Donnerstag, 19. März 2020

[Rezension] Radio Silence

I wonder - if nobody is listening to my voice, am I making any sound at all? (S. 1)


Autorin: Alice Oseman
Verlag: Haper Collins
Seiten: ca. 400
Erscheinungsdatum: 2016
ISBN: 978-0-00-755924-4
Taschenbuch


Inhalt:

Frances ist die erfolgreichste Schülerin ihrer Schule und setzt alles daran, nach Cambridge zu kommen. Dafür lernt sie jeden Tag. Für ihre Schulfreundinnen ist sie sowieso nur die langweilige Musterschülerin. Dann trifft sie Aled und zum ersten Mal fängt sie an, so zu sein, wie sie wirklich ist - inklusive dem ganzen Nerdigen, das sie sonst immer versteckt. Und inklusive ihrer Leidenschaft für den Online Podcast "University City".

Äußere Erscheinung:

Der Titel passt, das Cover finde ich jetzt nicht überragend, aber ganz okay.

Meine Erwartung:

Ich liebe den Debütroman der Autorin, "Solitaire", und will seitdem definitiv weitere Bücher von ihr lesen, nicht zuletzt auch, weil diese immer diverser zu werden scheinen und ziemlich gut ankommen.

Meine Meinung:

Dass ich nicht ganz so begeistert bin wie bei "Solitaire", liegt vermutlich in erster Linie daran, dass dieses Buch einfach für mich persönlich sehr viel bedeutet und ich auch schlichtweg Toris Zynismus liebe. Von daher will ich da jetzt auch keinen Vergleich ziehen.
Übrigens spielt "Radio Silence" in demselben Universum wie "Solitaire" oder eben auch die "Heartstopper"-Comics (die ich vor kurzem online inhaliert habe), wenn auch mit unterschiedlichen Protagonist*innen, unterschiedlicher Handlung und zu unterschiedlichen Zeitpunkten - "Radio Silence" spielt drei Jahre nach "Solitaire" - sodass man die anderen Bücher nicht gelesen haben muss. Wenn man sie allerdings kennt - Aled ist in den "Heartstopper"-Comics ein Freund von Charlie und auch sonst gibt es ein paar Cameo-Auftritte und Anspielungen auf "Solitaire" für diejenigen, die das Debut kennen, was ich ganz cool fand.

Ich muss sagen, mir fiel es schwer, mit Frances warmzuwerden, was in erster Linie daran liegt, dass ich ihre Einstellungen in Bezug aufs Lernen nur bedingt nachvollziehen konnte und wir uns diesbezüglich sehr unterscheiden. Ich bin der Typ, der die Hausarbeit ewig aufschiebt, lieber andere Dinge macht und sie dann auf den letzten Drücker schreibt. Frances verwendet ihre ganze Zeit darauf, zu lernen und den Stoff zu wiederholen, richtet ihr ganzes Leben darauf aus, möglichst gute Noten zu bekommen und in Cambridge aufgenommen zu werden und kehrt sich so zum Beispiel auch nicht sonderlich viel um ihre Freundinnen.
Natürlich ist genau das auch der Konfliktpunkt der Handlung, aber ... na ja, das zu wissen, machte es trotzdem nicht leichter, an sie heranzukommen. Aber irgendwann merkte ich, dass ich angefangen hatte, sie zu mögen. Und auch Aled schloss ich irgendwann in mein Herz, der anfangs extrem schüchtern ist, den man dann aber immer besser kennenlernt.

Was die beiden verbindet, ist das Nerdtum, was dadurch natürlich auch einen gewissen Raum einnimmt. Frances zeichnet Fanart für den Online-Podcast "University City", den sie liebt, und veröffentlicht diese auf Tumblr, trägt zuhause bunt bedruckte Kleidung und Stück für Stück lernt man den Menschen hinter der perfekten Musterschülerin-Fassade kennen.
Ich mochte dabei auch sehr ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die sie unterstützt in allem. Sie erwartet nicht unbedingt gute Noten, unterstützt sie aber trotzdem, und auch, wenn Frances irgendwelche Sorgen und Probleme hat, bietet sie ihr immer Unterstützung an - dafür, wie negativ Eltern oft in Young Adult-Romanen dargestellt werden, war das eine sehr angenehme Abwechslung. Die beiden haben gemeinsame Filmeabende, reden miteinander und überhaupt, ich fand diese Beziehung toll.

I'm sure you think I was complaining about nothing. You probably think I'm a whiny teenager. And yeah, it was all in my head, probably. That doesn't mean it wasn't real. So fuck you all. (S. 317)

Was ich auch mochte, war, wie divers dieses Buch ist. Frances' Vater ist Äthiopier und dadurch hat das Buch schon eine BIPoC-Protagonistin, einer der Nebencharaktere hat koreanische Vorfahren, einer ist demisexuell, Frances selbst ist bisexuell und einige weitere sind ebenfalls nicht straight.
Daneben schneidet die Autorin weitere Themen wie Mental Health, Kindesmissbrauch, Erfolgsdruck, Hate Speach und Druck im Internet und so weiter an, aber auch Freundschaften. Was ich dabei mochte, war, dass Frances relativ am Anfang klarstellt, dass sie und Aled keine romantische Beziehungen haben und haben werden - es war eine angenehme Abwechslung, mal einen YA-Contemporary-Roman über eine Freundschaft und ohne wirkliche Liebesgeschichte zu lesen.

Die Autorin hat einen individuellen Stil, den man wiedererkennt, gleichzeitig unterscheidet sich Frances' Erzählstimme deutlich von Toris. Frances erzählt die Handlungen in der Vergangenheit, kommentiert sie manchmal, macht hin und wieder kleine Auflistungen und schiebt Rückblicke zu ihrer Freundschaft mit Carys Last ein, Aleds Zwillingsschwester, die von zuhause weggerannt ist.
Dazwischen werden Transkriptionen aus "University City" und Chatprotokolle zwischen Frances und Aled abgedruckt. Der sehr jugendliche, lockere und tendenziell umgangssprachliche Stil tut sein übriges dazu, dass man sehr nah den Protagonist*innen dran ist.
Generell hatte ich das Gefühl, dass deren Lebensrealität sehr authentisch dargestellt wird, vielleicht auch, weil die Autorin selbst noch vergleichsweise jung ist (25). Zwischendurch gibt es dadurch auch ein paar Szenen, die etwa awkward und cringy sind, aber eben auf eine authentische Art und Weise.

Fazit: Realitätsnahe, locker und jugendlich geschriebene, nerdige Story unter anderem über Selbstfindung und Freundschaft mit sehr diversen Charakteren.


6 Kommentare

  1. Huhu :)
    Ich stimme dir in allem völlig überein. Ich liebe dieses Buch und die Autorin, wie real sie einfach sind <3
    Tolle Rezension!
    Liebste Grüße
    Kat

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    1. Hallo liebe Kat,

      dankeschön! <3
      Und ja, es ist echt ziemlich cool, wie realistisch alles dargestellt ist. *_*

      Ganz liebe Grüße ♥

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  2. Huhu liebe Dana,

    von der Autorin habe ich noch gar nichts gelesen, obwohl ich "Solitare" schon echt oft auf anderen Blogs gesehen habe. Und "Heartstopper" ist ja auch noch in aller Munde. :D Ich sollte das also vllt endlich mal nachholen... Nerdige Geschichten mag ich jedenfalls meistens echt gerne und wenn es dann auch noch möglichst divers ist, ohne erzwungen zu wirken, umso besser. :D

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Alica,

      dann wird es vielleicht mal Zeit. :P "Solitaire" kann ich dir auch nur wärmstens empfehlen, genauso wie dieses Buch oder auch die Heartstopper-Comics. ^^ Die Diversität ist wirklich toll eingebaut und nerdig sind ihre Stories auch alle. ;)

      Ganz liebe Grüße! ♥♥♥♥

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  3. Hallo liebe Dana,

    wie schön, dass du so viel Freude mit diesem Buch hattest. :) Ich finde es vor allem erfrischend, dass es mal keine Liebesgeschichte gibt. Außerdem finde ich auch interessant, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Toll geschrieben!!!

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Liebe Ally,

      danke, ich kann das Buch auch auf jeden Fall empfehlen! Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich eine Liebesgeschichte erwartet habe, und es ist wirklich eine tolle Abwechslung, dass es mal keine gab. *o*

      Liebe Grüße <3

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