Donnerstag, 13. Februar 2020

[Reihenvorstellung] Die Chroniken der Verbliebenen 1-3



Autorin: Mary E. Pearson
amerik.: The Remant Chronicles
Verlag: One
Gebunden mit Schutzumschlag; 18,00€



Der Kuss der Lüge


amerik. Originaltitel: The Kiss of Deception (2014)
Seiten: 559
Erscheinungsdatum: 16.02.2017
ISBN: 978-3-8466-0036-8

Das Herz des Verräters


amerik. Originaltitel: The Heart of Betrayal (2015)
Seiten: 527
Erscheinungsdatum: 16.02.2017
ISBN: 978-3-8466-0042-9









Die Gabe der Auserwählten


amerik. Originaltitel: The Beauty of Darkness (2017)
Seiten: 349
Erscheinungsdatum: 26.10.2017
ISBN: 978-3-8466-0052-8




Hinweis: Der dritte Band wurde im Deutschen auf zwei Teile aufgesplittet, hier fehlend und von mir noch nicht gelesen ist der finale Band "Der Glanz der Dunkelheit".  



Klappentext Band 1:

Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch das Mädchen entscheidet sich, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Sie flieht und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sich zu beiden hingezogen ... 



Ich habe die Reihe lange gar nicht lesen wollen, aus dem einfachen Grund, dass der Klappentext stark nach Liebesdreieck klang und ich Liebesdreiecke hasse. Aber das Buch war ja quasi überall und alle meinten, nee, lies es trotzdem, und dann war ich bei meinen Eltern und nutzte die Gelegenheit, um die ersten drei Bände dort auszuleihen.

Surprise: Es gibt ein Liebesdreieck. Und ich war tierisch genervt davon und kann deswegen immer noch nicht so ganz sagen, wie ich die Reihe eigentlich fände, wenn ich davon mal absehe. Aber fangen wir von vorne an:
Der erste Band besteht zu einem großen Teil aus einem Ratespiel, welcher der beiden jungen Männer, die Lia kennenlernt, der Attentäter und welcher der Prinz ist. Auch der*die Leser*in erhält zwar immer mal wieder Passagen aus der Sicht von beidem, trotzdem sind die so verfasst, dass das nicht daraus hervorgeht und man selbst miträt, während Lia keine Ahnung hat. Darauf baut sich ein Großteil der Spannung auf und an sich war es auch echt cool.

Wobei ich ein wenig stolz war, dass ich am Ende mit meiner Vermutung richtig lag. Und tatsächlich gibt es an einer Stelle einen Gedanken, der für mich deutlich das erstmals bestätigte, weil der andere das nicht gedacht hätte, aber gut, es lässt sich auch leicht überlesen (ich habe nur sehr begeistert Sherlock gespielt xD).

Ich hatte auch von Anfang an einen klaren Favoriten und zu meiner Freude schien Lia meine Einschätzung zu teilen. Ich hatte schon ernsthafte Hoffnungen, das mit dem Liebesdreieck könnte sich erledigen, aber ... mir gefallen Andeutungen und Entwicklungen in den Folgebänden nicht. Und ich finde es doppelt anstrengend, wenn sich die Protaginistin eigentlich schon entschieden hat, aber sich dann plötzlich doch wieder die Möglichkeit auftut, den anderen zu nehmen, was einfach viel zu viel sinnloses Drama ist, das auch hier nicht notwendig wäre, weil es genug andere Spannungsträger gibt. Mir drängte sich zwangsläufig der Gedanke auf, wie viele schöner und entspannter es wäre, wenn auch einfach mal eine Freundschaft möglich gewesen wäre.
Mit anderen Worten: Die Reihe zeigte mir mal wieder, warum mir Liebesdreiecke eigentlich so sehr auf den Keks gehen und warum ich normalerweise zu Recht solche Bücher meide.

Wenn man davon mal absieht, war Lia mir an sich durchaus auch irgendwie sympathisch. Ich wurde insofern überrascht, als dass ich eine etwas naive, unerfahrene Prinzessin erwartet hätte, die vor ihrer Hochzeit flieht, und stattdessen zwar eine Prinzessin kennenlernte, allerdings eine mit einem sehr starken Charakter. Lia ist sich nicht zu fein, selbst anzupacken, sie ist intelligent, entschlossen und weiß, was sie will. Sie legt falsche Spuren und hat mit ihren Brüdern auch sonst ein paar hilfreiche Dinge gelernt, und kommt dadurch überraschend bodenständig rüber.
Gleichzeitig hat sie einen leicht rebellischen Charakter und wurde als Prinzessin jahrelang gezielt von ihrem Vater und dessen Kanzler unterdrückt, wogegen sie sich immer wieder auflehnte und dadurch zum Beispiel gelernt hat, relativ unauffällig zu schleichen.

Sie hat also ein paar praktische Erfahrungen, die allerdings authentisch sind, weil sie in dem Rahmen bleiben. Ihre Handlungen wirken oftmals impulsiv und gefühlsgeladen, gleichzeitig zeigt sie im Verlauf der Reihe, dass sie dabei auch taktisch vorgehen kann, nicht bereit ist, die Hände in den Schoß zu legen und dafür auch versucht, andere zu täuschen. Sie lässt sich nichts gefallen und pocht auf ihre Eigenständigkeit. Manchmal kommt sie so doch ein wenig trotzig rüber, weil sie immer ihren eigenen Willen durchziehen und von niemandem in dieser Freiheit einschränken lassen will, aber ich schätze, das ist Ansichtssache.

Was die anderen Charaktere angeht ... Die anderen beiden männlichen Protagonisten mochte ich beide, auch wenn ich den einen wie gesagt lieber in der Funktion eines Freundes sehen würde und die ständige Eifersucht zwischen den beiden anstrengend fand - wie gesagt, Liebesdreieck. Sie sind beide interessant und ich mochte es, Teile der Geschichte aus ihrer Sicht zu erfahren. Auch wenn ich normalerweise weniger ein Fan von Sichtwechseln war, freute ich mich hier auf ihre Teile.
Auch andere Charaktere sind fasziniert und ich mochte gerade auch die Freundschaft zwischen Lia und ihrer Zofe Pauline und den Zusammenhalt in der Taverne.

Die Reihe bietet ein faszinierendes World Building, in dem auch Krieg und politische Beziehungen zwischen den Ländern eine interessante Rolle spielen. Dabei geht es auch darum, was Menschen gut oder schlecht macht, um Vorurteile und dass eine Zugehörigkeit nichts darüber aussagt, was für ein Mensch man ist, was ich sehr mochte. Hinzu kommen Elemente, die für mich nicht immer klar verständlich waren und in meinen Augen gerne noch ein bisschen mehr hätten ausgebaut werden. Hier wäre deutlich mehr Potenzial gewesen.
Der Schreibstil war flüssig zu lesen und relativ fesselnd. Wobei zwischendurch zwar an sich Spannung aufgebaut wird, handlungstechnisch aber gar nicht mal so viel passiert. Auch nach dreiviertel der Reihe hatte ich immer noch nicht so ganz das Gefühl, dass die Handlung wirklich ins Rollen gekommen wäre ...
Der dritte Teil der ursprünglichen Trilogie wurde übrigens auch hier gesplittet, das scheint der One-Verlag ganz gerne zu machen (*hustStrangetheDreamerhust*). Von daher habe ich den vierten Band noch nicht gelesen.

Fazit: An sich fesselnde High Fantasy-Geschichte, die sich auch um das Hinterfragen von Vorurteilen und die Dekonstruktion von Feindbildern dreht, mit einigen interessanten Charakteren und einer starken Protagonistin - gestört hat mich allerdings das Liebesdreieck, das trotz zwei an sich sympathischer Charaktere für unnötige Dramen sorgt. 




Quelle Cover & Klappentext: One 
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