Montag, 5. März 2018

[Rezension] Tanz, meine Seele


Autor: Kira Minttu
Label: Ink Rebels
(Taschenbuchausgabe gedruckt im Amrûn Verlag)
Seiten: 360
Erscheinungsjahr: 05.02.2018
ISBN: 978-3-95869-323-4
Taschenbuch mit Klappenbroschur; 12,90€


Auszug Klappentext:

Harper liebt das Tanzen, ihre Unabhängigkeit und daneben nur noch Molly, ihre eigensinnige Perserkatze. Reicht völlig aus, findet Harper, und beobachtet kopfschüttelnd, wie ihre beste Freundin Andra von einer Beziehungskatastrophe in die nächste stolpert.
Bis Harper beim Tanzen plötzlich vor einer Herausforderung steht, die sich weder durch Kampfgeist noch mit Sarkasmus lösen lässt: Wie soll sie Gefühle auf der Bühne zeigen, die sie nicht spürt?

Äußere Erscheinung:

Da das Tanzen der wichtigste Bestandteil in Harpers Leben ist, ist es nur passend, wenn auf dem Cover auch ein tanzendes Mädchen drauf ist. :D Der Titel passt und ich finds cool, wie auf der Rückseite so eine Perserkatze ist wie die, die bei Harper, äh, lebt, die sie liebt und die ihre ganzen katzenhaften Attitüden rauslässt. ^^

Meine Erwartung:

Normalerweise les ich ja kein New Adult, einfach, weil schon die Klappentexte alle gleich klingen (was man, um fair zu sein, wahrscheinlich auch von Young Adult sagen kann) und mich das nicht wirklich anspricht. Bei diesem jedoch war das anders, hinzu kam, dass ich selbst tanze und es irgendwie nicht so viele Bücher gibt, die sich ums Tanzen drehen, abseits der typischen Schatten-des-Erfolges-Ballett-Storys.
Außerdem finde ich das Label einfach sympathisch und als die Leseprobe mich dann auch noch vom ersten Satz an überzeugte, bewarb ich mich auf Lovelybooks bei der Leserunde und erhielt zu meiner Freude ein Exemplar - vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Meine Meinung:

Dieses Buch ist alles andere als eine typische New Adult-Story, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Es gibt keine unbescholtene Protagonistin, die zum ersten Mal hinaus in die Welt auf ein College zieht und dort den mysteriösen Bad Boy mit der tragischen Vergangenheit trifft und sich unsterblich in ihn verliebt - nichts läge dieser Geschichte ferner. Dieses Buch beweist, dass das Genre so viel mehr kann als die üblichen Klischees, und begeisterte mich mit einer Geschichte, die zwar nicht direkt unvorhersehbar ist, aber doch auf ihre Weise einzigartig.
Zum Einen spielt die Story erst mal zu meiner Freude nicht in den USA (ich freue mich immer darüber, wenn mal ein nicht-amerikanischer Handlungsort gewählt wird, weil das selbst deutsche Autor*innen recht häufig tun), sondern in Frankfurt. Was im Übrigen eine Stadt ist, die mir da erste Mal als Setting begegnet, was ich ebenfalls als positiv wahrnahm.

Die Protagonistin Harper, bei der alle Mitmenschen erst mal durchgefallen sind, die ihren Namen nach der Vorstellung ungläubig wiederholen, studiert eigentlich auch eher halbherzig Sprachwissenschaft, ihre eigentliche Leidenschaft gilt dem Tanz. Ihre Tanzrichtungen sind dabei vor allem Modern, Contemporary und Street. An dieser Stelle möchte ich als Tänzerin einfach mal sagen, dass mir die Darstellung des Tanzes total gefallen hat. Die Leidenschaft kam rüber, das, was das Tanzen ausmacht, die Disziplin, die darein gesteckt werden muss ... alles.
Somit spielt das Tanzen auch eine wesentliche Rolle in dem Buch, zumal es Harpers Traum ist, eine professionelle Ausbildung zu absolvieren - auch wenn ihre bisherigen Bewerbungen im Sand verlaufen sind. Auch das zeigt die Autorin: Dass man nicht immer Erfolg hat, dass man auch mal scheitert und dass man dann weiterkämpfen muss. Und Harper kämpft.

Harper ist generell eine Protagonistin, die mir unheimlich sympathisch war. Von der ersten Zeile an. Das liegt vor allem auch an dem Schreibstil, in dem sich ihr ausgeprägter Sarkasmus widerspiegelt. Sie spart nicht an bissigen Kommentaren und ironischen Bemerkungen, und brachte mich damit immer wieder zum Grinsen, was das Lesen unheimlich unterhaltsam macht. Allein wegen dieses Stils lohnt es sich das Buch zu lesen - und der Rest ist genauso gut. Zudem hatte er die Angewohnheit, mich so in seinen Bann zu ziehen, dass ich die abgesteckten Leseabschnitte in der Leserunde regelmäßig überschritt, weil ich versehentlich wieder ein Kapitel zu weit gelesen hatte.
Gleichzeitig greift Harper manchmal auch typische Buchklischees auf, die dann selbstironisch kommentiert werden, so macht sie sich gleich zu Beginn über diese typische Spiegelbild-Selbstbeschreibung-Szene lustig.

Harpers Sarkasmus kommt auch deshalb so gut rüber, weil sie alles andere als das unbedarfte, schüchterne, selbstzweifelnde Mauerblümchen ist. Stattdessen ist sie absolut selbstbewusst, selbstständig, weiß, was sie kann, steht zu sich selbst und lässt sich nicht unterkriegen. Selbstsicher gibt sie anderen Kontra, was sie gerade dann auszeichnet, wenn ein gutaussehender Typ auftaucht und sie immer noch nachdenken und Paroli bieten kann, ohne sich jemals zu verstellen. Das war einfach unheimlich erfrischend und auch deswegen habe ich das Buch sehr gerne gelesen.
Das heißt jedoch nicht, dass sie keine Ecken und Kanten hätte. Sie ist manchmal ein wenig sehr direkt, was zu Differenzen mit ihrer besten Freundin führt, die blind vor Liebe zu ihrem Freund steht, der sie offensichtlich wie den letzten Dreck behandelt, was Harper schlichtweg nicht nachvollziehen kann. Sie selbst war noch nie wirklich verliebt und Sex ist für sie nur Spaß.
Je mehr man sie kennenlernt, desto mehr taucht man auch in ihre Gefühle und Ängste ein und lernt ihre Schwächen kennen. Manchmal hätte ich sie ganz gerne einfach nur in den Arm genommen, da sie viele ihrer Gefühle selbst nicht zulässt. 

Was ich auch mochte, war, dass zwar mehrere Männer in dem Buch eine Rolle spielen, aber es nie zu sowas wie einer Dreiecksgeschichte kommt, auch, weil deutlich wird, dass man Menschen auf verschiedenen Ebenen mögen kann und Harper eben auch weiß, was sie will und dazu steht. Und auch wenn dieser Bereich eher weniger überraschend für mich war, fand ich ihn doch auch authentisch und nachvollziehbar dargestellt, wobei auf unnötige Dramen verzichtet wird. Was nicht heißt, dass das Buch mich nicht trotzdem emotional mitzunehmen wusste.
Auch das Thema Depressionen wird angeschnitten, dadurch, dass Harpers Mutter depressiv ist. Hierbei wird vor allem der Fokus darauf gelegt, was für eine Belastung das auch für Angehörige bedeutet, und ich fand, dass die Balance gut gehalten wurde.

Fazit: Ein tolles Buch mit einer für das Genre eher ungewöhnlichen, authentischen und mitreißenden Story, die auch dank der sehr sarkastischen und sehr selbstbewussten Protagonistin absolut unterhält und sich viel ums Tanzen dreht, dessen Leidenschaft nachempfindbar dargestellt wird!




Vielen Dank an LovelybooksInk Rebels und die Autorin!


Quelle Klappentext: Ink Rebels

2 Kommentare

  1. Ich habe das Buch schon auf ein paar Blogs gesehen, aber ehrlich gesagt wieder weggeklickt als ich gelesen habe, dass es ums Tanzen geht. Ich muss aber auch zugeben, dass ich bisher auch immer nur welche gesehen habe, in denen es um Ballett geht und damit kann ich so gar nichts anfangen. Das hier überzeugt mich da schon eher. Gut, dass ich deine Rezension gelesen habe, das klingt nämlich wirklich super! Ich mag es auch, wenn Bücher nicht immer in Amerika spielen, sondern mal ein anderes Setting haben und ich glaube ich habe auch noch keins gelesen, was in Frankfurt stattfindet.
    Schöne Rezension, das Buch landet auf jeden Fall auf meiner Wunschliste!

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    1. Hallo liebe Jacquy,

      Ballett mag Harper tatsächlich auch nicht sonderlich gerne, stattdessen geht es hier eher um Modern und Contemporary - und du hast Recht, das ist mir so bisher auch noch nicht begegnet. ^^
      Es freut mich daher, dass ich dich überzeugen konnte, denn ich mochte das Buch wirklich gerne und ich hoffe, dass es dir dann genauso gut gefällt wie mir!

      Liebe Grüße ♥

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