Freitag, 31. Juli 2020

Drei Bücher zu Alltagsrassismus in Deutschland

Ich muss gestehen, den Anstoß dafür, mich innerhalb kurzer Zeit mit drei Büchern Schwarzer Frauen zu Alltagsrassismus in Deutschland zu beschäftigen, hat auch erst die #blacklivesmatter-Bewegung gegeben. "Deutschland Schwarz Weiß" wollte ich zwar schon seit Ewigkeiten ausleihen, habe aber immer andere Bücher vorgeschoben. Bei den anderen beiden war ausschlaggebend, dass ich - dank entsprechendem Teilens auf Instagram durch #blacklivesmatter - herausgefunden habe, dass es die Hörbücher kostenlos auf Spotify gibt. Ich hör zwar sonst keine Hörbücher, dachte aber, es wär mal eine gute Möglichkeit, das zu ändern und mich unterwegs weiterzubilden.

Ich fühle mich nicht wirklich in der Lage, die Bücher zu bewerten. Es sind drei unterschiedliche, aber alle sehr wichtige Bücher, die eindeutig gelesen werden sollten, gerade auch von weißen Menschen - sowohl, wenn man sich bisher wenig mit Rassismus auseinandergesetzt hat, als auch, wenn man das schon etwas getan hat.
Ich will trotzdem ein paar kurze Worte verlieren, um die Sichtbarkeit zu stärken. Ich möchte aber auch allen drei Autorinnen meinen Dank und meinen Respekt dafür ausdrücken, dass sie ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen aufgeschrieben haben, um Weiße über Rassismus aufzuklären, obwohl das nicht ihr Job sein sollte.


Deutschland Schwarz Weiß ~ Noah Sow


Quelle
Ich habe es endlich mal geschafft, mir dieses Buch auszuleihen, und zwar in der Neuauflage von 2018. Die Autorin erklärt darin aus der Sicht als Betroffene und Aktivistin Alltagsrassismus in Deutschland, gerichtet an Weiße, ausgehend von Begrifflichkeiten hin zu Beispielen aus verschiedenen Bereichen des Alltags, die sehr anschaulich sind und oft auf sehr schockierende Weise zeigen, wo sich Rassismus im Alltag findet. Sie erklärt, wie der Rassismus funktioniert, was die Probleme der einzelnen Beispiele sind und macht die Thematik dadurch sehr nachvollziehbar deutlich - und auch, dass Deutschland definitiv ein Rassismusproblem hat.

Selbst wenn man sich vorher schon mit Rassismus auseinandergesetzt hat, bietet das Buch Anregungen, eigene Denkmuster zu hinterfragen und Rassismen zu entdecken, die bis dato einem selbst auch nicht aufgefallen sind. Zum Beispiel fand ich einige Erklärungen für Dinge, bei denen ich wusste, dass sie problematisch sind, aber nicht warum. Noah Sow arbeitet den Rassismus anschaulich heraus, spricht auch Abwehrmechanismen bei Weißen an und geht auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche ein.
Dabei ist ihr Schreibstil leicht zynisch und humorvoll, was dazu beiträgt, dass sich das Buch - trotz der ernsten Thematik, der wichtigen Kritik und den entsetzt stimmenden Erzählungen - flüssig lesen lässt.


Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen (aber wissen sollten) ~ Alice Hasters


Quelle
Dieses Buch habe ich als Hörbuch gehört, und obwohl ich mich sonst mit Hörbüchern schwertue, auch, weil ich schnell abschweife, kann ich an dieser Stelle Alice Hasters  Stimme nur sehr positiv hervorheben - es war definitiv sehr angenehm, ihr zu folgen. 
Die Autorin beschreibt Rassismus in verschiedenen Bereichen des Alltags vor allem anhand autobiographischer Erfahrungen, was dieses Buch von den anderen beiden unterscheidet. Sie legt dabei sehr viel, auch Persönliches und Verletzliches offen, wofür ich ihr nochmal meinen Respekt und auch meinen Dank aussprechen muss. Anhand dessen erklärt sie Rassismus und bestehende Konzepte, und stellt einen Bezug zur historischen Entwicklung her. Dabei greift sie auch oft auf die Erfahrungen anderer Schwarzer zurück.

Gerade aufgrund der detaillierten Beschreibungen war dieses Buch für mich emotional sehr aufwühlend, schockierend, wütend stimmend, aber auch eine Bewusstmachung dafür, wie oft ich mich ungewollt in rassistischen Denkmustern oder Verhaltensweisen wiederfinde.
Alice Hasters zeigt, was es bedeutet, als Schwarze Frau in Deutschland aufzuwachsen und nie so ganz dazuzugehören, was es für Freundschaften und Beziehungen bedeutet, für Rollenbilder und Medienrepräsentation, und wie sie immer wieder vor die Aufgabe gestellt wird, wie sie selbst damit umgehen soll, wenn ihr Rassismus begegnet. Das Buch ist berührend, erschütternd und vor allem auch unglaublich lehrreich.


Exit Racism ~ Tupoka Ogette


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Auch dieses Buch habe ich mir als Hörbuch abgehört. Es hat sich von den anderen darin unterschieden, dass es so ein bisschen wie ein Workshop aufgebaut ist. Erst gibt es Inputs, dann Fragen an die Hörer*innen, zu ihren eigenen Emotionen bei dem eben Gehörten oder Anstöße zur eigenen Reflexion, Verweise auf weiterführende Materialien auf der Website zu dem Buch und Auszüge aus Logbüchern ehemaliger Workshop-Teilnehmer*innen der Autorin, in denen sie ihre eigenen Gefühle und Ansichten reflektieren.

Das Buch ist eher basic, sehr verständnisvoll und beschäftigt sich auch viel damit, was es für weiße Menschen bedeutet, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen - das heißt, es beschreibt Phasen des Gekränktfühlens, Verleugnens, Schams etc. Tupoka Ogette erklärt einfach und nachvollziehbar die Grundkonzepte und man merkt ihr ihre Erfahrung dabei an, rassismuskritische Workshops zu geben und mit Weißen rassistische Strukturen zu dekonstruieren.
Ich habe das Hörbuch als letztes der drei Bücher gehört, tatsächlich eignet es sich aber vielleicht am ehesten als Einstieg, eben weil es vor allem darum geht, Grundkonzepte zu vermitteln, die bei den anderen Autorinnen zwar auch erklärt, aber meist schon weitergedacht werden.

4 Kommentare

  1. Huhu :)
    schön, dass du die Bücher nochmal vorstellst! Ich habe tatsächlich zwei davon im Regal stehen, habe sie aber auch als Hörbuch gehört, als ich festgestellt habe, dass es sie auf Spotify gibt :)
    Liebste Grüße
    Kat

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    1. Hey Kat,

      ich glaube, es waren die ersten Hörbücher seit Ewigkeiten, die ich überhaupt gehört habe, aber gerade unterwegs war es echt super. ^^

      Liebste Grüße!

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  2. Hallo Dana

    "Was wir weisse Menschen..." und "Exit Racism" habe ich vor kurzem auch beide als Hörbücher gehört, ausgelöst natürlich durch die Ereignisse in den USA, die mich einmal mehr sehr mitgenommen haben. Mir hat "Exit Racism" aber deutlich besser gefallen, weil ich viel mehr mitnehmen konnte, als bei Hasters Buch, das ich stellenweise als zu anprangernd und verallgemeinernd erlebt habe. "Deutschland Schwarz Weiss" kannte ich noch gar nicht, das schaue ich mir mal genauer an. Danke für den Tipp!

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo liebe Mel,

      oh, interessant, ich fand Hasters Buch teilweise eindrücklicher durch die persönlichen Bezug, aber letztendlich fand ich beide gut. ^^

      Liebe Grüße!

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