Samstag, 17. August 2019

[Rezension] Faye - Herz aus Licht und Lava


Autorin: Katharina Herzog
Verlag: Loewe
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 24.07.2019
ISBN: 978-3-7432-0191-0
Gebunden; 18,95€


Klappentext:

Seit der Ankunft auf Island geschehen merkwürdige Dinge. Gleich am ersten Abend führt ein Schwarm Glühwürmchen Faye zu einer Lichtung, auf der ein uralter Baum steht. Der Sage nach soll hier der Eingang zur Elfenwelt sein. Aber vor Jahren wurde das Herz des Baumes gestohlen. Und jetzt stirbt er. Faye beschließt, den Baum zu retten. Keine leichte Aufgabe. Vor allem seitdem ihr der impulsive und jähzornige Aron über den Weg gelaufen ist. Wenn Faye wüsste, auf was für ein Abenteuer sie sich da einlässt … 

Äußere Erscheinung:

Ich finde das Cover so unglaublich schön! *o* Die goldenen Verzierungen schimmern, wenn man das Buch in der Hand hält, und das Cover passt einfach so unheimlich gut zu dem - übrigens ebenfalls treffenden - Titel, ich bin begeistert!

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch bei der Leserunde auf Lovelybooks entdeckt und mich darauf beworben, weil es genau nach meinem Fall klang. Ich liebe Mythologien, Elfen sind meine liebsten Fantasywesen und nach Island wollte ich auch schon immer - das Buch klang also perfekt. Von daher freute ich mich sehr, als ich ein Exemplar erhielt - vielen Dank schon mal an dieser Stelle an Lovelybooks, den Verlag und die Autorin, die die Leserunde begleitet hat!

Meine Meinung:

Ich wünschte, ich hätte das Buch mögen können, aber ich fürchte, es war leider nicht mein Fall. Damit gehörte ich in der Leserunde in der Minderheit und ich vermute, es geht da einigen anders, aber ich kam aus verschiedenen Gründen nicht ganz mit dem Buch klar. 
Aber fangen wir doch erst mal mit einem positiven Punkt an: Man merkt, dass die Autorin selbst in Island war und die verschiedenen Schauplätze besucht hat, denn ihre Beschreibungen von der einzigartigen Landschaft wecken problemlos Fernweh. Generell - Island als Kulisse ist ungewöhnlich, aber sehr cool. (Nebenbei ist übrigens auch Umweltschutz ein zentrales Thema.)

Passend dazu hat die Autorin Aspekte aus der nordischen Mythologie in die Geschichte eingeflochten, wenn auch auf abgeänderte Weise. Hier hätte ich mir aber zum Beispiel gewünscht, dass das in einigen Aspekten, gerade in Bezug auf die Magie, deutlich stärker ausgearbeitet worden wäre. Hintergründe waren kaum vorhanden und viele Ideen wurden gar nicht aktiv umgesetzt bzw. man hätte deutlich mehr daraus machen können. Die Mythologie bietet da unheimlich viel Potenzial, das leider kaum genutzt wurde, was ich ein bisschen schade fand.

Eins meiner Hauptprobleme war, dass ich mit der Protagonistin nicht klarkam, deren Charakter sich eben auch in dem Stil widerspiegelte. Letzteren fand ich anfangs noch unterhaltsam, da er stark von sarkastischen Kommentaren geprägt ist, auf Dauer wurde er für mich jedoch anstrengend, da er sehr jugendlich gehalten ist, teilweise von Interjektionen wie "Bäh" und "Puh" durchsetzt, aber eben auch vielen umgangssprachlichen und sehr jugendlichen Ausdrücken.
Das zeigt sich auch in der Protagonistin, die mir mit ihrem Verhalten teilweise deutlich jünger als 17 Jahre vorkam. Überhaupt hatte ich teilweise das Gefühl, ein Buch für jüngere Leser*innen vor mir zu haben (der Verlag empfiehlt es ab 14). Faye verhält sich oft sehr naiv. Sie wirkte auf mich leichtgläubig und trotzig, und zusammen mit ihrer starken Naivität habe ich persönlich das oft als anstrengend empfunden.
Ich konnte auch nicht nachvollziehen, wieso sie plötzlich felsenfest an Elfen glaubt und daran, dass sie den Baum retten muss bzw. das auch besser kann als alle Einheimischen, die dafür seit Jahren kämpfen. Generell akzeptierte sie mir Dinge viel zu schnell und hinterfragte deutlich zu wenig. Manchmal hätte ich mir mehr - authentische - Skepsis und längere Akzeptanzprozesse gewünscht.

Generell hatte ich ein paar Problem damit, dass ich einige Handlungsaspekte nicht ganz glaubwürdig und logisch fand. Allen voran die Liebesgeschichte. Aron legt das klassische leicht toxische Bad-Boy-Verhalten vor, wirkte auf mich allerdings weniger düster und gefährlich, als vielmehr sehr launisch und ein wenig gemein. Er gab mir zumindest keinerlei Anlass, ihn zu mögen, aber Faye, die eigentlich gerade erst schlechte Erfahrung mit pseudo-coolen Typen gemacht hat, ist plötzlich hin und weg. 
Ich konnte die Liebesgeschichte nicht im Geringsten nachvollziehen, ebenso wenig wie Arons Motive und Gefühle. Nicht, dass die Liebesgeschichte nicht an sich Potenzial gehabt hätte, hier hätte ich mir einfach deutlich mehr Entwicklung und auch mehr gemeinsame Momente gewünscht.

Insgesamt blieben gerade die Nebencharaktere in meinen Augen eher blass. Der*die Antagonist*in war ziemlich stereotypisch ohne wirkliche Tiefe und mit einem in meinen Augen eher oberflächlichem Motiv, und als er/sie auch noch diabolisch zu lachen anfing, konnte ich persönlich ihn/sie leider nicht mehr ernst nehmen.
Generell war das Meiste auch relativ vorhersehbar, jedenfalls haben wir in der Leserunde alle wesentlichen Aspekte schon vorher längst erraten, und somit gab es auch keine wirklichen Überraschungen. Dabei trägt auch der Prolog dazu bei, dass man sich vieles schon zusammenreimen kann.

Würde man das Buch eher als Geschichte für jüngere Leser*innen betrachten (also ab ca. 11/12 Jahren), würde ich einen Teil meiner Kritikpunkte relativieren, denn dann wären die geringe Komplexität und die leicht vorhersehbare Handlung, die aber auch Mitraten ermöglicht, passender. Auch der Stil mit den oft persiflierenden Kommentaren und Fayes Verhalten würden vermutlich für Unterhaltung sorgen. So fehlten mir Tiefe und Ausarbeitung, eine authentische, reife Protagonistin und nachvollziehbare Handlungen.

Fazit: Vorhersehbare Fantasy-Geschichte mit einer tollen Kulisse, die aber zu wenig aus dem Potenzial der zugrundeliegenden Mythen macht. Die ausgeprägte Naivität der Protagonistin ist manchmal anstrengend und trägt gemeinsam mit dem sehr jugendlichen Schreibstil dazu bei, dass ich persönlich die Zielgruppe eher bei jüngeren Leser*innen sehe als der Verlag. Die meisten Charaktere und Motive bleiben eher blass und oberflächlich, und gerade die Liebesgeschichte wirkte auf mich alles andere als glaubwürdig.




Vielen Dank an Lovelybooks, den Verlag und die Autorin!


Quelle Cover & Klappentext: Loewe
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16 Kommentare

  1. Hallo Dana,

    mich hat das Buch total neugierig gemacht, aber bei der Verlosung hatte ich leider kein Glück. Nun bin ich aber teilweise froh, denn ich hatte auch schon die Befürchtung, dass ich für die Zielgruppe etwas zu alt geworden bin. Das Cover ist zwar unglaublich schön, aber aufgrund deiner Rezension werde ich wahrscheinlich nicht zu der Geschichte greifen.
    Dir wünsche ich noch einen schönen Start in die Woche!

    Liebe Grüße
    Emily

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    1. Hallo Emily,

      obwohl ich normalerweise relativ viel aus diesem Genre (Young Adult Fantasy) lese, hatte ich hier tatsächlich auch das Gefühl, zu alt geworden zu sein - bisher ging es mir nur bei "Dreamkeeper - Akademie der Träume" (Joyce Winter) so. In der Leserunde schieden sich auch ein bisschen die Geister, inwieweit Fayes Naivität jetzt authentisch ist oder nicht. Ich persönlich hätte bei einer 17-Jährigen mehr Reife erwartet. :/
      Aber du hast Recht, das Cover ist wirklich unglaublich schön!

      Danke, den wünsche ich dir auch! :)

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  2. Hallo Dana :)

    Erst mal vielen lieben Dank für deinen Besuch bei mir :) Ich glaube du warst sogar mein erster "Gast" :)
    Das dir das Buch nicht ganz so zusagt kann ich schon verstehen. Faye war mir teilweise auch zu naiv, trotzdem mochte ich die Geschichte. Vielleicht wirfst du mal einen Blick in "One True Queen", die Prota ist meiner Meinung nach viel "erwachsener" :)

    Liebe Grüße
    Sarah von Seitenzauberin

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    1. Hallo liebe Sarah,

      gerne, vielen Dank auch für deinen Kommentar. :)
      "One True Queen" ist tatsächlich ein Buch, das ich noch unheimlich gerne lesen will, einerseits weil die Geschichte ziemlich cool klingt, andererseits, weil ich die Autorin auch ganz gerne mag. Aber danke für den Tipp! ;)

      Liebe Grüße! :)

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  3. Hallo Dana,

    mich hat das Cover auch sehr neugierig gemacht! Ich dachte aber die ganze Zeit es wäre wirklich ein Kinderbuch, deshalb habe ich auch bisher gezögert :D Ich werde es mir in nächster Zeit also auch nicht kaufen, dafür warten noch zu viele andere Bücher im Regal.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Hallo liebe Sabrina,

      hm, offensichtlich hattest du ein besseres Gespür für den Stil als ich. :D
      Dann wünsche ich dir stattdessen ganz viel Spaß mit deinen anderen Büchern! ^^

      Liebe Grüße :)

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  4. Huhu :)

    Schade, dass es dir nicht so gefallen hat. Optisch hatte es mich ja schon ab der ersten Sekunde, aber das ist nun mal nicht alles. Von so klischeehaften Fantasy Geschichten habe ich auch schon seit längerem die Nase voll. Gerade Mythen und Island hätten mich ja echt gereizt, aber man hat ja eh schon zu wenig Zeit um alle tollen Bücher der Welt in einem Leben zu lesen - da kann man nicht noch so mittelmäßige Lektüren unterbringen finde ich :/

    Liebe Grüße
    Fina

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    1. Hallo Fina

      manchmal tut es mir leid, um die mittelmäßigen Bücher, die eigentlich auch gar nicht so schlecht sind, aber dieses Buch ist tatsächlich eins, das ich persönlich nicht empfehlen würde, auch wenn viele in der Leserunde es sehr gerne mochten und Fayes Naivität als autentisch betrachtet haben (wozu ich auch einen anderen Standpunkt vertrete).
      Manchmal habe ich tatsächlich Lust auf diese typischen 2012er-Fantasygeschichten, aber dann halt in guter Umsetzung und meist reißt es mich trotzdem nicht vom Hocker. ^^
      (Und ja, man bräuchte definitiv mehr Zeit zum Lesen. ^^)

      Liebe Grüße! ♥

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    2. Ja, von diesen mittelmäßigen Büchern hatte ich in letzter Zeit ja auch ein paar...
      Wo du 2012er Fantasy ansprichst ist mir erst bewusst geworden, wie sehr es diese Phasen gibt. Als ich damals begonnen habe intensiver zu lesen war gerade die "Dystopie" Phase mit Panem, die Bestimmung und so, und letzter Jahr war absolut die Zeit der Königreich Geschichten mit Fantasyelementen...witzig, dass es auch in der Buchwelt "Trends" gibt :D

      Liebe Grüße
      Fina

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    3. Ich glaube, man merkt einfach krass die Hypes. xD So nach Twilight kamen nur noch unscheinbares Mädchen kommt in einen neuen Ort/neuer Typ kommt an ihre Schule, trifft (diesen) düsteren, unheimlich gutaussehenden Typen mit Geheimnis und bla, dieser ist tendenziell irgendwas übernatürliches, wird dareingezogen, entdeckt, dass sie besonders ist - wir kennen es alle. Nach dem Panem-Hype dann die Dystopiewelle. Es ist aber schon interessant, nachzuverfolgen, wie eine Zeit lang immer Bücher mit ähnlichem Schema rauskommen. :D

      Liebe Grüße nochmal ^^

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  5. Hallo Dana,
    wie schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat. Ich kann deine Kritikpunkte nachvolliehen und kann mir vorstellen, dass es mir vielleicht auch Probleme gemacht hätte. Es ist bei Jugendbüchern immer nicht ganz so leicht zu beurteilen, ob es am eigenen Alter liegt oder an dem Aufbau an sich - finde ich persönlich. Manchmal fühle ich mich auch einfach schon zu alt für diese Geschichten, man selbst ist eben einfach reifer und erwachsener (was auch sien möchte, wenn man deutlich über dem Zielgruppenalter liegt), manchmal fehlt der Handlung aber trotzdem einfach was. Ich lese auch ganz gern mal Jugendbücher, in einigen finde ich die Charaktere dann auch zu naiv, wenn es aber zum Gesamtbild passt, ist es ja trotzdem irgendwie rund.
    Naja schwierig :D Ich werde "One True Queen" übrigens auch demnächst lesen und bin gespannt, ob es mir so geht, wie hier weiter oben beschrieben... ;)
    LG Dana

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    1. Hallo liebe Dana,

      ja, da hast du Recht. Ich fand es bei der Beurteilung auch extrem schwer zu entscheiden, ob ich einfach zu alt bin oder ob es an dem Buch liegt. Von daher habe ich mich ein bisschen an die Verlagsempfehlung und den Vergleich zu anderen Büchern, die ich lese und die dieselbe Zielgruppe haben, gehalten. Mit 20 bin ich ja eigentlich auch nur drei Jahre älter als die Protagonistin, von daher fiel es mir schwer, ihre doch recht ausgeprägte Naivität mit dem Alter zu entschuldigen.
      Zugegeben, ich tue mich mit naiven Charakteren generell schwer, aber ich les immer noch relativ viel im Jugendbuchbereich und mache eigentlich auch relatv viele gute Erfahrungen, trotz dass ich langsam der Zielgruppe entwachse. :D
      Ui, dann bin ich auch mal gespannt auf deine Meinung zu diesem Buch, das mich ja auch sehr anspricht. :D

      Liebe Grüße!

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  6. Hallo Dana!

    Schade, dass dich das Buch nicht so ganz überzeugen konnte. Ich mochte vor allem die Kulisse richtig gerne, aber inhaltlich gibt es auch für mich ein paar Kritikpunkte (die Rezension ist gerade noch in Arbeit). Anfangs wusste ich auch nicht so recht, ob es sich um ein Kinder- oder Jugendbuch handelt :D Deine Alterseinschätzung trifft es ziemlich genau. Für Jugendfantasy war das Buch teilweise doch etwas kindlich!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo liebe Lisa!

      Dann bin ich mal gespannt auf deine Rezension zu dem Buch!
      Die Kulisse war echt cool und durch die Beschreibungen auch sehr bildhaft. Es beruhigt mich ein bisschen, dass du es ähnlich empfunden hast, was die Kindlichkeit betrifft, ich hatte schon Angst, ich wäre einfach nur zu alt für das Genre geworden. ^^

      Liebe Grüße ♥

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  7. Hey Dana,

    das Buch hatte mich interessiert, aber auch nicht so sehr, dass ich es unbedingt lesen wollen würde. Nach deiner Rezension glaube ich eher, dass es nichts für mich ist, weil es zu kindlich ist. Und naive Protagonisten finde ich eigentlich fast immer angstrengend :D Aber ich kann mir gut vorstellen, dass jüngere Leser darauf einen ganz anderen Blick haben und es denen bestimmt gut gefallen könnte.

    Lg Callie

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    1. Hey Callie,

      mir fällt es auch immer schwer, mit naiven Protagonistinnen zurechtzukommen, gerade wenn das so ausgeprägt ist wie in diesem Buch. Aber das hast du in deinem letzten Satz gut auf den Punkt gebracht, ich glaube, für Zwölfjährige zum Beispiel wäre es ein tolles Buch. ^^

      Liebe Grüße :)

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