Montag, 1. Juli 2019

[Rezension] Muse of Nightmares

We might be at odds, hate each other, and desire each other's destruction, but in our despair, we are lost in the same darkness, breathing the same air as we choke on our grief. (S. 364)


Autor: Laini Taylor
Verlag: Little, Brown and Company
Seiten: ca. 520
Erscheinungsdatum: Oktober 2018
ISBN: 978-0-316-34171-4
Gebunden mit Schutzumschlag
(Taschenbuch)


Dilogie:
  • Strange the Dreamer  [Rezension]
  • Muse of Nightmares



! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZUM VORGÄNGER !


Inhalt:

Sarai ist tot. Die Einzige, die sie noch hält, ist Minya, und diese sieht jetzt ihre Chance gekommen, endlich Rache an Weep zu nehmen - für all das, was sie erleiden musste, und für die toten Kinder. Mit Lazlo in ihrer Kontrolle eröffnet sich ihr endlich die Möglichkeit, die Menschen bezahlen zu lassen. Verzweifelt suchen Sarai und Lazlo einen Ausweg - aber gibt es einen, wenn sie Sarai nicht verlieren wollen? Kann der Hass jemals überwunden werden?

Äußere Erscheinung:

Ich liebe dieses Cover, das Wraith abbildet, was definitiv Handlungsbezug hat. Der Titel stellt diesmal Sarais Titel in den Vordergrund, was ebenfalls passt. Und ich liebe die Gestaltung, den schimmernden Schutzumschlag, den Farbübergang, alles. Als kleines Extra gibt es drinnen übrigens Dokumente zum Dekodieren. ^^

Meine Erwartung:

Ich habe den Vorgänger Anfang des Jahres gelesen und war von ihm absolut begeistert. Abgesehen davon war der Cliffhanger ja wohl mal sowas von mies und aussichtslos.

Meine Meinung:

Aussichtslos fasst die Lage ganz gut zusammen. Ich hatte das Gefühl, die Emotionen der Charaktere - Verzweiflung vor allem, aber auch Wut, Liebe und überhaupt alles - direkt mitzuempfinden. Das zieht sich durch das ganze Buch und deswegen mochte ich es auch so sehr: weil es mich emotional mitgenommen hat. Weil es unvorhersehbar ist, weil man genau wie die Charaktere keine Lösung sieht. Weil die Autorin einem Hoffnung gibt und sie dann wieder zerstört. Das alles führt zu einer konstant sehr hohen Spannung und dazu, dass ich eigentlich immer gebannt an den 500 Seiten hing, die quasi dahinflogen.

Was ich, ähnlich wie bei der "Daughter of Smoke and Bone"-Trilogie der Autorin, sehr mochte, ist die Art und Weise, wie es der Autorin gelingt, die Spirale von Hass darzustellen. Es gibt keinen wirklichen Antagonisten (mehr), es stehen sich zwei Seiten gegenüber, und beide haben ihre Gründe, die absolut nachvollziehbar sind. Ebenso wie man die Hass und die Angst der Menschen vor den "Göttern" verstehen kann, kann man den Hass und die Rachsucht von Minya auch irgendwie verstehen, die mitansehen musste, wie unschuldige Kinder abgeschlachtet wurden. Man fühlt mit beiden Seiten mit und das macht diese Situation nur realer, denn natürlich will man wie Lazlo und Sarai, dass beide Seiten aufeinanderzugehen. 
Ich finde es einfach beeindruckend, wie hier gezeigt wird, wie sich zwei Seiten hasserfüllt gegenüberstehen, ohne dass eine Seite irgendwie böse oder fehlgeleitet oder was auch immer ist. Wie vergangene Geschehnisse zwei Seiten so prägen, dass sie Dinge tun, die die andere Seite wiederum als schlecht wahrnimmt. Denn ist es im realen Leben nicht auch oft so?

Das zeigt sich eben auch bei den Charakteren. Ist Eril-Fane ein schlechter Mensch, weil er aus einer Opferposition heraus die "Götter" und ihre Kinder getötet hat, letztere, um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt? Etwas, was er mittlerweile zutiefst bereut? Einerseits ist diese Handlung bis zu einem gewissen Grad schon irgendwie nachvollziehbar, andererseits aber auch zutiefst verabscheuend. Ihn hat es zerstört, aber er kann seine Taten nicht zurücknehmen. Zu was für einem Menschen macht ihn das?
Auch Minya ist in meinen Augen ein sehr faszinierender Charakter, gerade, wenn man darüber nachdenkt, dass sie als Kind mitansehen musste, wie andere Kinder getötet wurden, wie sie vier Kinder gerettet hat und sich verantwortlich fühlt, für diese vier Kinder, aber auch, weil sie nicht mehr retten konnte. Dieses Trauma, ihr Wunsch nach Rache - egal, wie sehr ich ihre Handlungen manchmal gehasst habe, letztendlich ist sie vor allem sehr verletzlich, gebrochen und irgendwie mochte ich sie auch wieder. Und ich fand es schön, wie es Lazlo und Sarai ähnlich ging. Wie die beiden hoffen, die Spirale aus Hass zu durchbrechen.

Ich mag es, wie unkompliziert die Liebesgeschichte zwischen Lazlo und Sarai ist - also, abgesehen davon, dass sie ein Geist ist, von Minya beherrscht wird und letztere wiederum Lazlo manipuliert, aber ich meine, in dem Sinne, dass es zwischen den beiden selbst keine Dramen gibt, sondern sich beide lieben, offen, neugierig und wie zwei Jugendliche. Darüber hinaus gibt es aber auch ein, zwei queere Liebesgeschichten - also vor allem Calixte und Tzara, die zwar beide Nebencharaktere sind und gerade Tzara taucht kaum auf, aber immerhin.
Ich finde jedoch, dass auch die Nebencharaktere und generell alle Charaktere sehr individuell und tiefgründig sind, mit Stärken und Schwächen. Sie wirken ungemein lebensecht. Gerade Thyron durchläuft eine erstaunliche Entwicklung und beginnt, seinen bisherigen arroganten Lebenstil infragezustellen. Bei ihm fand ich es sowieso schon im ersten Teil interessant, wie er zwar durch seine überhebliche, egozentrische Art einem konstant auf den Keks geht, aber dann auch gezeigt wird, wie er als Kind geschlagen wurde und wie er sich eigentlich sogar einsam fühlt.
Ich mag es auch, wie Lazlo nicht plötzlich zu einem strahlenden Helden wird, sondern man immer noch das Gefühl hat, er sei derselbe einfache Waisenjunge, der sich selbstlos für andere Menschen einsetzt, offen auf sie zugeht und neugierig die Welt entdeckt. Der immer freundlich ist und Gewalt eigentlich vermeiden will. Ich mag Lazlo. ^^

In diesem Band wird einem als Leser*in bewusst, wie wenig man selbst über die Hintergründe weiß, weil es eben den Charakteren genauso geht. Diese fangen somit an, das alles zu hinterfragen. Was ist damals geschehen? Wo kamen die Götter her? Was ist mit den anderen Kindern geschehen? Dazu trägt auch ein Kapitel am Anfang bei (das später wieder aufgegriffen wird), das an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit spielt und scheinbar ohne jegliche Verbindung ist. Scheinbar. Und die Auflösung fand ich sehr gelungen und faszinierend. Generell habe ich diese ganze Geschichte und gerade auch die Interaktionen zwischen den Charakteren unheimlich gerne gelesen, weil es sich rund anfühlt, weil es Spaß macht, das zu lesen. Gerade die Dialoge finde ich super gemacht, manchmal humorvoll, aber meist lebensecht.
Ich nehme an dieser Stelle mal vorweg, dass die Autorin zwischendurch eine Verbindung zu ihrer "Daughter of Smoke and Bone"-Reihe zieht - nicht handlunsgtechnisch, sondern vom World Building, und ich fand das einfach nur extrem cool. Es lässt auf mehr coole Bücher aus ihrer Feder hoffen. ^^

Fazit: Unvorhersehbare, emotional mitnehmende Geschichte mit lebensechten, tiefgründigen Charakteren, deren Gründe immer nachvollziehbar sind. Eine Geschichte ohne wirklichen Antagonisten, die die verheerende Spirale des Hasses zeigt und nach Auswegen sucht. Dazu Dialoge, die Spaß machen, ein tolles World Building, ein poetischer Schreibstil und eine gelungene Auflösung!



2 Kommentare

  1. Hallo Dana,

    ich habe vor einiger Zeit Daughter of Smoke and Bone gelesen und war sehr begeistert von Laini Taylor. Sie hat wie du schreibst eine tolle Art zwei Seiten zu präsentieren ohne dass eine Seite die "Guten" oder "Bösen" sind. Leider lese ich nur selten auf Englisch und hoffe, dass diese Serie bald übersetzt wird, denn was du zum Buch und Inhalt schreibst, hört sich sehr gut an!

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo Desiree,

      bisher war ich auch eigentlich von jedem Buch der Autorin begeistert, und ich mag genau diese Gegenüberstellung zweier verfeindeter Seiten, von denen keine böse ist, sondern beide ihre Gründe haben.
      Der erste Teil des ersten bandes (jedenfalls wirkt es auf mich so, als würde der in der Übersetzung gesplittet) erscheint auf Deutsch schon Ende September und ich kann dir diese Dilogie auch wirklich absolut empfehlen, gerade auch noch mal, wenn du DoSaB gelesen hast, es ist wirklich eine tolle Geschichte!

      Liebe Grüße! :)

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