Mittwoch, 26. Juni 2019

[Rezension] Kingdom of Ash


Autor: Sarah J. Maas
dt. Throne of Glass - Herrscherin über Asche und Zorn 
Verlag: Bloomsbury
Seiten: ~990
Erscheinungsdatum: Oktober 2018
ISBN: 978-1-61963-610-1
Gebunden mit Schutzumschlag
(Taschenbuch)


Reihe:

! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZU DEN VORGÄNGERN UND ZU DER VORGESCHICHTE !


Inhalt:

Aelin ist in den Händen Maeves, deren wahre Identität kaum einer kennt. Lysandra nimmt ihren Platz ein, doch wie lange kann sie ohne Aelins Magie die Menschen täuschen, gerade jetzt, wo die Situation auf den Schlachtfeldern immer auswegloser wird? Verzweifelt sucht Rowan nach Aelin, doch ohne Erfolg. Ist Erilea dem Ende geweiht? Waren alle Opfer umsonst?

Äußere Erscheinung:

Die Buchrücken aller Bücher dieser Reihe sind dunkel, und dann kommt dieses mit leuchtendem Gold, was einfach unheimlich witzig aussieht. :D Ich tippe mal auf Symbolkraft und so. Das Cover an sich finde ich aber wieder super schön. Und mit der Dicke könnte man vermutlich Menschen erschlagen.

Meine Erwartung:

Ich liebe diese Reihe, kann aber auch nachvollziehen, was einige an ihr kritisieren. Nichtsdestotrotz habe ich dem Abschluss entgegengefiebert, nicht zuletzt dank der Cliffhanger der Vorgänger.

Meine Meinung:

Bekannter Kritikpunkte an der Reihe sind die Liebesgeschichten, und da muss ich mich leider anschließen. Warum muss jeder der in der Regel erst knapp über 20 Jahre alten Charaktere gleich die Liebe seines*ihres Lebens finden? Alles auch noch hetero? Das Ganze erinnerte mich in gewisser Weise an ein Memory-Spiel. Wirkte es am Anfang der Reihe noch natürlich, dass Aelin eben mehrere Beziehungen hatte, sind wir jetzt doch wieder beim Große-Liebe-Konzept angelangt, was einfach nur anstrengend und überflüssig ist. Es gibt genug Handlungspotenzial, auf das man sich eher hätte konzentrieren können. Und ich finde es auch schade, dass die ganzen anderen Beziehungen (Freundschaften, Verwandtschaften) dabei komplett in den Hintergrund treten, denn auch diese haben oft unheimlich viel damit verschwendetes Potenzial. Ich meine, das ganze pseudo-romantische Geschwafel mitten im Krieg. Habt ihr nichts besseres zu tun?

Was mich in dem Kontext auch richtig genervt hat, war Rowan. An sich finde ich es ja auch ganz nett, dass er alles für Aelin tut, auch wenn ich ihm sein hunderte-Jahre-alter-harter-Krieger-Image nicht mehr abnehme, wenn er dauernd für sie springt, sich immer schützend bereitstellt, alle bedroht, die sie auch nur böse angucken und seine ganze Existenz auf sie ausgerichtet hat - ich meine, die ist auch alleine furchteinflößend. Aber gut, klassischer Fall von kein Leben außerhalb der Beziehung
Worauf ich eigentlich hinauswill, ist, dass er gefühlt nonstop an Sex denkt, und ich fand das ein bisschen problematisch. Ich meine, Aelin wird gefoltert und er sollte wissen, dass sie tief traumatisiert ist, aber trotzdem denkt  er darüber nach, dass er wieder mit ihr schlafen will, wenn er sie findet, und das hat mich etwas schockiert. Ich fand die krasse Sexualität zwischen den beiden schon immer etwas anstrengend, aber in diesem Kontext fand ich das problematisch. Klar, er macht sich auch Sorgen, und will sich um sie kümmern, und wartet ihren consent ab, und alles, aber trotzdem sollte er meiner Meinung nach Sex GANZ HINTEN anstellen.

Wo wir gerade vom Trauma sprechen, das fand ich sehr gut dargestellt. Ich finde es super, wie Aelin sich verändert, wie die Folter Spuren hinterlässt, und fand das nachvollziehbar dargestellt, auch wenn ich jetzt in keiner Position bin, um die Authentizität nachzuvollziehen.
Fenrys hat sich in diesem Kontext zu einem neuen Lieblingscharakter von mir gemausert. Die Verletzlichkeit und die ganze Tiefe hinter seiner Arroganz werden enthüllt, und ich fand es einfach super süß, wie die beiden sich Stärke geben und durch Blinzeln einfache Botschaften austauschen.

Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits war die Handlung. Oder vielmehr ihre Länge. Einige Sichtweisen - nicht alle - haben sich für mich ein bisschen gezogen und zwischendurch machte es für mich zeitlich auch einfach keinen Sinn mehr. Ich hatte das Gefühl, Chaol und Co. machen einen Umweg über die Karibik, Hogwarts und Mordor, so lange, wie die plötzlich unterwegs waren. Wenn ich mich richtig erinnere, hat der Hinweg ein paar Wochen gedauert, in diesem Buch gibt es jetzt aber einen Zeitsprung von zwei Monaten und die sind immer noch unterwegs.
Und auch bei Aedions Part macht der Zeitaspekt nicht allzu viel Sinn - hier mal im Folgenden ein Spoiler, daher bitte nur markieren, wenn du dich spoilern willst oder das Buch schon gelesen hast: Der Junge hängt von Anfang an auf dem Schlachtfeld und die Situation ist schlecht. Dann wird sie schlechter. Dann wird sie dramatisch. Dann eng. Dann noch enger. Und so weiter. Ich weiß nicht, ob das Spannung aufbauen sollte, aber ab einem gewissen Punkt war es nur noch anstrengend, wie die Dramatik immer wieder übertroffen wurde und es trotzdem irgendwie immer weiterging. Ich nahm's jedenfalls irgendwann auch nicht mehr so ganz ab. Spoiler Ende.
Hinzu kam, dass ich das Gefühl hatte, vieles wäre vorhersehbar (oder vielleicht hab ich es einfach nur erwartet, weil es mein Hauptgenre ist und ich die richtigen Antizipationen hatte) und in vielerlei Hinsicht wurde ich auch nicht wirklich überrascht. Lediglich was die Lösung eines bestimmten Dilemmas anging, hatte ich mehrere Theorien, von denen keine so ganz zutraf.
Die Spannung lebt in erster Linie davon, dass alle Charaktere unterschiedliche Dinge wissen oder nicht wissen, komplett zerstreut sind, die Hälfte Lysandra für Aelin hält und alle an unterschiedlichen Orten sind. Und natürlich, dass Aelin als Schlüsselfigur gefangen ist und gefoltert wird von Maeve, die wiederum eine ganz neue Position in diesem Krieg einnimmt. Ein Abschlussband also, in dem die Fäden aller Vorgänger zusammengeführt werden, was durchaus gelungen umgesetzt wurde.

So, und jetzt rede ich mal ausnahmsweise über das Ende, von daher markier das Folgende nur, wenn du das Buch schon gelesen hast oder komplett gespoilert werden willst: Als ich das Buch beendet hatte, war ich ein bisschen ernüchtert. Man kann mir jetzt Morbidität vorwerfen, aber ich empfinde es als komplett unrealistisch, wenn ALLE Hauptcharaktere überleben, obwohl sie sich in einem Krieg befinden, den sie über große Strecken zu verlieren drohen, und ein Großteil dann noch in irgendwelche tragischen Vorhersehungen verstrickt ist. Von der Kaltblütigkeit, mit der einst Sam und Nehemia das Zeitliche segnen mussten, ist nichts mehr geblieben, und das fand ich schade. Offensichtlich kann sich die Autorin nicht von Charakteren trennen oder was auch immer, aber es ist ein bisschen zu rosaglitzerndheileWelt in einer Reihe, die sonst eine harte Welt voller Tod und Opfer suggeriert. Statt also wirklich noch mal den*die Leser*in mit dem Tod am besten von zwei, drei Hauptcharakteren zu schockieren, nippeln ein paar entbehrliche Nebencharaktere ab und der Hauptcast bleibt - schön in Pärchen - bestehen. Kann ja nicht sein, dass so ne Beziehung auseinandergerissen wird.
Und ich habe ernsthaft an Yrenes Kompetenz gezweifelt, als sie es für sinnvoll hielt, inmitten eines Krieges, in dem sie und ihr mit ihrer Kraft verbundener Mann ihr Leben riskieren, schwanger zu werden (und als Heilerin wird sie sehr wohl Kenntnisse über die verhütenden Tränke haben, die auch Aelin an bestimmten Punkten benutzt hat).  Spoiler Ende.

Zwischendurch anstrengend fand ich leider auch Dorian, der bis dato ein Charakter gewesen ist, den ich echt gerne mochte, gerade auch wegen der Entwicklung, die er durchlaufen ist - vom bücherlesenden, verträumten Mädchenschwarm, dem seine Pflichten am Allerwertesten vorbeigehen und der zwischendurch mal ein bisschen wie ein trotziger Teenager gegen seinen Vater aufbegehrt, zu einem starken, aber auch leicht traumatisierten König, der für seine Freund*innen und sein Königreich kämpft und Opfer durchlitten hat. In diesem Band ging er mir aber leider sehr oft auf den Keks mit seinem Superheldenkomplex, den er entwickelt - er beschließt nämlich plötzlich, dass er die Welt auch problemlos alleine retten kann. 
Unterstützt wird das Ganze jetzt auch noch dadurch, dass seine Magie anscheinend a) unglaublich gigantisch ist und b) alles kann, und sowas mag ich einfach nicht. Klar, Aelins Macht wird ja auch immer als groß und beängstigend beschrieben, aber das fand ich noch ganz gut umgesetzt, dadurch, dass das eben auch seinen Preis hat (wenn sie als Kind droht, alles abzufackeln, zum Beispiel), und dass sie eben nur über Feuer gebietet. Dorian ist dagegen mehr so: Null problemo, ich form meine Magie einfach in alles und das klappt jetzt auch super schnell und meine Macht ist quasi endlos. Wie ich schon sagte, anstrengend.
Ein weiterer Punkt, der mich zwischendurch nervte: Alle werden immer als wunderschön beschrieben (entweder haben die niedrige Erwartungen oder es wird hier schlichtweg ein problematisches Bild vermittelt).

So, damit vermittele ich jetzt vermutlich den Eindruck, dass ich das Buch abgrundtief schlecht fand, aber tatsächlich war das gar nicht der Fall. Mir sind nur meine ganzen Kritikpunkte deutlich präsenter geblieben - ich habe das Buch ja schon vor einer Weile gelesen. ^^ Trotzdem weiß ich nicht ganz, wie ich das Buch bewerten sollte - an sich würde ich zu sechs Büchlein tendieren, weil ich die Reihe abgesehen von den Liebesgeschichten ab einem gewissen Punkt und ein paar anderen Kritikpunkten trotzdem insgesamt zu meinen Lieblingsbüchern zählen würde (vor allem aufgrund des persönlichen Leseerlebnisses), andererseits haben mich schon ein paar Dinge an diesem Band gestört, weswegen ich das einfach mal offenlasse.
Ich meine, ich hatte meine Probleme mit dem Ende (vor allem hinsichtlich der Glaubwürdigkeit), aber es hat sich nicht unrund angefühlt und an sich stellte es einen gelungenen Abschluss dar. Und auch sonst habe ich das Buch an sich echt gerne gelesen - es war fesselnd, ließ sich flüssig durchlesen und ich mochte den Humor, der immer mal wieder auftaucht und mich auch hin und wieder zum Lachen brachte.
Ich mochte auch viele der Charaktere - besonders Aelin, aber das wissen wir ja schon aus den Vorgängern - und ich fand gerade auch die Beziehung zwischen Dorian und Chaol sehr berührend dargestellt. Die Dialoge sind oft unterhaltsam, die Szenen schön beschrieben und der Großteil der Charaktere wurde mir tendenziell noch sympathischer als in den Vorgängern. Zumal die meisten sehr tiefgründig mit verschiedenen Seiten waren - wie beispielsweise Darrow. Auch das mochte ich.

Fazit: Sehr unterhaltsam, teilweise humorvoll, fesselnd, spannend und insgesamt ein gelungener Abschluss mit tiefgründigen, vielschichtigen Charakteren, aber auch ein paar Kritikpunkten, darunter die Liebesgeschichten, bei denen mich das übertriebene Konzept der (heterosexuellen) großen Liebe nervte.

2 Kommentare

  1. Huhu :)
    Ich würde alles hier genauso unterschreiben. Die ersten 2 Bände und die Vorgeschichte fand ich richtig genial, danach ging es für mich leider immer etwas abwärts. Aber ich habe die Charaktere dennoch so ins Herz geschlossen, dass ich trotzdem die komplette Reihe liebe und sie auch zu meinen absoluten Lieblingen gehört ♥ Ich habe mich aber vor allem was die ganzen Beziehungen angeht sehr... sagen wir mal aufgeregt. Das hast du mit 'Memory' ja sehr treffend beschrieben. Ich fand es ebenfalls unlogisch, dass alle überleben und noch dazu ihr happily ever after bekommen.Wie gesagt, Zustimmung in allen Punkten.
    Liebe Grüße
    Kat

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    1. Hey Kat,

      magst du vielleicht das nächste Mal eine Spoilerwarnung für andere drübersetzen? ^^ Danke. ;)
      Cool, dass wir einer Meinung sind. Ich hab manchmal das Gefühl, es gibt nur noch die, die sie hassen, und die, die sie lieben, und ich liebe sie eigentlich, verstehe aber auch die ganzen Kritikpunkte und gerade was die Beziehungen und das Ende hier angeht, stört es mich auch ein wenig. Aber wie du mag ich die Charaktere, den Stil und an sich auch den Plot sehr gerne. ^^

      Liebe Grüße und einen schönen Start in die Woche!

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