Donnerstag, 17. Oktober 2019

[Reihenrezension] Magnus Chase and the Gods of Asgard


Autor: Rick Riordan
Verlag: Disney Hyperion
Taschenbuch-Schuber
Trilogie



1.) The Sword of Summer

dt.: Das Schwert des Sommers 
ursprüngl. Erscheinungsdatum: Oktober 2015
Seiten: ca. 500
ISBN meiner Ausgabe: 978-1-4231-6337-4





2.) The Hammer of Thor

dt.: Der Hammer des Thor
ursprüngl. Erscheinungsdatum: Oktober 2016
Seiten: ca. 470
ISBN meiner Ausgabe: 978-1-4231-6338-1


 


3.) The Ship of the Dead

 dt.: Das Schiff der Toten
ursprüngl. Erscheinungsdatum: Oktober 2017
Seiten: ca. 430
ISBN meiner Ausgabe: 978-1-368-02444-0



Inhalt:

Seit dem Tod seiner Mutter vor zwei Jahren lebt Magnus Chase auf der Straße. Eindringlich hat sie ihn damals davor gewarnt, seinem in nordische Mythologie versessenem Onkel zu trauen, doch genau der sucht ihn nun auf einmal und behauptet, Magnus' Vater sei ein nordischer Gott gewesen. Die Ereignise überschlagen sich und Magnus stirbt - doch das ist erst der Anfang ...

Äußere Erscheinung:

Ich habe - mal wieder - auf den Taschenbuchschuber von Disney Hyperion gewartet, mit den unglaublich coolen Covern von John Rocco. Wie eigentlich bei allen Reihen, die ich von Rick Riordan besitze. Und wie immer finde ich diese Cover auch einfach sehr cool. ^^

Meine Erwartung:

Ich brauch doch eigentlich nicht mehr zu erwähnen, dass ich ein großer Fan von Percy Jackson bin, oder? Vor zwei Jahren habe ich auch endlich "The Heroes of Olympus" gelesen und war ebenfalls begeistert, und die Kane Chroniken mochte ich auch sehr gerne.
Trotzdem war ich mir lange nicht ganz sicher, ob ich die Magnus Chase-Trilogie lesen möchte. Es gab einige kritische Stimmen, die der Reihe vorwarfen, nichts Neues mehr hervorzubringen und quasi Percy Jackson zu wiederholen, deswegen war ich skeptisch, aber ... na ja, es ist immer noch Rick Riordan, und dann hat mich auch die immer wieder gepriesene Diversität gereizt und auch den Umstand, dass es um nordische Mythologie geht, die ich bisher nur aus den Marvel-Filmen (rückblickend betrachtet hat da die Mythologie maximal als Inspiration gedient) und vielleicht noch aus "Fenrir" von Asuka Lionera kannte.

Meine Meinung:

Hinweis: In Magnus Chase werden sowohl Percy Jackson als auch The Heroes of Olympus in einigen Aspekten gespoilert und es gibt Anspielungen auf Trials of Apollo (inwieweit da gespoilert wird, kann ich nicht beurteilen, weil ich ToA noch nicht gelesen habe ^^).

Mal ganz abgesehen von der Handlung wurde mir schon auf den ersten Seiten klar, dass allein Rick Riordans so typischer und eigener Schreibstil eigentlich schon Grund genug ist, diese Bücher zu lesen. Ich liebe seinen Stil einfach, der vor Sarkasmus und Humor tropft und dazu führte, dass ich mitten in einem Bus voller Menschen einen lautlosen Lachflash hatte. Die Wortspiele, die ironischen Kommentare des Protagonisten, alles - dieser Stil ist absolut einzigartig, brachte mich immer wieder zum Lachen und allein deswegen lohnt es sich schon, diese Trilogie zu lesen, denn der Unterhaltungswert ist einfach enorm hoch.

Ich muss allerdings zugeben: Ja, auch für mich ist das nicht Rick Riordans beste Reihe. Allerdings fürchte ich auch, dass eigentlich nichts mehr so ganz an die Percy Jackson-Reihe herankommen wird, die für mich in Bezug auf Handlungs- und Charakterentwicklung einfach ein absolutes Meisterwerk ist. Ich habe den Fehler gemacht, zwischendurch, zwischen dem ersten und zweiten Band, Percy Jackson zu re-readen, wodurch ich zwangsläufig feststellte, dass diese Entwicklungen in dieser Trilogie nicht so genial sind.
Ich hatte das Gefühl, dass die Charaktere bei Percy Jackson zum Beispiel noch ein Stück tiefgründiger und individueller sind. Dass sich sowieso alles mehr entwickelt. Und nicht zuletzt hat Rick Riordan bei seinen anderen Reihen meist einen Plotbogen, der sich über alle Bände erstreckt, während hier der erste Band eigentlich fast alleine stehen könnte (was umgekehrt natürlich super ist, wenn man einfach mal einen Teil ausprobieren will).

Umgekehrt - den Vergleich zu Percy Jackson zu ziehen passierte mir automatisch, ist aber nicht fair, weil das eine absolute Lieblinsgreihe ist und Magnus Chase diesen Vergleich nur verlieren kann. Es ist eine eigenständige Reihe mit einem anderen Protagonisten und zudem auch nur mit drei statt fünf Bänden. Und auch andere Kritikpunkte konnte ich nur bedingt nachvollziehen.
Ich meine, klar, in gewisser Weise wiederholen sich einige Handlungsaspekte - die ganze Struktur mit einer Quest und so weiter. Allerdings ist das meiner Meinung nach auch ein bisschen dem Genre geschuldet - ich erwarte bei einem Regionalkrimiautoren ja auch nicht, dass sein neuster Krimi sich auf einmal um die spirituelle Pilgerreise eines ausgestopften Hasens dreht. Magnus Chase ist eben ebenso wie die anderen Bücher von Rick Riordan ein Fantasyabenteur für Leser*innen im Alter von etwa zwölf Jahren.

Dass ich Percy vermisse, wenn ich kurz vorher Percy Jackson re-reade, ist auch ganz meine Schuld. Irgendwie finde ich es ja auch wieder cool, wie Rick Riordan alle seine Mythologien in einem Universium ansiedelt. Und dadurch, dass Magnus der Cousin von Annabeth ist, gibt es auch immer mal wieder kurze Berührungspunkte, auch wenn es trotzdem Magnus' Geschichte bleibt und nicht zu einem Crossover mutiert
Und ja, Magnus ähnelt Percy in einigen Aspekten - Sarkasmus, Planlosigkeit und nicht zuletzt der enormen Loyalität. In anderen wiederum nicht - Magnus ist zum Beispiel alles andere als ein Krieger und kann auch nicht besonders kämpfen, was für einen Protagonisten einer Fantasygeschichte mal eine interessante Abwechslung ist.

Rick Riordan erfindet hier das Rad nicht neu und in puncto plot und character development schneidet diese Trilogie im Vergleich zu seinen anderen Reihen vielleicht (aber auch nicht zwingend) etwas schwächer ab, aber nichtsdestotrotz enhält sie spannende Abenteuer und hat vor allem auch eine starke Sogwirkung, sodass ich oft gefesselt an den Seiten hing.

Ansonsten ist natürlich auch die Einwebung der nordischen Mythologie unglaublich cool. Man merkt dem Autor mal wieder die intensive Recherche an und lernt so quasi nebenbei extrem viel. Gleichzeitig macht aber auch die humorvolle Umsetzung, bei der die Götter auch ein wenig persifiliert werden, Rick Riordans Stil aus. Was ungeheuer zu der persönlichen Erheiterung beitragen kann und wohl leider auch dazu führt, dass ich entsprechende Bilder nie wieder aus dem Kopf kriege und bei dem Gucken der Thor-Filme künftig vermutlich durchgängig kichern werden. ^^

Was für mich aber auch noch ein extrem wichtiger Grund ist, diese Trilogie zu lesen, und wofür ich sie geliebt habe, ist die Repräsentation, die Diversität. Weil wow. Ich kann das Ganze jetzt natürlich nur unter dem Gesichtspunkt beurteilen, dass ich selbst relativ privilegiert bin und die meisten Marginalisierungen nicht teile, weshalb ich die Authentizität und angemessene Umsetzung nur eingeschränkt beurteilen kann. Aber auf mich wirkte das alles unglaublich gelungen.
Ich hatte das Gefühl, Rick Riordan vermittelt einerseits das Bild, dass es vollkommen normal ist, dass Menschen unterschiedlich und divers sind und stellt das so selbstverständlich da, dass klar wird, wie schön eigentlich Vielfältigkeit ist. Andererseits vernachlässigt er aber auch potenzielle Diskriminierungen nicht, sondern spricht auch diese zwischendurch an - ohne die Handlung davon bestimmen zu lassen. Repräsentation ist enorm wichtig und ich wünschte, es gäbe mehr solcher Bücher. (Und ja, mir ist bewusst, dass ich selbst auch einfach mehr solcher Bücher lesen muss.)

Um ein paar Beispiele zu nennen: Es gibt People of Color. Es gibt einen Charakter, der genderfluid ist, und ich muss leider zugeben, es ist der erste, den ich kenne.
Es gibt einen Charakter, der gehörlos ist. Die Kommunikation über ASL (American Sign Language) wird wie selbsverständlich in das Buch eingewoben, dennoch werden Einschränkungen beziehungsweise Diskriminierungen nicht vernachlässigt - und dennoch wird der Charakter nicht über seine Gehörlosigkeit definiert, sondern bringt auch sonst immer wieder einen wertvollen Anteil zum Geschehen und ist zudem auch noch enorm tiefgründig. (Vielleicht sogar der tiefgründigste Charakter von allen?)
Dann ist einer der Charaktere eine Muslima, die Hijab trägt und religiös ist, was - entgegen aller diskiminierender und islamfeindlicher Vorurteile - sie nicht davon abhält, eine Kriegerin zu sein. Für sie sind die nordischen "Götter" nur mächtige Wesen, über denen Allah immer noch drüber steht, was vielleicht auch so ein bisschen daran erninnert, wie Chiron im ersten Percy Jackson-Band damals meinte, "God with a capital G" könne er nicht erklären, aber es gehe um "gods". 

Wie gesagt, ich habe diese Repräsentation, diese Vielfalt geliebt. Diese Aspekte werden nie vergessen und immer wieder eingebracht, trotzdem werden die Charaktere nicht darüber definiert, auch wenn es ein Teil von ihnen ist. Auf mich wirkte es auf jeden Fall absolut gelungen.

Fazit: Rick Riordan erfindet vielleicht das Rad nicht neu und hat stärkere Reihen in Bezug auf Plot- und Charakterentwicklungen, dennoch besticht dieses fesselnde Fantasyabenteuer durch die unterhaltsame Einwebung nordischer Mythologie, dem für den Autor typischen sehr humorvollen und sarkastischen Schreibstil, der immer wieder zum Lachen bringt, und vor allem auch durch die, soweit ich das beurteilen kann, sehr gelungene Diversität der Charaktere, bei denen u.a. ein gehörloser und ein genderfluider Charakter sowie eine Muslima zur Repräsentation beitragen.



4 Kommentare

  1. Huhu Dana,

    "Percy Jackson" ist bisher meine einzige Reihe von Rick Riordan, aber die mochte ich sehr gerne. :D Und weil ich absoluter Fan der germanischen Mythologie bin, steht von allen Rick Riordan Büchern "Magnus Chase" ganz oben auf meiner WuLi. :D Und vielleicht liegt PJ bei mir mittlerweile so lange zurück, dass ich nicht so viel vergleichen würde. Dass in dem Genre nicht allzu viel Neues auftaucht, ist mir auch klar. :)

    Schöne Grüße
    Alica

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Alica,

      wobei "Magnus Chase" sowohl Percy Jackson als auch Helden des Olymp spoilert, also solltest du vielleicht HdO erst lesen, das ist auch eine tolle Reihe. :D Ich finds eigentlich auch ganz cool, dass seine Bücher aufeinander aufbauen und in derselben Welt spielen, aber halt trotzdem eigenständige Charaktere haben. Es war eben nur ein Fehler, direkt dazwischen Percy Jackson zu re-readen. xD

      Liebe Grüße ♥

      Löschen
    2. Hm, okay, also muss ich mir doch mal den englischen Schuber von den Helden des Olymp holen, der schon seit gefühlten Jahrzehnten auf meiner WuLi steht. XD Und danach denn Magnus Chase, denn mich selbst spoilern mag ich nicht. :P Ich finde es auch ganz cool, wenn Reihen verknüpft sind - Cassandra Clare macht das ja ganz stark - aber dass man dann aufpassen muss, in welcher Reihenfolge man liest, ist schon etwas anstrengend. XD

      Löschen
    3. Musst du auf jeden Fall, es ist eine tolle Reihe!! *o*
      Ja, stimmt schon, zumal es hier nicht direkt handlungsrelevant ist. Andererseits ist Annabeth eben auch seine Cousine und es ist auch ganz cool, das zeitlich einordnen zu können. ^^

      Löschen

Nachrichten zaubern ein Lächeln ins Gesicht! ♥
Ich freue mich über jeden Kommentar, gebt einfach eure Meinung/ Kritik/ etc. zu dem Post ab. Ich antworte in der Regel auch. :)

-- Datenschutz: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass Daten von dir zwecks der Zuordnung des Kommentares verarbeitet und gespeichert werden. Von dir eingegebene Formulardaten (und ggf. personenbezogene Daten wie deine IP-Adresse) werden dabei an Google-Server übermittelt. Für weitere Informationen zur Datenverarbeitung s. Datenschutzerklärung und die Datenschutzerklärung von Google. --