Donnerstag, 12. Dezember 2019

[Film-Review] Portrait de la jeune fille en feu


dt.: Das Porträt einer jungen Frau in Flammen
Drehbuch & Regie: Céline Sciamma
Produktion: Bénédicte Couvreur
FSK: 12
Laufzeit: 120 Minuten
Frankreich 2019


Inhalt:

18. Jahrhundert, Bretagne: Die junge Héloïse (Adéle Haenel) muss nach dem Tod ihrer Schwester aus dem Orden zu ihrer Mutter (Valeia Golino) zurückkehren und heiraten. Dafür soll ein Porträt von ihr angefertigt werden, doch die junge Adelige weigert sich, dafür zu sitzen. Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) erhält nun die Auftrag, Héloïse bei ihren Spaziergängen zu begleiten und heimlich zu malen. Dabei kommen sich die beiden näher ...



Eigentlich ist Charlie Schuld daran, dass ich diesen Film geschaut habe. :D (Und nicht, dass er den Preis für das bestes Drehbuch in Cannes erhalten hat.) Dann bin ich spontan ins Kino gegangen und jetzt bin ich rettungslos verliebt. ^^

Der Film ist hauptsächlich von Frauen gemacht und Männer tauchen nur am Anfang und am Ende kurz auf. Und mir ist einfach mal aufgefallen, wie viel Raum Männer sonst einnehmen in Filmen. Klar, über der Handlung schwebt Héloïses drohende Zwangsheirat, aber davon abgesehen spielen Männer keine wirkliche Rolle und das ist ungewohnt entspannt.
So entspannt, dass ich, als nach bestimmt 100 Minuten das erste Mal wieder ein Typ auftauchte, genervt war und wollte, dass er wieder verschwindet. xD

Genaugenommen wird die Handlung überhaupt nur von 3-4 Charakteren getragen: Héloïse, Marianne, der Zofe Sophie (Luàna Bajrami) und der Mutter. Und dabei ist es unglaublich schön, mitzuverfolgen, wie unkompliziert sie miteinander umgehen - ohne unnötige Konflikte, die anstrengend sind, aber bei Filmen so oft auftauchen,
Stattdessen spricht die Mutter mit Marianne offen über ihre Sorgen. Und die Freundschaft zwischen Héloïs, Marianne und Sophie habe ich geliebt. Trotz der Standesunterschiede gehen die drei offen miteinander um, sitzen zusammen in der Küche und spielen Karten oder Sophie stickt, während Héloïse Gemüse schneidet.
Kein Zickenkrieg, keine unnötigen Konflikte, nichts. Und das macht extrem Spaß, sich anzugucken.

Generell hatte ich das Gefühl, dass unnötige Dramen, die man in jedem Film erwarten würde, vermieden würden. Stattdessen kommunizieren die Personen dann eben auch mal miteinander, sind stark und akzeptieren auch mal Dinge. Und dabei stellte ich fest, wie stressig dieses ganze Aufhebens doch manchmal ist, dass Charaktere in manchen Filmen so oft machen.

Dabei ist der Film künstlerisch angehaucht und zeichnet sich auch dadurch aus, dass es fast keine Filmmusik und oft sehr lange Einstellungen gibt, sowie oft auch eher wenige Dialoge, die dafür dann aber umso gelungener sind. Was aber meiner Meinung nach nur dazu beiträgt, die Emotionen der Charaktere und die Entwicklung der Beziehung umso gelungener darzustellen. Man spürt quasi selbst die Intensität der Blicke zwischen Héloïse und Marianne. Ich bekam zwischendurch  eine Gänsehaut und auch sonst konnte mich der Film emotional definitiv bewegen.
Nicht unbeteiligt daran ist natürlich auch die Leistung der Schauspielerinnen, denen es eben gelingt, diese Emotionen so authentisch, nachvollziehbar und intensiv rüberzubringen, oft allein durch ihren Blick.

Fazit: Ein Film, der überwiegend von Frauen gemacht wird und fast ohne Männer als aktive Handlungspersonen auskommt, was auf erfrischende Weise zeigt, wie viel Raum Männer oft in Filmen einnehmen. Besonders schön ist dabei die Freundschaft und Solidarität zwischen den Frauen. Die einfühlsame Geschichte wird mit langen Kameraeinstellungen, fast gar keiner Filmmusik und gelungenen Schauspielleistungen auf emotionale Weise erzählt, sodass die intensive Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen spürbar wird.

Quelle Plakat: Pyramide Films

4 Kommentare

  1. Hallo liebe Dana,
    der Film sagte mir bis eben noch gar nichts. Ich muss sagen, dass ich bei deinen Worten, dass es keine Filmmusik, nur wenig Dialoge und lange Einstellungen gibt, etwas skeptisch war. Andererseits: Es ist mal etwas anderes und deine Begeisterung spricht für sich. Bei deinen Worten über die fehlende männliche Rolle,habe ich mich gefragt, ob ich jemals gezielt über die Besetzung nachgedacht habe. Ich glaube ... nicht (?) Bestimmt wirkt es im ersten Moment ungewohnt, einen Film nur mit Frauen in den Rollen zu sehen und dann auch irgendwie erfrischend anders. Du hast mich gerade sehr neugierig auf den Film gemacht.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo liebe Tanja,

      er ist durchaus künstlerisch angehaucht, aber ich finde, wenig Dialoge und Musik klingt erst merkwürdig, wird aber absolut gelungen umgesetzt. Und ja, ich fand den Film toll und kann ihn absolut empfehlen. ;)
      Mir ist beim Schauen auch aufgefallen, wie selbstverständlich es für mich, dass vor allem die wichtigen Rolle oft männlich besetzt sind, trotz dass ich da auch zunehmend unter dem Gesichtspunkt von z.B. dem Bechdel-Text drüber nachdenke. Umso ungewohnter aber auch cooler war es, hier mal nur weibliche Rollen zu haben, was ein ganz neues Feeling schafft. ^^

      Ganz liebe Grüße ♥

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  2. Hallo liebe Dana,

    sehr schön und auch interessant, dass ein Film mit kaum Männern so gut ankommt. Deine Begeisterung ist auf jeden Fall sehr ansteckend. Danke für´s neugierig machen.

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Hallo liebe Ally,

      sehr gerne, es freut mich, dass ich dich neugierig machen konnte, und ich kann den Film nur empfehlen! :)

      Liebe Grüße!

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