Mittwoch, 17. Juli 2019

[Rezension] Coldworth City




Autorin: Mona Kasten
Verlag: Knaur
Seiten: 320
Erscheinunsdatum: 01.09.2017
ISBN: 978-3-426-52041-3
Taschenbuch; 12,99€


Auszug Klappentext:

Vor drei Jahren täuschte Raven ihren Tod vor, um der skrupellosen Forschungsorganisation AID zu entkommen. Seitdem ist sie auf der Flucht, denn Raven ist eine Mutantin, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, und AID würde alles tun, um sie wieder in ihre Gewalt zu bringen. Seit ihrer Flucht lebt Raven unerkannt in Coldworth City – bis der verschlossene Wade auftaucht und ihr anbietet, sie im Umgang mit ihren Fähigkeiten zu unterrichten.


Äußere Erscheinung:

Ich bin kein Fan von dem Cover - Mädchengesicht und so. Und der Titel ist halt der Name der Stadt.

Meine Erwartung:

Mona Kasten ist den Meisten momentan durch die "Save me"-Reihe ein Begriff und ich war neugierig. Diese Idee klang zudem ziemlich interessant und ich hab ein paar positive Rezensionen dazu gelesen, mit meiner Bloggerpause verlor ich es aber aus den Augen. Dann entdeckte ich es als Mängelexemplar und nahm es spontan mit.

Meine Meinung:

Das Buch besticht nicht durch neue Ideen, aber dadurch, dass ein bekanntes und bewährtes Konzept gelungen umgesetzt wird. Mädchen mit starken übernatürlichen Fähigkeiten aber traumatischer Vergangenheit trifft düsteren Typen aus Rebellengruppe – so weit, so bekannt. Das macht das Buch aber nicht schlecht, im Gegenteil. Wenn man mal wieder Lust auf eine gut umgesetzte Geschichte dieser Art für Zwischendurch hat, ist es perfekt.
Wer Love Interest ist, war für mich vom ersten Satz an klar, aber die Liebesgeschichte entwickelt sich – relativ zu der Kürze des Buches – und  taucht nicht aus dem Nichts aus. Außerdem beschließt die Protagonistin hier mal zu Abwechslung nicht, bei Anblick ihrer Liebe alle Körperfunktionen aufzugeben („meine Knie werden weich, mein Atem setzte aus, mein Herzschlag stockte, meine Hände zitterten“). Die Liebesgeschichte läuft in erster Linie über die emotionale statt über die körperliche Ebene, was ihr eine gewisse Art von Tiefe gibt.

Eine andere gelungene Beziehung ist die zwischen Raven und ihrem Bruder Knox. Sie sorgt sich um ihren kleinen Bruder, aber er sorgt sich auch um sie. Und trotz dass sie sich quasi um ihn kümmert, ist er auch ein stückweit erwachsen – kurz: die Beziehung wirkt sehr authentisch, inklusive kleiner Streitereien. Die Autorin gibt sich dabei Mühe, Knox aus der platten Rolle der Funktion Geschwister zu lösen und ihm einen eigenen Charakter und eigene Handlungsmacht zu geben. Ich mochte die dargestellte Beziehung jedenfalls.

Raven ist ein wenig impulsiv, etwas, nennen wir es wild, und rettet in ihrer Freizeit die Welt, indem sie nämlich ihre Fähigkeiten nutzt, um Verbrecher zu jagen. Was am Anfang auch für mich etwas merkwürdig klang, erhält schnell eine versteckte Intention und wird nachvollziehbar. Sie kann schnell aufbrausend sein, ist schlagfertig, aber auch durchaus intelligent. Ihre Gedankenprozesse, mit denen sie zu Entscheidungen gelangt, habe ich meist als nachvollziehbar empfunden.
Die traumatischen Erfahrungen ihrer Vergangenheit sind stets präsent und haben Auswirkungen. Generell fand ich ihre Emotionen gut rübergebracht und sie war mir durchaus sympathisch.

Der größte Fehler des Buches ist vielleicht seine Kürze.
Ich mag Einzelbände ganz gerne, und die Story ist abgeschlossen und funktioniert, aber sie bleibt ebenso wie viele ihrer Charaktere eher oberflächlich. Man merkt einfach, dass Potenzial für mehr drin gewesen wär – auch in Bezug auf den Plot. Gerade am Ende kamen viele Enthüllungen zu gehetzt und zu einfach – einfach in dem Sinne, dass hier Konflikte viel mehr hätten ausgearbeitet werden können, das lange Verdecken so sinnlos wirkte und angeteaserte Probleme gar nicht mehr den Raum haben, um zu entstehen. Was schade ist, weil einige durchaus interessant gewesen wären.
Auch ist die Geschichte durchaus sehr actionreich, spannend und lässt sich schnell durchlesen, aber auch hier kam mir das Ende fast ein wenig schnell vor. Es passt, aber es hätte auch mehr draus gemacht werden können. Ebenso hätten auch die Charaktere bei mehr Raum weiter ausgearbeitet werden können, denn auch sie und ihre Beziehungen untereinander haben viel Potenzial.

Besonders bemerkbar macht sich die Kürze bei dem World Building. Außer dem Namen und einer Einteilung in zwei Stadtbezirke erfährt man quasi nichts über Coldworth City. Vor allem aber erfährt man nichts über die Mutant*innen. Anscheinend läuft das über Genetik, aber wie genau? Wie leben sie, warum haben sie sich offenbart, wie haben sie vorher gelebt, wie leben andere, was tragen sie zur Gesellschaft bei, wie gehen andere mit der Stigmatisierung um und und und. Dabei werden auch hier Aspekte angestoßen – aber nie weiter verfolgt. Auch die Gesellschaftsordnung und die Politik dieser alternativen Welt bleiben im Dunklen.
Das alles fehlt komplett und das ist schade, weil so auch der*dem Antagonist*in nur eine platte Motivation gegeben wird und der*die Leser*in nichts über die Hintergründe erfährt, wodurch leider die ganze Welt flach bleibt, sodass das Buch nur eine spannende, aber oberflächliche Unterhaltung bietet – trotz viel Potenzial.

Fazit: Kein neues Konzept, aber eine gelungene Umsetzung und eine tiefgründige Darstellung der Beziehungen der sympathischen Protagonistin zu ihrem Bruder und dem Love Interest. Aufgrund der Kürze bleibt allerdings vieles oberflächlich, insbesondere das World Building und einige Konflikte.




Quelle Cover & Klappentext: Knaur

20 Kommentare

  1. Hallo Dana,

    "Coldworth City" ist tatsächlich eines der Bücher, dass ich von Mona Kasten bisher noch nicht gelesen habe. Die meisten Rezensionen zur Geschichte fallen aber sehr ähnlich zu deiner aus, was mich immer ein bisschen abgeschreckt hat. Oberflächlichkeit ist natürlich schade, aber bei der geringen Seitenanzahl des Buchs durchaus nachzuvollziehen. Der Ansatz klingt zwar interessant, aber ich denke, dass ich auch künftig bei diesem Buch passen werde!

    Danke für deine Rezension <3

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo Lisa,

      da NA nicht so mein Genre ist, reizen mich umgekehrt die meisten ihrer anderen Bücher eher nicht so, von daher fand ich es cool, dass mal ein Buch aus einem anderen Genre von ihr rausgekommen ist. Ich fands auf jeden Fall schade, dass das Potenzial nicht mehr ausgearbeitet wurde. Das Buch ist keinenfalls schlecht, aber es hätte noch deutlich besser werden können. ^^

      Gerne. :)

      Liebe Grüße! ♥

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  2. Hallo Dana

    Du hattest ja bereits auf meinem Blog erwähnt, dass du das Buch der Autorin gelesen hattest, deshalb wollte ich mir noch einmal die ganze Rezension durchlesen. Deine Meinung bestätigt mich an meiner intuitiven Haltung, dass ich das Buch nicht lesen werde :D Schade, dass das Buch nur so oberflächlich bleibt, aber gleichzeitig überrascht es mich bei Mona Kasten auch nicht. Ich werde vermutlich kein Fan mehr von ihr :'D

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo Mel!

      Hm, ich würde sagen, nach deiner Rezension zu "Begin Again" wäre dieses Buch auch vermutlich nicht dein Fall. ^^ Aber ich kann mich wohl auch eher nicht dem Hype um sie anschließen. ;)

      Liebe Grüße!

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  3. Ich war damals so unglaublich enttäuscht von dem Buch, vor allem, weil es mir zu viele Paralellen zum ersten X-Men-Film aufwies und mir als MarvelFan zu viele Gleichheiten auffielen. Mögen alle unabsichtlich gewesen sein, keine Ahnung, hat mich aber in den Wahnsinn getrieben. Zudem ... ich kann mit Mona Kasten nichts anfangen. Ich mag bisher keines ihrer Bücher und na ja ... Geschmackssache ;)

    Ich freue mich, dass es dir deutlich besser gefallen hat als mir!

    Sommerliche Grüße
    Vivka

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    1. Liebe Vivka,

      hm, das kann ich leider nicht beurteilen, weil ich "X-Men" nie gesehen habe, aber das finde ich schon etwas krass, gerade wenn man bedingt, wie wenig Fundament hier das World Building hat.
      Insgesamt denke ich, dass man so viel mehr aus dem Potenzial hätte machen können, aber beim Lesen selbst hat es mich unterhalten. Aber da ich eh kein NA lese und mich die Klappentexte ihrer anderen Bücher auch nicht ansprechen, wird das wohl auch erst mal mein einziges Buch von ihr sein. ^^

      Ganz liebe Grüße!

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    2. Ich habe damals ne Liste aufgestellt, aber ich glaube, die habe ich nicht mehr und komplett hatte ich sie auch nicht in meine Rezension eingebaut ^^

      Ach ja, Unterhaltung zählt doch, dafür sind Geschichten da =) Und ja, man hätte sehr viel mehr draus machen können ;)

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    3. Hm, schade, die hätte ich jetzt interessant gefunden. :D (Ich hab sowas mal mit Dämonentochter und Vampire Academy gemacht, sehr zum Nachteil von ersterem.)

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    4. Auszug aus meiner Rezension: ... es sind mir fast ein wenig zu viele Bezüge zur ersten X-Men-Trilogie vorhanden. Wahrscheinlich stört nur mich das, denn ich bin ein verdammter Nerd, aber trotzdem.
      Raven mutet wie Jean Grey an, wahnsinnig große Macht die sie kaum kontrollieren kann, dazu gleichzeitig Telekinese und Telepathie *hust*.
      Ein Mutant, der das Wetter kontrollieren kann und dabei weiße Augen bekommt. Hallo Storm.
      Der Name Moira und auch Wade, ist jetzt vielleicht weit hergeholt, aber in Anbetracht der Häufung leider durchaus erwähnenswert.
      Im Untergrund quasi eine Schule für Mutanten aufbauen und gegen die Bösen kämpfen, hat was von Chales Schule und den X-Men.
      Es sind noch mehr Bezüge im Buch, aber ich lasse es mal bei den bewenden, die ich bereits aufgezählt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das sonst irgendjemand aufgefallen ist und gar stört, aber für mich als Marvelfreak, der mit der ersten X-Men-Trilogie aufgewachsen ist und sie quasi auswendig kennt, tut das doch schon ein wenig weh beim Lesen!

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    5. Hm, ja, das klingt schon ähnlich. :/ Ist für mich natürlich schwer, das zu beurteilen, ohne den Film gesehen zu haben, aber das klingt schon krass und es geht ja auch vielen so ... ://

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    6. Man muss sich eben natürlich in einem Bereich auskennen um solche Parallelen zu sehen und es ist ja auch ok, wenn man ne Idee durchaus abgekupfert wurde, aber die Häufung hat mich einfach gestört! Und noch andere Aspekte an dem Buch, aber ich werde mit Mona so oder so nicht wirklich warm ^^"

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    7. Na ja, ich finde es schon krass, wenn Geschichten extrem kopiert werden, deswegen habe ich zum Beispiel die Dämonentochter-Reihe abgebrochen ...

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    8. Ähm müsste ich lügen, ob ich die jemals begonnen habe ^^"

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    9. Ist auch nicht schlimm, in meinen Augen ist es ein einziges Retelling von Vampire Academy. :D

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  4. Hey Dana,

    schade, dass das Buch dich nicht zu 100% überzeugen konnte. Ich habe auch bisher viele gemischte Meinungen zu dem Buch gehört. Bei mir liegt das Buch auf meinem SuB und ich bin mal gespannt, wie es mir gefallen wird. :D

    Lg Callie

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    1. Hey Callie,

      ich habe mich beim Lesen durchaus unterhalten gefühlt, von daher war es jetzt nicht direkt ein negatives Leseerlebnis, auch wenn ich es schade finde, dass aus dem Potenzial nicht mehr gemacht wurde. Aber ich bin schon gespannt auf deine Meinung, wünsche dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dich stören meine Kritikpunkte weniger!

      Liebe Grüße ♥

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  5. Hallo Dana,

    ich kann deine Meinung voll unterschreiben. Mir hat die Geschichte grundsätzlich auch gut gefallen, aber man merkt, dass mehr möglich gewesen wäre, sei es durch ein zweites Band oder eine längere Geschichte.

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo Desiree,

      es freut mich, dass du meinen Eindruck teilst. :) Ich finds ein bisschen schade, weil schon viel Potenzial da war, das so komplett ungenutzt geblieben ist ...

      Liebe Grüße!

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  6. Hallo Dana,
    ach, ich hatte gedacht, dass es noch weitere Bände geben soll. Ich habe Coldworth City auch gelesen. Ansich fand ich die Geschichte nicht schlecht. Aber ich fand auch, dass der Spannunglevel da irgendwie sehr undynamisch rüberkam. Zum Ende verlief alles so schnell. Auch die Sache mit der Entwicklung des Loveinterest empfand ich unstimmig. Nicht schlecht, aber irgendwie auch nicht perfekt.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo Tanja,

      leider nicht, auf ihrer Website hat sie das Buch auch als Einzelband vermerkt. :/
      Ja, bis zum Ende war das alles auch noch gar nicht so das Problem, aber plötzlich wurden eben alles viel zu überhastet abgehandelt. Schade eigentlich ...

      Ich wünsche dir noch einen schönen Abend!

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