Montag, 5. Februar 2018

Die Sache mit den problematischen Büchern

Ich denke mal, die aufkommende Diskussion um problematische Inhalte (e.g. Rape Culture, Sexismus, Rassismus) in (Jugend-)Büchern ist an keinem vorbeigegangen. Und ich möchte heute einfach mal meine Gedanken zu einem Weg loswerden, wie man damit umgehen kann. Und nein, ich möchte solche Inhalte damit nicht rechtfertigen. Das ist auch nur ein Vorschlag und nichts, was alle so tun sollten. Und vielleicht sieht meine Meinung in zwei Monaten auch wieder ganz anders aus.
Aber weil dies mein Blog ist, will ich meine Gedanken einfach mal mit euch teilen. Ich bin jederzeit offen für andere Ansätze, wie gesagt, das ist alles nicht in Stein gemeißelt.

Ich bin ja nun durchaus ein "Throne of Glass"-Fan, wie regelmäßige Leser*innen festgestellt haben dürfte. Nun begibt es sich, dass diese Reihe auch des Öfteren mal ins Fadenkreuz der Kritik geriet. Und mich somit unweigerlich in ein moralisches Dilemma stürzte.
Klar bin ich gegen jede Art von Diskriminierung, gegen die Darstellung sexistischer Verhaltensweisen, gegen ungesunde Darstellungen von Liebe. Aber was, wenn ich kritisierte Bücher trotzdem liebe?
Unwillkürlich begann ich, nach Entschuldigungen zu suchen, nach Rechtfertigungen. Schalt mich selbst dafür. Versuchte, mir solche Bücher auszureden. Stieß auf Verzweiflung, auf Trotz. Ein ewiges Hin und Her zwischen kritischer Offenheit und dem Suchen nach Rechtfertigungen, für die ich mich dann wieder verabscheute.

Bis mir letztens irgendwann klar wurde, dass das der falsche Weg ist. In meinen Augen geht es nicht darum, alle Bücher mit problematischen Inhalten zu verteufeln. Sie plötzlich zu hassen.
Und ich schaffte es für mich selbst zu sagen: Es ist okay. Es ist okay, wenn du die Geschichten trotzdem liebst, denn natürlich kannst du den Plot/ den Schreibstil/ whatever lieben, auch wenn du die Problematik in anderen Bereichen erkennst.
Denn die Welt ist nun mal nicht schwarz und weiß. Es gibt nicht falsch und richtig, nicht gut und schlecht, nicht liebenswert und zu boykottieren.

Es geht vielmehr darum, auf solche problematische Inhalte aufmerksam zu machen. Sie zu kritisieren, zu hinterfragen, zu reflektieren. Selbst wenn ich den Rest toll fand. 
Denn die Ursache ist doch eher ein gesellschaftliches Problem. Verankerte Ansichten, sexistisch, rassistisch, und so weiter, Ansichten, die sich dann in Büchern widerspiegeln. Vielleicht wird das, was wir heute nicht als problematisch ansehen, dann in fünf/zehn/fünfzehn Jahren als problematisch angesehen.
Ich wage mal zu behaupten, dass die wenigsten Autor*innen die Intention habe, sexistisch/ rassistisch/ etc. zu sein. Sie reproduzieren im Endeffekt nur gesellschaftliche Ansichten. Das macht den Rest doch nicht automatisch schlecht.

Stattdessen sollten wir auf die Probleme aufmerksam machen, sie in die Diskussion bringen, sie problematisieren, für alle zukünftigen Bücher fordern, dass sie nicht mehr auftauchen - aber nicht zwangsläufig den Rest boykottieren. Veränderungen kommen nicht über Nacht. Aber ein Buch plötzlich abzulehnen, weil es problematische Inhalte enthält (und damit meine ich, nur solange diese Inhalte nicht dominieren!), ist mir zu Schwarz-Weiß. Zu sehr am eigentlichen Problem vorbei. Und vor allem bringt es mich in einen Konflikt zwischen meiner rationalen Erkenntnis und meinen Emotionen, und darum geht es einfach nicht.

Denn in gewisser Weise hatte ich das Gefühl, dass das zu etwas führt, weshalb Leute sich so etwas verschließen. Weil sie das Gefühl haben, dass ihnen etwas weggenommen wird, und sie deshalb übertrieben emotional nach Rechtfertigungen suchen, statt dass man über Dinge diskutiert, sie problematisiert, aber trotzdem akzeptiert, wenn man den Rest mag.
Und ja klar, wenn solche Inhalte die Story dann dominieren, dann ist das auch nicht mehr akzeptabel - ich rede hier eher von unterschwelligen, beiläufigen Inhalten. Und natürlich kommt es dann auch noch immer auf das Ausmaß an.

Ja, ich liebe "Throne of Glass". Aber ich bin mit der Darstellung der Liebesgeschichten auch unglücklich. 
Wie sehr sowas einen stört, sollte vielleicht jeder für sich entscheiden - solange er/sie sich der Problematik eben bewusst ist.

Und jetzt ihr: Denkt ihr, dass ist ein falscher Ansatz? Wie geht ihr damit um? Sollte man Bücher boykottieren, weil sie problematische Inhalte enthalten, oder die Freude am Lesen akzeptieren und sowas losgelöst davon problematisieren?

Eure Dana

6 Kommentare

  1. Hi Dana :)

    ein sehr schöner Post!
    Ich heiße auch nicht immer gut, was in einigen Büchern passiert. Mein Lieblingsbeispiel: Ich mag "Shades of Grey" überhaupt nicht, fand es ganz furchtbar schlecht wie Ana dargestellt wurde und konnte mich mit diesem Rollenbild einer Frau überhaupt nicht identifizieren. Aber ich finde es total okay, wenn jemand die Bücher mag und feiert. Das ist sein gutes Recht. Denn es geht hier letztendlich nur um Unterhaltung. Literatur ist ja nichts anderes als das und so sollte man das auch sehen. Man darf darüber diskutieren, man darf die Probleme ansprechen, aber man darf nicht denjenigen Verurteilen, den das alles nicht weiter stört und der die Bücher trotzdem liebt. Ich hoffe einfach mal, dass niemand das allzu ernst nimmt, was in einigen Geschichten passiert und trotzdem zwischen problematisch und unproblematisch differenzieren kann. Denn es ist nun mal nichts weiter als das: eine Geschichte. Und ich finde auch nicht, dass sich irgendjemand ein schlechtes Gewissen machen sollte, für das was er liest. Dann magst du Throne of Glass eben sehr gerne. Punkt. Ich habe die Reihe übrigens abgebrochen nach dem 1. Band, weil es für mich persönlich einfach nicht das Wahre war. Aber ich würde trotzdem niemals zu dir kommen und sagen "Dana, das geht aber nicht, das ist ja schlimm, das du das liest weil da passiert bla bla bla usw." ;D. Das muss doch jeder für sich selbst entscheiden und jeder sollte im besten Falle die Entscheidung des jeweils anderen akzeptieren. Geschmäcker können nicht immer gleich sein. Aber wir können versuchen tolerant zu sein. Leben und Leben lassen. ^^

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Hallo liebe Insi,

      ich weiß nicht, ob Literatur nur Unterhaltung ist. Sie vermittelt Werte, sie kann Gesellschaftskritik vermitteln und sie vermittelt auf jeden Fall auch Rollenbilder. Und wenn diese Rollenbilder in irgendeiner Form diskriminierend sind, dann sollte das meiner Meinung nach auch kritisiert und problematisiert werden. Denn Literatur ist eben noch ein bisschen mehr als Unterhaltung, und dieser Verantwortung sollte man sich als Autor*in auch bewusst werden, anstatt solche Bilder eben weiter zu reproduzieren, eben weil solche Bilder sich oft auch unterbewusst festsetzen bzw. weitervermittelt werden.
      "Fifty Shades of Grey" ist dabei ein ziemlich extremes Beispiel, während mein Post jetzt eher auf solche Bücher gemünzt, bei denen am Rande leicht problematische Aspekte auftauchen, ohne dass sie das ganze Buch dominieren, was ich bei "Shades of Grey" ein bisschen anders sehe.

      Aber ja, ich glaube, dass es der falsche Weg ist, einfach Fans davon ein schlechtes Gewissen zu machen. Diskussionen entstehen zudem erst wirklich, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Und ich weiß nicht, ob es richtig ist, die Schuld im persönlichen Geschmack zu suchen ... weil das Problem doch eigentlich doch ganz woanders liegt.

      Liebe Grüße ^^

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    2. Sicherlich sollte man das ansprechen und ich habe ja auch gesagt, dass man durchaus über Inhalte diskutieren darf die fragwürdig sind. Das sollte man auch. Aber ich bleibe dabei: Bücher dienen der Unterhaltung (vielleicht nicht ausschließlich, aber das kommt - wie ich finde - auch auf das Genre an). Wenn man dann noch Werte vermittelt bekommt und etwas daraus mitnehmen kann, umso besser :). Aber viele Dinge sollte man auch einfach nicht zu ernst nehmen, gerade bei so Büchern wie "Shades of Grey". So lange man weiß, dass das was da passiert nicht unbedingt die Norm und alles andere als Gesund ist, darf man meiner Meinung nach das Buch trotzdem toll finden. Nur weil es kontrovers ist, heißt das ja nicht, dass es jeder schlecht finden muss. Man muss es für sich selbst entscheiden, was einem gefällt und natürlich ist es wichtig mit wachen Augen ein Buch zu lesen ;). Wenn es ein Thema gibt, das problematisch ist und wenn man feststellt, dass einem das nicht gefällt, dann meidet man solche Bücher in Zukunft eben. Aber es ist genauso wenig schlimm, wenn man die Geschichten trotzdem mag, auch wenn nicht immer alles vollkommen OK ist was da passiert.

      LG <3

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    3. Klar sind die Geschichten in den Büchern auch fiktiv, aber meiner Meinung nach sollte man sich als Autor*in trotzdem der Rollenbilder bewusst sein, die man reproduziert, denn in gewisser Weise reflektieren die ja schon einerseits die Gesellschaft, können sich aber - gerade wenn sie in Büchern zur Norm werden - auch in der Gesellschaft festsetzen.
      Was natürlich nicht bedeutet, dass man als Leser*in das nicht reflektieren sollte und sich eben bewusst machen sollte, dass es nur fiktiv ist, im Gegenteil. Aber da helfen ja gerade kontroverse Diskussionen. ^^
      Aber ja, das ist einfach ein ziemlich schwieriges Thema und deswegen finde ich es ja auch so schwierig, damit umzugehen.

      Liebe Grüße ♥

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  2. Liebe Dana,

    Du sprichst hier ein Thema an, welches mich auch sehr stark beschäftigt. Bei mir liegt eher das Problem, dass ich Büchern wie Das Reich der sieben Höfe oder Obsidian schlicht keine Chance mehr gebe, da sie ja schon sehr sexistisch sein sollen und vor allem ungesunde Bilder von Beziehungen vermitteln sollen.
    Ich weiß nicht, ob das gut so ist oder nicht.
    Ich bin aber auch ein Mensch, der sich von Dingen wie Sexismus oder ungesunden Beziehungen sehr leicht triggern lässt.
    Aber ja, das wichtigste ist als erstes mal die Problemerkennung. Aber hier liegt ja bei vielen Leuten schon das Problem. Viele Mensche sehen es einfach noch immer so, dass es okay oder sogar sexy ist, wenn ein Mann eine Frau wirklich verletzt oder Dinge gegen ihren Willen tut, da er das darf, weil er ja der Mann ist. Hier haben wir wieder das gesallschaftliche Problem.
    Das wichtigste ist es, diese Dinge zu hinterfragen und zu kritisieren. Diese Bücher kann man aber trotzdem toll findend!

    Alles Liebe
    Neetje

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    1. Hallo liebe Neetje,

      ich habe den ersten Band der "Das Reich der sieben Höfe"-Reihe tatsächlich gelesen, eben weil ich ToG sehr mag, und fand ihn auch gar nicht mal so schlecht - allerdings war das, bevor ich auf die Diskussion darum gestoßen bin und bevor ich auch sensibler für dieses Thema geworden bin. Was dazu geführt hat, dass ich heute kein bisschen Lust mehr habe, diese Trilogie weiterzulesen.
      "Obsidian" fand ich damals schon enttäuschend, auch wegen der Liebesgeschichte, auch wenn mir auch hier damals noch nicht die Problematik bewusst war.
      Vielleicht ist das alles auch eine Frage dessen, wie viel Raum solche Inhalte einnehmen und inwieweit sie den Eindruck von dem Rest trüben. Ich weiß nur eben nicht, ob reiner Boykott das richtige Mittel ist, auch wenn ich selbst solche Bücher, die in in harsche Kritik geraten sind, oft nicht mehr lesen möchte.

      Von daher finde ich deinen Ansatz ziemlich gut, zu sagen, dass Menschen erst mal überhaupt für solche Probleme sensibilisiert werden müssen, denn beispielsweise Sexismus ist ja leider immer noch sehr präsent. Ich merke selbst, wie sich diesbezüglich auch mein Schreibverhalten geändert hat und ich viel stärker darauf achte, wie ich etwas darstelle.

      Liebe Grüße!

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