Freitag, 23. August 2019

[Re-Read-Rezension] Scythe


Autor: Neal Shusterman
dt.: Scythe - Die Hüter des Todes (2017)
Verlag: Simon & Shuster
Seiten: ca. 440
Erscheinungsdatum: 2016
ISBN: 978-1-4424-7242-6
Gebunden mit Schutzumschlag


Trilogie:
  • Scythe 
  • Thunderhead
  • The Toll (erscheint im November 2019)

Inhalt:

Citra führt ein normales Leben in einer Welt, in der der Tod besiegt ist. Um trotzdem für einen Ausgleich zu sorgen, gibt es die Scythe, Menschen, denen die Aufgabe anvertraut wurde, Leben zu nehmen - über alle Vorurteile erhaben, als ewige Außenseiter. Auch Rowan lebt in dieser Welt, als x-tes Kind in einer zu großen Familie, in der er längst keine Aufmerksamkeit mehr erfährt.
Die beiden haben nichts gemeinsam - außer, dass eine Scythe auf sie aufmerksam wird und beide zu seinen Lehrlingen auserwählt. Keine*r von beiden will diese Aufgabe übernehmen, und doch kann nur eine*r am Ende Scthe werden. Und so tauchen sie ein in eine Welt, die längst nicht so erhaben ist, wie sie scheint - und geraten in Gefahr, selbst zum Spielball zu werden ....

Äußere Erscheinung:

Ich finde das Cover ziemlich passend und gut gemacht, und auch die Gestaltung unter dem Schutzumschlag, bei dem quasi eine antik angehauchte Buchbindung imitiert wurde und zwei überkreuzte Sensen in das Buch eingeprägt wurden. Sehr cool. Ich mag die Gestaltung.

Meine Erwartung:

Ich fand die Idee unheimlich cool (habt ihr euch nicht auch schon mal gefragt, was passiert, wenn alle unsterblich sind und keiner mehr stirbt?) und dann war die Resonanz auch weitgehend positiv, sodass ich es lesen wollte.

Meine Meinung:

Die Idee hinter dem Ganzen finde ich einfach nur unglaublich cool und vor allem regt sie auch zum Nachdenken an. Im Jahr 2042 ist das Thunderhead (ich weiß gerade nicht, wie das in der deutschen Übersetzung heißt, ich hoffe aber, nicht Donnerkopf), eine künstliche Intelligenz, in Erscheinung getreten. So weit, so groß meine Überraschung, denn mit sowas habe ich nicht gerechnet.
Diese KI ist de facto allwissend, weswegen die Menschheit damit auch den ultimativen Fortschritt erreicht hat. Entgegen aller Befürchtungen hat diese KI auch nicht die Menschheit unterworfen, stattdessen hat sie die Regierungen übernommen, sorgt dafür, dass alle ewig leben, immer geheilt werden, es keine Krankheiten, keine Armut, keine Verbrechen gibt und so weiter. Mit anderen Worten: Die Welt, in der Citra und Rowan leben, ist perfekt, die Menschen sind unsterblich und die Entwicklung ist vollkommen.

Nach wenigen Seiten war mir klar, dass das ja ganz schön und gut ist, aber dass ich bitte sofort zurück in unsere "mortale" Welt will. Dass bitte wieder alle sterblich sein sollen. An einem Punkt am Anfang denkt Citra darüber nach, was sie in ihrem Leben will, und diese Vorstellung - eine vermutliche Unendlichkeit, in der kein Job jemals etwas zu der Weiterentwicklung der Welt beitragen könnte, in steriler Perfektion - fand ich zutiefst reizlos. Und überhaupt: Sterblichkeit hat durchaus einige Vorteile.
Somit erhielt ich im Endeffekt genau das, was ich mir erhofft hatte: eine Auseinandersetzung mit dem Thema Unsterblichkeit. Und der Frage, was passiert, wenn niemand mehr stirbt. Und wie gesagt, dieses Konzept ist super interessant und regt zum Nachdenken an - darüber, was Sterben eigentlich bedeutet, auch für unser alltägliches Leben, darüber, ob Unsterblichkeit wirklich erstrebenswert ist und eben auch darüber, was man denn tut, wenn die gesamte Menschheit unsterblich ist, sich aber weiter fortpflanzt.

In dem Augenblick treten dann eben die Scythe (Sensen auf Deutsch? Wieso klingt so was auf Deutsch eigentlich immer nur halb so cool?) in Erscheinung. Es wurde entscheiden, das Töten (Gleaning) eben nicht der KI zu überlassen, weil das mit Gewissen verbunden bleiben soll. Aber in diesem Buch wird dann eben auch die Moral hinter diesem scheinbar willkürlichen Töten thematisiert. Können Menschen wirklich entscheiden, wer sterben soll? Wie soll das entschieden werden? 
Dazu gehört dann eben auch das Missbrauchspotenzial einer solchen Position und überhaupt die Frage der menschlichen Verfehlbarkeit. Darüber hinaus gab es auch Fragen, wie die, inwieweit Sterblichkeit unsere Wahrnehmung, unsere Kunst, unsere Emotionen beeinflusst. Und all das (und noch viel mehr) fand ich super umgesetzt und thematisiert. 

Das Buch ist mal wieder so eins, bei dem ich dafür wäre, den Klappentext nicht zu lesen, weil er schon ein wenig spoilert. Und bei mir auch völlig falsche Erwartungen schürte. Ich hatte irgendwie eine zentrale Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten erwartet, irgendwas mega dramatisches, das typische halt, aber ich lag mit meiner Erwartungshaltung völlig falsch.

Citra und Rowan lernen sich dadurch kennen, dass beide als Lehrlinge (ich weiß gerade echt nicht, ob ich das hier alles korrekt übersetze, verzeiht mir) von Scythe Faraday aufgenommen werden, aber nur eine*r der beiden kann am Ende auch eine Scythe werden. Und obwohl beide eigentlich alles andere lieber tun würden, als diesen Job zu übernehmen, entsteht so eine leichte Konkurrenzsituation, angefeuert von Citras Ehrgeiz. Diese Situation bricht Rowan aber, nachdem er gerade erst die Erfahrung gemacht hat, alleine dazustehen, und in ihr jemand sucht, auf den er sich verlassen kann.
Und das ist einfach so toll dargestellt. Das heißt, tatsächlich liegt der Fokus eher auf ihrer Ausbildung, aber nebenbei entwickelt sich eben auch die Freundschaft zwischen den beiden, mit dem leichten Potenzial zu mehr, weil beide den*die andere*n nicht unbedingt unattraktiv finden. Trotzdem ist es erst mal Freundschaft, und es ist eine Beziehung, die enorm von gegenseitigem Respekt geprägt ist, obwohl sie immer wieder konkurrieren oder sich necken. Zudem gibt es keine*n, der*die hervorsticht, die beiden sind absolut gleichberechtigt. Wie gesagt, ich mochte diese Beziehung sehr.

Neben Rowan bleibt Citras Charakter ein wenig blasser, was aber vermutlich den Umständen geschuldet ist und wo es sehr viel Potenzial gibt, das im Folgeband weiter auszubauen. Ansonsten wirkten beide auf mich authentisch - sowohl, was die Tatsache angeht, dass sie erst 16 sind, als auch in Bezug auf die Entwicklung, die beide durchlaufen. Keine*r von ihnen ist perfekt, im Gegenteil, und das macht sie nur zu umso vielschichtigeren Charakteren.
Und obwohl beide durch sehr ähnliches Verhalten erst Scythe Faradays Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben - in dem sie nämlich den sonst üblichen Respekt gegenüber den Scythes vernachlässigt, ihn unverwandt angesprochen und sein Verhalten hinterfragt haben -, sind sie doch auch unterschiedliche Charaktere.
Auch sonst bietet das Buch einige sehr interessante und oft sehr tiefgründige Charaktere. Scythe Faraday nimmt seiner Funktion gebührend die Rolle als weiser Mentor ein, war mir aber auch sonst sympathisch.

Neal Shustermans Schreibstil habe ich als eher einfach, klar und schnörkellos empfunden. Hauptsächlich wechseln sich Rowan und Citra als personale Erzähler ab, zwischendurch gibt es allerdings Passagen, die etwas auktorialer anmuten. Kurzzeitig gibt es Abschnitte aus der Sicht ganz anderer Personen, die jedoch Bezug zur Handlung haben. Was ich auch echt cool fand, war, dass jedem Kapitel ein Auszug aus dem Tagebuch einer Scythe vorangestellt wurde. Diese reflektieren oft verschiedene Aspekte des "Scythedoms" - wie es zu den Sycthes kam, die Moral dahinter, die Bürde und so weiter. Auch diese regen zum Nachdenken an.

Ansonsten war ich aber auch noch beim zweiten Lesen an die Seiten gefesselt. Das Buch ist spannend, immer mal wieder auch überraschend und am Ende sehnte ich dem zweiten Teil entgegen.

Fazit: Unheimlich faszinierende Thematik zu der Frage, wie eine Welt aussähe, in der alle unsterblich wären - ein Buch, das ein wenig zeigt, dass der Tod auch irgendwie einen Sinn haben kann. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig an die Seiten fesselt, das aber auch eine unheimlich gelungene, respektvolle und authentische Beziehung zwischen den beiden vielschichtigen Protagonisten zeichnet.


14 Kommentare

  1. Hey :)

    Mir hat "Scythe" auch total gut gefallen damals! Einfach mal eine neuartige, geniale Idee und mit dem Hintergrund der Überbevölkerung ja auch gruselig realitätsbezogen irgendwie (hoffentlich noch nicht allzu bald ein Thema ;)). Ich habe aber leider damals den Anschluss mit den Folgebänden verpasst und möchte das Buch auch bald gerne mal re-readen, um dann mit den nächsten Teilen weiterzumachen!

    Liebe Grüße
    Fina

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    1. Hallo liebe Fina!

      Ja, die Idee ist echt einfach unglaublich cool! Ich bezweifle zwar, dass Überbevölkerung bei uns bald ein ernstes Thema wird, aber wir sind ja glücklicherweise auch noch nicht unsterblich. xD
      Ich kann dir definitiv empfehlen, weiterzulesen, ich mochte den zweiten Teil genauso gerne und warte jetzt gespannt auf den dritten!

      Liebe Grüße ♥

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  2. Hallo Dana,

    ich bin ein unglaublich großer Fan von den Scythe Büchern und muss nach dem zweiten Band unbedingt wissen, wie es weitergeht. Gerade habe ich entdeckt, dass im November der dritte Band erscheint und ich weiß nicht ganz, was ich von der Gestaltung halten soll. Es wurde dieses Mal die amerikanische Version benutzt und es passt gar nicht zu den vorherigen Covern.
    Trotzdem mindert das meine Freude nicht :). "Dry" möchte ich auch bald lesen und von meiner Wunschliste erlösen.

    Liebe Grüße
    Emily von Mein Schreibtagebuch

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    1. Hallo liebe Emily,

      okay, das sieht echt nicht wirklich stimmig aus. o.O Hach ja, Verlage und Formate ... ^^ Aber ich sehne dem Erscheinen auch schon sehr entgegen, den zweiten habe ich nämlich auch schon gelesen und fand ihn genauso gut!
      "Dry" steht auch noch auf meiner Wunschliste und reizt mich ebenfalls wegen der sehr interessanten Thematik. ^^

      Liebe Grüße!

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  3. Hallo Dana

    Ich habe das Buch damals kurz nach dem Erscheinungstermin auch auf Englisch gelesen, kann also deine Schwierigkeiten mit den englischen Begriffen und den deutschen Übersetzungen nachvollziehen :D Den zweiten Band habe ich dann auf Deutsch gelesen. Viele waren ja von der Fortsetzung noch begeisterter als vom Reihenauftakt, aber bei mir war das leider anders. Nach dem richtig guten, packenden Reihenauftakt fand ich Band 2 stellenweise sehr zäh und unnötig in die Länge gezogen, irgendwie konnte es mich nicht so richtig fesseln. Teil 3 werde ich natürlich trotzdem lesen, ich hoffe, dass ich dann wieder besser in die Welt hineinfinden werde.

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo liebe Mel,

      ich finde es generell nie so ganz einfach, in Rezensionen zu englischen Büchern, zentrale Begriffe zu übersetzen, vor allem die Eigennamencharakter haben. :D
      Schade auf jeden Fall, dass dir der zweite Teil nicht so zugesagt hat, ich mochte ihn eigentlich ganz gerne. Aber ich hoffe, der dritte kann dich dann wieder überzeugen!

      Liebe Grüße! :)

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  4. Hallo Dana,

    ich mochte die ersten beiden Scythe-Bände super gern. Die Idee ist gleichzeitig gruselig und fasznierend.
    Nun warte ich ungeduldig auf Band 3. Vielleicht lese ich die ersten beiden dann auch nochmal.
    Viele Grüße
    Anja

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    1. Hallo Anja,

      "gleichzeitig gruselig und faszinierend" trifft es sehr gut! Ich warte jetzt auch sehr gespannt auf den dritten Band ... Mal sehen, was der so bereithält ...

      Viele Grüße!

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  5. Hallo Dana :)

    Also Scythe fand ich auch klasse und du sprichst mir mit deiner Rezension echt aus der Seele. mir ging es auch so, ich fand es zuerst super das die ausgebildeten "Sycthe" dann vorbeikommen und es zu Ende bringen, aber beim lesen war es mir auch lieber so wie es jetzt ist.
    Man könnte eine prima Diskussion dazu anregen: Will man seinen Todestag wissen oder lieber nicht? Das Buch regt da echt zum Nachdenken an :)
    Hoffentlich kommt auch bald mal der dritte Band, ich würde das Ende auch gerne erfahren. Einen Re-Read werde ich wohl auch noch machen :)

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Hallo Sarah!

      Ich finde die Überlegungen hinter dem Ganzen auch ziemlich interessant. Und die daraus resultierenden Konflikte auch sehr realistisch.
      Oh je, ja. :D Vor allem glaube ich, dass sich die eigene Antwort auch verschiebt, je nachdem, ob man sonst unsterblich ist oder nicht. Generell wirft das Buch unheimlich viele Ansätze auf zum Nachdenken.
      Der dritte Band soll im November erscheinen, sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung. Ich bin gespannt. :D

      Liebe Grüße :)

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  6. Hallo liebe Dana,

    bei mir liegen die ersten beiden Bände der Reihe noch ungelesen auf dem SuB. "Scythe" hört sich aber wirklich unheimlich spannend an und deine Rezension macht mich richtig neugierig! Mit "Dry" habe ich dieses Jahr mein erstes Buch des Autors gelesen und was soll ich sagen? Meine Erwartungen sind hoch :D

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo liebe Lisa!

      Dann hoffe ich mal, dass du sie bald erlösen kannst, ich fand nämlich beide toll. ;) Und dann bin ich auch mal gespannt, ob sie deinen Erwartungen standhalten könne, wobei viele ja sagen, dass "Scythe" sogar noch besser ist als "Dry". Was ich dafür noch nicht gelesen habe und was noch auf meiner Wunschliste steht. ^^

      Ganz liebe Grüße ♥

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  7. Hey Dana,

    ich mochte das Buch auch unglaublich gerne, total spannend gemacht und einfach nur mega gut :)
    Ich muss mir dringend mal den zweiten Teil besorgen, denn obwohl ich den ersten Teil so grandios fand, habe ich noch nicht weiter gelesen :D

    Lg Callie

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    1. Hey Callie,

      es freut mich, dass es dir genauso ging, und du musst dir definitiv den zweiten Teil besorgen, den fand ich nämlich genauso gut. :D

      Liebe Grüße!

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