Dienstag, 30. Juni 2020

[Buchvorstellungen] Untenrum frei & Die unbewohnbare Erde

Nachdem ich im Mai zwei non-fiction Bücher gelesen habe, will ich euch meine Meinung dazu natürlich auch nicht vorenthalten. Mein Interesse daran, mehr non-fiction auch abseits der Uni zu lesen, ist auf jeden Fall geweckt, wenn ihr Empfehlungen habt, gerne her damit.

Quelle

Untenrum frei


Autorin: Margarete Stokowski ~ Verlag: rororo ~ 256 Seiten ~ Erscheinungsdatum der gebundenen Ausgabe: 08.09.2016 ~ ISBN: 978-3-499-63186-3 ~ Taschenbuch ~ 12,00€

CW: sexualisierte Gewalt, Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten


Nachdem ich die Kolumnen von Margarete Stokowski sehr gerne lese, wurde es auch langsam Zeit, dieses Buch bei mir einziehen zu lassen. Gelesen habe ich es dann als Prokrastination, als ich eigentlich ein Thema für meine Bachelorarbeit finden sollte. 
Das spricht vermutlich auch dafür, wie flüssig und entspannt sich das Buch lesen ließ - tatsächlich habe ich viele der Kapitel in einem Rutsch durchgelesen, woran der angenehme Schreibstil mit Sicherheit seinen Anteil hatte. Auch der oft leicht sarkastische Unterton trug dazu bei, dass das Buch an sich durchaus unterhaltsam ist.

In den verschiedenen Kapiteln hangelt sich die Autorin im Prinzip an ihrer eigenen Lebensgeschichte entlang, um Themen wie Sexualität, Sexismus und Feminismus zu erklären. Dadurch hat das Buch autobiografische Züge. Eine durchaus berechtigte Triggerwarnung versteckt sich immerhin im Vorwort. Abseits der unterhaltenden Aspekte gibt es nämlich auch weitaus ernstere Szenen.

Ganz abbgesehen davon natürlich, dass das Hauptthema selbst - Sexismus - nicht unbedingt das witzigste ist und durchaus auch schon mal wütend stimmen kann. Margarete Stokowski geht vor allem auf Themen der Sexualität ein, wie mit Sex in der Gesellschaft umgegangen wird, auf Aufklärung respektive deren Abwesenheit, auf Sexualisierung, Selbstbefriedigung und die vielen Aspekte von Sexismus.
Es geht um die Problematik von sogenannten Frauenmagazinen und Mädchenzeitschriften (wenn ich daran denke, wie in den sogenannten Mädchenzeitschriften schon Teenagern vermittelt wird, dass sie abnehmen und ein Schönheitsideal erfüllen sollten, und inwieweit sich das auf mein eigenes Körperbild ausgewirkt hat - urgh) und generell um feministische Kämpfe. Und einiges mehr.

Klar, wer sich schon mal so ein bisschen mit Feminismus auseinandergesetzt hat, dem*der wird einiges bekannt vorkommen, was aber gerade für Menschen, die das bisher eher nicht getan haben, verständlich erklärt wird, sodass es auch wunderbar als Einstieg geeignet ist. Andererseits gab es auch für mich einige unbekannte Aspekte und vor allem auch viele Denkanstöße, die dieses Buch letztendlich zu einer definitiv empfehlenswerten Lektüre machen.


Quelle

Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung


Autor: David Wallace-Wells ~ amerik. Originaltitel: The Uninhabitable Earth (2019) ~ Übersetzerin: Elisabeth Schmalen ~ Ludwig Verlag ~ 336 Seiten ~ Erscheinungsdatum: 22.07.2019 ~ ISBN: 978-3-453-28118-9 ~ Taschenbuch mit Klappenbroschur ~ 18,00€


Ich habe das Buch mit den Worten geschenkt bekommen: "Es ist eigentlich ganz optimistisch." Dann habe ich es aufgeschlagen und den ersten Satz gelesen: "Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie denken."
336 Seiten später war, abgesehen von vorsichtigen gegenteiligen Beteuerungen des Autors, von Optimismus keine Spur, stattdessen hatte ich das Gefühl, die Bauanleitung für die perfekte Postapokalypse zu lesen.

Der Autor schildert sehr ausführlich alle möglichen Szenarien, die der Klimawandel möglicherweise in den nächsten Jahren für uns bereithält, weist darauf hin, dass genaue Prognosen dank der Einmaligkeit der Situation unmöglich sind und bietet daher einen Überblick über verschiedene Szenarien, die allein mit den Kapitelüberschriften - "Hitzetod", "Hunger", "Ertrinken", "Flächenbrand" und so weiter - jetzt nicht gerade Partystimmung auslösen.
Genau genommen erweckt dieses Buch, das auf zahlreiche Studien verweist, eher das Bedürfnis, sich im Bett zu verkriechen - denkt man zumindest, stattdessen stellte ich am Ende fest, dass eher das Gegenteil der Fall war und das Buch bei mir den Wunsch nach mehr Aktivismus auslöste.

Trotzdem ist es kein Buch, das sich mal eben nebenbei lesen lässt oder das man lesen sollte, wenn man eh schon in keiner guten Stimmung ist. Dazu sind die beschriebenen Szenarien zu düster.
Der Autor verweist auch darauf, wie lange solche Erkenntnisse über den Klimawandel schon vorliegen und wie lange versäumt wird, gerade auch auf politischer Ebene, etwas dagegen zu tun. Welche Bedeutung auch der CO2-Ausstoß der letzten Jahre noch hat. Und welche Verantwortung der Westen hat. (Soziale Ungleichheit wird teilweise auch angesprochen, Geschlechterungleichheit in dem Zusammenhang dagegen nicht.)
Er beschreibt, wie mit dem Wissen über den Klimawandel umgegangen wird (oder eben nicht). Interessant fand ich dabei auch das Kapitel darüber, wie das Thema in Erzählungen, sprich in Romanen und Filmen, umgesetzt wird. Dass zum Beispiel der Klimawandel selbst selten auftaucht, einfach weil es keine*n klar definierte*n Gegner*in gibt, der*die sich bekämpfen lässt.

Alles in allem also eine sehr interessante Lektüre, wenn man sich mal damit auseinandersetzen will, wie scheiße die Zukunft noch so werden könnte. Sie konzentriert sich auf die Beschreibung der erwarteten Folgen und weniger auf präzise Handlungsempfehlungen, ist aber dennoch als Appell zu handeln zu verstehen.

4 Kommentare

  1. Huhu liebe Dana,

    die zwei Bücher stehen auf meiner Wunschliste. :D Umso besser, dass sie dir beide gefallen haben. ;)
    Von Stokowski habe ich mittlerweile auch ein paar Essays und Interviews gelesen, bin daher schon wirklich gespannt, inwieweit "Untenrum frei" noch neue Denkanstöße bietet.
    "Die unbewohnbare Erde" steht eher aus Interesse an anderen Blickwinkeln auf meiner WuLi, da Klimawandel ja mehr oder weniger zu meinem Job gehört und ich schon lange aufgehört habe, optimistisch zu sein... :'D (Ich hatte mit 15 einen Entwurf für einen Roman in der Zukunft geschrieben, der eben die Folgen des Klimawandels und der Lebensraumzerstörung durch den Menschen zum Thema hatte - war mir irgendwann aber zu komplex geworden... XD)

    Wenn ich Sachbücher lese, dann meistens zu Umweltschutz-Themen... Wenn dich das interessiert, findest du auf meinem Blog ja ein paar Rezensionen. ;) Ansonsten kann ich "Unsichtbare Frauen" weiterhin empfehlen!

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Alica,

      oh, dann bin ich ja schon mal gespannt auf deine Meinung, sollten sie dann bei dir einziehen. ^^

      Auch wenn ich zu behaupten wage, mit den Basics von Feminismus mittlerweile vertraut zu sein, gab es auch einige Dinge, die mir auch neu waren oder noch mal eine neue Perspektive boten.
      Wenn du eh aufgehört hast, optimistisch zu sein, ist das Buch perfekt für dich. xD Wobei der Autor hat sehr auf mögliche Szenarien fokussiert. (Und ich glaube dir, dass es dir zu komplex geworden ist, es ist halt doch unheimlich viel Recherche. :x)

      "Unsichtbare Frauen" habe ich mir tatsächlich auch schon vorgemerkt. :D Und stimmt, bei dir tauchen auch immer mal wieder Sachbücher auf.

      Liebe Grüße! ♥♥♥

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  2. Hallo Dana,

    ich hab von "untenrum frei" schon einiges gehört und es daher auch auf meine Wunschliste gesetzt.

    Hoffentlich bietet sich bald die Gelegenheit es mal zu lesen.

    Ich hatte letztes Jahr ein Sachbuchprojekt und hab mir vorgenommen, weiterhin viele Sachbücher (oder ggf. Biografien) zu lesen. Klappt leider aktuell nur semi gut, aber das wird auch wieder anders. Meine Wunschliste in dem Bereich ist lang :D

    Das andere Buch hört sich thematisch gut an, aber ich ganz ehrlich: Solche Bücher machen mich eher traurig und depressiv, daher ist das nicht unbedingt die richtige Lektüre für mich.

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Hallo liebe Julia,

      oh, dann hoffe ich, dass es bald bei dir einzieht, es hätte das auf jeden Fall verdient!

      Ich finde auch, Sachbücher erforden noch mal mehr Konzentration als Unterhaltungsliteratur, weswegen ich auch nicht immer in der Stimmung dafür bin. :x

      Kann ich absolut verstehen! Ich finde das Thema zwar super wichtig, aber hier zieht es doch auch schon etwas runter ...

      Liebe Grüße!

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