Montag, 30. März 2020

[Rezension] Das Haus der tausend Welten


Autoren: T. S. Orgel
Verlag: Heyne
Seiten: 592
Erscheinungsdatum: 10.02.2020
ISBN: 978-3-453-31979-0
Taschenbuch mit Klappenbroschur; 14,99€


Inhalt:

Mythen ragen sich um das Haus der aufgehenden Sonne in Atail, das Reichtum und Schätze verspricht, jedoch voller Gefahren ist. Mythen sind es, denen die junge Reisende Ako in die Stadt Atail folgt, wo sie über den Dieb Fuchs stolpert. Fuchs' Anführerin Stern hat ihr Auge auf genau die Schätze geworfen, von denen die Legenden sprechen - und hat auch schon einen Plan, die bei ihr in der Regel nie schiefgehen ...
Baelis ist Straßenkämpferin in Atail - dann erhält sie ein ungewöhnliches Angebot ...
Zur gleichen Zeit flieht Saltar aus der Kaiserstadt und trifft die merkwürdige Pilgerin Tara, die auf dem Weg nach Atail ist ...

Äußere Erscheinung:

Der Titel bringt das Haus, das im Zentrum der Handlung steht, auf den Punkt, und auch das Cover finde ich ganz cool. 

Meine Erwartung:

Ich habe das Buch zuerst auf Lovelybooks entdeckt und fand die Idee ganz cool, außerdem hatte ich mal wieder Lust, All Age-High Fantasy zu lesen und die Genrebeschreibung - Grim & Gritty - klang ganz interessant. Freundlicherweise wurde mir durch den Verlag über das Bloggerportal ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!

Meine Meinung: 

Irgendwie brauchte die Handlung ewig, um in die Gänge zu kommen, was vielleicht daran liegt, dass sie aus der Sicht vier verschiedener, am Anfang berührungsloser Charaktere erzählt wird, die alle eingeführt werden. Bis das geschehen ist, sind 200 Seiten vergangen und erst dann ging die eigentliche Handlung um das Haus der tausend Welten überhaupt los.
Somit hatte ich das Gefühl, ewig zu warten, bis die Ereignisse losgehen, und dann hat die Handlung es irgendwie verpasst, mich mitzunehmen, denn so wirklich fesseln konnte mich das Buch nie. Ich hatte kein Problem damit, es beiseitezulegen, und hatte auch nie wirklich den Drang weiterzulesen, was natürlich auch an mir gelegen haben kann - aber genauso gut daran, dass mir die Handlung ehrlich gesagt auch ziemlich egal war.

Was vielleicht daran lag, dass mir die Charaktere ziemlich egal waren. Und ich muss sagen, ich war relativ überfordert mit der Zuordnung. Zugegeben, ich bin generell kein Fan von mehreren Sichtweisen, komme damit aber definitiv zurecht, wenn das gut umgesetzt wird, und vier Perspektiven sind ja nun auch nicht überragend viel. Verwirrt hat mich, dass zwischendurch die Sichtweise mitten im Absatz gewechselt wird, wenn zwei der erzählenden Charaktere an derselben Handlung beteiligt sind.
Obwohl ich aber sonst jemand bin, der Charaktere ganz gut zuordnen kann, war ich hier teilweise total verwirrt, wer die auftretenden Personen waren, was sie ausmacht und überhaupt. Teilweise konnte ich bis zum Ende nicht wirklich die Namen zuordnen und wurde dann damit überrascht, dass Charaktere wichtig wurden, die ich als beiläufige Randcharaktere registriert hatte. Es gibt ein Personenverzeichnis am Ende, das ich leider zu spät entdeckt habe, allerdings bezweifle ich, dass es mir viel geholfen hätte.

Hinzu kam, dass mir irgendwie keiner der Charaktere wirklich sympathisch wurde. Was vielleicht auch daran lag, dass sie in meinen Augen alle relativ blass blieben, trotz Potenzial, und mir teilweise die Motive nicht ganz klar waren - oder besser: Die meisten wirkten wie passive Mitläufer*innen. Es gibt ein paar angedeutete Backstories, aber im Großen und Ganzen konnte ich mir zu keinem der Charaktere wirklich ein Bild machen, was eben dazu führte, dass sie mir relativ egal waren.
Und es ist nicht so, als hätten sie kein Potenzial gehabt. Fuchs zum Beispiel ist ein ehemaliges Straßenkind, das zum Dieb wurde, was normalerweise definitiv mein Fall ist, Ako eine Bardin, die über den Tod der Frau, die sie geliebt hat, hinwegzukommen versucht, ... Trotzdem konnte mich nichts davon berühren und nichts hat für mich wirklich Tiefe entwickelt oder Form angenommen.

Der ursprüngliche Klappentext ist auch etwas irreführend, da wirkt es nämlich so, als wäre Stern, die Anführerin der Bande, in der sich Fuchs befindet, eine der Hauptfiguren, was aber nicht der Fall ist. Stern soll absolut geniale Pläne schmieden, was bei mir unweigerlich dazu führte, dass ich sie im Kopf mit Kaz Brekker aus "Six of Crows" verglich und da hatte sie direkt verloren, weil auch sie zu blass bleibt und mir mit ihrem Egoismus schlichtweg unsympathisch blieb.
Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass fast alle Charaktere vor allem aus Egoismus handeln, und ja, ich habe mir die Genrebeschreibung für Grimdark vorher durchgelesen, und düster und brutal klang nach etwas, das mir gefallen könnte. Allerdings finde ich dabei gerade das moralisch Graue interessant, und das kam hier irgendwie nicht zum Tragen.

Was mich auch verwirrt hat, war die Sache mit der Magie. Es gibt irgendwie Shao, das vor allem der Oberschicht vorbehalten ist, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, fast jeder der Charaktere hat irgendeine magische Begabung, die meist erst dann zutage tritt, wenn sie gerade irgendwie nützlich ist, und ansonsten auch nicht weiter erklärt wird. Was dazu führte, dass das auf mich vollkommen random wirkte.

An sich fand ich es ganz cool, dass es verschiedene "Völker" gibt und Ako auch eine BIPoC ist (und lesbisch dazu), aber ich fand teilweise die Darstellung nicht ganz unproblematisch. Sie wird nämlich dauernd als "die Schwarze" beschrieben, und ich sag mal so, wenn keine weiße Frau als "die Weiße" beschrieben wird, ist das problematisch. Auch wenn oder gerade weil anscheinend auch gegenüber ihrem "Volk" Rassismus besteht, das natürlich auch als super primitiv gilt, also im Prinzip dieselben Rassismen, die wir auch aus unserer Welt kennen.
Dass Ako eine Fremdsprache spricht, wird übrigens auch so umgesetzt, dass sie beim Sprechen dauernd kleine Fehler macht, was mich allerdings beim Lesen nicht wirklich gestört hat, weil ich es meist überlesen habe. :'D

Neben der ganzen Kritik aber auch mal ein positiver Punkt: Die Idee hinter dem Ganzen fand ich tatsächlich ganz cool. Ein Haus, das im Inneren um Einiges größer ist, zahlreiche verschiedene Räume verbirgt und quasi wie der Albtraum eines Hauses, das einen gefangen hält und mit immer neuen und brutaleren Gefahren aufwartet? Definitiv eine sehr coole Idee. Dementsprechend fand ich es schade, dass mich die Umsetzung nicht überzeugen konnte, denn das Konzept fand ich ziemlich faszinierend und das Ende hat auch nochmal einen interessanten Konflikt aufgemacht. Trotzdem war das Buch wohl leider nicht mein Fall.

Fazit: Sehr coole Idee, deren Umsetzung mich aber leider nicht überzeugen konnte, da ich bis zum Schluss nicht wirklich in die Handlung reingekommen bin und mich das Buch überhaupt nicht fesseln konnte. Mir fiel es schwer, die Nebencharaktere zuzuordnen, und allgemein waren mir die Charaktere relativ egal, auch weil sie eher blass blieben.



Vielen Dank an den Verlag!


Quelle Cover: Heyne

2 Kommentare

  1. Huhu liebe Dana,

    das ist ja schade! Ich lese super gerne High-Fantasy, hatte aber schon oft das Problem, dass sich scheinbar viele High-Fantasy-Autor*innen zu sehr auf ihre tolle Idee und das Worldbuilding verlassen und die Charaktere vernachlässigen. Daraus folgt einfach, dass man es irgendwie cool findet, aber null mitfühlen/-fiebern kann. Dabei brauchen doch gerade komplexe Geschichten lebendige Charaktere, damit man am Ball bleibt. :D

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Alica,

      ich finde das auch immer insofern schade, als dass ich persönlich Charakterbau fast als noch ein bisschen wichtiger als World Building einordnen würde, weil gut ausgearbeitete Charaktere einer Geschichte so viel geben können. :x

      Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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