Freitag, 24. November 2017

[Rezension] Tochter des dunklen Waldes


Autor: Katharina Seck
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 416
Erscheinungsdatum: 24.11.2017
ISBN: 978-3-404-20880-7
Taschenbuch; 12,00€


Klappentext:

Der Morgenwald ist verboten. Er ist Nacht. Er ist gefährlich.

Seit sie denken kann, hört die junge Lilah Warnungen vor dem finsteren Morgenwald. Niemand aus ihrem Dorf betritt ihn, auch wenn kaum jemand mehr weiß, was Wahrheit und was Legende ist. Doch dann wird am Waldrand die Leiche einer Frau gefunden. Sind die alten Geschichten also wahr? Gibt es Ungeheuer im Wald? Lilah wird es herausfinden. Denn zur selben Zeit verschwindet Dorean, der Mann, dem Lilahs Herz gehört. Er ist in den verfluchten Wald gegangen. Und Lilah trifft eine folgenschwere Entscheidung: Sie folgt ihm ...


Äußere Erscheinung:

Der Titel passt zwar schon irgendwie im übertragenen Sinne, aber besonders herausragend finde ich ihn nicht. Und was ich von diesem Kleid auf dem Cover halten soll, wo doch solche Kleider niemals in dem Buch auftauchen, ja, die Charaktere vielmehr einfache Kleidung tragen ... Der Hintergrund ist allerdings cool, generell hätte ich es schöner gefunden, wenn auf dem Cover mehr versucht worden wäre, die Atmosphäre des Waldes einzufangen.

Meine Erwartung:

"Die silberne Königin" von der Autorin liegt bei mir schon auf dem SuB, dann bin ich in der Lesejury über die Leserunde zu diesem neuen Buch von ihr gestoßen, und habe mich, da mich die Leseprobe angesprochen hat, beworben, und zu meiner Freude dann auch ein Exemplar erhalten. Daher nochmal vielen Dank!

Meine Meinung:

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem ein Märchen über die Düsternis des Morgenwaldes erzählt wird. Ein Märchen, das dem/der Leser*in einen ersten Eindruck von diesem Wald und seiner Wirkung auf die Dorfbewohner vermittelt.
Doch auch nachdem dieses Märchen beendet wird, konnte ich mich nicht des Eindrucks verwehren, immer noch ein Märchen zu lesen. Das liegt vor allem an dem bildreichen Schreibstil, der definitiv aus der Masse heraussticht. Die Beschreibung sorgten dafür, dass sich vor meinem inneren Auge ein Bild formte. Ich sah den düsteren Wald vor mir aufragen, im Kontrast zu der friedlichen Idylle des einfachen Dorfes mit den Feldern. Aber ich sah nicht nur die Bilder vor mir, sondern ich roch förmlich den Duft des Lavendels und spürte die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut.
Mit viel Detailliebe hat sich die Autorin den Beschreibungen gewidmet, was auf der einen Seite dazu führt, dass man sich als Leser*in alles sehr gut vorstellen kann, und vor allem, dass die Atmosphäre wirklich wird. Die dunkle Bedrohung, die von dem Morgenwald ausgeht, die unheilvollen, unheimlichen Seiten - all das kam absolut bei mir an und brachte ein wenig Gruselstimmung mit sich.
Doch auf der anderen Seite werden über die Beschreibungen hinaus manchmal leider auch ein wenig die Handlung vernachlässigt. Und für die, die schnell von vielen Beschreibungen genervt sind, dürfte dieses Buch auch nicht unbedingt etwas sein.

Lilah ist ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen. Von der von der Autorin kreierten High Fantasy-Welt erfährt man nicht allzu viel, das Dorf, in dem Lilah wohnt, lebt von dem, was die Natur ihm gibt. Der Alltag ist geprägt von der täglichen schweren Arbeit und dem abendlichen Zusammensein im Wirtshaus. Immer allgegenwärtig ist die Angst vor dem Morgenwald, in den sich keiner gewagt hat, auch wenn viele die alten Geschichten als Aberglaube abtun. Und wie viel Wahrheit ist an ihnen dran?
Lilah ist also hier aufgewachsen und kennt nicht viel anderes, was dazu führt, dass sie schnell naiv und leichtgläubig wirkt, was ich aber aufgrund ihrer Herkunft für absolut authentisch halte. Sie hat das kleine Dorf kaum verlassen, woher sollte sie dann Erfahrungen und Reife haben? Dennoch ist sie mutig und loyal, außerdem liebt sie die Natur. Dies ist ein Aspekt, der eine nicht unwesentliche Rolle spielt, und mit dem eine ungeheure Wertschätzung der Natur ausgedrückt wird.

Da der Fokus eher auf den atmosphärischen Beschreibungen liegt, wirkten die Charaktere auf mich im Endeffekt relativ blass. Ich hatte nicht wirklich das Gefühl, an sie heranzukommen, aber wie gesagt wirkte die Geschichte auf mich auch wie ein Märchen, bei denen man in der Regel ja auch eher auf Distanz zu den Charakteren bleibt, weshalb mich das nicht allzu sehr störte.
Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei eindeutig die Liebesgeschichte. Das ist insofern schade, als dass dadurch einerseits auf Hintergründe nur im Ansatz eingegangen wird, teilweise hätte ich mich gefreut, mehr zu erfahren. Andererseits konnte ich diese Liebesgeschichte leider kaum nachvollziehen. Das erste Prickeln am Anfang vermochte ich noch nachzuempfinden, aber die großen Gefühle, von denen irgendwann die Rede war, kamen nicht mal im Ansatz bei mir an. Hier hätte ich mir einfach mehr Interaktion gewünscht, mehr gemeinsame Momente und Dialoge, die das vielleicht hätten rüberbringen können. Hinzu kam, dass ich an den Charakter des Love Interests noch weniger herankam als sowieso schon.

Im ersten Drittel durchläuft die Handlung einige Wendungen, von denen ich sehr überrascht war, da ich absolut nicht mit ihnen gerechnet hatte, was bei den vielen Büchern, die ich lese, in der Form selten vorkommt.
Doch auch wenn die Spannung zunimmt und ich das Buch im letzten Drittel so durchlas, fing die Handlung ab dann leider an, vorhersehbar zu werden. Mit den meisten Enthüllungen hatte ich ab dann schon gerechnet. Hinzu kam, dass ich Lilahs Handlungen ab einem gewissen Punkt absolut nicht mehr nachvollziehen konnte und mir ihr Zweck teilweise wirklich nicht mehr so ganz klar war. Dabei ist die Idee an sich durchaus faszinierend. Und auch die Motive für das Handeln sind durchaus vielschichtig, es gibt  keine klare Gut-Böse-Einteilung.
Was man aber noch hervorheben sollte, ist die unterschwellige Botschaft, die in dem Buch mitschwingt und die sich gegen Vorurteile richtet, zu der ich aber nicht zuviel verraten möchte, um nicht zu spoilern - doch ganz unerwähnt wollte ich sie aufgrund ihrer Aktualität nicht lassen, da sie mal wieder zeigt, wie viel Bezug auch Fantasy-Romane zu unserer Realität haben können.

Fazit: Märchenhafte Geschichte voller bildreicher Beschreibungen, die die Welt und die Atmosphäre wirklich werden lassen - die Idee ist faszinierend, die Charaktere bleiben aber eher auf Distanz und der Fokus liegt auf einer nicht nachvollziehbaren Liebesgeschichte, die Wendungen sind anfangs überraschend, dann aber zunehmend vorhersehbar und die Handlungen der Protagonistin werden zunehmend unverständlich; nichtsdestotrotz schöne Botschaften, die mitschwingen!





Vielen Dank an die Lesejury und den Verlag!

Quelle Cover & Klappentext: Bastei Lübbe
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