Donnerstag, 23. Juli 2020

[Reihenvorstellung] All for the Game

Autorin: Nora Sakavic
Verlag: selfpublished
Erscheinungsdatum: 2013/14
E-Book
(Taschenbuch)



The Foxhole Court


Band 1
241 Seiten



The Raven King


Band 2
321 Seiten


The King's Men


Band 3
401 Seiten






TW: Graphische Darstellung von Gewalt, körperlicher Missbrauch, psychologischer Missbrauch, sexualisierter Missbrauch, Vergewaltigung, Alkoholmissbrauch, Drogenmissbrauch, Sucht, PTBS, Selbstverletzung, Suizid, Folter, Tod, Tod nahestehender Personen, Homophobie, Androhung von corrective rape, Ableismus [keine Gewähr auf Vollständigkeit]



Inhalt:

Auf der Flucht vor seinem Vater ist Neil nie länger als ein Jahr irgendwo, bevor er wieder abhaut und den Namen wechselt. Als er die Chance erhält, bei der Exy-Menschaft der Palmetto State University zu unterzeichnen, weiß er, dass er das nicht tun sollte. Zu gefährlich ist es, erkannt zu werden, vor allem, da er einen Teamkameraden von früher kennt. Und doch schafft es Neil nicht, dieser Chance den Rücken zuzukehren.



Meine Erwartung:

Die Reihe wird teilweise extrem gehypt, und dann hat mir eine Freundin so lange davon vorgeschwärmt, bis ich sie endlich gelesen habe. Den ersten Band gibt es kostenlos als E-Book, was es einfacher machte, es sich herunterladen (Funfact am Rande: obwohl ich normalerweise keine E-Books lese, habe ich diese Reihe komplett als solche gelesen), zumal ich die endgültige Motivation dann dadurch erhalten habe, dass Kat mich gefragt hat, ob wir das Buch gemeinsam lesen wollen.

Meine Meinung:

Wie kann etwas so Düsteres und Kaputtes denn bitte so abhängig machen? Die Geschichte und die Charaktere sind dunkel, toxisch, dysfunktional, brutal und problematisch, aber es ist wie ein dunkler Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Und die Geschichte ist bewusst so. Umso mehr bin ich eigentlich sauer, dass es keine Triggerwarnung gibt, weil wir ihr oben meiner Contentwarnung entnehmen könnt, ist so ziemlich alles an kritischen Themen enthalten.

Es geht um menschliche Abgründe, denn alle Foxes in Neils neuer Mannschaft haben einen schwierigen Hintergrund und gelernt, dass das Leben vieles ist, aber fair ganz bestimmt nicht. Sie gelten als die Underdogs ohne jegliche Chance in der Liga, hassen sich teilweise untereinander und verhalten sich toxisch, sind auf der anderen Seite aber auch talentiert.
Dass Neil sich vor seinem Vater versteckt, der gelegentlich gerne Leute in Stücke schneidet, ist dann die andere Seite der Medaille und vermittelt eine Ahnung davon, welche Themen noch in den Büchern auftauchen könnte. Denn sich ins Rampenlicht zu stellen, ist eigentlich das letzte, was Neil tun sollte.

Vor allem aber dreht sich die Geschichte sehr viel um Exy, eine erfundene Sportart, die irgendwas zwischen Lacrosse und einer handfesten Prügelei ist. (Übrigens ohne Geschlechtertrennung, I like.) Spielverläufe werden gerne mal auch etwas ausführlicher beschrieben, im zweiten Band ist aber immerhin hinten eine Übersicht mit den Regeln enthalten, auch wenn es bei mir etwas gedauert hat, um mir ein Bild von diesem doch eher brutalen Sport zu machen, der für Neil alles bedeutet.
Brutal ist die Geschichte sowieso, denn auch unter den Foxes wird jedes Problem mit Gewalt geklärt, heißt, schon für einen falschen Blick kann man eine Faust ins Gesicht bekommen. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, mit Sicherheit nicht unproblematisch, kann aber irgendwann leichte Züge von schwarzem Humor dank Situationskomik entwickeln.

Die Charaktere verhalten sich nicht immer unproblematisch, was durchaus gewollt ist, viele von ihnen haben ernsthafte psychische Probleme, manipulieren sich gegenseitig, bedrohen sich und bewegen sich in einem ganz eigenen Raum der Machtaushandlung. Die Interaktionen werden in den Fortsetzungen besser, und bei den ganzen Themen ist es fast überraschend, dass es dann irgendwann auch um Hoffnung, Freundschaft und Zusammenhalt geht. Auf unkonventionelle Weise, aber immerhin.
Die oft komplexen und vielschichtigen Beziehungen zwischen den Charakteren sind oft faszinierend und man braucht ein bisschen, um einen Einblick in sie zu bekommen. Ebenso vielschichtig und faszinierend sind oft die Charaktere selbst - ebenso wie ihre Entwicklung. Besonders Andrew, der anfangs vor allem wie ein sadistischer, manipulativer und dank gerichtlich verschriebenem Pillenkonsums durchgehend manischer Psychopath rüberkommt.

Den Protagonisten Neil habe ich zwischendurch so beschrieben: 80% der Zeit verhält er sich wie ein kleiner Volltrottel, und die anderen 20% lächelt er irgendjemanden sadistisch an. Wirkt er anfangs noch wie jemand, dessen ganzes Ziel Überleben ist, fragt man sich irgendwann, ob er einfach nur nicht nachdenkt oder schlichtweg lebensmüde ist. 
Mal handelt er kalkulierend und herausfordernd, mal so impulsiv, dass man ihn verzweifelt fragen will, ob er wirklich nicht an seinem Leben hängt. Dabei schafft er das Kunststück, dass sein Verhalten kaum anstrengend ist, im Gegenteil, man muss ihn irgendwie gernhaben. Er navigiert sich durch ein Netz an Lügen, um seine Identität geheimzuhalten, und findet doch zum ersten Mal einen Platz, an dem er aufgenommen wird.

Für die oft erwähnte male/male-Love Story muss man sich allerdings sehr lange gedulden. Im ersten Band befindetet sie sich jedenfalls noch in weiter Ferne. Ich gebe zu, ich war bei dem Rest ein wenig überrascht, was für einen hohen Stellenwert Consent dabei hat - aber definitiv positiv überrascht.

Ansonsten bin ich immer noch fasziniert davon, wie unfassbar süchtig diese düstere, toxische und brutale Story gemacht hat - quasi so wie die Drogen, die die Charaktere nehmen. Wenn ich sage, dass ich mich nur schwer losreißen konnte, meine ich, dass ich die komplette Reihe innerhalb weniger Tage quasi verschlungen habe und absolut bereit war, Essen und Schlafen dafür hinten anzustellen. Ich konnte mich gar nicht davon trennen, selbst wenn ich es gewollt hätte.
Unerwartete Plottwists und eine konstant hohe Spannung hatten da mit Sicherheit ihren Anteil dran, und war ich am Anfang noch skeptisch, weil es sich um eine Trilogie handelt, hätte ich am Ende gerne noch mehr gehabt. Und auch danach hat sie mich nicht losgelassen, sodass ich sie am liebsten direkt nochmal gelesen hätte.

Fazit: Eine düstere, brutale Story mit dysfunktionalen, aber auch sehr tiefgründigen Charakteren mit vielen Problemen und viel Gewalt, die trotzdem abhängig macht und in einen dunklen Sog zieht, dem ich mich nur schwer entziehen konnte.

8 Kommentare

  1. Huhu :)
    Oh man, ich kann einfach genau nachvollziehen, was du da beschreibst. Mir geht es ganz genauso, mit allem :D Ich bin so froh, dass ich die Reihe endlich gelesen habe. Und jetzt bekomme ich richtig Lust, alles einfach nochmal zu lesen :D
    Liebste Grüße
    Kat

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    1. Hey Kat,

      das .... beruhigt mich? Weil ich nicht alleine dastehe? :D Und ja, ich hab auch dauernd Lust, sie nochmal zu lesen. xD

      Liebste Grüße und danke nochmal für den Buddy Read! ♥

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  2. Ahhh, ich bin so glücklich :D es freut mich ein bisschen, dass es dir genauso ging wie mir damals und beim zweiten Lesen eigentlich auch 🤷🏽 (und es lohnt sich sehr, sie nochmal zu lesen, weil es so viele Anspielungen gibt, die man erst später versteht).

    Ich habe die Bücher auch einfach komplett inhaliert, obwohl ich gar keine Zeit hatte und war noch monatelang komplett besessen von der Geschichte ngl. Also danke fürs Erinnern, warum sie zu einer meiner absoluten Lieblingsreihen gehört :D und jetzt habe ich Lust sie zum dritten Mal zu lesen :D

    Alles Liebe
    Aileen

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    1. Hallo liebe Aileen,

      ich glaube, bei dir habe ich die Reihe tatsächlich auch das erste Mal gesehen. :D Und haha, ich bin super fasziniert, dass alle, von denen ich weiß, dass sie diese Reihe gelesen habe, in etwa dasselbe Leseerlebnis hatten ... ich hatte eigentlich auch keine Zeit zum Lesen, aber ich habe spontan beschlossen, dass es nichts wichtigeres als diese Geschichte gibt. xD Und besessen bin ich gefühlt immer noch. :D
      Und jaa, am liebsten würde ich sie direkt nochmal lesen, weil jaa, es gibt so viele Anspielungen .... eines Tages. Wenn ich mehr Zeit habe. xD

      Aber es freut ich so sehr, dass es dir genauso geht! <3

      Alles Liebe ♥

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  3. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, jeweils etwa ein halbes Jahr zwischen den Büchern verstreichen zu lassen. Ich hatte mir wie du den ersten als gratis eBook heruntergeladen und dann auch relativ schnell die anderen beiden als eBook gekauft. Und alle als Taschenbuch noch bevor ich Band 3 beendet hatte ^^

    Süchtig machen sie auf jeden Fall! Für mich ist da auch eindeutig Exy dran Schuld, die Intensität des Sports hat mich häufig an Eishockey erinnert, wovon ich sowieso ein großer Fan bin. Aber auch die Beziehungen und da vor allem die Unterschiede zwischen den Upperclassmen und Andrews Leuten.

    Leider ist es mir nie so ganz gelungen, in die Story einzutauchen, hatte aber auch nicht mehr so ganz das Gefühl, noch mit beiden Beinen in der realen Welt zu stehen, irgendwas dazwischen halt. Und als Person, die sich nie die Namen der Charaktere in einem Buch merkt, habe ich ewig gebraucht, die ganzen kurzen Namen, von denen sich auch noch gefühlt die Hälfte die Anfangsbuchstaben teilt, auseinanderzuhalten :D

    Aber trotzdem versuche ich immer mehr Menschen zu diesen Büchern zu überreden, damit ich irgendwen zum Fangirlen habe :D

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    1. Ohh, es freut michs sehr, dass du es gelesen hast und es auch mochtest! *o*
      Und ich bin jetzt auch ein bisschen beeindruckt davon, dass du zwischen den Bänden ein halbes Jahr Pause gemacht hast, ich habe das nächste E-Book immer direkt runtergeladen. :O (Und überlege jetzt, mir auch noch die Taschenbücher zuzulegen. xD)

      Exy habe ich tatsächlich sehr lange nicht greifen können. xD Mich haben vor allem die Charaktere und Beziehungen in den Bann gerissen, obwohl ich dir zustimme, dass der Sport einen sehr eigenen Flair hat. ^^

      Schade aber, dass es dich nicht hundertrpozentig überzeugen konnte. :x
      Aber ich versuch auch schon die ganze Zeit (und tatsächlich sogar ein wneig erfolgreich xD), anderen Menschen die Bücher anzudrehen. :D

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    2. es gibt ganz wunderbare fan-art zu exy bei Tumblr & co, das hat sehr dabei geholfen, sich das doch eher ungewöhnliche Spielfeld vorzustellen.

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    3. Stimmt, Fan-Art hat mir bei der Vorstellung auch sehr geholfen. :D

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