Dienstag, 3. September 2019

[Kurzvorstellung] The Sign of Four

There was, to my mind, something eerie and ghostlike in the endless procession of faces which flitted across these narrow bars of light - sad faces and glad, haggard and merry. Like all humankind, they flitted from the gloom into the light and so back into the gloom once more. (Seite 22)


Autor: Arthur Conan Doyle
dt.: Das Zeichen der Vier
Verlag: Penguin Books
Seiten: ca. 150
Erscheinungsdatum: 1890
ISBN: 978-0-241-95296-2
Taschenbuch


Sherlock Holmes-Reihe:
  • A Study in Scarlet  [Kurz-Rezension]
  • The Sign of Four
  • The Adventures of Sherlock Holmes
  • The Memoirs of Sherlock Holmes
  • The Hound of Baskerville
  • The Return of Sherlock Holmes
  • The Valley of Fear
  • His Last Bow
  • The Case-Book of Sherlock Holmes



Diese Buchvorstellung spoilert im Übrigen nicht den ersten Band, da es sich jeweils um zwei völlig unabhängige, abgeschlossene Fälle handelt. ^^

In diesem Buch tritt die junge Frau Mary Morstan an Sherlock Holmes heran, der sich gerade aus Langeweile wahlweise Kokain- oder Opiumspritzen in den Arm jagt. Nach dem  Verschwinden ihres Vaters und dem Tod dessen besten Freundes einige Jahre später erhält sie mysteriöse Post. Und schon macht sich Sherlock daran, dieses Geheimnis mit seiner ganz eigenen Genialität zu lösen.

Watson ist hier schon mal aktiver als noch im letzten Band, immerhin darf er Sherlock jetzt auch mal begleiten und trägt etwas zur Handlung bei. Generell - auch wenn das etwas altertümliche Englisch nicht immer einfach ist (nicht zu vergleichen allerdings mit den Goethe-Zitaten auf Deutsch, bei denen ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob Google-Übersetzer nicht doch eine nicht irrelevante Rolle gespielt hat ^^), steht der Unterhaltungswert deutlich im Fokus. Und obwohl ich sonst keine Krimis lese, ist es ganz unterhaltsam zu verfolgen, wie Sherlock auf seine überhebliche, amüsante Art die Verbrechen löst, die unlösbar erscheinen - vorhersehbar war es für mich jedenfalls nicht. Dabei ist das Buch aufgrund seiner Kürze auch recht kurzweilig.
Was mir ebenfalls sehr gefallen hat, wie eigentlich auch schon beim ersten Teil, ist, dass man das Handeln des Antagonisten nachvollziehen kann, ja, fast schon mit ihm fühlt. Arthur Conan Doyle gelingt es, eine Hintergrundstory zu schaffen, die das Handeln definitiv erklärt.

Was ich aber als ziemlich unerträglich empfand, war der stets präsente Rassismus in diesem Buch, das einen Bezug zum kolonialistischen Indien hat, wo der Vater von Mary Morstan gedient hat. Nicht-Europäer*innen werden abertend als "Wilde" betitelt, Angehörige einer indigenen Gemeinschaft wie eine Vogelrasse im Lexikon nachgeschlagen. Das alles begleitet von höchst abwertenden Zuschreibungen wie barbarisch, minderbemittelt, animalisch, unkontrolliert, kanibalisch. Selbstredend spiegelt sich darin der Geist der Zeit wieder, der der Autor entstammt, aber damit ist das Buch nicht weniger von rassistischen und kolonialistischen Ansichten geprägt, was es nicht einfach macht, manche Stellen zu lesen.
Irgendwann fing ich an, darüber nachzudenken, ob ich die Reihe deswegen noch weiterlesen will oder nicht. Nicht, dass ich den Autor noch damit unterstützen würde und das hat man halt irgendwie davon, wenn man ein Buch von 1890 eines weißen Engländers liest, aber ... Mich würde interessieren, was eure Meinung dazu wäre.

Sexistisch ist Sherlock übrigens auch noch - generell werden Frauen als zutiefst empfindliche Wesen dargestellt, denen man bloß die blutigen Details ersparen soll, sonst könnte das auf das zarte Gemüt schlagen. Und trauen sollte man Frauen auch bloß nicht! -,-

Fazit: Unterhaltsames Leseereignis mit einem nachvollziehbaren Motiv, das lediglich durch historisch bedingte kolonial-rassistische und sexistische Ansichten getrübt wird.
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