Donnerstag, 5. März 2020

[Rezension] Six of Crows



Autorin: Leigh Bardugo
dt.: Das Lied der Krähen (2017)
Verlag: Henry Holt and Company
Seiten: ca. 470
Erscheinungsdatum: 2015
ISBN: 978-1-62779-212-7
Gebunden mit Schutzumschlag
(Taschenbuch)


Dilogie:
  • Six of Crows
  • Crooked Kingdom


Inhalt:

Kaz Brekker ist eine Legende in der Unterwelt von Ketterdam - gemeinsam mit seiner Bande aus Verbrechern, Lügnern und Dieben. Doch der Job, mit dem ein reicher Händler eines Tages an ihn herantritt, stellt selbst für ihn eine Herausforderung dar - für die er eine Gruppe aus sechs Menschen zusammenstellt, die unter anderen Umständen nie zusammen arbeiten würden ...

Äußere Erscheinung:

Ist dieses Cover nicht einfach unglaublich schön? *o* Und ich liebe generell die Gestaltung der amerikanischen Hardcover-Ausgabe mit den schwarzen Seitenrändern, den schwarzen Seiten zwischen den Abschnitten und den kleinen Illustrationen über den Kapiteln. Und den Karten, die vorne abgedruckt sind und dem*der Leser*in die Orientierung deutlich erleichtern. ^^

Meine Erwartung:

Ich habe die Grischa-Trilogie vor dem ganzen Grishaverse-Hype gelesen und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Dilogie auf meiner Wunschliste steht, seitdem ich von ihr erfahren habe, aber dann kam der Hype und ... na ja, Hypes senken immer so ein bisschen meinen Willen, die Bücher zu lesen. Einerseits machen sie mich schon neugierig, andererseits will ich die Bücher aus Trotz nicht mögen, und diese beiden Einstellungen kämpfen immer ein bisschen miteinander.

Meine Meinung:

Entschuldigt bitte die katastrophale Inhaltszusammenfassung. Ich habe das Buch zu lesen begonnen, ohne groß zu wissen, worum es eigentlich ging, weil ich es liebe, die Handlung ohne viel Vorwissen entdecken zu können. Und auch hier war es toll, diese und die Charaktere nacheinander kennenzulernen
Ich muss zugeben, dass mir dabei der Einstieg nicht leicht fiel. Vielleicht lag es an der Sprache; auch wenn ich mittlerweile relativ viel auf Englisch lese, ist das hier nicht ganz leicht. Vielleicht an dem Stil. Vielleicht aber auch einfach daran, dass die Autorin sich extrem viel Zeit lässt, ihre Charaktere und die Welt einzuführen, und die Handlung erst nach etwa hundert Seiten ins Rollen kommt.

Nach diesen hundert Seiten war es bei mir so, als hätte sich ein Hebel umgelegt, von mildem Interesse schoss das Ganze auf einmal in die Richtung neues Lieblingsbuch. Und ich muss sagen, einen großen Anteil daran haben einfach die Dialoge.
Denn die Dialoge sind einfach der Wahnsinn. Die Autorin stellt eine Gruppe von Menschen zusammen, die unterschiedlich sind, Vorbehalte gegeneinander haben und vor allem aus Personen besteht, die allesamt eine Veranlagung für sarkastische, zynische und auch giftige Kommentare haben, was zu unglaublich unterhaltsamen Schlagabtauschen führt, die man auf diesem Niveau selten liest.
Ehrlich, ich musste dauernd lachen und hatte einfach wegen der Dialoge schon unheimlich viel Spaß am Lesen, sodass ich schon allein deswegen dieses Buch empfehlen würde. Die stichelnden Bemerkungen, trockenen Konter und wiederkehrenden Running Gags sind einzigartig und ich habe sie geliebt!

Ich habe vorher die Grischa-Trilogie nochmal re-readet. Man muss sie nicht gelesen haben, um dieses Buch zu verstehen - "Six of Crows" spielt in einem anderen Land, in einem anderen Kontext, in einer anderen Zeit und mit anderen Charakteren. Aber die kleinen Anspielungen zu entdecken, war ganz witzig (die übrigens die Grischa-Trilogie in Ansätzen ein wenig spoilern) - was meistens nur in Form von erwähnten Namen geschieht.
Trotzdem hat es mir vermutlich geholfen, mich in der Welt zurechtzufinden, die ich eben aus der Grischa-Trilogie schon kannte, auch wenn da der Fokus auf Ravka gelegen hatte. Und gerade in Bezug auf die Grischa hatte ich das Gefühl, dass diese in der Grischa-Trilogie deutlich mehr erklärt worden sind.

Nach dem russisch angelehnten Ravka ist Ketterdam nun eher niederländisch angehaucht. Und ich fand das Setting einfach nur unglaublich cool. In die dunklen, nebeldurchzogenen Gassen verbunden mit der zwielichtigen Unterwelt aus Verbrecher*innen, Dieb*innen und Lügner*innen mit den ganz eigenen Regeln habe ich mich sehr schnell verliebt - vermutlich, weil ich eh ein Faible für solche Settings in Geschichten habe.
Auf der anderen Seite war es unheimlich cool, mehr über die anderen Länder und Gebräuche in diesem Band zu lernen - nicht nur über Kerch, sondern auch über andere Länder, bedingt teilweise durch die Erfahrungen der Charaktere. Das World Building wirkt auf mich einfach sehr durchdacht und gelungen, jedes Land hat eine eigene Kultur, teilweise mit Subkulturen, eine eigene Sprache und ein eigenes Gesetz, und alle gehen unterschiedlich mit den Grischa um.

Kommen wir zu den Charakteren. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht vor allem von fünf der Hauptcharaktere erzählt, und obwohl ich normalerweise kein Fan von Sichtwechseln bin, hat mich das hier überhaupt nicht gestört - vielleicht auch, weil das Personale eher im Hintergrund blieb und sehr dialog- und handlungsfokussiert erzählt wird.
Ungefähr im letzten Drittel gibt es dann zunehmend Rückblicke. Die meisten der Charaktere haben eine sehr eigene Vergangenheit und es spricht für ihre Tiefgründigkeit, dass diese bei allen sehr ausgearbeitet ist. Diese bleibt meist lange nur angeteasert und wird dann gegen Ende in kurzen Flashbacks erzählt, was aber so ein bisschen in Gefahr geriet, gerade in einem Teil mit sehr hoher Spannung sich zu sehr zu häufen.

Ich habe teilweise die Kritik gelesen, die Charaktere seien zu jung für ihre Handlungen, und kann die nachvollziehen -  es wäre vielleicht authentischer gewesen, wenn sie nur ein paar Jahre älter und Anfang 20 gewesen wären. Allerdings hat es mich nicht wirklich gestört hier und ich habe das Gefühl, dass das teilweise ein generelles Problem von Büchern ist, die sich an ältere Jugendliche richten - als so ganz Young Adult würde ich dieses Buch nämlich auch nicht einstufen, dazu ist es teilweise zu düster.

Auf die einzelnen Charaktere will ich dabei gar nicht zu sehr eingehen, aber ich habe als sehr ausgearbeitete und vielschichtige Personen empfunden, mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwächen, von denen sie gerade letztere oft nicht zeigen. Ich mochte jede*n von ihnen, auch wenn ich fürchte, dass Kaz instant den Platz als Lieblingscharakter eingenommen hat - keine Ahnung, wie typisch das ist, aber ich habe manchmal das Gefühl, ich suche mir bewusst den Charakter, der am meisten morally gray ist, und erkläre den dann zu meinem Liebling. xD
Morally grey trifft definitiv auf Kaz zu, denn er tritt als skrupelloser, geldgieriger und rücksichtsloser Bandenchef auf, auch wenn schnell angedeutet wird, dass er längst nicht so abgebrüht ist, wie er wirkt. Und er ist einer dieser Charaktere, die total geniale Pläne schmieden und alle anderen nur bedingt darin einweihen, und ich liebe diesen Trope (*hustThroneofGlasshust*). (Ich liebe auch rücksichtslos auftretende Charaktere, keine Ahnung, was das über mich jetzt aussagt.)

Aber auch die anderen Charaktere und vor allem auch die Dynamik zwischen ihnen sind toll. Ich habe sie alle in mein Herz geschlossen, weil alle oft stark auftreten, aber dem*der Leser*in und irgendwann auch den anderen ihre verletzliche Seite zeigen, weil sie tiefgründig und vielschichtig sind, eine eigene Geschichte haben, eigene Träume und eigene Werte. Und ich könnte das jetzt anhand jeden Charakters seitenweise ausführen, aber dann liest kein Mensch mehr diese Rezension. :D
Divers sind die Charaktere übrigens auch, allein schon dadurch, dass Kaz hinkt und es nicht-weiße und nicht-heterosexuelle Hauptfiguren gibt. ^^
Was ich aber auch ganz cool fand, dass einige von ihnen in einem gewissen Grad tatsächlich für das Geld mitmacht und nicht unbedingt für ein höheres moralisch einwandfreies Ziel - auch das verleiht ihnen Ecken und Kanten. Sie sind nicht unfehlbar, sie sind irgendwo tatsächlich profitorientierte Verbrecher*innen und nicht selbstlose Heilige, die sich hinter einer Farce verstecken, und das fand ich ungewohnt authentisch. Obwohl dahinter meist sehr nachvollziehbare Träume stehen.

Last but not least die Handlung, die auch durchgehend sehr spannend und actionreich war, allein schon bedingt durch das Setting. Sodass es im Endeffekt einfach unheimlich viel Spaß gemacht hat, dieses Buch zu lesen und ich mich wohl trotz aller Skepsis dem Hype anschließen muss, denn es ist wirklich eine unheimlich gute High Fantasy-Geschichte.

Fazit: Die Handlung kommt erst nach etwa hundert Seiten wirklich ins Rollen, konnte mich aber dann vollkommen überzeugen, nicht zuletzt durch die hohe Spannung, das coole, vielschichtige und atmosphärische World Building und die sehr tiefgründigen, diversen Hauptcharaktere, die alle Stärken und Schwächen haben und individuell gezeichnet sind. Vor allem die Dynamik zwischen diesen oft sehr unterschiedlichen und nicht immer vorbehaltlosen Charakteren mit einem hohen Maß an Sarkasmus ist toll - die Dialoge sind unheimlich gut geschrieben und die stichelnden Schlagabtausche und trockenen Kommentare sorgen für extrem viel Spaß beim Lesen!

12 Kommentare

  1. Guten Morgen Dana!

    Ahhh wie cool! Ich hab das Buch auf deutsch gelesen und ich fand es mega!!! Das war mein Jahreshighlight 2018 (?) Bin mir grade nicht sicher *lach* Aber ich hab es sehr geliebt!!!
    Die Grischa Trilogie hab ich auch schon sehr früh gelesen, bevor das ganze "Brimborium" anfing, ich mag ja so HypeWellen auch nicht so gerne.

    Die Krähen Dilogie hat mir jedenfalls noch besser gefallen aber ich finde auch, man sollte hier die Reihenfolge einhalten, auch wenn es inhaltlich nicht zusammenhängt. Auch King of Scars ist wieder anders, hat aber auch Bezüge zu den Krähen ...

    Kennst du auch das Märchenbuch "Die Sprache der Dornen" von ihr? Das fand ich auch mega schön!

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Aleshanee,

      ach, wie schön, ja, es wird definitiv auch eins meiner Highlights 2020 werden! ^^
      Geht mir genauso, wobei ich doch etwas überrascht war, dass ich den ersten Grischa-Band tatsächlich schon 2014 gelesen habe. :o Unglaublich, dass ich dann so lange für dieses Buch gebraucht habe. xD

      Mhm, ja, ich mag sie auch ein wenig lieber, auch wenn ich die Grischa-Trilogie super fand. Und ja, die Reihenfolge einzuhalten ergibt schon allein insofern Sinn, als dass die Grisch-Reihe ja in den Anspielungen minimal gespoilert wird. ^^

      Nein, aber ich werde es definitiv im Auge behalten - erst will ich allerdings "King of Scars" lesen. ;)

      Liebste Grüße!

      Löschen
  2. Hallöchen liebe Dana =)

    ich habe das Buch nun schon länger auf meiner Liste, so ziemlich seit die ersten begeisterten Rezensionen dazu aufgetaucht sind. Ich hoffe wirklich, dass es mich genauso überzeugen wird wie dich. Mit genialen Schlagabtauschen und Sarkasmus kriegt man mich aber meistens ^^.

    LG
    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Anja,

      ich kann es dir definitiv empfehlen, ich war überrascht davon, wie sehr es mir gefallen hat. Und wenn Schlagabtausche und Sarkasmus dein Ding sind, dann ist es perfekt - die Dialoge sind der Hammer. *o*

      Liebe Grüße :)

      Löschen
  3. Hallo Dana :)

    Bei mir liegt das Buch noch auf dem Sub. Jetzt habe ich gleich noch mehr Lust es endlich mal zu lesen :) Ich glaube aber das ich die anderen Bücher der Autorin vorher lesen sollte oder was denkst du? Grischa habe ich auch noch auf dem Sub :D

    Liebe Grüße
    Sarah aka Seitenzauberin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Sarah,

      ich würde dir emfehlen, Grischa vorher zu lesen. Die beiden Reihen haben zwar unabhängige Handlungen, Charaktere und Schauplätze, aber die Krähen-Dilogie spielt zwei Jahre nach Grischa, dementsprechend werden die Ereignisse aus Grischa ein wenig gespoilert und gerade im zweiten Teil gibt es leicht spoilernde Anspielungen. ^^
      Grischa mochte ich aber auch sehr gerne, dementsprechend wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße <3

      Löschen
  4. Hallo Dana :)

    Ich liebe dieses Buch!

    Das Cover, den Inhalt & natürlich die Charaktere (Kaz ist auch mein absoluter Liebling). Der zweite Band der Reihe hat mich ebenfalls völlig überzeugt, sodass ich im Anschluss immer mehr Bücher von Leigh Bardugo gelesen habe.

    Mittlerweile habe ich auch die Grisha-Trilogie begonnen und freue mich sehr auf die zwei Bände, die noch vor mir liegen <3

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Lisa,

      meine Rezension zu dem zweiten Band kommt in den nächsten Tagen, aber ja, ich fand ihn genauso toll! *o* Dementsprechend steht "King of Scars" auch schon auf meiner Wunschliste. ^^

      Viel Spaß dir noch mit der restlichen Grischa-Trilogie, die habe ich auch sehr gerne gelesen! :)

      Liebe Grüße! ♥

      Löschen
  5. Hallo Dana

    Das Buch bzw. die Reihe habe ich letztes Jahr auch gelesen, weil alle so davon geschwärmt haben. :D Ursprünglich hatte ich es auch mal auf Englisch versucht (kurz nachdem das Buch auf Englisch erschienen ist), aber mir war das alles zu komplex, um es noch in einer Fremdsprache zu lesen. :D Von daher kann ich nachfühlen, dass der Einstieg vermutlich gar nicht so einfach war. Der ist mir auch im Deutschen schwergefallen.

    Schön, dass sich bei dir der Schalter umgelegt hat. Bei mir ist das leider nicht direkt passiert - obwohl mich die Geschichte gut unterhalten hat. Aber dieses Feeling, unbedingt weiterlesen zu müssen, hat sich bei mir leider nicht eingestellt.

    Lustig, dass du das Alter der Charaktere erwähnst. Ich bin mir gar nicht sicher, ob mir das damals beim Lesen aufgefallen ist, aber in meinem Kopf waren die Protagonisten Anfang 20 :D Wie alt wären sie denn tatsächlich?

    Auf jeden Fall schön, dass dich der Reihenauftakt so begeistern konnte :)

    Liebe Grüsse
    Mel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Mel,

      ich weiß tatsächlich nicht, inwieweit rückblickend die Sprache eine Rolle gespielt hat, da ich ja irgendwann keine Probleme mehr damit hatte, aber vielleicht habe ich mich auch daran gewöhnt ... einfach zu verstehen ist das Englisch trotzdem nicht. ^^

      Schade, dass dich die Geschichte nicht huntdertprozentig begeitsern konnte ... hast du den zweiten Band trotzdem gelesen?

      Ich glaube, die Protagonist*innen waren etwa 16-18 Jahre alt ... ich habe sie tatsächlich auch erst auf Anfang 20 geschätzt und war ein wenig überrascht, als das tatsächlische Alter erwähnt wurde. :'D

      Liebe Grüße ♥

      Löschen
    2. Ja, ich habe den zweiten Band auch noch gelesen. Den ersten fand ich aber besser. Und ich glaube, der erste hat von mir auch 4 Sterne bekommen, es hat aber dann doch nicht für 5 Sterne gereicht :D

      Ah, okay, gut zu wissen. Hatte das nicht mehr im Kopf mit dem Alter.

      LG

      Löschen
    3. Ich lese erstaunlich oft, dass Menschen den zweiten Band schlechter fanden, auch wenn ich das nicht so empfunden habe. xD

      Ich vergesse es auch dauernd. ^^

      Liebe Grüße :)

      Löschen

Nachrichten zaubern ein Lächeln ins Gesicht! ♥
Ich freue mich über jeden Kommentar, gebt einfach eure Meinung/ Kritik/ etc. zu dem Post ab. Ich antworte in der Regel auch. :)

-- Datenschutz: Mit dem Abschicken deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass Daten von dir zwecks der Zuordnung des Kommentares verarbeitet und gespeichert werden. Von dir eingegebene Formulardaten (und ggf. personenbezogene Daten wie deine IP-Adresse) werden dabei an Google-Server übermittelt. Für weitere Informationen zur Datenverarbeitung s. Datenschutzerklärung und die Datenschutzerklärung von Google. --