Montag, 26. August 2019

[Rezension] Thunderhead

"The end doesn't always justify the means, dear," she said. "But sometimes it does. Wisdom is knowing the difference." (Seite 364)

 
Autor: Neal Shusterman
dt.: Scythe - Der Zorn der Gerechten (2018)
Verlag: Simon & Shuster
Seiten: ca. 500
Erscheinungsdatum: 2018
ISBN: 978-1-4424-7245-7
Gebunden mit Schutzumschlag


Trilogie:
  • Scythe  [Rezension]
  • Thunderhead
  • The Toll (erscheint im November 2019)

! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZUM VORGÄNGER !


Inhalt:

Fast ein Jahr ist vergangen. Citra schwankt immer noch ein wenig zwischen ihrer Identität als Citra und ihrer Identität als Scythe Anastasia. Sie lebt weiterhin bei Scythe Curie, aber hat längst ihre eigene Methode gefunden, um ihren Job zu machen. Dabei ahnt sie nichts von der Gefahr, in der sie schwebt ...
Rowan hat sich eine zweite Identität als Scythe Lucifer geschaffen, indem er die Scythes tötet, die vom Weg abkommen. Scythe Curie warnt Citra davor, in ihm noch den Jungen zu sehen, den sie gekannt hat, und doch trifft sie sich immer noch mit ihm ...
Währenddessen wacht das Thunderhead über ihre Welt und beobachtet mit Sorge die Entwicklungen in dem Scythedom, in die er nicht eingreifen darf. Es sei denn, es findet einen Weg ...

Äußere Erscheinung:

Die finde ich immer noch genauso cool wie beim ersten Teil, zumal ja nur Farbe und Details geändert wurden.

Meine Erwartung:

Ich mochte den ersten Teil sehr und wollte deswegen natürlich weiterlesen. ^^

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, warum, aber ich bin bis zum Ende davon ausgegangen, dass das Ganze eine Dilogie ist. Klarer Fall von Fehlinformation, weshalb ich am Ende doppelt ins kalte Wasser geschmissen wurde. Der dritte Teil erscheint jedenfalls im Herbst, und wie ich es bis dahin überleben soll, weiß ich nicht, aber dazu später.

Dieser Teil geht weitaus mehr auf den Thunderhead ein, was sich allein schon darin bemerkbar macht, dass die kurzen Passagen zwischen den Kapitel Auszügen aus seinen ... Gedanken darstellt. Ich muss sagen, ich seh künstliche Intelligenz an sich kritisch und grundsätzlich kommt die in Büchern auch nie gut weg, weswegen ich misstrauisch war. Auf der anderen Seite sieht sich das Thunderhead aber auf der Seite der Menschen und gerade auch auf Citras Seite. Durch die Regeln darf es nicht in die Angelegenheiten der Scythe eingreifen, auch wenn es weitaus informierter ist als die Charaktere, sodass es nach Möglichkeiten sucht, das Gesetz zu umgehen.
Ich fand all das gerade auch aus ethischer Sicht ziemlich interessant. Es werden Fragen aufgeworfen und behandelt, wie die, wie weit das Wissen des Thunderheads reicht, welche Stellung Moral hat, inwieweit er über Gefühle verfügt, was in seiner Macht liegt. Wenn totale Überwachung nicht missbraucht wird, ist sie dann gut? Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, wie sich das in dem Abschlussband weiter entwickelt.

Aber auch die Angelegenheiten der Scythes sind natürlich ein Thema, ihre Politik, vor allem aber die wachsende Spaltung zwischen denen, die nach den alten Prinzipien leben, und denen, die Freude am Töten entwickeln. Auch hier finde ich die damit verbundenen aufgeworfenen moralischen Fragen sehr interessant - gibt es überhaupt ein moralisch gutes Töten? Wie soll man vorgehen? Welche Bedeutung hat der Tod in einer Welt, in der Unsterblichkeit die Norm ist? Angesichts der Tatsache, wie leichtfertig Unfälle geschehen, Menschen miteinander umgehen und Jugendliche sich von Hochhäusern stürzen, erschreckt die Bedeutungslosigkeit des Todes.
Umgekehrt stellt sich bei den Scythes auch die Frage des Machtmissbrauchs und wie der unterbunden werden kann. Und so wurde mir im Laufe des Lesens zunehmend bewusst, dass ein natürlicher Tod gar nicht mal so scheiße ist.

"[...] That's exactly what the scythedom is: high school with murder." (Seite 344)

Citra und Rowan sind mittlerweile zwei Jahre älter als zu Beginn des ersten Bandes und doch sind sie damit erst 18. Nichtsdestotrotz wirkten beide weitaus älter auf mich, was angesichts der Ereignisse auch durchaus nachvollziehbar ist. Ich fand es beeindruckend, wie diese die beiden geprägt haben, wie sich beide weiterentwickelt haben. Sie haben nur noch wenig mit den eher unsicheren Teenagern gemein, sondern sind selbstsicherer, selbstbewusster und wissen, was sie wollen. In diesem Teil sind die beiden in erster Linie aber getrennt voneinander, dadurch, dass er sich verstecken muss.

Ich fand es interessant, wie es bei Citra den Kontrast zwischen ihrer Identität als Citra und als Scythe Anastasia gibt, und wie dies auch durch die Nutzung durch den Erzähler ausgedrückt wird. Sie hat ihre ganze eigene Methode des Gleanings gefunden, die ich ziemlich faszinierend fand. Auf der anderen Seite steht Rowan, der ebenfalls ein unheimlich faszinierender Charakter ist, nicht zuletzt, weil man sich auch als Leser*in nie so ganz sicher ist, was für ein Mensch er ist. Wie sehr ist er von Hass und Wut geprägt? Ist sein Mitgefühl, das er am Anfang des ersten Bandes gezeigt hat, noch vorhanden? Ich persönlich fand es jedenfalls nicht immer leicht, ihn einzuschätzen, obwohl ich ihn mögen wollte.

Darüber hinaus habe ich auch den Charakter von Scythe Curie mehr und mehr ins Herz geschlossen. Dadurch, dass auch von ihr ein tiefgründiges Bild einer Legende mit Reue, mit einer jungen Liebe, mit Ängsten und Sorgen gezeichnet wird, wird sie sehr greifbar, und ich mochte ihre Weisheit und Gelassenheit. Wobei ich auch Scythe Faraday mag.

Was ich an der Reihe bisher auch mag, ist, wie wenig Raum die Liebesgeschichte einnimmt. Natürlich kann man umgekehrt auch kritisieren, dass diese nur beiläufig stattfindet, dass große Gefühle, Drama, all das abwesend sind. Vermutlich steht das auch in Verbindung mit dem  Schreibstil, der die Ereignisse nicht wirklich emotional, sondern schlicht und wertfrei darstellt, logisch, kalkulierend, und die Charaktere in erster Linie in den Dialogen sprechen lässt.
Ich habe festgestellt, dass dieses Buch unheimlich süchtig gemacht hat. Ich wollte eigentlich nur ein Stündchen lesen und mich dann meinen Aufgaben widmen, aber ich konnte einfach nicht aufhören, ich war gefesselt, wollte weiterlesen, ich hing an den Seiten. Und dieses Ende. Und überhaupt, ich habe nicht das Gefühl, dass die Handlung vorhersehbar ist, im Gegenteil. Der Autor wusste mich immer wieder zu überraschen und zu schockieren, sodass ich jetzt dem Abschluss entgegensehne und gespannt darauf bin, wie diese Trilogie endet.

Fazit: Eine gelungene, sehr fesselnde und spannende Fortsetzung voller Plottwists, die moralische Fragen aufwirft und die sich auch weiterhin durch äußerst vielschichtige und tiefgründige Charaktere mit Entwicklung auszeichnet, die mir teilweise sehr ans Herz wuchsen. Gleichzeitig nimmt die Liebesgeschichte eher wenig Raum ein, während sich die Handlung mehr auf die Konflikte im Scythedom konzentriert.


4 Kommentare

  1. Hallo liebe Dana,
    ich habe den ersten Band von Scythe gelesen und gerade das, was du über die vielen Fragen, die die Geschichte aufwirfst, erzählst, hat mich auch in diesem Teil sehr angesprochen. Was den zweiten Band angeht, habe ich jetzt zwei sehr unterschiedliche Meinungen gehört. Eine Leserin meinte, es gab einige "Hängerchen" in der Geschichte, ein anderer Leser war durchweg begeistert. Ich habe beschlossen, ich werde mir eine eigene Meinung bilden. Deine Worte haben mich in dieser Entscheidung noch einmal bestärkt. Ich freue mich, dass du so viele schöne Lesestunden mit diesem Buch hattest <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo liebe Tanja,

      es freut mich, dass ich dich neugierig machen konnte, und ich hoffe, der zweite Band kann dich genauso überzeugen wie mich!
      Meine Erwartung war vermutlich auch ein wenig anders, weil ich die ganze Zeit dachte, es wäre schon der Reihenabschluss und so den Spannungsbogen anders wahrgenommen habe, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es Hänger gegeben hätte. Ich hoffe, dir geht es genauso. :D

      Ganz liebe Grüße!

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  2. Liebe Dana,
    jetzt hast du es entgültig geschafft^^ Nun MUSS ich es echt bald wiederlesen. Deine Rezi ist super und ich habe wieder richtig Lust auf das Re-Read. Auch vielen Dank für die Info das der letzte Teil bald herauskommt. Uff, darauf freue ich mich echt sehr :)

    Ich wünsche dir tolle Lesestunden :)
    Sarah

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    1. Hallo liebe Sarah,

      hah, Ziel erreicht! ;D
      Ich brauch unbedingt den dritten Teil. Meine Nerven! ;)

      Danke, die wünsche ich dir auch! :)

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