Donnerstag, 5. Dezember 2019

[Rezension] Neon Birds


Autorin: Marie Graßhoff
Verlag: Lübbe
Seiten: 463
Erscheinungsdatum: 27.11.2019
ISBN: 978-3-404-20000-9
Taschenbuch; 15,00€ 


Trilogie:
  • Neon Birds
  • Cyber Trips (erscheint voraussichtlich am 27.03.2020)
  • Beta Hearts (erscheint voraussichtlich am 28.07.2020)


Klappentext:

Es ist das Jahr 2101. Ein außer Kontrolle geratener technischer Virus verwandelt Menschen in hyperfunktionale Cyborgs, die dem Willen der künstlichen Intelligenz KAMI gehorchen. In Sperrzonen eingepfercht, werden sie von Supersoldaten bekämpft, die man weltweit als Stars feiert. Doch die Mauern beginnen zu bröckeln. Sekten beten KAMI als Maschinengott an. Und während der Kampf zwischen Menschheit und Technologie hin und her wogt, versuchen vier junge Erwachsene, den Untergang ihrer Zivilisation zu verhindern ...

Äußere Erscheinung:

Ich finde das Cover schon sehr schön und es passt auf jeden Fall zu dem futuristischen Setting. Was ich aber extrem cool fand, waren die Illustrationen meist von den Protagonist*innen, die sich zwischendurch in dem Buch befanden und die man teilweise auch auf dem Instagram-Account der Autorin findet.

Meine Erwartung:

Ich behaupte immer, dass Science Fiction gar nicht so mein Genre ist und ich künstliche Intelligenz gar nicht mag, und dann les ich doch dauernd wieder Bücher dazu. Dieses Buch hat mich von dem Klappentext her auch erst gar nicht mal so angesprochen, dann habe ich aber in die Leseprobe hineingelesen und war instant gefesselt, sodass ich mich dann in der Lesejury auf ein Exemplar in der Leserunde bewarb und zu meiner Freude eins erhielt - vielen Dank an dieser Stelle dafür!

Meine Meinung:

Das Buch hält sich nicht mit langen Einleitungen auf, sondern steigt sofort in die Geschehnisse ein und legt voller Spannung los. Das führte in meinem Fall dazu, dass ich von Anfang an gebannt an den Seiten hing und sofort in der Story drin war.
Umgekehrt muss man sich als Leser*in natürlich auch in einer fremden, futuristischen Welt orientieren. Dabei gibt es zwischendurch immer mal wieder Akten und Dokumente, die die Informationen gebündelt vorstellen, gleichzeitig werden diese aber auch in die Gesprächen  geschickt eingewoben und ergänzen und wiederholen sie somit, so dass ich das Gefühl hatte, die relevanten Informationen zu verstehen, ohne dass ein Info Dump auftrat.

Das Setting ist dabei ziemlich interessant und wirkt bisher sehr durchdacht. An manchen Stellen mutet diese Zukunftsversion fast utopisch an - als Reaktion auf die Folgen des Klimawandels wird Naturschutz großgeschrieben und die Menschen ernähren sich vegan, es gibt eine Weltregierung, die angeblich alle Menschen gleichbehandelt, und technologische Erweiterungen wie Cyber Trips (quasi Beamen). Aber schnell wird deutlich, dass nicht alles immer so hübsch ist, wie es aussieht.
Umgekehrt kämpft die Welt mit einer künstlichen Intelligenz (KI) und einem Virus, der über die Luft übertragen wird und Menschen (und Tiere!) in emotionslose, von dieser KI gesteuerte Wesen - Mojas - verwandelt, die die Menschheit auszulöschen drohen. Der Virus und die KI werden in Schutzzonen gefangengehalten, doch reicht das nicht, um sie in Schach zu halten ...
Ein sehr düsteres Zukunftsszenario also, das für mich weitgehend logisch erklärt wurde und in dem ich ungern leben würde. ^^ Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, wie das in den Folgebänden weiter entwickelt wird.

Hatte ich Angst, die Spannung könnte nach dem starken Beginn abflachen, so wurde ich beruhigt, denn das war keineswegs der Fall. Stattdessen machte die Geschichte in gewisser Weise süchtig, kann überraschen und war für mich weitgehend unvorhersehbar. Gerade der Schluss ist nochmal ein richtiger Cliffhanger, der gespannt auf die Fortsetzungen macht, die glücklicherweise beide schon im nächsten Jahr erscheinen.
Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass das Ende zwar sehr spannungsgeladen ist, mir aber fast ein wenig zu hektisch war und mir manche Sachen zu schnell abgehandelt wurden, was aber auch einfach nur ein persönlicher Eindruck sein kann.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von vier Protagonist*innen erzählt. Ich muss zugeben, dass ich kein Fan von vielen Perspektiven bin und somit zwischendurch ein wenig genervt war, wechseln zu müssen, gerade, wenn es an anderer Stelle spannender war.
Insgesamt waren mir alle vier sympathisch, dennoch mochte ich Flover und Luke am meisten. Flover ist ein Soldat einer geheimen Elite-Einheit und durch seinen Job abgehärtet. Dennoch geht das nicht so spurlos an ihm vorbei, wie es scheint. Sein Mitbewohner Luke wirkt dagegen wie ein eher gewöhnlicher Student, doch auch er hat seine Geheimnisse. Gerade die Beziehung zwischen den beiden Freunden ist extrem süß und ja, eventuell habe ich die beiden sehr in mein Herz geschlossen. :D

Daneben haben wir dann noch Okijen und Andra. Okijen ist ein ehemals gefeierter Soldat, der sich aus dem Militär zurückgezogen hat und eigentlich nur seine Ruhe haben will, jetzt aber wieder mit reingezogen wird. Andra stammt aus einer Siedlung, die abseits der übrigen Zivilisation und näher an der Natur lebte, nun aber von Mojas angegriffen wird.
Was alle Protagonist*innen gemeinsam haben, ist, dass sie sehr menschlich wirken, Ängste und Schwächen haben und dadurch sehr authentisch rüberkommen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass unnötige Dramen und Konflikte zwischen den Charakteren vermieden werden, zum Beispiel trifft Okijen irgendwann seine Exfreundin und obwohl die beiden nonstop streiten, wird schnell klar, dass sie sich trotzdem nicht abgrundtief hassen, sondern auch normal miteinander reden können.

Was mich allerdings ein bisschen irritiert hat, ist, dass Flover und Okijen als absolute militärische Helden in krassen Positionen gepriesen werden und ich sie dafür ein wenig jung fand. Gerade bei Okijens Darstellung hatte ich lange das Bild eines alten Veterans oder meinetwegen eines Typen, der mindestens Mitte 30 ist, im Kopf, nur um dann damit konfrontiert zu werden, dass er erst Anfang 20 ist, obwohl das halbe Militär ihm zu Füßen liegt. Auch Flover ist erst 19, aber schon Captain und anscheinend auch irgendwie mega der Überflieger.
Zwar wird später erklärt, warum viele Soldat*innen so jung sind und die Charaktere verhalten sich ansonsten in aller Regel auch entsprechend ihres Alters, dennoch war das sehr verwirrend und nicht ganz nachvollziehbar. Andererseits ist das eben auch ein Jugendbuch und daher ist es verständlich, dass die Protagonist*innen sich dann wieder in dem Alter ihrer Zielgruppe befinden.

Fazit: Durchgehend und von Anfang an sehr spannende Science Fiction-Story mit einem düsteren und nachvollziehbar erklärten Zukunftsszenario, aber auch mit utopischen Elementen. Die actionreiche Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von vier authentischen und sehr sympathischen Protagonist*innen mit Stärken, Ängsten und Schwächen erzählt. Der Cliffhanger am Ende stimmt neugierig auf die Fortsetzungen, allerdings ist der Schluss dabei auch ein wenig hastig.




Vielen Dank an die Lesejury und den Verlag!


Quelle Cover & Klappentext: Luebbe

10 Kommentare

  1. Huhu Dana,

    nun bin ich noch gespannter auf die Reihe, aber ja, ich warte ab, bis alle Bände erschienen sind, da das ja eh recht zeitnah sein wird. :D
    Das "Problem" mit den jungen Protagonisten hatte ich zuletzt bei "Six of Crows". Wenn die gefühlt schon alles wissen und richtig Einfluss haben, ist es irgendwie mega unlogisch, dass sie erst 17 oder so sind. :'D

    Liebe Grüße
    Alica <3

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    1. Hallo liebe Alica,

      wenn ich mir so das Ende angucke, ist das tatsächlich gar nicht mal so eine schlechte Strategie. xD
      Ich meine, bis zu einem gewissen Grad ist das durchaus okay, weil Jugendbuch und manche großen Persönlichkeiten der Geschichte waren auch nicht älter (Alexander der Große, looking at you), aber verwirrend war es trotzdem ... Zwischendurch hätten sich schon zwei, drei Jährchen mehr logischer angefühlt, aber letztendlich haben sie sich durchaus ihrem Alter entsprechend verhalten. ^^

      Liebe Grüße ♥♥

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  2. Hallo liebe Dana,
    ich dachte ja auch eine zeitlang, dass ich SciFi-Romane so gar nicht lesen kann. Aber dann habe ich ein Buch gelesen, was mich eines besseren belehrt hat. Und danach kam ein weiteres. Mittlerweile stehe ich diesem Genre nicht mehr so skeptisch gegenüber. Es ist halt immer die Sache, wie eine Idee letztlich umgesetzt wird.
    Die vielen Ideen, die die Autorin in Neon Birds eingeflochten hat, klingen auch schon sehr spannend. Ich drücke die Daumen, dass du ganz bald die Fortsetzungen in den Händen halten und weiterlesen kannst :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo liebe Tanja,

      letztendlich gibt es ja auch innerhalb des SciFi-Genres nochmal Unterschiede und du hast Recht, die Umsetzung spielt definitiv auch eine Rolle. Klassischer Weltraum-SciFi stehe ich vermutlich immer noch ein bisschen skeptisch gegenüber, andererseits steht "A Long Way to a Small, Angry Planet" auch noch auf meiner Wunschliste. ^^
      Es sind auf jeden Fall sehr interessante und auch gesellschaftskritische Ideen, die in diesem Buch umgesetzt wurden, und die Fortsetzungen erscheinen ja zum Glück beide bis Juli nächsten Jahres.

      Ganz liebe Grüße ♥

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  3. Huhu liebe Dana,

    vielen lieben Dank für deine tolle Rezension *-* Das Buch klingt genau nach meinem Geschmack, KIs und alles, was mit Science Fiction zu tun hat, finde ich im Buchbereich wirklich ziemlich spannend! Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und doch bleiben die meisten Stories irgendwie in der Realität verhaftet. Mit einem etwas hastigen Ende kann ich definitiv leben - das Buch bleibt auf meiner Wunschliste!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo liebe Lisa,

      gerne doch, es freut mich, dass ich dich darin bestärken konnte, dieses Buch zu lesen! Ich hatte gar nicht mal so hohe Erwartungen daran und wurde extrem überrascht, da ich das Buch im Endeffekt wirklich sehr gerne gelesen habe, gerade auch dank der Charaktere. *_*
      Und wenn du KI spannend findest, dürfte dieses Buch definitiv etwas für dich sein, die Idee dahinter ist wirklich sehr spannend. Ich hoffe, es kann bald bei dir einziehen und bin schon gespannt, wie deine Meinung dann aussieht!

      Liebe Grüße ♥

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  4. Huhu liebe Dana,

    das Buch ist auch auf meiner Wunschliste, da es echt gut klingt. Und das was du schreibst, bestärkt mich darin, dass es mir bestimmt gefallen wird. Ich lese auch sehr gerne Bücher, die aus mehreren Sichten geschrieben sind, da das meist die Spannung noch erhört bzw. ich immer weiter lesen möchte.

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Hallo liebe Ally,

      vielen Dank für deine vielen Kommentare! ♥

      Ich fand dieses Buch auch echt gut und kann es dir auch durchaus empfehlen. Und wenn dich verschiedene Sichten nicht stören, ist das nur umso besser, auch wenn ich da ja manchmal ein wenig Probleme mit habe. ;)

      Liebe Grüße! ♥

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  5. Hallo liebe Dana,

    (ich merke gerade wie hinterher ich ~mal wieder~ mit allem bin, aber hi)

    Ich muss ja sagen, ich hatte "Neon Birds" überhaupt nicht auf dem Schirm, aber irgendwie reden jetzt alle darüber und das Cover sind unglaublich cool aus (kein Grund but u know) und es klingt einfach wie eine Geschichte, die mir zu 100 % gefallen könnte.

    Deine Rezi hat mich darauf auf jeden Fall total darin bestärkt :D

    Liebe Grüße
    Aileen

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    1. Hallo liebe Aileen,

      oh, I feel you, danke auf jeden Fall für die vielen Kommentare! ♥

      Es freut mich auf jeden Fall, dass ich dich neugierig machen konnte. xD Ich hätte das Buch auch nicht unbedingt auf den Schirm gehabt, hätte ich die Leserunde nicht entdeckt, und wie gesagt, der Klappentext hat mich auch nicht direkt angesprochen, aber in der Leseprobe habe ich mich dann ein wenig verliebt und so entdeckt man manchmal Geschichten, die man mag und fast übersehen hätte. xD Wenn du es liest, bin ich auf jeden Fall gespannt auf deine Meinung! ^^

      Liebe Grüße! ♥

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