und konnte mich auch jetzt unterhalten.
Sie ist alles andere als eine typische Protagonistin, dennoch aber sehr stark und eigenständig mit Schwächen und sehr vielen Ecken und Kanten. Und außergewöhnlich.

Die Liebesgeschichte drängt einem quasi den Vergleich mit Romeo und Julia auf, umo überraschender ist es, dass die Beziehung an sich ohne größere Dramen auskommt. Die beiden gehen offen mit ihren Gefühlen und auch mit auftauchendem Misstrauen um, sprechen darüber und generell über alle Probleme, vertrauen sich aber. Das Ganze ist in der Beziehujng selbst erfrischend unaufregend, nichtsdestotrotz aber ziemlich niedlich, vielleicht aber auch gerade deswegen. Dramen gibt es schließlich auch so genug. ^^
Alessandro ist ganz nett, aber hat mich persönlich jetzt irgendwie nicht vom Hocker gerissen, obwohl er im Prinzip mein Typ Buch-Love-Interest ist. Eine Mischung aus charismatischem Jungen, der eine etwas andere Moralvorstellung als seine skrupellose Familie hat, und dem Erben eines Mafia-Clans, der mit den Verbrechen ganz selbstverständlich aufgewachsen ist. Dazu manchmal ein wenig impulsiv, sehr beschützerisch, was Menschen angeht, die ihm nahestehen – da kennt er dann auch nur noch Schwarz und Weiß und würde buchstäblich über Leichen gehen. Er hat zwar Skrupel, aber weniger als Rosa, was die Beziehung manchmal ganz interessant macht, zumal er für sein Erbe quasi geboren ist, während Rosa nicht so ganz in diese Welt reinpasst.

Den fantastischen Teil dürft ihr selbst entdecken, hier hat der Autor ein faszinierendes Konstrukt entwickelt, vor allem mit einer ausgearbeitetetn historischen Basis, beruhend auf einem griechischen Mythos. Nur soweit sei verraten: Es geht um Gestaltenwandler.

Und noch eins sei verraten: Das Ende ist der Teil, den ich am liebsten ausblende, weil ich es als nicht wirklich zufriedenstellend empfinde. Angeblich soll es theoretisch irgendwann eventuell mal eine Fortsetzung geben, aber das steht in den Sternen.

Fazit: Cosa Nostra mit mystischen Elementen und einer starken, aber auch sehr zynischen, abweisenden und eher ungewöhnlichen Protagonistin mit Ecken und Kanten, sowie einer Liebesgeschichte, die ohne große innere Dramen auskommt, einem schwerwiegenden Erbe und der ewigen Frage nach Moral




Quelle Cover & Klappentext: Carlsen

4 Kommentare

  1. Die Reihe muss ich auch eeeendlich mal zu Ende lesen :D. Ich hab damals den ersten als Hörbuch gehört und fand die Geschichte auch ziemlich cool, hab dann aber irgendwie den Rest aus den Augen verloren. Aber deine Rezension motiviert mich jetzt grad dazu, mir endlich mal die anderen Teile zu besorgen und die Reihe zu beenden :).

    Liebe Grüße
    Charlie

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    1. Mach das. :D Ich fand zwar den ersten minimal besser als den Rest, aber wenn du den mochtest, solltest du die beiden Fortsetzungen eigentlich auch mögen. ^^ Und die Zusammenhänge sind teilweise schon echt faszinierend. ^^

      Liebe Grüße :)

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  2. ICH!
    LIEBE!
    DIESE!
    REIHE!

    Oar, ich weiß gar nicht, wie ich damals auf die Reihe kam. Echt nicht. Aber OMG, eine meiner absoluten Lieblingsreihen, sie hat es verdient, von dir vorgestellt zu werden! :D Ich weiß gar nicht, was ich daran so toll fand. Aber da ich sie schon ein halbes dutzend Mal rereadet habe (und grade wieder Lust dazu bekomme, haha) muss ich sie wirklich gut finden. Leider weiß ich auch echt nur noch wenig davon... es gibt so Bücher, die lese ich und vergesse nach zwei Tagen was drin vorkam. Bei der "Farben des Blutes"-Reihe habe ich das zum Beispiel auch, da vergesse ich IMMER was im Buch passiert, sobald ich es beendet habe. Dabei finde ich die so gut, haha xD
    Aber ist auch ganz gut, dann ist das fast so, als würde ich sie wieder zum ersten Mal lesen :D

    Da ich zur Zeit (1 1/2 Jahre mittlerweile, uff) so wenig lese, komme ich leider nie ans rereaden, weil ich zu viele dringende SuB-Bücher warten (Reziexemplare und so, bruuh). Du hast mir grade wieder richtig Lust auf die Reihe gemacht. Menno.

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    1. Ich finds irgendwie witzig, wie viele diese Trilogie tatsächlich gelesen haben, obwohl sie sonst kaum genannt wird. :D
      Aber ja, ich liebe sie auch. ;)
      Na, dann bleibt es wenigstens immer spannend. xD
      Los, re-reade sie. :D Irgendwie kriegst du das zwischen geschoben. :P

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