Samstag, 7. September 2019

[Rezension] Forever - Das ewige Mädchen


Autorin: Rebecca Hamilton
Übersetzer: Ralph Sander
amerik. Originaltitel: The Forever Girl (2012)
Verlag: Darkiss
Seiten: 415
Erscheinungsdatum: November 2013
ISBN: 978-3-86278-839-2
Taschenbuch mit Klappenumschlag; 12,99€


Reihe:
  • Forever - Das ewige Mädchen
  • amerik.: Come the Dark


Inhalt:

Die zweiundzwanzigjährige Sophia ist es leid, dass sie in der Gerüchteküche der Kleinstadt, in der sie lebt, das Thema Nummer Eins ist und alle sie für eine Hexe halten. Doch vor allem nerven sie die unverständlichen Stimmen in ihrem Kopf, die sie seit ihrem achtzehnten Geburtstag hört. Bei ihren Nachforschungen findet sie heraus, dass ihre Vorfahrin als Hexe verbrannt worden ist - hat sie es mit einem Fluch zu tun? Als Sophia eines Abends mit ihrer Freundin Ivory ausgeht, wird sie in eine Welt übernatürlicher Wesen hineingezogen ...

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch, glaube ich, am Anfang meiner Bloggerzeit mal gesehen und fand es kurz interessant, mittlerweile hatte es mich aber längst nicht mehr angesprochen. Dann lag es allerdings bei meiner Mutter rum und ich lieh es spontan aus. Ich habe keine überragende Geschichte erwartet, aber schon auch nichts Schlechtes. Fantasy nach bekannten Mustern, aber mit interessantem Plot und unterhaltsamem Schreibstil vielleicht.

Äußere Erscheinung:

Ja, äh, reden wir nicht von diesem typischen Mädchengesichtcover.

Meine Meinung:

Das Buch erinnert von Anfang an an eine x-beliebige Fantasystory dieser Art und ich wurde negativ darin überrascht, nachdem ich anhand des Klappentextes eher einen Plot mit Hexen erwartete als, na ja, das Übliche, was so 2013 rauskam. 

Sophia ist die typische zweiundzwanzigjährige Jungfrau. Praktizierende Wicca (immerhin das war interessant), abgeschlossenes Geschichtsstudium. Kein Job und arbeitet als Aushilfe im Diner.

Sie hat nur zwei Freundinnen (von denen eine allerdings lesbisch und die andere zur Hälfte japanisch ist, was immerhin ein kleiner Diversity-Pluspunkt ist), ist mit ihrer radikal religiösen Mutter zerstritten und von dem Vater wird lediglich geredet. Plus übernatürliches Problem und Familiengeheimnis.
Sie hat jetzt auch nicht wirklich Tiefe aufgebaut. So ganz verstanden habe ich ihre Entscheidungen ab einem bestimmten Punkt der Geschichte nicht mehr, ihr Verhalten wechselte irgendwie ständig und sie war dauer-ahnungslos und schutzbedürftig. Dabei war ihr Auftreten an sich durchaus selbstsicher und sie verfügt auch über einen leichten Humor, der zumindest ein wenig Unterhaltung in den Schreibstil brachte, der ansonsten auch nicht überragend war.

Ich muss zugeben, zwischenzeitlich hat mich das Ganze ein wenig an Twilight erinnert. Nicht konkret, aber in ein, zwei Details und ein, zwei Erzählmustern. In jedem Fall hat der Love Interest anscheinend zumindest anfänglich einen Crashkurs bei Edward im Stalken gemacht. Er tauchte auf als der typische creepige Typ, dessen einziges Merkmal daraus besteht, dass er unglaublich gutaussehend ist und die obligatorischen schwarzen, perfekt sitzenden Hemden trägt. (Bügeln solche Typen die eigentlich selbst? Ist ein Bügelkurs Pflicht bei dieser Laufbahn?)
Er ist das Klischee des düsteren, geheimnisvollen, gefährlichen, aber attraktiven Typen, ansonsten aber halt auch so farblos wie ein Blatt Papier. Ich konnte mir zwischenzeitlich nicht mal seinen Namen merken. Dafür wurde ständig sein Geruch nach Vanille, Moschus und Sandholz (wonach riecht das überhaupt?) erwähnt.

Sein einziger Pluspunkt ist vielleicht, dass er Sophia nicht wie den letzten Dreck behandelt, sondern durchaus respektvoll. Ansonsten faselt er abwechselnd was von auf jeden Fall fernhalten und dann irgendwas von Vertrauen und in ihrer Nähe sein wollen. Ich hatte jedenfalls keine Ahnung, was er jetzt wollte.

Macht euch nichts vor, das Buch ist reinste Romantasy. Das ist jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsgenre, aber bei guter Umsetzung habe ich da auch schon gute Bücher entdeckt. Hier habe ich die Liebesgeschichte allerdings als sehr anstrengend empfunden, und da diese achtzig Prozent des gesamten Buches ausmacht ...
Ich kapierte dieses ganze Hin und Her und überhaupt die Pseudo-Konflikte auch nicht. Irgendwie wollen sie zusammen sein und irgendwie nicht und er will keine Lösung und sie sucht trotzdem eine, aber dann heißt es, das geht nicht, und trotzdem hängen die 24/7 zusammen ab? Auch dank der Zeitsprünge hatte ich das Gefühl, alle relevanten Entwicklungen verpasst zu haben. Die Interaktionen fand ich höchstens kitschig und die Konflikte riefen bei mir nur Augenverdrehen hervor.


Ich muss ehrlich sagen, nach zweihundert Seiten habe ich immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen. Keine Ahnung, wieso ich weitergelesen habe. Masochismus oder vielleicht wollte ich auch einfach nur wissen, welche Zusammenhänge hier geliefert werden. 
Nach dem ersten Drittel plätschert die Handlung ein Weilchen einfach nur so vor sich hin. Es passiert literally nichts (also, abgesehen von der Liebesgeschichte und den nicht dramatischen Konflikten, die außerdem nur gelegentlich mal angeschnitten werden). Außer irgendwelcher undefinierter, aber anscheinend nicht präsenter Gefahren ist quasi auch nichts da, was überhaupt Spannung aufbauen könnte. Am Ende wird dann noch mal spontan ein Show Down aus dem Hut gezaubert, mit allerlei offener Fragen für die Fortsetzung.

Die Zeitsprünge von meist mehreren Wochen bis Monaten tragen auch nicht gerade dazu bei, dass Spannung aufgebaut wird oder man ein besseres Verständnis von dem entwickelt, was geschieht. "Joa, das ist jetzt so seit Monaten" - ach, und ich dachte, es gäbe akute Probleme. Wohl nicht.
Mag auch daran liegen, dass Sophia mit dem Typen abhängt und alles andere danach in den Hintergrund tritt. Freundinnen, Mutter, selbst die fanatische Mrs Franklin mit ihren Drohbriefen - alles auf einmal zweitrangig. Genauso die Stimmen, deren Problematik in den Hintergrund tritt und die irgendwann nur noch als fahle Art dienen, den Plot voranzutreiben

Zwischendurch gibt es so pseudomäßiges Foreshadowing, das aber auch nicht wirklich gelungen ist und sich in immer wieder demselben Aufbau verirrt. Manche davon verlaufen auch einfach im Sand. Never mind.

Ich habe die Handlung auch einfach nicht verstanden. Die Geschehnisse wirkten willkürlich und ergaben für mich oft überhaupt keinen Sinn, die Zusammenhänge wirkten konstruiert und vieles an den Haaren herbeigezogen. Dazu ein komplexes World Building, bei dem ich auch nicht immer so ganz mitkam. Und teilweise machten die Geschehnisse einfach null. Sinn. Nada.

Nicht, dass die Geschichte nicht an sich Potenzial gehabt hätte, zumindest in manchen Aspekten. Ein, zwei Nebencharaktere zeigen auch durchaus Ansatz für Tiefe. Aber die meiste Zeit dachte ich bei Wendungen nur noch "Bitte was?!".

Fazit: Die Handlung ergab für mich keinen Sinn und plätschert lange auch nur vor sich hin, ohne dass irgendwas geschieht. Die Liebesgeschichte steht im Zentrum, war für mich aber ebenso unverständlich und anstrengend. Der Love Interest ist klischeehaft und farblos, den meisten anderen Charakteren fehlt es ebenso an Tiefe. Viele anfängliche Konflikte treten hinter der Liebesgeschichte in den Hintergrund und werden nur noch halbherzig oder gar nicht mehr thematisiert.

2 Kommentare

  1. Hallöchen Dana, =)

    dieses Buch habe ich tatsächlich auch eine ganze Weile besessen, da es mich aber irgendwann so gar nicht mehr gereizt hat, habe ich es verschenkt. Wenn ich deine Rezension lese, bin ich über meine Entscheidung mehr als froh.

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Hallo liebe Ally,

      ich hatte eigentlich auch echt keinen mega hohen Erwartungen daran, aber im Endeffekt hat es mich leider echt enttäuscht. :D Von daher denke ich nicht, dass du da was verpasst hast. ^^

      Liebe Grüße! :)

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