Mittwoch, 8. Januar 2020

[Serien-Review] The Boys - Staffel 1

© & Quelle: Amazon Prime

basierend auf der gleichnamigen Comicvorlage von Darth Ennis und Darick Robertson
Idee: Eric Kripke
Produktion: Eric Kripke, Evan Goldberg, Seth Rogen, Hartley Goldenstein
Regie: Philip Sgriccia, Daniel Attias, Eric Kripke, Jennifer Phang, Stefan Schwartz, Matt Shakman, Frederick E. O. Toye, Dan Trachtenberg
FSK: 16
Serie; Staffel 1; 8 Folgen (je etwa 1 Stunde)
USA 2019


Inhalt:

In einer Welt, in der Superheld*innen öffentlich dafür gefeiert werden, die Menschheit bzw. vor allem die USA vor Verbrechen zu schützen, muss Hughie (Jack Quaid) ansehen, wie seine Freundin Robin (Jess Salguiero) dadurch stirbt, dass der Superheld A-Train (Jessie T. Usher) durch sie hindurchrennt. Als Billy Butcher (Karl Urban) an ihn herantritt und ihm anbietet, Rache zu bekommen und die Superheld*innen zur Verantwortung zu ziehen, zögert er erst - und stimmt dann doch zu ...
Etwa zur gleichen Zeit erhält Annie (Erin Moriarty) als Superheldin Starlight die Möglichkeit, zu den Seven, den größten Superheld*innen, zu gehören. Doch schnell sieht sie sich damit konfrontiert, dass diese Welt alles andere als heldenhaft ist, und muss sich nach ihrer Rolle darin fragen ...



Ich habe damals eine Vorstellung dieser Serie bei der lieben Aleshanee entdeckt und sie dann auf meine Watchlist gesetzt. Düster, schwarzer Humor und Action klangen genau nach meinem Geschmack. Trotzdem dauerte es dann ein bisschen, bis ich es endlich schaffte, mir die Serie auch anzusehen.

Und was soll ich sagen? Auf eine verdrehte Weise habe ich mich in die Serie verliebt, was in allererster Linie an dem Humor liegt. Und ich sag's gleich: Das ist keine Serie, die jede*r mögen wird, denn der Humor ist sehr eigen, sehr düster, sehr schwarz. Er lebt davon, dass Dinge ins Absurde getrieben werden, was für mich einfach auch das Satirische an dem Ganzen darstellt. 
Das geht schon mit der Anfangsszene los, in der Hughie mit seiner Freundin an der Straße steht, sie ein winziges Stück auf der Straße, beide verliebt vor sich hinsäuseln und dann der Superheld, der der schnellste Mann der Welt ist, durch sie hindurchrennt, mitten im Satz, und man für einen Augenblick splattermäßig blutige Einzelteile fliegen sieht. Das ist schlichtweg nicht für jede*n was und auch den Humor wird nicht jede*r verstehen. Ich fand ihn stellenweise aber einfach nur genial, und genau deswegen mochte ich die Serie. (Was das jetzt über mich aussagt, will ich nicht beurteilen. :D)

Und ja, die Serie ist düster, sie ist brutal, sie ist gewaltvoll und manchmal splatterhaft, was ich aber alles auch so ein bisschen unter Satire verorten würde. Satire, und zwar von den landläufigen Superheld*innen-Stories, allen voran Marvel und DC. Die Ähnlichkeit von Queen Maeve (Dominique McElligott) mit Wonder Woman oder von The Deep (Chace Crawford) mit Aqua Man drängt sich quasi auf, und Homelander (Antony Starr) wirkt sowieso wie eine Kreuzung aus Superman und Captain America.
Dabei nimmt allein schon das Konzept die übliche Vorstellung von Superheld*innen als strahlende, unbefleckte und selbstlose Altruisten, auf die Schippe, ähnlich vielleicht wie "Steelheart" von Brandon Sanderson (der ja wegen seiner Homophobie in Kritik steht, weswegen ich nur den ersten Teil gelesen habe und dazu tendiere, ihn nicht weiter unterstützen zu wollen).

Stattdessen sind die Superheld*innen hier eben relativ verdorbene Charaktere, die aber faszinierenderweise gleichzeitig nicht als Psychopath*innen dargestellt werden, sondern als Personen mit Gefühlen und Schwächen, was extrem interessant ist und dem Ganzen eine gewisse Tiefe verleiht. Sie treten öffentlich zwar als Retter*innen und Held*innen auf, sind aber oft eigentlich macht- und ruhmsüchtig, egositisch, arrogant und manipulativ.
Manipulativ wie auch die Firma, die dahinterhängt und gerade politisch auch extrem viel Einfluss ausübt. Zwischendurch ist es ziemlich witzig, wie alle sich gegenseitig manipulieren und erpressen. ^^

Aber auch sonst werden Klischees durch den Kakao gezogen. Es gibt zum Beispiel eine wunderbare Szene, in der Annie ein Treffen mit Marketing-Menschen haben, die ihr altes Outfit (allein diese Outfits xD) gegen ein neues eintauschen wollen, das, wie das bei Superheldinnen oft typisch ist, extrem viel Haut zeigt und sexualisiert ist. Als sie sich dagegen wehrt, wird argumentiert, dass das super feministisch weil empowernd sei, und Annie ruft einfach nur fassungslos aus: "How is that feminist?!" (True, Annie.)
Oder generell wirkt es teilweise fast lächerlich, wie alles voll von Merchandise ist, die Superheld*innen in jeder Werbung auftreten, eigene Spielfilme haben, die Vorbilder von Kindern sind, sich politisch einmischen usw.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass Vergewaltigungen ein ziemlich zentrales Motiv sind, das dem Ganzen zwischendurch einen etwas bitteren Beigeschmack gibt, auch wenn es skandalisiert und problematisiert wird.

Die Zusammensetzung der Hauptcharaktere ist auch extrem witzig, allein schon, weil Billy einen englischen und Frenchie (Tomer Capon) einen französischen Akzent haben. Und ja, man muss zugeben, dass die Hauptpersonen sehr männlich dominiert sind, was man der gesamten Serie auch anmerkt. Und was schade ist, zwar ist Starlight durchaus eine Frau, die Handlungsmacht übernimmt, steht damit aber auch relativ alleine da. Allerdings - anscheinend wurden immerhin schon ein paar Charaktere, die in der Comicvorlage noch männlich waren, in der Serie von Frauen gespielt. (Wobei ich selbst die Comicvorlage nicht kenne.)
Bei den Hauptfiguren zeigt sich dieser typische Humor auch darin, wie verpeilt die Charaktere manchmal sein können und wie stumpf das rübergebracht wird, ohne, dass das in einer Fremdschämnummer landet. Sie vergeigen Dinge manchmal genial (oft das, was in Filmen seltsamerweise meist immer funktioniert, auch hier ist es irgendwo Satire) und kriegen dann doch irgendwie die Kurve, und genau darin lag für mich ein gewisser Unterhaltungswert.

Insgesamt lebt die Serie von einer gewissen Skrupellosigkeit und Kaltblütigkeit der Charaktere auf beiden Seiten, die man vermutlich bis zu einem gewissen Grad auch mit Humor nehmen muss. Und es ist splatterhaft, Menschen sterben blutig (und oft absurd) und manche Szenen sind auch durchaus irgendwie ekelig. Wie gesagt, Absurdität und schwarzer Humor. Wenn man das nicht darin sieht, na ja, dann ist es vermutlich schlecht.
Ansonsten mochte ich persönlich die Filmmusik, die Dialoge und habe mich einfach durchaus unterhalten gefühlt. Geschrieben wurde das Ganze übrigens von Eric Kripke, dem Schöpfer von "Supernatural" - und für die Fans dieser Serie gibt es mindestens ein kleines Easter Egg.

Fazit: Die Serie lebt von ihre schwarzen Humor und der Absurdität, die man teilen bzw. verstehen muss, um den Unterhaltunsgwert darin zu sehen. Satirisch werden vor allem Superheld*innen-Stories hinterfragt und manchmal splatterhaft umgesetzt. Überraschend weisen auch die verdorbenen Charaktere dabei dennoch auch eine gewisse Tiefe auf.

8 Kommentare

  1. Hey! Freut mich sehr dass du dir die Serie angeschaut hast -und dass du auch so begeistert bist wie ich :D

    Das ist sicher keine Serie für jeden, aber mich hat sie total gefesselt. Gerade durch die heftigen Szenen und Entwicklungen sitzt man wie gebannt davor xD
    Männerdominiert ist sie, auf eine gewisse Art, sie heißt ja auch "The Boyz" ;) Aber neben Starlight gibts ja noch die "Chefin" - keine Ahnung mehr wie sie heißt - die alles in der Hand hat und die Fäden zieht, auch ein sehr genialer Charakter.
    Genauso wie das Mädel das später dazukommt.

    Jetzt hoffe ich nur dass es auch bald mit der nächsten Staffel weitergeht!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Aleshanee,

      danke noch mal für den Tipp! ;)

      Ja klar, es ist nur schade, weil die meisten Filme und Serien gerade in diesem Genre extrem männerdominiert sind und wenn es dann nur zwei bis drei weibliche Hauptcharaktere unter vielen gibt, ist das schon ein wenig traurig. Aber alles andere als unüblich.

      Ich bin auch schon sehr gespannt auf die nächste Staffel!

      Liebste Grüße :)

      Löschen
  2. Hallo liebe Dana,
    auch ich bin auf den Post von Aleshanee angesprungen und habe die Serie mit meinem Mann geschaut. :D Daher kann ich sowohl ihre wie auch deine Einblicke dazu sehr gut nachvollziehen. Im Laufe des Jahres soll die zweite Staffel anlaufen. Wir sind schon sehr gespannt.
    Ganz liebe Grüße, Hibi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Hibi,

      es freut mich, dass dir die Serie anscheinend auch gefallen hat. :) Und ich kann mich euch nur anschließen: Ich freue mich auch schon auf die nächste Staffel!

      Ganz liebe Grüße zurück :)

      Löschen
  3. Hallo liebe Dana,
    vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Auf die Serie bin ich auch schon aufmerksam geworden. Von der Anfangsszene habe ich schon gehört. Ich bin mir nicht sicher, wie ich diese Szene beim Angucken wahrgenommen hätte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob mir der brutale Stil zusagen würde. Düster, schwarzer Humor und Action sind auf jeden Fall Punkte, die auch meine Neugierde schüren.

    Ich denke ich muss mir vermutlich einfach mal die ersten Folgen anschauen, um mir eine eigene Meinung zu bilden.

    Du hast mich mit deiner Filmrezension auf jeden Fall neugierig gemacht und ich freue mich, dass dir die Serie gefallen hat :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Tanja,

      hm, vielleicht könntest du einfach mal reingucken und sehen, wie dir der Stil gefällt. :D Ich finde es auch relativ schwierig, ihn zu beschreiben, gerade weil dieses brutale doch auch irgendwie wieder ironisch genutzt wird.
      Aber wenn du mal reinschaust, wäre ich gespannt, wie sie dir gefällt!

      Ganz liebe Grüße ♥

      Löschen
  4. Hallo Dana,
    ich bin überhaupt kein Seriengucker (hab weder Netflixe, noch Prime oder sonst irgendwas in die Richtung) und auch mein Fernseher ruht inzwischen schon seit 1 1/2 Jahren ungenutzt (außer viellicht 2-3 DVD zwischendurch)
    Aber deine Begeisterung für die Serie springt trotzdem ein bisschen über. Düster und mit speziellem Humor klingt nach einer interessanten Mischung und ich finde es auch gut, dass du direkt sagst, es ist sicher nichts für jeden und eben auch sehr brutal usw. Mich würde das jetzt nicht abschrecken, aber wie gesagt, ich gucke im Grunde gar nichts und habe auch nicht vor,das im Moment zu ändern. War aber trotzdem neugierig, was du so zu berichten hast :)
    LG Dana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Dana,

      ich gucke tatsächlich vergleichsweise wenig Serien, von daher kann ich das nachvollziehen. xD Es freut mich aber, dass meine Begeisterung rüberkommt! :)

      Liebe Grüße ♥

      Löschen

Nachrichten zaubern ein Lächeln ins Gesicht! ♥
Ich freue mich über jeden Kommentar, gebt einfach eure Meinung/ Kritik/ etc. zu dem Post ab. Ich antworte in der Regel auch. :)

-- Datenschutz: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass Daten von dir zwecks der Zuordnung des Kommentares verarbeitet und gespeichert werden. Von dir eingegebene Formulardaten (und ggf. personenbezogene Daten wie deine IP-Adresse) werden dabei an Google-Server übermittelt. Für weitere Informationen zur Datenverarbeitung s. Datenschutzerklärung und die Datenschutzerklärung von Google. --